Mit dem Fahrrad durch Botswana

 

Teil: 1

 

Botswana

 

Botswana ist ein Binnenland im südlichen Afrika das für seine atemberaubende Wildnis, erstklassige Safaris und politische Stabilität bekannt ist. Es beherbergt die Kalahari und das berühmte Okavango-Delta. Das Land gehört zu den führenden Diamantenproduzenten der Welt und ist mit nur circa 2,6 Millionen Menschen, sehr dünn besiedelt. 

Politisch gilt Botswana als eine der ältesten und stabilsten Demokratien in Afrika.

Wirtschaftlich durchläuft das Land 2026 jedoch eine kritische Phase nach starken Einbrüchen, aufgrund der Schwäche des globalen Diamantenmarktes. Der Staat strebt daher dringend eine Diversifizierung an, um nicht vom Bergbau abhängig zu sein.

 

 

Flug von Maputo nach Gaborone - 17. Juni 2026

 

Mit dem Flugzeug von Maputo (Mosambik) nach Gaborone (Botswana)

 

Beim Zwischenstopp in Johannesburg (Südafrika) wurde ich wieder mit dem Konsum und Überfluss in den Auslagen der Geschäfte konfrontiert. In den Läden des Airports, wurden sogar echte Zebra-Felle zum Verkauf angeboten. 

 

Auf dem Anschlussflug nach Gaborone (Botswana) herrschte eine ausgelassene Stimmung, denn im Flieger befanden sich jede Menge gut gelaunter Sportler, die zuvor an dem berühmten Ultramarathon, der zwischen Durban und Pietermaritzburg in Südafrika ausgetragen wird, teilgenommen hatten und nun übermütig und voller Glückshormone im Flugzeug Party machten.

Im Landeanflug auf Gaborone, sah ich gespannt, neugierig und mit Vorfreude aus dem Fenster, denn das nächste Abenteuer auf dem Rad stand bevor. 

 

By the way: Der Comrades Marathon ist der älteste und teilnehmerstärkste Ultramarathon der Welt und führt über eine Distanz von etwa 85 km bis 89 km (je nach Richtung, die jährlich wechselt). 

 

 

Zwischenstopp in Johannesburg (Südafrika).

In den Shops auf dem Flughafen, wurden echte Zebra-Felle verkauft.

 

Gaborone 18. - 21. Juni 2026

 

Ankunft in der Hauptstadt Botswanas

 

In Gaborone fand ich eine günstige Unterkunft in der Nähe des Flughafens. Ich verbrachte einige Tage in der Hauptstadt Botswanas, um mich etwas auszukurieren und mich auf die Tour durch die Kalahari vorzubereiten.

 

Während in Maputo (Mosambik) tropische Hitze herrschte, war es in Gaborone (Botswana) nun winterlich kalt. Bei meiner Ankunft lagen die Temperaturen des Nachts, um die 7 bis 8 und am Tage bei 16 Grad. Noch dazu gab es zwei Tage Dauerregen. Ich fror jämmerlich und musste mich auf das unangenehme kühle Klima erst einmal einstellen. 

 

Gaborone ist eine moderne und überraschend ruhige Hauptstadt, mit viel Raum. Als wirtschaftliches Herz Botswanas verbindet die Stadt afrikanische Traditionen mit westlichen Standards. Auf den Straßen sah man kaum Radfahrer oder Fußgänger, nur Autos. Alles war entspannt und ohne Hektik. Das Fahrradfahren machte deshalb selbst in der Hauptstadt viel Spaß. 

 

Gaborone hat einige große Konsumtempel zu bieten. Um ein paar Erledigungen zu machen, radelte ich zu dem riesigen Airport Junction Shopping Centre. Wieder einmal stand ich völlig überfordert vor dem Überfluss in den Geschäften, denn der grenzenlose Konsum in Botswana stand in einem krassen Kontrast zu der Armut in Mosambik. Doch auch hier schienen die Menschen dadurch nicht freundlicher oder glücklicher zu werden. Die Leute in Gaborone waren relativ kühl, distanziert und grüßten kaum noch. Eine Mentalität, die mich doch sehr an zu Hause erinnerte. 

 

Die Häuser in den Wohngebieten der Hauptstadt glichen mit ihren Elektrozäunen Hochsicherheitstrakten, in denen der private Reichtum anscheinend bewacht werden musste. Mir wurde angeraten, im dunkeln nicht mehr vor die Tür zu gehen, da es nicht sicher wäre.

 

Mitte: Mit dem Fahrrad unterwegs in Gaborone.

rechts und links: fröstelnd im Airport Junction Shopping Centre

 

Aufbruch zum Abenteuer durch Botswana! 

Oder war ich vielleicht doch in Neuseeland?

 

Von Gaborone nach Lobatse - 22. Juni 2026

 

Los geht’s…

 

Gegen 8:00 Uhr saß ich in Gaborone auf dem Rad und kurbelte vorerst durch die Stadt, um zum anderen Ende zu gelangen und anschließend weiter in Richtung Süden und Kalahari-Halbwüste zu fahren. Ich war super neugierig und sehr gespannt auf das Land Botswana. 

Der Himmel war an diesem Tag nach wie vor grau und wolkenverhangen. Doch immerhin regnete es nicht mehr in Strömen, so wie an den Tagen zuvor. 

In Shorts und einer warmen Jacke bekleidet, radelte ich durch den feuchten Nieselregen, bei gerade mal 10 Grad. Mir war klar, dass der Winter auf der Südhalbkugel nun Einzug gehalten hatte. Doch mit dieser Kälte und diesem feuchtkalten Wetter, dass vergleichbar mit dem Wetter im November bei uns in Deutschland war, hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Zumal das tropische Mosambik, aus dem ich gerade kam, gerade mal 800 Kilometer Luftlinie entfernt war. 

 

Als ich das andere Ende der Stadt erreicht hatte, ließ ich mich in einem Restaurant nieder, um mich aufzuwärmen und um etwas zu frühstücken. Anschließend radelte ich weiter. Auf einer prima Straße, mit einem breitem Seitenstreifen, fuhr ich durch eine hübsche, nebelverhangene Berglandschaft. Immer wieder überquerte ich dabei kleine Brücken, die über wilde Flüsse führten. Doch war ich wirklich in Botswana und nicht doch in Neuseeland? Innerlich musste ich schmunzeln. Es war Juni und trotzdem ich hatte das Gefühl, Weihnachten würde vor der Tür stehen. Mit dem kalten, unbeständigen Wetter, stand ich nun also vor einer neuen großen Herausforderung.

 

Als ich am Mittag an einem Fluss stoppte, um die hübsche Landschaft zu fotografieren, hielt auf dem Highway vor mir ein Geländewagen. Der Fahrer, ein älterer, weißer Mann, stieg aus dem Wagen und fragte mich, ob alles in Ordnung sei. Nachdem ich ihm kichernd erklärt hatte, dass ich nur fotografierte, kamen wir am Straßenrand ins Gespräch. Greg war gebürtiger Engländer und lebte mit seiner Frau schon seit 1968 in Botswana. Er entschuldigte sich bei mir für das schlechte Wetter und sagte, dass dieses alles andere als normal war, denn zu dieser Jahreszeit würde es normalerweise überhaupt nicht regnen und auch die Temperaturen wären viel zu niedrig. Ein klares Indiz für den weltweiten Klimawandel! 

 

Als ich die Stadt Lobatse am späten Nachmittag erreichte, ging die Sonne hinter den dicken, grauen Wolken allmählich unter. Fröstelnd sah ich mich nach einer Unterkunft um, obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte den Campingplatz aufzusuchen. Doch wer hat im November schon Bock zu zelten? Durchgefroren bezog ich deshalb für die Nacht ein kleines Apartment, mit einem Ölradiator und war glücklich über das heiße Wasser zum Duschen. Den Abend verbrachte ich mit etlichen Tassen Tee am warmen Heizkörper. 

 

So wie in den ersten Tagen nach meiner Ankunft, hatte ich mir Botswana eigentlich nicht vorgestellt. Tatsächlich dachte ich manchmal, ich wäre versehentlich in Neuseeland gelandet und Weihnachten würde vor der Tür stehen..

 

Trans Kalahari Highway - Radtag Nr.: 1 -  23. Juni 2026

 

Von Lobatse nach Kanye

 

Am Morgen war es wieder mächtig kalt. Doch zum Glück hatte ich noch ein Dach über dem Kopf und konnte den Ölradiator gleich wieder in Betrieb nehmen. Meinen morgendlichen Kaffee schlürfte ich gemütlich an diesem kleinen, heimeligen, warmen Heizkörper. Doch in der Kalahari würden bald bitterkalte Nächte im Zelt auf mich warten. 

Während es draußen mal wieder regnete, was für diese Jahreszeit mehr als ungewöhnlich war, packte ich meine sieben Sachen zusammen. Nachdem ich startklar war, öffnete ich die Tür. Während ich skeptisch in den wolkenverhangen Himmel blickte, wurde ich von meiner netten Gastgeberin Marcy beobachtet. Sie sah mich an und lachte. Vor dem Haus kamen wir ins Gespräch. Marcy war 70 Jahre alt und kam gebürtig aus Lobatse. Auf dem Grundstück lebte sie in einem alten Haus, welches ein Relikt aus der Kolonialzeit war. Es gehörte früher zum naheliegenden Krankenhaus. 

Die nette Marcy war sehr redebedürftig und erzählte mir, dass ihr erster Mann Engländer war und ihre Tochter mit einem ihrer Enkel in London lebt und ihr Sohn mit einem anderen Enkel in Südafrika. Nebenbei blickten wir immer wieder fröstelnd und skeptisch in den Himmel. Auch Marcy bestätigte mir, dass das nasse Wetter nicht normal war. In ihren 70 Jahren hatte sie nicht erlebt, dass es im Juni regnete. 

 

Nachdem der Regen nachgelassen hatte, verabschiedete ich mich von Marcy und machte ich mich auf den Weg. Innerlich musste ich wieder schmunzeln, denn in der hübschen, nebelverhangenen, bergigen Umgebung, mit den kleinen Häusern und der Eisenbahn hatte ich den Eindruck, ich wäre im Thüringer Wald und nicht in Afrika.

An einem Einkaufszentrum im Ort, legte ich nochmal einen kurzen Stopp ein, um zu frühstücken. Doch danach ging es endlich los. Gestärkt radelte ich nun in Richtung Trans Kalahari Highway. Als ich die Kreuzung zum Trans Kalahari Highway erreicht hatte, kam die Sonne wie auf Knopfdruck heraus und schien vom blauen Himmel. Ich pellte mich glücklich aus und verstaute die warmen Sachen wieder in meinen Taschen. Bekleidet in T-Shirt und Short ging es nun weiter. Kalahari ich komme…

 

Happy Radmieze!

Trans Kalahari Highway ich komme...

Der Trans-Kalahari-Highway ist eine 1.900 km lange Straße die Namibia, Botswana und Südafrika verbindet. Insgesamt 762 km verlaufen durch das Land Botswana. Die Route über den Highway ist eine beeindruckende, jedoch auch anspruchsvolle Strecke. Die Durchquerung der Kalahari-Wüste mit dem Fahrrad erfordert aufgrund der enormen Distanzen, der klimatischen Bedingungen und der wilden Tiere eine sehr präzise Planung. Wegen der enormen Hitze (je nach Jahreszeit) und der Weite, müssen auf einigen Abschnitten große Mengen an Wasser und Nahrung für mehrere Tage mitgeführt werden. Zudem kann es in der Kalahari jederzeit zu Begegnungen mit Wildtieren kommen. Deshalb wird von freiem Wildcamping eher abgeraten. Doch offizielle Unterkünfte und Lodges liegen meist weit auseinander, sodass man als Radfahrer gar keine andere Chance hat, als wild zu campen. 

Eine weitere Herausforderung auf dem Trans Kalahari Highway ist der Wind. Auf der Strecke durch die Halbwüste, kann er unerbittlich sein. Da ich von Südosten nach Nordwesten unterwegs war, hatte ich in den Wintermonaten (Mai bis August) mit einem starken Seiten- und Gegenwind zu rechnen. 

 

Diese Karte zeigt die Route des Trans Kalahari Highways.

 

Die Kalahari 

 

Den größten Teil von Botswana, bedeckt die Kalahari. Genau genommen ist die Kalahari jedoch keine Wüste, sondern eine Halbwüste oder Dornstrauchsavanne, denn es gibt hier mehr Regen als in einer "richtigen" Wüste, wie beispielsweise  in der Sahara. So wachsen in der Kalahari auch Pflanzen wie Akazien, verschiedene Buscharten und Steppengräser. Eine Besonderheit der Kalahari ist das Delta des Okavango-Flusses.

 

Diese Karte zeigt die enorme Größe und die Grenzen der Kalahari.

 

Neugierig, ehrfürchtig und auch etwas ängstlich, radelte ich nun auf dem Trans Kalahari Highway entlang und war gespannt was mich erwarten würde. Es war das Abenteuer auf das ich mich schon jahrelang gefreut hatte und auf das ich hoffentlich gut vorbereitet war. 

 

Immer wieder hielten an diesem Tag neben oder vor mir Autos mit neugierigen, redseligen und gut gelaunten Insassen, die mich zum anhalten bewegten, um mir tausend Fragen zu stellen und diese im Anschluss mit einigen Selfies zu besiegeln. Ich machte dieses Spiel gute vier mal mit, doch dann begann ich die winkenden Autofahrer mit Kopfhörern in den Ohren zu ignorieren, damit ich voran kam. Denn irgendwann wollte auch ich mein Tagesziel erreichen, zumal es nun wieder seicht aber stetig bergauf ging. Der Wind blies wie versprochen von der Seite und von vorn, hielt sich jedoch noch sehr in Grenzen. 

 

Kurz vor der Stadt Kanye, kämpfte ich einen kilometerlangen, fetten Anstieg nach oben. Zur Belohnung bekam ich einen fantastischen Blick über die Savanne, im goldenen Sonnenlicht des Nachmittags. Knülle und ausgepowert erreichte ich die Stadt und suchte nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Etwas außerhalb von Kanye entdeckte ich eine Lodge mit Campingplatz. Ich sah mich auf dem riesigen Gelände um, doch niemand schien vor Ort zu sein. Ich rief laut über das Gehöft, bekam jedoch keine Antwort. Da das Gras hoch stand, der Pool nicht gereinigt und einige Stühle umgekippt waren nahm ich an, dass die Lodge im Winter nicht betrieben wurde. Also stellte ich im warmen Licht der untergehenden Sonne mein Zelt einfach auf der Wiese auf. Da ich jedoch unbedingt meine Geräte laden musste, sah ich mich nach einer Steckdose um. Ich lief das gesamte einsame Gelände ab, doch keine der Steckdosen funktionierte. Dann rüttelte ich auf gut Glück an einer der Zimmertüren und war freudig überrascht, als diese nicht verschlossen war. Doch dann erschrak ich fast zu Tode, denn in dem Zimmer stand ein junger Mann, der mindestens genauso erschrocken war wie ich. 

Beschämt zog der junge Mann sich schnell einen Pullover über und hieß mich willkommen. Der nette Boo war der Betreuer der Lodge und legte sich nun mächtig für mich ins Zeug. Er führte mich nochmal über das gesamte Gelände und erklärte mir entschuldigend, dass es hier im Winter keine Gäste gab und deshalb alles etwas ungepflegt aussah. Boo kam eigentlich aus dem Okavango-Delta im Norden und hatte eine Frau und vier Kinder die weit weg lebten. 

Boo hütete die Lodge schon seit drei Monaten und war deshalb ziemlich einsam und redebedürftig. Er freute sich enorm über meinen Besuch. 

Schnell richtete er in einem der Zimmer das Bad her, damit ich dort Duschen konnte. Ganz zufällig feierte Boo an diesem Tag seinen 43. Geburtstag. Als es dunkel wurde, entfachte er für uns ein wärmendes und gemütliches Lagerfeuer. Es wurde ein unerwartet schöner Abend, zudem sich auch eine nette Freundin von Boo gesellte, die aus Maun zu Besuch war. Unter dem sternenklaren Himmel blickten wir zu dritt lange ins Feuer. 

 

Fröhliche Verabschiedung von Boo und seiner Freundin. 

 

Trans Kalahari Highway - Radtag Nr : 2 -  24. Juni 2026

 

Von Kanye nach Jwaneng 

 

Die Nacht im Zelt, auf dem Gelände des Resorts, war super kalt. Gegen 3 Uhr war ich frierend aufgewacht und musste mich wärmer anziehen. 

Am Morgen war das Zelt pitschnass und das Equipment feucht. Ich wartete deshalb auf die wärmende Sonne, um die Sachen zu trocknen. Boo entfachte währenddessen nochmal ein Feuer. Nachdem ich alles zusammengepackt hatte, verabschiedete ich mich von Boo und seiner Freundin und kämpfte ich mich die 3,5 Kilometer zurück nach Kanye und auf ein Plateau hinauf. Es wurde wieder ein herrlich schöner Radtag. Entlang des Trans Kalahari Highways gab es viele hübsche Rinder, Ziegen und Esel.

 

Am Nachmittag erreichte ich gegen 16:00 Uhr die Minenstadt Jwaneng. Die Stadt entstand rund um eine Diamantenmine, die als eine der reichsten der Welt gilt. Auf Anhieb war mir Jwaneng sympathisch. Die Stadt war spürbar reicher als die anderen Orte auf der Strecke und hatte sogar einen eigenen Flughafen. 

 

Auf dem Trans Kalahari Highway befand ich mich oft in herrlicher Einsamkeit.

Ich liebte die Ruhe in der Natur.

Trans Kalahari Highway - Radtag Nr.: 3-  25. Juni 2026

 

Von Jwaneng zu einem Wildcampingplatz bei Mabutsane

 

Da es in Jwaneng das letzte Fastfood-Restaurant für die nächsten 740 Kilometer gab, ging ich an diesem Morgen nochmal schön beim KFC frühstücken. Gut gestärkt und mit einer zusätzlichen Tüte „Take Away“ in den Taschen, machte ich mich wieder auf den Weg und kurbelte weiter auf dem Trans Kalahari Highway entlang. 

 

Das letzte Fastfood-Restaurant für viele hundert Kilometer.

Deshalb gönnte ich mir ein opulentes Frühstück beim KFC.

 

 

Am Ortsausgang der Stadt waren ein riesiges Minenfahrzeug und unechter Diamant ausgestellt. Ich hielt nochmal an, um mir den Mega-Minen-Laster aus der Nähe anzusehen. Zeitverloren bummelte ich in der interessanten Umgebung umher, obwohl es schon 11:00 Uhr war und noch circa 130 Kilometer auf dem Tagesprogramm standen. Doch ich genoß einfach meine Zeit und ganz in der Not konnte ich ja immer irgendwo mein Zelt aufstellen. Diese Freiheit zu haben, war ein tolles Gefühl!

 

Am Ortsausgang der Minenstadt Jwaneng. 

Vor dem Mega-Minen-Laster kam ich mir sehr klein vor...

 

Obwohl das Land flach wirkte, ging es auf der Tagesetappe fast den gesamten ganz seicht bergauf. Doch ich hörte Musik, gab Gas und hatte Spaß. Bei circa 24 Grad am Tag, war das Wetter inzwischen wieder angenehm warm. Die Landschaft um mich herum war wirklich schön. Hohes, goldgelbes Gras, säumte den Straßenrand. Entlang des Highways gab nun immer weniger Ortschaften, Farmen und Zäune, dafür aber viele Rinder, Esel, Pferde und Ziegen, die neben dem Highway grasten.  

 

Ich liebte das warme Licht und die goldgelben Gräser in der Halbwüste.

 

 

In dem warmen Licht des Sonnenuntergangs, erreichte ich kurz vor 18 Uhr Mabutsane. In dem Dorf wollte ich ein Guest House aufsuchen und freute mich deshalb schon auf warme Dusche. Doch als ich den Weg erblickte, der noch einige Kilometer zu dem Gästehaus führte, war ich überrascht und entsetzt zugleich, denn er führte durch tiefen Sand durch das Buschland. 

 

Bei diesem Weg, der noch einige Kilometer zum Guesthouse führte,

kapitulierte ich und stellte mein Zelt stattdessen im Busch auf. Dusche ade...

 

Da es schon fast dunkel war und ich keine Energie mehr hatte, beschloss ich kurzerhand mein Zelt zwischen den Büschen aufzustellen. Am Ende war dies eine prima Entscheidung, denn der Platz in der Natur war traumhaft schön. Nach Einbruch der Dunkelheit zog ich mich aus, um mich mit etwas Wasser aus der Flasche zu waschen. Danach hüpfte ich schnell ins Zelt, denn schließlich wollte ich in der Kalahari keinem Löwen begegnen! Als ich in der Ferne wieder die Glocken einiger Rinder läuten hörte, gab mir das jedoch ein gutes und beruhigendes Gefühl. Knülle und selig schlief ich warm eingepackt in meinem Schlafsack unter dem Sternenhimmel ein.

 

 Trans Kalahari Highway - Radtag Nr.: 4 - 26. Juni 2026

 

Vom Wildcampingplatz bei Mabutsane zu einem weiteren Wildcampingplatz circa 30 Kilometer vor Kang

 

Auf meinem Wildcampingplatz hatte ich prima geschlafen. Zwar wurde es in der Nacht wieder sehr kalt, doch nicht so extrem wie in den Nächten zuvor. Da die Sonne zu dieser Jahreszeit erst gegen 7.00 Uhr aufging und es in der Halbwüste eine Weile dauerte bis die Temperaturen stiegen, blieb morgens nicht genug Zeit um das Zelt zu trocknen. In der Regel packte ich es deshalb feucht oder nass ein.

 

In der Kalahari sah ich viele hübsche Vögel.

 

Fotos: Der Südliche Gelbschnabeltoko gehört zu den Nashornvögeln. Wegen seines Aussehens wird er in Namibia „Flying Banana“ genannt. Er kann nicht singen und verständigt sich mit einem lauten abgehackten Wuk-Wuk-Wuk.

 

Am Rande des Highways sah ich jedoch auch viele tote Vögel...

 

Die Stecke führte an diesem Tag wieder durch das flache Land der Kalahari. Auf dem Highway war nicht viel los und der Wind hielt sich in Grenzen. Auf dem Fahrrad konnte ich meine Gedanken schweifen lassen und die Schönheit der wunderbaren, einsamen Halbwüste genießen. Ich hielt des Öfteren an, um Pflanzen, Sträucher und Gräser aus der Nähe zu betrachten und Ausschau nach Tieren zu halten.

 

Zuvor hatte ich gelesen, dass die Kalahari unfruchtbar sei. Doch diese Definition ist der Halbwüste alles andere als gerecht. Sicherlich kann man in der Savanne der Kalahari nur bedingt Ackerbau betreiben, doch sie ist mit ihren wunderbaren Sträuchern und Gräsern, ein fruchtbares Wunder der Natur! 

 

Radmieze mit guter Laune, inmitten der Kalahari.

 

Zeitverloren genoss ich den Tag auf dem Rad durch die Halbwüste, als ich dicht am Straßenrand plötzlich einen jungen Greifvogel entdeckte, der nicht vor mir davon flog. Ich stoppte abrupt und parkte mein Fahrrad neben der Piste. Ich lief zurück, um mir den hübschen Vogel mit den gelben Beinchen anzusehen. Das arme Kerlchen schien krank zu sein. Eines seiner Augen war geschwollen, sodass er es nicht öffnen konnte. Eingekuschelt in sein dickes Gefieder, kauerte der kleine Vogel auf dem Boden und sagte keinen Piep. Ich überlegte was ich mit dem kleinen Matz machen sollte, denn er tat mir ziemlich leid. Ich erinnerte mich an Australien, als Elli und ich eine kleine Babyziege im einsamen Outback fanden, die mutterseelenallein unter einem Strauch im Schatten kauerte. Wir hielten damals ein Fahrzeug an und baten den Fahrer die kleine Ziege auf einer Farm im nächsten Ort namens Pimba abzugeben. Wir tauften die kleine Ziege deshalb auf den Namen Pimba. 

Doch hier in der Kalahari jetzt ein Auto wegen eines Vogels anzuhalten? Die Leute würden mich sicherlich für verrückt erklären... Bis zum nächsten Kaff waren rund 100 Kilometer zu Radeln. Kurzzeitig dachte ich darüber nach, den Vogel bis dorthin mitzunehmen. Doch zum einen wusste ich nicht, ob es in dem kleinen Kaff, dass sich mehr oder weniger im Nirgendwo befand, einen Tierarzt geben würde und zum anderen wären 100 Kilometer holprige Fahrt in der Radtasche für einen kranken Vogel wohl eine große Strapaze. Und würde der Vogel nicht vielleicht sowieso sterben? Ich kam deshalb zu dem Entschluss, dass es besser war den Vogel seinem Schicksal zu überlassen. Ich stellte dem kleinen kranken Piep etwas Wasser und ein Stück Hühnchen vor den Schnabel, doch er machte keine Anstalten etwas zu futtern oder zu trinken. Schweren Herzens stieg ich wieder auf mein Rad und fuhr weiter. Einen Kilometer später holte mich das schlechte Gewissen ein und ich drehte um. Während ich zurückfuhr dachte nochmals ich über meine Optionen nach und kam erneut zu dem Schluss, dass es besser war den Vogel seinem Schicksal zu überlassen. Diese Spiel wiederholte ich noch ganze zwei Mal, bis ich den Vogel mit einem Kloß im Hals, wirklich zurückließ und in Richtung Westen weiterradelte. Ich konnte den kleinen Vogel jedoch so schnell nicht vergessen. Es sind eben die kleinen Geschichten am Rande der Straße, die man im Auto niemals erlebt und die einem noch lange in Erinnerung bleiben. 

 

Der kleine kranke Greifvogel, der mir am Wegesrand das Herz brach...

 

Am Nachmittag hatte ich schon etwas mehr mit Wind zu kämpfen, der nun überwiegend von der Seite, jedoch auch mal von vorne kam. Trotz allem kam ich gut voran. 

Nach circa 100 geradelten Kilometern, schlug ich mich kurz vor Sonnenuntergang wieder in die Büsche der Kalahari. Es war kein großes Ding einen hübschen Platz für die Nacht zu finden, denn die gesamte Halbwüste war ein traumhaft schönes Wildcamp. Da ich mutterseelenallein allein war, konnte ich mich vor dem Zelt ganz entspannt waschen und anschließend in meinen warmen Schlafsack kriechen. 

 

Trans Kalahari Highway - Radtag Nr.: 5 - 27. und 28. Juni 2026

 

Vom Wildcampingplatz in der Natur nach Kang

 

In der Nacht war es wieder mächtig kalt. Die Temperaturen fielen auf circa 5 Grad. Warm eingepackt in mehreren Lagen Kleidung und einem Wolle-Daunen gefüllten Schlafsack, musste ich aber nicht frieren und hatte ich es schön warm. 

 

Da an diesem Radtag standen nur circa 30 Kilometer bis zum Dorf  Kang auf dem Programm standen, ließ ich mir Zeit. Ich kochte mir einen Kaffee und sah zu, wie die Sonne am Horizont aufging und der Tag in der Kalahari allmählich erwachte. Langsam wurde es wärmer. Während das Zelt in der Sonne trocknete, packte ich meine Sachen müde zusammen und freute mich nach zwei Tagen des Wildcampings, schon auf eine Dusche. Erst gegen 10:30 Uhr saß ich auf dem Rad und fuhr die kurze Etappe nach Kang. Das Dorf lag inmitten der Wüste. In Kang wollte ich einen Pausentag einlegen, denn zum einen waren meine Beine unglaublich müde und zum anderen wollte ich mich auf die circa 300 Kilometer lange Etappe, auf der es keine Versorgungsmöglichkeiten gab, vorbereiten. Ich musste also Lebensmittel und ausreichend Wasser für 3 bis 4 Tage einkaufen. 

Nachdem ich meine Sachen in der Lodge abgestellt hatte, radelte ich zum Supermarkt im Zentrum des Ortes. Es war Samstag und vor dem Choppie-Supermarkt fanden sich wirklich sehr kuriose Gestalten ein. Nach der herrlich ruhigen Zeit auf dem Rad, in der stille der Natur, holte mich die Zivilisation hier nun wieder ein. Kang war ein wirklich schräges Wüstenkaff. Trotz allem war mir der Ort nicht unsympathisch, zumindest gab es viel zu beobachten:) 

Im Supermarkt kaufte ich für die kommenden 300 Kilometer, 15 Liter Wasser, 3 Liter Cola, 8 gefüllte Chicken-Wraps und jede Menge Kekse. Zudem hatte ich Klassiker wie Hafer und Instant-Nudeln in meinen Taschen.

An meinem Pausentag checkte ich noch einmal mein Rad. Die Reifen hatten auf über 8500 Kilometer schon einige Federn gelassen, doch ich hoffte, sie würden noch einige Zeit durchhalten. Nachdem ich an dem Rad noch die Kette gespannt hatte, war ich bereit für das große Abenteuer durch die Kalahari.

 

Vor dem Start in die "300 Kilometer ohne alles Strecke", checkte ich noch einmal das Fahrrad und kaufte jede Menge Wasser, Cola und Essen ein. 

 

Trans Kalahari Highway - Radtag Nr.: 6 - 29. Juni 2026

 

Die "300 Kilometer ohne alles Strecke" - Von Kang zu einem Wildcampingplatz 

 

Gegen 8:00 Uhr brach ich an diesem Morgen zur "300 Kilomet er ohne alles Strecke", im Ort Kang auf. Da es in der Früh noch sehr kalt war, trug ich Handschuhe. 

Das Rad war wirklich schwer beladen. Mit all dem Wasser und dem Essen das ich für die Lange Etappe durch die Kalahari dabei hatte, kam ich vermutlich auf circa 55 bis 60 Kilogramm Gepäck. Ich startete mit 15 Liter Wasser, 5 Liter Cola, einigen Dosen Orangensaft, Keksen, Wraps, Instantnudeln, Hafer, Kaffee und Tee. 

Auf diesem Abschnitt des Trans Kalahari Highways, gab es nicht viel Verkehr. Nur ab und zu fuhren Trucks oder Camper mit Anhängern an mir vorbei, doch die meiste Zeit war blieb es herrlich ruhig. Die Sonne schien vom blauen Himmel und es wurde schnell wärmer. Die Strecke entlang des Highways war nicht besonders anspruchsvoll. Ich radelte wieder durch eine hübsche Buschlandschaft mit goldgelben Gräsern, Akazien-Bäumen, kleinen Blumen und Sträuchern. Der Wind wehte mir von nun an jedoch zeitweise sehr stark entgegen und die Luft in der Wüste war extrem trocken. Da Gegenwind die Kehle austrocknet und viel Durst verursacht, war ich froh, dass ich soviel Wasser bei mir hatte. Weil ich in Richtung Nordwesten fuhr, hatte ich fast den gesamten Tag über die Sonne im Gesicht. Trotz Hut oder Basecap auf dem Kopf, hatte ich Kopfschmerzen. 

 

 

Nach über 100 geradelten Kilometern suchte ich mir bei Sonnenuntergang, einen hübschen Wildcampingplatz in der Nähe des Highways im Busch und wählte dafür ein Gebiet, in dessen Nähe wieder Rinder umherliefen. Irgendwie gaben sie mir in Sachen Löwen immer ein beruhigendes Gefühl. Während ich mein Zelt aufstellte, sah ich mich jedoch immer wieder um, denn trotz der Rinder, war natürlich mit Wildtieren zu rechnen. Nachdem ich mich kurz vor Einbruch der Dunkelheit mit Feuchttüchern gewaschen hatte, aß ich noch etwas vor dem Zelt und sah in der Einsamkeit zu, wie der leuchtend gelbe Vollmond über der Kalahari erschien und die Sonne auf der anderen Seite des Horizonts unterging. Einer der schönsten Momente des Tages. Unvergesslich…

 

 

Trans Kalahari Highway - Radtag Nr.: 7 - 30. Juni 2026

 

Inmitten der Kalahari - Von einem Wildcampingplatz zum nächsten

 

Am frühen Morgen war es noch bitterkalt. Die Temperaturen lagen in der Kalahari knapp über Null Grad. Trotz der Kälte in der Nacht, hatte ich in meinem Zelt prima und lange geschlafen. Müde und groggy war ich trotzdem. Kurz vor 6.00 Uhr raffte ich mich auf und kochte mir einen heißen Kaffee. Draußen war es noch immer dunkel, doch der wunderschöne Vollmond beleuchtete noch immer die Savanne. Während ich meinen Kaffee trank, setzte über der Halbwüste allmählich das Morgengrauen ein. Mein Atem und mein Kaffee dampften in der kalten Morgenluft.

 

Als die aufgehende Sonne allmählich etwas Wärme brachte, schlüpfte ich aus meinem Schlafsack heraus und begann zusammenzupacken. Das Zelt war noch feucht, doch weil der Tag auf dem Rad lang war, konnte ich nicht warten bis es getrocknet war. 

Kurz vor 9.00 Uhr saß ich wieder auf dem Rad. An einem Parkplatz, auf dem drei große Trucks standen, wollte ich kurz anhalten, um meinen Müll zu entsorgen. An der Mülltonne kam ich mit einem der Truckfahrer, die auf dem Parkplatz übernachtet hatten, ins Gespräch. Das erste was der Truckfahrer zu mir sagte war: „You look very tired!“ („Du siehst sehr müde aus!“).

Ich lachte, denn natürlich hatte er damit recht! Der nette Fernfahrer erzählte mir, dass er aus Namibia kam und mit seiner Fracht auf dem Weg nach Südafrika war. Er fragte er mich wo ich übernachtet hatte und ich erzählte ihm daraufhin, dass ich nicht weit entfernt in meinem Zelt im Busch geschlafen hatte. Der Trucker sah mich kopfschüttelnd an und fragte mich, ob ich denn gar keine Angst vor Löwen hätte? Ich antwortete: „Doch! Natürlich habe ich Angst vor Löwen!!!“ und fügte scherzhaft hinzu, das ich darauf hoffte, dass sie keine Fahrräder mögen.

Der Truckfahrer gab sich besorgt, denn ein Zelt war natürlich kein hundert prozentiger Schutz. Wie der Fernfahrer weiter erzählte, hatte er auf seinen Touren durch die Kalahari schon viele Löwen gesehen, ganz speziell in dem Gebiet in dem wir uns gerade befanden, denn auf diesem Abschnitt gab es kaum Siedlungen und nur pure Natur.

Nachdem wir uns verabschiedet hatten, radelte ich mit den Worten des Truckers in meinen Ohren, weiter durch die Einsamkeit der  Kalahari.

 

Das Geweih eines Kudus (Antilope) am Rande des Highways.

 

An diesem Tag hatte ich mit permanent gegen einen starken Wind zu kämpfen und kam deshalb nur schleppend und langsam voran. Hinzu kamen kilometerlange seichte Anstiege.

Den ganzen Tag über hielt ich im Busch Ausschau nach Wildtieren, doch entlang des Highways entdeckte ich nur den Schädel und das Geweih eines Kudus, einer Antilope. Ich hielt an, um es mir aus der Nähe anzusehen. Es war war groß und schwer. Ich mutmaßte das der Kudu von einem Auto oder von einem Löwen erwischt wurde. 

 

Gegen 12:00 Uhr hatte ich gerade mal 30 Kilometer auf der Uhr, obwohl ich bis zum Sonnenuntergang 100 Kilometer gefahren haben wollte, damit ich die „300 Kilometer ohne-alles-Strecke“ in drei Tagen bewältigen würde. Um die Mittagszeit schien es mir jedoch unmöglich das Tagesziel zu erreichen. Die Sonne krachte erbarmungslos vom Himmel. Permanent trug ich deshalb Sonnencreme auf. Der starke Gegenwind trocknete zudem die Kehle aus und machte durstig. Immer wieder hielt ich in der brennenden Sonne an, um etwas zu trinken. Am frühen Nachmittag legte ich auf einem kleinen Parkplatz eine Pause ein, um im Schatten eines Baumes etwas zu essen. Als ich genüsslich in meinen gefüllten Chicken-Wrap biss, kam ein dürrer, blonder Hund schüchtern aus dem Busch gelaufen. Ängstlich kam er Stück für Stück näher, denn er roch mein Essen und hielt seinen Zinken hungrig in die Luft. Der Hund war so dünn, dass man jede Rippe sah. Aus Mitleid gab ich ihm einen meiner Wraps zu fressen. Der Hund rupfte das gefüllte Fladenbrot auf dem Asphalt auseinander, um an das Hühnchen im inneren zu kommen. Ich gab ich dem Hund noch etwas Wasser in einer aufgeschnittenen, leeren Cola-Flasche. Durstig schleckte er den Napf leer, sodass ich ihn gleich nachfüllte. Zufrieden legte sich der Hund anschließend in die warme Sonne. Ich stieg auf mein Rad und fuhr weiter.

 

Der starke Wind ließ nun etwas nach. Ich gab Gas, um mein Tagesziel zu erreichen. Das Buschland der Kalahari war im warmen Licht des Nachmittags wieder wunderschön. Ab und zu standen am Wegesrand hübsche, kräftige Rinder, Pferde, Esel und Ziegen, die mich neugierig und skeptisch zugleich beäugten oder vor Angst aufgeschreckt die Flucht ergriffen. Gegen 17:00 Uhr hatte ich tatsächlich 100 Kilometer auf der Uhr. Sofort machte ich mich auf die Suche nach einem Wildcampingplatz unweit der Straße. Während ich das Zelt im goldenen Licht der Halbwüste aufstellte, sah ich mich immer wieder nach Wildtieren um. Als das Zelt stand, aß ich noch schnell etwas im Freien, putzte mir die Zähne und hüpfte ins Zelt, bevor es stockdunkel war. Da ich mit meinem Wasser nach wie vor haushalten musste, gab es wieder nur eine spartanische Katzenwäsche mit Feuchttüchern.

 

Trans Kalahari Highway - Radtag Nr.: 8 - 01. Juli 2026

 

Von einem Wildcampingplatz zu Rhiana’s Campingplatz in Tshootsha

 

Der Ruf der Wildnis

 

In der Nacht hatte ich unruhig geschlafen. Gegen 1:00 Uhr war ich aufgewacht und hörte direkt neben dem Zelt ein größeres Tier. Mir ging die Pumpe! Meine Angst vor Löwen war groß, zumal ich die Warnung des Truckfahrers noch immer im Ohr hatte.  

Ich versuchte mich mucksmäuschenstill zu verhalten, während mein Herz laut schlug. Mir war selbstverständlich bewusst, dass das Zelt keine Barriere war, denn für einen Löwen ist die dünne Nylon- oder Stoffwand kein Hindernis. Häufig nehmen Raubtiere das Zelt jedoch als unnatürlichen Gegenstand wahr und meiden es, wenn sie die menschlichen Umrisse oder Gerüche nicht direkt als Beute identifizieren. Es gab jedoch auch schon tödliche Zwischenfälle, bei denen Löwen in Zelte eingebrochen sind oder Camper angriffen, die aus dem Zelt traten. Doch ich hatte mich dazu entschieden, mir einen großen Lebenstraum zu erfüllen und mit dem Fahrrad durch die Kalahari zu fahren. Welche Risiken eine Tour durch die Halbwüste birgt, war mir bewusst. Doch der Ruf der Wildnis war stärker.

 

Da lag ich nun, mitten in der Nacht in der Kalahari. In der Wildnis war ich mutterseelenallein, mit einem Herz, das bis zum Anschlag pochte. 

Da das Tier vor dem Zelt nicht gehen wollte, zog ich mir leise die Kapuze über den Kopf und stöpselte mir Kopfhörer in die Ohren, um mich mit Musik abzulenken, was mir innerlich jedoch nur mäßig gelang. Trotz der Kälte in dieser Nacht, kam ich in meinem Schlafsack vor Angst mächtig ins schwitzen. Nach circa eineinhalb Stunden Muffensausen, nahm ich die Kopfhörer wieder vorsichtig aus den Ohren und lauschte still und konzentriert in die Vollmondnacht. Ein Tier konnte ich nicht mehr hören, deshalb kam ich wieder etwas zur Ruhe und schlief irgendwann müde ein.

 

Als ich am Morgen gegen 6:00 Uhr erwachte, war es noch dunkel. Ich öffnete vorsichtig den Reißverschluss des Zeltes und sah hinaus. Die Luft war rein. Der Vollmond leuchtete noch über das Buschland, in dem sich die Silhouetten der Sträucher und Bäume abzeichneten. Fröstelnd sah ich auf das Thermometer. Es zeigte gerade mal 3 Grad. Im Schlafsack sitzend, kochte ich mir einen heißen Kaffee. Mit der warmen Tasse in der Hand sah ich zu, wie das Morgengrauen über der Kalahari allmählich einsetze und wie der Horizont sich färbte. Und wieder dachte ich bei mir: Das schönste das man für Geld kaufen kann ist Freiheit!

 

 

Nachdem ich an diesem Morgen mein Zelt, immer mit einem Blick in den Busch, abgebaut hatte, saß ich gegen 8:30 Uhr wieder auf dem Rad. An diesem Tag standen bis zur Ortschaft Tshootsha, rund 100 Kilometer auf dem Programm. Erst dort war wieder mit einer Versorgungsmöglichkeit und einem Campingplatz zu rechnen. Bis zum Abzweig, der mich dann weiter in Richtung Namibia führen würde, waren erst einmal 30 Kilometer zu Radeln.

Der Gegenwind nahm am Morgen mächtig Fahrt auf. Schon bevor ich zu der "300 Kilometer ohne alles Strecke"“ aufgebrochen war, hatte ich im Wetterbericht das Zeichen für Starkwind gesehen und war mental darauf vorbereitet. Ich kämpfte mich also mühselig voran, ging jedoch positiv motiviert davon aus, dass ich den Wind mehr oder weniger von der Seite/Hinten haben müsste, wenn ich an dem Abzweig abbiegen und nach Westen fahren würde. Doch kurioser Weise war es nicht so. Nach dem Abzweig kämpfte ich weiter gegen einen starken Wind, der über die Savanne der Kalahari fegte. Der Radtag wurde lang. Immer wieder zweifelte ich daran, dass ich es bis zum Sonnenuntergang nach Tshootsha schaffen würde und richtete mich innerlich auf eine weitere Nacht im Busch ein. 

 

Am Abzweig der mich in Richtung Namibia führte.

 

Um die Mittagszeit brannte die Sonne trotz des starken Windes heiß vom Himmel. Das Licht über der Halbwüste war gleißend hell und ohne Sonnenbrille nicht zu ertragen. Auf dem Highway wurde es ausgesprochen ruhig. Während ich endlose Kilometer durch die unberührte, goldgelbe Savanne radelte, kamen nur selten Fahrzeuge vorbei. Es war definitiv ein Gebiet, in dem mit Löwen zu rechnen war und in dem keine Kühe, Esel oder Pferde mehr unterwegs waren. Ich freute mich deshalb regelrecht über jeden einzelnen Truck der an mir vorbeifuhr und noch dazu laut hupte, um mich zu grüßen. 

Erst am späten Nachmittag ließ der kräftige Wind etwas nach. Ich trat kräftig in die Pedalen und mobilisierte noch mal all meine Kräfte, um Tshootsha noch vor Sonnenuntergang zu erreichen, denn ich freute mich auf eine Dusche, die nach drei Tagen auf dem Rad wirklich fällig war. 

Als ich am Straßenrand wieder die ersten Kühe sah, ließ meine Anspannung in Sachen Löwen etwas nach. Trotz meiner Angst vor Wildtieren, war es doch auch ein tolles Gefühl zu wissen, dass es sie in der Kalahari gab und das sie dort einen fantastischen Lebensraum haben.

 

 

Noch bevor ich das Dorf Tshootsha erreichte, ging die Sonne am Horizont unter. Ich bin sicher, dass ich noch nie zuvor in meinem Leben, so einen schönen Sonnenuntergang gesehen hatte. Das Licht war wirklich ganz besonders und die untergehende Sonne groß und feuerrot. Überwältigt von der Schönheit des Lichtes und der umliegenden Natur, in der Wildpferde grasten und galoppierten, vergass ich alle Mühen und Schmerzen. Ich war einfach nur unbeschreiblich glücklich, dass ich es wirklich gewagt hatte, dass Abenteuer durch die Kalahari auf mich zu nehmen. Wieder wurde ich reich dafür belohnt. 

 

Der wohl schönste Sonnenuntergang in meinem Leben. Die Farben waren

unglaublich und ich soooooo glücklich...

 

 

Als ich den Campingplatz in dem Dorf Tshootsha erreicht hatte, war es schon fast dunkel. Müde schob ich mein schwer beladenes Rad auf das Gelände und stellte mein Zelt auf. Gleich nach Sonnenuntergang, wurde es empfindlich kalt. Völlig knülle aber glücklich stand ich später unter der heißen Dusche. 

 

Der schöne Campingplatz in Thsootsha.

 

Trans Kalahari Highway - Radtag Nr.: 9 - 05. Juli 2026

 

Von Rhiana’s Campingplatz nach Charles Hill

 

Nach einigen Pausentagen auf einem herrlich schönen und ruhigen Campingplatz in Tshootsha, machte ich mich mit meinem Rad wieder auf den Weg. Die Strecke entlang des Kalahari Highways war nach wie vor ruhig und entspannt. Zudem hatte ich Rückenwind, sodass es ein angenehmer und nicht allzu anstrengender Radtag werden sollte. Neben der Straße legte ich eine Frühstückspause ein und kochte mir Nudeln und Hafer. Als ich dann weiterradelte, entdeckte ich neben der Fahrbahn jede Menge Stacheln eines Stachelschweins. Ich parkte mein Fahrrad neben dem Highway, sammelte die Stacheln auf und sah mich nach dem toten Tier um. Ich musste eine Weile suchen, doch dann entdeckte ich das arme Ding hinter einem Busch. Vermutlich war das Stachelschwein in der Nacht von einem Auto überfahren worden. Offensichtlich hatten sich in der Zwischenzeit schon andere Tiere über den Kadaver hergemacht, denn die Innereien und der Darm lagen verstreut in der Umgebung. 

Als ich neben der Straße noch mehr von den Stacheln des Tieres aufsammelte, kam plötzlich ein junger Mann auf einem Pferd geritten und schaute neugierig was ich dort machte. Als der Cowboy die Reste des Stachelschweins entdeckte, stieg er von seinem Pferd und nahm den Kadaver des Tieres musternd in die Hand und sagte: „Meat!“ (Fleisch!). Da der Cowboy gerade auf dem Weg zu seinen Rindern war, nahm er den Kadaver mit auf die andere Straßenseite und hing ihn in einen Baum. Auf dem Rückweg wollte er ihn dann mitnehmen. 

 

By the way: Das Südafrikanische Stachelschwein ist das größte Nagetier Afrikas. Stachelschweine sind nachtaktiv und verbringen den Tag schlafend in selbstgegrabenen Höhlen, Felsspalten oder verlassenen Bauen anderer Tiere. Erst in der Dämmerung werden sie aktiv, um auf Futtersuche zu gehen. Als Pflanzenfresser ernähren sie sich hauptsächlich von Wurzeln, Knollen, Rinden, Knospen, Beeren und jungen Trieben. Das Stachelkleid der Tiere bietet einen effektiven Schutz gegen Fressfeinde. Stachelschweine schießen ihre Stacheln jedoch nicht ab, sondern greifen damit aktiv an, indem sie sich umdrehen und rückwärts oder seitwärts auf den Angreifer zulaufen, um ihm die Stacheln in den Körper zu rammen. Die Stacheln lösen sich dabei leicht aus der eigenen Haut und bleiben im Angreifer stecken. Da sie mit Widerhaken versehen sind, verursachen sie oft tiefe, schmerzhafte und entzündliche Wunden.