Mit dem Fahrrad durch Kenia

Start der Radreise durch Ostafrika

Der erste Tag auf dem Rad 

 

Von Nairobi nach Sulmac-Village am Lake Naivasha (Kenia) - 21. Dezember 2025

 

Wir starteten unsere Radreise durch Afrika in Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Schon um 5:00 Uhr morgens klingelte unser Wecker im Zimmer des Motels. Wir wollten  so früh wie möglich los, um dem krassen Verkehr in Nairobi zu entgehen und hatten uns deshalb ganz bewusst zuvor für einen Sonntag entschieden. 

Wir duschten noch kurz, packten alle Sachen zusammen und waren um 6:15 Uhr bereit für das große Abenteuer.

Das Morgengrauen hatte gerade eingesetzt, als wir noch schnell ein Selfie schossen und anschließend aufsattelten. Wir waren super aufgeregt und gespannt wie uns die Ausfahrt aus der Mega-City Nairobi gelingen würde. An einer Tankstelle kauften wir noch Benzin zum Kochen, dann ging es los. 

 

Der Tag begann mit langen Anstiegen. Es dauerte nicht lange, bis wir schon das erste Mal aus der Puste waren. Zum Glück war der Himmel bedeckt.

Vorerst strampelten wir gute 15 Kilometer auf dem Seitenstreifen der Autobahn entlang. In Kenia Ist dies kein Problem, da es häufig so gut wie keine alternativen Straßen gibt. Für endlose Kilometer ging es stetig aufwärts. Obwohl es ein Sonntag war, herrschte auf der Autobahn reger Verkehr. Viele Autos, Mopeds, Trucks und Sattelschlepper waren unterwegs. Irgendwann nahmen wir einen Abzweig und  verließen die Autobahn. Nun ging es auf einer extrem stark befahrenen Straße, die sich in einem unglaublich schlechten Zustand befand, ohne Seitenstreifen weiter. Für uns war es ziemlich gefährlich, denn auf der Straße waren fast nur Trucks unterwegs. Die uralten, laut knatternden LKW’s pusteten uns die Abgase ungefiltert entgegen. Häufig verschwanden wir in einer dunklen Rauchwolke. Es machte keinen Sinn auf der lebensgefährlichen Fahrbahn zu bleiben, auf der eigentlich nur Platz für die großen Trucks war. Wir fuhren deshalb viele Kilometer Off-road, auf dem unbefestigten, staubigen Sandweg, neben der Straße.

 

 

Mit unseren schwer beladenen Rädern, kurbelten wir nach wie vor seicht in die Höhe. Auf der Straße kam es zu einem kilometerlangen Stau. Nun waren wir sogar schneller als die Trucks und überholten sie auf der holprigen Piste. Als wir uns schließlich auf eine Höhe von 2140 Meter peddalt hatten, öffnete sich plötzlich die Sicht über das weite, grüne und wunderschöne Rift-Valley. Wow, damit hatten wir nicht gerechnet. In dem saftig, grünen Tal wuchsen riesige Kakteen. Wir hielten an einem Aussichtspunkt, wo sich auch ein kleines Restaurant befand. Wir stellten unserer Räder ab und gingen hinein. Bei einer sehr netten, kenianischen Frau, mit toller Ausstrahlung, bestellten wir Eier, Masala Tee und Mandazi.

 

Frühstück mit Mandazi

Mandazi sind ein süßes, frittiertes Brot, nach Swahili Art

 

Gut gestärkt radelten wir weiter. Nun ging es in das Rift-Valley hinunter. Neben der Fahrbahn saßen ab und zu Paviane die darauf spekulierten, dass Autofahrer essbare Abfälle aus dem Fenster warfen. 

Nachdem wir das Valley erreicht hatten, ging es wieder aufwärts. Inzwischen schien die Sonne vom Himmel. 

Da Sonntag war, hatten sich viele Menschen für die Kirche heraus schraffiert. Frauen und Mädchen trugen hübsche, bunte Kleider und Männer zum Teil schicke Anzüge. Wenn wir durch die Dörfer fuhren, konnten wir überall Prediger oder laute Gospel-Gesänge hören. 

Die Landschaft in der Umgebung war wunderschön. Eine Savanne, mit hübschen Bäumen, großen Kakteen und hohen Bergen im Hintergrund. 

Es wurde zunehmend wärmer und wir allmählich knülle. Inzwischen waren wir hungrig und wackelig in den Beinen. Die Strecke hatte es in sich.

 

 

Nach rund 50 geradelten Kilometern erreichten wir den Ort Longonot. Ein Durchgangsort für LKWs. In dem kleinen, schmuddeligen Kaff gab es eine verlotterte Tankstelle, jede Menge Obst-und Gemüsestände, ein Toilettenhäuschen und viele kleine Wellblech-Baracken, in denen man allerlei Kleinigkeiten kaufen konnte. Wir brauchten dringend Energie und wir machten uns deshalb auf die Suche nach ein paar Keksen. Doch Kekse gab es nicht, deshalb kaufte ich vier Gobofloto (frittierte Teigbällchen). Goboflotos schmecken ähnlich wie Quarkeulchen, doch in diesem Fall waren sie schon ziemlich alt, hart und dröge. Doch das machte uns nichts. Wir stopften die Goboflotos hungrig und unterzuckert, genussvoll in uns hinein. 

Bis zu unserem Tagesziel waren noch rund 30 Kilometer zu radeln. Es ging noch ein kleines Stück bergauf, doch dann sausten wir an Ziegen und Kühen, die neben der Straße grasten vorbei und in das Tal des Lake Naivashas hinab. Schon von oben konnten wir den riesigen See und das weite Tal sehen. Immer wieder winkten wir zwischendurch den Einheimischen freudestrahlend zu. Als wir im Tal ankamen, nahmen wir den Abzweig zum Lake und radelten auf einer unbefestigten Straße, durch ein großes Dorf namens Karagita. Wir waren verblüfft, wie viele Menschen in den Dörfern lebten. Nach dem Dorf ging es wieder auf asphaltierter Straße weiter. Wir radelten an unzähligen Gewächshäusern vorbei. 

 

"Camp Carnellys" am Lake Naivasha, in der Nähe des Hell's Gate National Park

 

Gegen 16:00 Uhr erreichten wir unser Ziel, den Ort Sulmac-Village, wo wir auf einem Campingplatz am Lake Naivasha unser Zelt aufstellten.

Am Abend waren wir noch hungrig und suchten deshalb in dem kleinen Dorf nach einem günstigen Restaurant. Wir entdeckten ein simples, einheimisches Stübchen, oberhalb der Straße, welches von einer sehr netten Frau und ihrer jungen Tochter geführt wurde. Sie hatten sicherlich kein einfaches Leben, denn das Restaurant öffnete täglich um 6.00 Uhr und schloss erst wieder um 22:00 Uhr. Zum Essen kamen nur Männer ins Restaurant, die nur wenig oder keine Wertschätzung für das gekochte Essen zeigten.

Die beiden Frauen servierten uns an diesem Abend, frisch zubereitete Chapatis, dazu Bohnen mit Gemüse und eine Kanne leckeren, gesüßten Ingwer-Zitronen-Tee.

 

Gut gesättigt und fix und knülle, fielen wir an diesem ersten Radtag glücklich in unsere Schlafsäcke.

 

Das kleine Restaurant im Dorf, dass von einer Mutter deren Tochter geführt wurde.

         links: Chapatis mit Bohnen und Kohl   -   rechts: Frühstück mit Omelett und Mandazi

 

 

Hell’s Gate Nationalpark (Kenia) - 22. Dezember 2025

 

Der Hell’s Gate Nationalpark ist bekannt für seine dramatische Vulkanlandschaft mit tiefen Schluchten, roten klippen, heißen Quellen, Geysiren und vulkanischen Türmen. Als einer der wenigen Nationalparks in Kenia, erlaubt er Aktivitäten, wie Wandern, Radfahren und Klettern. Der Park bietet außerdem eine einzigartige Tierwelt. Unter anderem kann man Zebras, Giraffen, Antilopen, Affen und unzählige Vogelarten beobachten.

 

 

Wir saßen schon auf unseren Rädern, als gegen 6:00 Uhr das Morgengrauen einsetzte. Wir radelten zum Eingang des Hell’s Gate Nationalpark, der nur wenige Kilometer von unserem Campingplatz entfernt lag.

Am Eingang des Parks, kauften wir noch zwei Tickets und dann ging es auch schon los. Mit nur 10 Grad, war es in den Morgenstunden noch ziemlich kalt, doch die Landschaft um uns herum, war wirklich dramatisch. Die hohen, rötlichen, steilen Felswände, waren von Nebel umwogen und es dauerte nicht lange, da sahen wir auch schon die ersten Paviane auf den Felsen sitzen.

Noch waren wir fast alleine im Park und konnten deshalb sehr viele Tiere beobachten. 

 

Brrrr..., am Morgen waren nur 10 Grad.

 

Antilopen im Hell's Gate Nationalpark

 

 

Wir radelten einen schmalen, unbefestigten Pfad, abseits des Hauptweges entlang. Auf den Wiesen grasten schon die ersten Zebras. Drei Warzenschweine rannten aufgeschreckt davon, als sie uns bemerkten. Von den steilen Hängen, die noch im Dunst lagen, kamen Büffel und Elenantilopen hinuntergelaufen. Die Nacht hatten sie vermutlich im Schutz des Waldes verbracht, um sich vor Angriffen von Hyänen, Leoparden und Geparden zu schützen.

In dem breiten, grünen Tal trafen nach und nach, alle Tiere zum Frühstück ein. Es gesellten sich noch Kuhantilopen und Thomson-Gazellen dazu.

 

 

 

Da wir noch nicht gefrühstückt hatten, kam bei uns langsam Hunger auf. Doch vor allem brauchten wir erstmal einen starken Kaffee. 

In unseren Radtaschen hatten wir alles, was für ein Frühstück nötig war. Inzwischen kam die wärmende Sonne hervor und verdrängte in Windeseile den Nebel, der die Berge umgab. 

Auf einer Anhöhe, fanden wir ein überdachtes, schattiges Plätzchen für unser Frühstück. Wir kramten Kocher, Tassen und Töpfe, aus den Taschen und kochten Kaffee. Mit einem grandiosem Blick, über das weite Tal, grasenden Zebras und Antilopen, mampften wir glücklich unser Müsli und konnten uns dabei an der Schönheit der Natur nicht satt sehen.

Wir saßen lange auf der Plattform und genossen die Aussicht in das Tal. 

Aus den Spalten der Felsen vor uns, kamen nun auch unzählige, süße Buschschliefer gekrabbelt. Sie wärmten sich in den Strahlen der Sonne auf und futterten sich durch das Gras.

 

Roberta mit einem Buschschliefer im Hell's Gate Nationalpark.

 

Frühstück im Hell's Gate Nationalpark

 

 

Nach dem ausgiebigen Frühstück radelten wir weiter. Zuerst begegneten wir einem großen Strauß. Wir radelten weiter und hielten irgendwann wieder an, um eine Gruppe Antilopen zu fotografieren, die sich in der Ferne aufhielt. Doch plötzlich trauten wir unseren Augen nicht, denn ganz in der Nähe, nicht weit von uns entfernt, kam eine riesige Giraffe mit ihrem Jungen aus dem Wald. Wir juchzten laut auf. Da standen wir nun, mit unseren Fahrrädern in Afrika und begegneten jetzt diesen wundervollen, ästhetischen, Langhalsigen Geschöpfen. Wir beobachten die Giraffen aufgeregt, bis sie wieder im Wald verschwanden. 

 

 

Die Fahrt ging weiter auf einer staubigen, unbefestigten Piste. Inzwischen war es Mittag und viele Safari-Jeeps rauschten an uns vorbei. Sie hinterließen dabei eine lange Staubwolke. Der Verkehr im Park nervte jetzt und störte die schöne Atmosphäre. Trotz allem begegneten wir noch weiteren Giraffen, unzähligen Antilopen und vielen Zebras. Nach 8 eindrucksvollen Stunden, verließen wir am frühen Nachmittag, den Hell’s Gate Nationalpark. Wir waren überglücklich und konnten kaum glauben, dass wir so viele Tiere von unseren Rädern aus gesehen hatten. 

 

 

Vom Lake Naivaisha zum Lake Elementaita (Kenia) -

23. Dezember 2025 

 

 

Bevor wir an diesem Tag los radelten, gingen wir nochmal in das kleine, einheimische Restaurant und bestellten zwei Omelettes, dazu Mandazi (süße Teigtaschen), Kaffee und Masala Tee (Schwarztee, Milch und Zucker mit einer Gewürzmischung).

Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns herzlich von der Mutter und der Tochter die das kleine Restaurant im Dorf führten und peddalten los.

 

Die Strecke führte uns zunächst über eine Landstraße durch hügeliges Land. Auf den grünen Wiesen der Farmen, grasten Zebras und Antilopen. 

Es war der 23. Dezember und deshalb kramten wir unsere Weihnachtsmützen aus der Radtasche und setzten sie auf. Die Leute riefen uns fortan „Merry Christmas“ entgegen. Ein Mann hielt sogar an, um unsere Hände zu schütteln und uns ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen.

Nach einigen Kilometern wechselten wir wieder auf die Schnellstraße und kurbelten auf deren Seitenstreifen entlang. Der Verkehr war nicht ganz ungefährlich, denn viele Trucks waren unterwegs. 

 

Christmas-Feeling in Kenia und knülle beim Tankstellen-Stopp

 

Testfahrt an einer Shell-Tankstelle

 

Das kleine Mädchen lief einige Minuten neben uns her und schrie dabei in Dauerschleife:

"Merry Christmas, Merry Christmas..."

 

 

Auf einigen Abschnitten, führte parallel zur Schnellstraße eine alte, holprige Landstraße entlang. Die alte Landstraße befand sich zwar in einem desolaten Zustand, doch trotz allem machte sie das Fahren für uns angenehmer, denn zum einen war es ungefährlicher als neben den Trucks und zum anderen gab es Schatten spendende Baumallee.

Als wir auf der alten Straße, mit unseren Bikes entlang holperten, trauten wir mal wieder unseren Augen nicht, denn mitten auf dem Weg, stand eine Herde Zebras. Lachend hielten wir an, um zu fotografierten.

 

 

Wir fuhren weiter durch die hübsche, hügelige Landschaft, bis endlich die Abfahrt in das Valley des Lake Elementaita, erfolgte. Von so hoch oben, hatten wir einen fantastischen Blick über das weite Tal und den riesigen See.

Als wir im Tal ankamen, führte uns das Navi über einen holprigen, unbefestigten Weg, zu einem Campground, oberhalb des Sees. Der Weg war so grausig schlecht, dass man nicht vermuten konnte, dass am Ende wirklich noch irgendetwas ansprechendes kam. Doch tatsächlich standen wir irgendwann vor einem großen Tor, mit einem netten Wachmann davor, der uns willkommen hieß. Sein Hund schnupperte aufgeregt an unseren Fahrrädern herum. 

 

Schnupperkurs bei den Radmiezen

 

Die Farm, auf der sich der Campingplatz befand, war riesig. Mit einem Mitarbeiter liefen wir samt Fahrräder und Gepäck, eine ganze Weile den Berg auf einem steinigen Weg steil hinunter, bis wir die Zeltwiese erreichten. Wow, es war wunderschön, denn von der Wiese aus, hatte man einen fantastischen Blick über den großen Lake Elementaita und die dahinter liegenden Berge.

Auf dem Campingplatz, mit den einfachen aber sehr sauberen Sanitäranlagen, waren wir die einzigen Gäste. Schnell war klar, dass wir hier zwei Nächte bleiben wollten.

Fix und knülle und in Zeitlupe, stellten wir in der warmen Sonne des Nachmittags unsere pitschnassen Zelte zum trocknen auf. 

 

Happy Bruno in Weihnachtsstimmung, auf dem Campground am Lake Elementaita.

 

 

Am Lake Elementaita (Kenia) - 24. Dezember 2025 (Heiligabend)

 

Es war Weihnachten und mit 9 Stunden am Stück, hatten wir endlich mal ausgeschlafen.

In der Nacht war es herrlich ruhig. Der einsame Zeltplatz war perfekt. 

Draußen war es noch dunstig, nebelig und feucht, als wir die Reisverschlüsse unserer Zelte öffneten. Wir  krabbelten heraus und machten uns an einem der Picknicktische Frühstück. Wir kochten Kaffee und Müsli.

Währenddessen löste sich allmählich der Dunst des Morgens auf und die Sonne kam zum Vorschein. Sogleich wurde es herrlich warm. Wir zogen unsere warmen Pullis aus und hatten nun Sicht über den Lake Elementaita. Aus der Ferne sahen wir unzählige, rosafarbene Flamingos über das Wasser fliegen. Es war wunderschön.

Nach dem Frühstück machten wir uns an die Arbeit und wuschen unsere staubigen Klamotten. In der warmen Sonne konnten sie schnell trocknen.

Nachdem das erledigt war, schlenderten wir durch das Dorf und kauften einige Lebensmittel ein. 

 

 

Weihnachten!!!

Mit Bruno und Roberta, am Morgen des Heiligabends, am Lake Elementaita.

 

 

Anschließend wanderten wir hinunter zu einem luxuriösen Hotel, welches am Ufer des Sees lag. Das Hotel hatte einen Pool und deshalb fragten wir am Tor, ob es möglich wäre, diesen zu nutzen. 

Tatsächlich wurden wir eingelassen. Für einen kleinen Obolus konnten wir im Pool baden und bekamen sogar frische Handtücher gestellt. Die Atmosphäre in dem Hotel war toll und machte gute Laune. Der Kontrast zu dem einfachen und entbehrungsreichen Leben im Dorf, hätte jedoch nicht größer sein können. 

 

Als wir uns nach zwei Stunden Luxus zu Fuß wieder auf den Rückweg zu unserer Zeltwiese machten, riefen uns die vielen Kinder Sätze wie: „Mzungu, give me something!“, „Mzungu, give me Money!“ oder „Mzungu, give me your Sunglasses!“, entgegen. Die Kinder im Dorf waren nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns vermutlich in Uganda und Ruanda erwarten würde. 

Nach dem hundertsten, fordernden „Muzungu, give me something!“, „Mzungu, give me Money!“, drehten wir den Spieß einfach humorvoll um und fragten die Kinder, bevor sie etwas fragen konnten, ob sie vielleicht Geld oder Süßigkeiten für uns Mzungus hätten. Die Kinder waren davon so irritiert, dass in der Regel erstmal Ruhe herrschte. 

 

 

Mzungu (Suaheli/Bantu) bedeutet ursprünglich „Wanderer“ oder „jemand, der ziellos umherzieht“. Mzungu wurde mit dieser Bedeutung im 18./19. Jahrhundert von ostafrikanischen Völkern verwendet, um die ersten europäischen Entdecker zu beschreiben, die rastlos umherreisten. Heute bezeichnet der Begriff allgemein eher eine weiße Person, in Verbindung mit Reichtum oder Fremdheit, und wird in vielen Regionen Ostafrikas genutzt (z.B. Kenia, Tansania, Uganda).  

 

Smörrebröd, Smörrebröd, Römpömpömpöm an Weihnachten.

 

 

Vom Lake Elementaita nach Rongai (Kenia) - 1. Weihnachtsfeiertag

25. Dezember 2025

 

Wieder radelten wir durch bergiges Land. Elli ging es schlecht. Ihr war übel und sie hatte mit den Anstiegen in den Bergen mächtig zu kämpfen. Bei Kilometer 30 hielten wir an einer Tankstelle, die auf der Rückseite des Hauses, ein nettes Bistro, etwas abseits der lauten Straße  hatte. Wir bestellten Chapati, Omelette und Mandazi und ruhten uns aus. 

 

leckeres Frühstück im Bistro einer Tankstelle

Mandazi (süßes, frittiertes Brot) & Chapati (ungesäuertes, dünnes, indisches Fladenbrot)

 

Nach dem Frühstück ging es weiter und ich dachte, Elli würde es nun besser gehen, doch ihre Übelkeit ließ einfach nicht nach. Die Anstiege und Hügel waren heftig. Immer wieder sah ich in den Rückspiegel, doch Elli fiel immer weiter ab. Nach jedem geradelten Kilometer, musste ich lange auf sie warten. Wir kamen nur langsam und Stück für Stück voran. Ich fuhr weiter voraus und wieder fiel Elli an einem langen Anstieg weit ab. 

An einem Abzweig hielt ich an und setzte mich auf einen großen Felsen, unter Schatten spendenden Bäumen. Ich wartete erneut auf Elli und diesmal rund 20 Minuten. 

An dem Abzweig an dem ich wartete, herrschte geschäftiges Treiben Es gab einen kleinen Imbiss, der frische Mandazi und Obst und Gemüse verkaufte und Leute warteten auf Colectivos oder Angehörige, die sie mit dem Moped abholten. 

 

1. Weihnachtsfeiertag:

Transport der Weihnachtsgans Auguste...

 

Während ich auf Elli wartete, kam ein Polizist daher gelaufen. Er stellte mir tausend Fragen und textete mich zeitverloren zu. Scheinbar arbeitete der Polizist zeitweise auch für eine Agentur in Moshi (Tansania) und wollte mir nun eine Tour zum Kilimandscharo aufquatschen. Immer wieder hielt ich Ausschau nach Elli, denn ich machte mir Sorgen und der Typ nervte. Doch ich blieb ruhig und freundlich und ließ mir nichts davon anmerken. 

Nach einer gefühlten Ewigkeit, sah ich Elli endlich ganz langsam die Straße hinauf kommen. Sie war blass und ihr war kotzübel. Sie setzte sich zu mir in den Schatten. Daraufhin kam der Polizist erneut herüber und quatschte uns mit seinen Tour-Vorschlägen für den „Kili“ voll. Nun wurde ich ungehalten, denn kurz zuvor hatte ich ihm erklärt , dass es meiner Freundin nicht gut gehen würde. Trotz allem bestand er der Typ auf ein Foto mit mir und meinem Fahrrad und fragte unentwegt nach meiner Telefonnummer. Ich gab ihm einfach eine falsche, ohne das er es bemerkte, dann zischte er endlich ab.

 

unsere Konkurrenz in Kenia...

 

Elli flitzte indessen hinüber zu den Büschen und kotze neben einer Kuh ins Grüne. Einige Leute beobachten dies und tuschelten. 

Zu diesem Zeitpunkt waren wir erst 40 Kilometer geradelt. Nach einer guten Stunde an dem Abzweig, radelten wir versuchsweise weiter. Doch es dauerte nicht lange, da standen wir erneut an der nächsten Tankstelle, um zu pausieren. Es machte keinen Sinn weiterzufahren. Wir schauten uns nach einem Zimmer in der Nähe um. Gegen 15:30 Uhr erreichten wir einen Ort namens Rongai. Dort fanden wir und nicht weit von der Haupstraße entfernt, ein kleines, günstiges Gasthaus mit großzügigen Zimmern. 

 

 

Die nette Unterkunft hatte eine gemütliche, dörfliche Atmosphäre und einen großen, grünen Garten. Der Empfang der Gastgeberin, die eigentlich aus Tansania kam, war mehr als herzlich. Violet zeigte uns die Zimmer, in denen ein großes Bett mit Moskitonetz, einige Schränke und Tisch und Stühle standen. Das Haus war schon etwas in die Jahre gekommen, doch alles was wir benötigten, war da. Die Freundlichkeit der Dame aus Tansania war unfassbar und es dauerte nicht lange, bis Violet mich in den Arm nahm und knuddelte. 

Im Garten spielten einige Kinder, die zu unterschiedlichen Familien und Gästen gehörten. Wir begrüßten alle freundlich und bauten auf dem Rasen noch schnell unsere Zelte zum trocknen in der Nachmittagssonne auf. Ein Vater, dessen Kinder die im Garten spielten, kam zu uns herüber. Auch er wollte unbedingt einige Fotos mit uns, den Bikes und seiner Familie schießen. Es war der 1. Weihnachtsfeiertag und alle waren gut gelaunt. Eine Frau, die nun dazu kam, trug einen kleinen Sohn auf dem Arm und fragte, ob sie meine Haare berühren dürfte. Kichernd streifte sie mir durchs Haar und war ganz verblüfft, wie weich und fein sie sich anfühlten. 

An diesem Tag machten wir nicht mehr viel. Wir legten uns nur noch müde ins Bett, damit Elli bald wieder gesund wurde.

 

 

Von Rongai nach Martamat - (2. Weihnachtsfeiertag)

26. Dezember 2025

 

 

Am nächsten Tag standen wir wieder gegen 6:00 Uhr auf. Es war der 2. Weihnachtsfeiertag. Still und müde packten wir unsere Sachen im Zimmer zusammen. Da es Elli am Tag zuvor so schlecht ging und klar war, dass es nun weiterhin straff die Berge des ostafrikanischen Grabenbruchs hinaufgehen würde, nahm ich die schwersten Dinge aus Ellis Radtaschen, in die meine. 

Wir schoben unsere Fahrräder aus dem Zimmer vor die Tür. Draußen schien schon die warme Sonne vom blauen Himmel. 

Violet kam aus ihrem Zimmer, um uns zu verabschieden. Sie war wirklich eine sehr sympathische Gastgeberin und gab uns unverhofft ein paar Geschenke mit auf den Weg. Wir sahen uns lachend an, denn unsere Radtaschen waren für die bevorstehenden Berge, auch ohne Präsente schon viel zu voll. Doch wir ließen uns nichts anmerken und nahmen die Geschenke und die herzliche Gastfreundschaft, gerne an. 

Violet hüllte mich in eine grün-blau karierte Decke. Anschließend übergab sie Elli eine silberne Handtasche. Wieder mussten wir lachen. Bevor wir starteten, tauschten wir mit Violet noch Telefonnummern aus, dann ging es los.

 

 

Die Radmiezen mit ihrer Gastgeberin Violet aus Tansania in Rongai (Kenia)

 

Wie schon erwartet, ging es die Berge für endlose Kilometer, straff hinauf. Selbst die LKW‘s hatten alle Mühe, die Anstiege hinaufzuklettern. Wenn sie im Schritttempo an uns vorbeifuhren, versanken wir Mädels in einem Nebel von Ruß und dunkler Abgase. 

Langsam arbeiteten wir uns mühevoll und schwitzend hinauf. Für die ersten 6 Kilometer benötigten wir eine Ewigkeit. 

Ich fuhr wieder etwas voraus und wartete auf Elli. In einem Dorf entdeckte ich einen kleinen Laden, mit einer hölzernen Sitzbank vor der Tür. Ich stellte mein Rad ab und wartete auf der Bank auf Elli. Es dauerte nicht lange, bis sich ein hageres Männchen, mit nur wenigen Zähnen zu mir gesellte und mir Fragen stellte. Als ich dem Mann erzählte, dass ich aus Deutschland komme, sagte er: „Ahhh…, Trump Präsident!“ Und ich antwortete: „Oh Gott nein!!! Trump ist nicht der Präsident von Deutschland, sondern von den USA!“ Das zahnlose Männchen sah mich verwundert an. 

Als Elli fix und knülle und mit Übelkeit eintraf, setzte sie sich zu uns. Nun kam auch der Verkäufer und einige andere Männer aus dem Lädchen und wollten uns kennen lernen. Wir unterhielten uns noch eine Weile mit den Männern und verabschiedeten uns wenig später, damit wir ein Stück voran kamen. 

Triefend und schwitzend kurbelten wir die nicht enden wollenden Anstiege hinauf. Einige Kilometer war die Luft bei uns raus. Wir hatten noch nicht gefrühstückt und nun musste dringend Energie her. 

 

 

Am Rand des Waldes, fanden wir einige Meter neben der Straße, ein gutes Plätzchen für ein Frühstück. Wir breiteten uns im Gras aus und kramten Kocher und Töpfe aus unseren Taschen, um Kaffee und Müsli zu kochen. Gierig und hungrig, schlangen wir alles in uns hinein. 

Die Stimmung war zu diesem Zeitpunkt nicht besonders gut. Doch das war natürlich den körperlichen Strapazen geschuldet. 

 

Nach der ausgiebigen Pause neben der Straße, kurbelten wir mühevoll weiter. Insgesamt ging es 25 Kilometer nur bergauf.

Elli kämpfte sich trotz Übelkeit tapfer durch. Irgendwann ging es ihr zum Glück etwas besser. 

Zwischendurch hielten wir wieder an einer Tankstelle. Ich stopfte Chips und Kekse in mich hinein, während Elli keinen Bissen herunter bekam. 

In einem Dorf namens Mau Summit, bogen wir ab und verließen die Schnellstraße. Von nun an ging es die Berge wieder hinab. Glücklich und juchzend sausten wir die nun etwas ruhigere Straße hinunter. Die Landschaft erinnerte an den Schwarzwald. An den grünen Berghängen wurden Mais, Kohl, Kartoffeln und Tomaten angebaut und Felder bewirtschaftet. Am Straßenrand folgten unzählige Baracken, die frisches Obst und Gemüse verkauften. 

 

Wir hatten kaum noch Wasser in unseren Trinkflaschen und hielten deshalb an einem kleinen Kiosk. Wir kauften zwei große Behälter Wasser. Während wir das Wasser in unsere Flaschen füllten, stand eine Traube Menschen um uns herum. Sie beobachteten genau was wir taten. Kaum hatten wir das Wasser in unsere Flaschen gefüllt, wurden uns die leeren Kanister schon aus der Hand gerissen. 

 

Unzählige Verkaufsstände am Rande der Straße.

Ganz Afrika ist ein großer Markt!

 

Wir fuhren weiter, bogen nochmals ab und fuhren nun durch den Ort Londiani. Es ging mal die Berge hinauf und dann wieder hinab.

Gegen 15:15 Uhr und rund 50 geradelten Kilometern, die sich eigentlich wie 100 km anfühlten, war eine weitere Pause nötig. 

In einem Dorf namens Martamat, entdeckten wir beim vorbeifahren ein Büdchen, mit einigen Tischen und Stühlen darin. Es schien ein kleines Restaurant zu sein. Wir fuhren zurück, stellten unsere Räder vor dem Büdchen ab und fragten die Kinder, die drinnen vor dem Fernseher saßen, ob es wirklich ein Restaurant war. Sie nickten. Während eines der Kinder sich nun auf den Weg machte, irgendwem Bescheid zu sagen das Gäste da waren, nahmen wir Platz. Es dauerte nicht lange, dann kamen zwei Frauen. Wir fragten sie, ob wir etwas zu essen haben könnten. In der offenen Küche, hinter dem Haus wurde nun ein Feuer gemacht und in einem Topf wurden Zwiebeln, Tomaten und zwei Tüten asiatische Nudeln für uns angebraten. Ich machte einige Fotos und Filmte. Die Frauen und Kinder waren gut gelaunt und lachten. 

 

Janet und die Kids kochten in der Küche für uns Nudeln mit Gemüse.

 

Das kleine Restaurant von Joyce und ihren Kindern.

 

Drei der fünf Kinder von Joyce.

 

Fast überall in Kenia, wird noch auf offenen Feuer gekocht.

 

Wie wir beim Essen erfuhren, waren die beiden Frauen Geschwister und die Kids am Tisch ihre Kinder. Der Himmel hatte sich inzwischen zugezogen und ein Gewitter war im Anmarsch. Es dauerte nicht lange, bis die Frauen uns anboten, bei Ihnen zu übernachten. 

Es begann zu regnen und deshalb entschieden wir, bei der Familie zu bleiben. Wir erklärten den Frauen, dass wir zwei Zelte dabei hatten und fragten, ob wir sie irgendwo aufstellen könnten. Der liebe Sohn zeigte uns ein paar löhmrige Plätze auf dem Hof. Es war alles andere als perfekt, doch für eine Nacht würde es schon gehen. Dann fragten wir, ob wir vielleicht auch unsere Bikes irgendwo sicher unterstellen könnten. Mit der ganzen Familie im Schlepptau zeigten uns die beiden Schwestern daraufhin ein leeres, fast fertiggestelltes, neues Haus, auf dem Nachbargrundstück. Es war super sauber und wir fragten deshalb, ob wir darin nicht auch übernachten könnten. Die Schwestern sahen uns wie zwei Fragezeichen an. Wir erklärten erneut, dass wir in unseren Radtaschen alles dabei hatten, was nötig war. Die beiden Schwestern willigten ein. 

Nachdem wir unsere Bikes in dem leeren Haus abgestellt hatten, ließ auch der Regen nach. Nun luden uns die Frauen ein, mit ihnen gemeinsam das Haus ihres 80 jährigen Vaters zu besuchen, welches einige Kilometer entfernt, in einem anderen Dorf, an einem Berghang lag.

Zu Fuß machten wir uns mit den beiden Schwestern, namens Janet und Joyce, zu dem Haus des Vaters, auf den Weg. Überall wurden wir lachend und freudestrahlend vorgestellt. Unterwegs schüttelten wir Freunden, Verwandten und Bekannten der Frauen, die Hände. Sie waren stolz, dass Fremde zu Besuch in ihrem Dorf waren. Auf einem steinigen Lehmweg, ging es den Berg hinauf. Die Landschaft war saftig grün. Wir liefen an Feldern, auf denen Gemüse, Kaffee und Bananen angebaut wurden, vorbei. Irgendwann erreichten wir das Haus des Vaters. Das Grundstück war wirklich schön und sehr gepflegt. Mit den beiden Schwestern voran, gingen wir in das Haus hinein. Das Wohnzimmer war schlicht eingerichtet. Es gab 3 Tische, mehrere Sofas, einige Sessel und einen Fernseher. Einmal in der Woche kam die Familie im Haus des Vaters zusammen, um sich bei Tee und Mandazi zu unterhalten. 

 

Schnappschuss mit einem Teil der Familie von Janet & Joyce, im Garten des 80. jährigen Vaters. 

 

Wir stellten uns dem Vater und dem Rest der Familie vor. Anschließend nahmen wir  Platz auf dem Sofa. Eine der Töchter servierte für alle Masala Tea und Mandazi. Wir fühlten uns wohl und willkommen. Trotz der Sprachbarrieren war es eine gemütliche, und sehr unterhaltsame Runde. 

Nach einer guten Stunde des Beisammenseins, wollten Janet und Joyce sich mit uns wieder auf den Weg nach unten machen. Doch zuvor mussten mit der Familie noch einige Fotos im Garten geschossen werden. 

Wir verabschiedeten uns von dem lieben Vater und dem Rest der Familie. Dann machten wir uns mit den Schwestern auf den Weg. Unterwegs kamen wir im Dorf noch an einigen kleinen Läden und einer Schneiderei vorbei. Auch hier mussten wir  Mädels unbedingt nochmal vorgestellt werden. Wir schüttelten zahlreichen, Frauen, Männern und Kindern die Hände. Für ein gemeinsames Foto mit uns, drängte sich das halbe Dorf lachend, in der kleinen Schneiderei zusammen.

 

Schneiderei in einem kleinen Dorf.

 

Alle im Dorf beäugten neugierig die beiden "Mzungus".

 

Das halbe Dorf drängte sich am Ende kichernd in die kleine Schneiderei

und wollte mit auf das Foto.

 

Als wir unten an der Straße angekommen waren, nahm uns Janet noch mit zu sich nach Hause, denn sie wollte uns unbedingt ihr eigenes Heim zeigen. Auf dem Feld stand eine Kuh die noch gemolken werden musste, bevor es dunkel wurde. Die Kuh lief Janet freudig entgegen und lief mit uns auf den Hof.

Wir gingen in das kleine Haus von Janet hinein. Sie machte Musik für uns an und bot uns etwas zu essen an. Wir dankten herzlich ab. 

Wir gingen nochmals hinaus, denn die Kuh musste gemolken werden. Doch zuvor ließ Janet das kleine Kalb der Kuh aus dem Stall, welches gerade mal 4 Wochen alt war. Das Kalb flitzte sofort an das Euter der Mama. 

Nach ein paar Minuten flockte Janet das Kalb wieder an. Dann wusch sie ihre Hände und säuberte das Euter der Kuh, bevor sie mit dem Melken begann. 

Irgendwann fragte Janet, ob ich (Nadine) es auch mal mit dem Melken versuchen möchte. Ich wusch mir die Hände und legte ich los. Janet und Elli lachten sich schlapp, weil ich keinen Tropfen Milch aus der Kuh bekam. Janet zeigte mir daraufhin, wie man es richtig anstellte. Ich tat es ihr gleich und die Milch spritzte tatsächlich aus dem Euter. Es war eine tolle Erfahrung. 

Nachdem wir mehrmals Janets nette Einladung zum Abendessen abgewehrt hatten, erklärten wir ihr, dass wir hundemüde waren und uns schlafen legen wollten. Janet war etwas enttäuscht, brachte uns aber zurück zu dem leeren Haus, in dem unsere Bikes sicher untergebracht waren. 

 

Wir bedankten uns bei Janet und Joyce für diesen tollen Nachmittag, wünschten allen eine gute Nacht und bauten in dem leeren Haus unsere Zelte auf.

Irgendwann klopfte es nochmal an der Tür. Als wir öffneten standen zwei der Kids vor der Tür. Sie waren neugierig was wir im Haus trieben. Wir ließen die beiden Kinder herein und zeigten ihnen unsere Zelte. Irgendwann sagten wir den beiden, dass wir müde waren und sagten gute Nacht. Das Waschen fiel an diesem Tag leider aus, denn es gab kein fließendes Wasser und nur einen kleinen Bretterverschlag mit Plumsklo, bzw. einem kleinen Loch für die wichtigen Geschäfte. Nach einem langen, anstrengenden und aufregenden Tag, schliefen wir gegen Mitternacht groggi ein.

 

Mit zwei der süßen Kids von Joyce, zusammen in dem leeren Haus, in wir unsere Zelte aufgestellt hatten.

 

Von Martamat nach Kisumu (Kenia) - 27. Dezember 2025

 

 

Am nächsten Tag standen wir mit dem Morgengrauen auf und gingen hinüber auf das andere Grundstück, wo der Verschlag mit dem Plumsklo befand. Wir gingen zurück zum Haus und putzten, mit der Wasserflasche in der Hand, unsere Zähne. So ungewaschen wie wir waren, fühlten wir uns nicht besonders wohl, doch es war klar, dass es auf der Reise durch Afrika, nicht immer eine Möglichkeit zum Waschen geben würde. 

Beim putzen der Zähne begann Elli plötzlich zu würgen. Sie übergab sich erneut, so wie schon am 1. Weihnachtsfeiertag. Ihr war mal wieder speiübel. Wir gingen zurück ins leere Haus, wo wir auf dem blanken Boden unsere Zelte aufgebaut hatten. Ich holte eine der Matten aus dem Zelt heraus, sodass Elli sich noch etwas hinlegen konnte, währen ich die Zelte abbaute und den ganzen Kram wieder in den Radtaschen verpackte.

Als alles verstaut war, schoben wir mit unseren Rädern vor zur Straße, wo unsere Gastfamilie einen winzigen Kiosk und das kleine Restaurant betrieb. 

Joyce und ihre fünf Kids waren gerade erst aufgestanden und das kleine Restaurant war noch verschlossen. Eine der Töchter öffnete die Türen. Die größeren Söhne von Joyce hatten in dem Restaurant über Nacht ihre Mopeds geparkt. Am Tage verdienten die Jungs mit den Moped-Taxis ihr Geld. 

 

 

Wir setzten uns draußen vor der Tür auf die Stufen. Die Kinder um uns herum, waren fasziniert von unseren Fahrrädern und friemelten neugierig daran herum. Ich fragte die Kids, ob sie mal darauf fahren wollten. Schüchtern und zögerlich sagten sie kichernd ja. Ich setzte ihnen meinen Helm auf. Sofort sah man den Kindern ihren Stolz an. Die Beinchen der Jungs waren für die Sattelhöhe des Fahrrads eigentlich noch zur kurz, trotz allem traten sie energisch in die Pedalen. Ich hatte alle Hände voll zu tun das Bike von hinten festzuhalten und zu lenken, damit die Jungs nicht damit umstürzten. 

Nachdem die Kids ihren Spaß hatten, setzten wir uns mit Joyce, auf die Plastikstühle in dem kleinen Restaurant. Eine der Töchter servierte uns gesüßten Masala-Tee mit einer fetten und frisch gemolkenen Kuhmilch. Dazu gab es einige trockene Scheiben Toastbrot. Für Ilkas desolaten Zustand war das trockene Brot perfekt. 

Immer wieder kamen auch an diesem Morgen Freunde und Bekannte vorbei, die uns unbedingt kennenlernen sollten und denen wir zur Begrüßung die Hand schüttelten. Irgendwann kam auch Janet wieder dazu und wir fragten die beiden Schwestern, ob außer uns jemals Touristen hier vorbeikamen. Die beiden lachten und antworten: „Nein! Ihr seid die ersten!“ Wir kicherten und konnten es kaum glauben.

Mit der Familie saßen wir noch eine Weile beisammen, doch dann mussten wir uns verabschieden, denn bis zu Abend wollten wir unbedingt die Stadt Kisumu, am Lake Victoria erreichen, damit Elli sich dort ein paar Tage auskurieren konnte. Circa 100 Kilometer standen also auf dem Radelprogramm. 

 

 

Nach der herzlichen Verabschiedung von der Gastfamilie, ging es endlich los. 

Es war herrlich warm und die Sonne schien vom blauen Himmel. Elli kämpfte noch einige Zeit mit Übelkeit auf dem Rad. Doch zum Glück ging es die Berge, zum Lake Victoria, überwiegend hinab. 

Auf der ruhigen Straße radelte es sich prima. Der Asphalt war gut und es gab sogar einen Seitenstreifen. 

In einem kleinen Kaff namens Fort Teman, legten wir eine Pause ein. Die Straße die durch das Dorf führte, war eine grausige Piste. Die Menschen lebten in dem Dorf am Rande der Piste meist in einfachen und chaotisch wirkenden Wellblechhütten, die gleichzeitig als Verkaufsladen dienten. 

Auf der Straße ging es geschäftig und sehr lebendig zu, denn wie in allen Dörfern Kenias, lebten auch hier unzählige Familien mit zahlreichen Kindern, die uns nun pausenlos „Mutzungu, how are you?“ zuriefen.

In einer kleinen, recht modernen Mall, mit Supermarkt, die eigentlich überhaupt nicht in das Dorfbild passte, kauften wir kühle Getränke und Kekse. 

Nachdem wir uns im Schatten etwas ausgeruht hatten, ging es weiter. 

Wir fuhren viele Kilometer auf einer super asphaltierten Straße, mit Seitenstreifen entlang. Sie führte durch eine wunderschöne bergige Landschaft, mit saftig, grünen Feldern, auf denen Kühe, Ziegen und Schafe grasten. 

 

 

Nach etwas 45 geradelten Kilometern nahmen wir an einer Kreuzung den Abzweig zur Großstadt Kisumu, am Lake Victoria. Doch was war das? Plötzlich gab es keinen Asphalt mehr. Zumindest waren nur noch Fetzen des alten Straßenbelages vorhanden. Da die Straße in eine große Stadt am Lake Victoria führte und auch die Karte es so anzeigte, nahmen wir an, dass es sich nur um ein kurzes Stück Piste handeln würde und wir schon bald mit unseren Rädern wieder über Asphalt rollen könnten. Doch es wäre nicht Afrika, wenn wirklich eine gut asphaltierte Straße, in eine Großstadt führen würde. 

Wir rüttelten und schüttelten also auf der unbefestigten Piste, gute 56 Kilometer, bis zur Stadt Kisumu entlang. Besonders schnell kamen wir nun nicht mehr voran, doch die Landschaft war wunderschön. Wir fuhren an unzähligen Feldern, auf denen Zuckerrohr oder Mais bestellt wurden, vorbei. Die Ernte es Zuckerrohrs war im vollen Gange. Auf vielen Feldern arbeiten die Menschen hart und schlugen das feste Zuckerrohr mit der Machete zurecht, um es dann auf Fahrrädern, Mopeds, LKW‘s oder Traktoren zum Transport zu verladen. Hier und da fuhren wir durch kleine, interessante Dörfer. Wir winkten und lachten den Leuten zu und bekamen das gleiche fröhliche Strahlen der Einheimischen zurück. Die vielen Kinder und Halbstarken riefen uns wieder unentwegt „Mzungu, i love you!“, „Mzungu, give Dollar!“ oder „Mzungu, give me your Bike!“, entgegen. 

Gegen 16:30 Uhr hielten wir an, um einen hübschen, kleinen Vogel, mit leuchtend roten Gefieder zu fotografieren. Ein Mann auf einem Moped hielt an, um ein Selfie mit uns zu machen. Bevor er sich wieder auf den Weg machte, sagte er zu uns, dass wir die Stadt Kisumu bis 18:00 Uhr erreicht haben sollten, denn nach Einbruch der Dunkelheit, war die Straße nicht mehr sicher. 

Es waren noch rund 25 Kilometer auf einer unbefestigten Piste für uns zu Radeln. Wir gaben also mächtig Gas. Nach über 100 geradelten Kilometern erreichten wir bei Sonnenuntergang, verschwitzt und dreckig, einen Vorort der Stadt Kisumu. Erst jetzt war die Straße wieder asphaltiert. In dem Dunst der staubigen Straße, suchten wir nach unserer Unterkunft. Nachdem wir mit unseren Bikes noch eine grausig, schlechte und ausgespülte Piste die Hügel hinauf geklettert waren, erreichten wir fix und knülle das nette Gasthaus. 

 

Einfahrt in Kisumu am Lake Victoria. Erst hier war die Piste wieder asphaltiert.

 

Silvester am Lake Victoria (Kenia) - 31.12.2025

 

Am letzten Tag des Jahres 2025,  radelten wir von der Großstadt Kisumu, zu einem kleinen Dorf namens Asembo. Das Dorf liegt direkt am Victoriasee, dem größten See Afrikas, der fast so groß wie der Freistaat Bayern ist. 

Wir erreichten Asembo am frühen Nachmittag und fanden ein nettes, gemütliches Hotel mit Restaurant. Nachdem wir geduscht hatten, drehten wir zu Fuß eine Runde durch das belebte Dorf und waren völlig entzückt, von den unglaublich lieben und netten Menschen die hier lebten. Was für eine Gastfreundschaft! Alle möglichen Leute kamen auf uns zu und schüttelten uns zur Begrüßung die Hände. Sie stellten sich sogar mit Namen vor und hießen uns in ihrem Dorf willkommen. Auch die Kinder waren wieder unglaublich lieb. Schüchtern aber neugierig kamen auch sie auf uns zu, um uns die Hand zu reichen. 

 

 

Was wäre Afrika ohne die gelben Wasserkanister?

 

In dem kleinen Dorf Asembo am Viktoriasee, feierten wir mit den netten Dorfbewohnern, den Jahresabschluss.

 

Bei 30 Grad und schönstem Sonnenschein, liefen wir hinunter zum Ufer des Viktoriasees. Zahlreiche Frauen kümmerten sich dort um das Trocknen von Fischen und Männer reparierten Fangnetze. Die Atmosphäre war sehr entspannt.

Wir setzten uns eine Weile auf einen hölzernen Steg und schauten über das weite Wasser des Viktoriasees und ließen nach der anstrengenden Radeltour, einfach mal die Seele baumeln. Irgendwann bekamen wir mächtig Hunger und Durst und liefen deshalb zurück, in das geschäftige Dorf. An einem Kiosk kauften wir zwei kalte Limos. Auch hier waren die Männer wieder unglaublich nett. Einer der beiden Herrn, holte sogleich einen Tisch und zwei Stühle für uns aus dem Hof, sodass wir vor dem Laden gemütlich im Schatten sitzen konnten. Währenddessen kam eine ältere Frau. Auch sie schüttelte uns zur Begrüßung die Hände und fragte, ob wir Suaheli sprechen würden. Lachend schüttelten wir die Köpfe. 

Wir liefen zurück zu dem kleinen Hotel, in dessen Garten es auch ein Restaurant gab. Wir bestellten leckeren, fangfrischen, gebratenen Nil-Barsch aus dem Victoriasee, der mit Ugali (fester Brei aus Maismehl oder anderen Getreidesorten), Tomatensalat und Spinat serviert wurde. Das ganze wurde traditionell mit den Händen gegessen. 

 

 

Asembo war ein wundervoller Ort für einen gebührenden Abschluss des Jahres.

Der Radtag hatte es jedoch in sich gehabt, sodass Elli nach dem Essen kaum noch die Augen offen halten konnte. Sie ging deshalb auf's Zimmer. Ich hingegen lief nochmal hinunter zum Ufer des Viktoriasees und spazierte dort im warmen Licht der untergehenden Sonne entlang. Es war wunderschön.

 

Nach dem Spaziergang lief ich wieder zurück zum Hotel, wo vor dem Restaurant, ein paar süße, kleine Mädels, zu afrikanischer Musik tanzten. Ich gesellte mich zu ihnen und tanzte einfach mit. Elli kam aus dem Zimmer gelaufen und filmte kichernd die tanzende Girlgroup.

Gegen 22.00 Uhr konnten wir dann unsere Augen einfach nicht mehr aufhalten. Wir waren fix und knülle und fielen glücklich und zufrieden in unsere Betten. Zum ersten Mal, verschliefen wir den Start in ein neues Jahr. 

 

Tanzeinlage zu afrikanischen Rhythmen.

 

Neujahr

 

Von Asembo nach Ugunja - 01.02.2027

 

 

Am ersten Tag des neuen Jahres, radelten wir weiter nach Ugunja, nahe der Grenze zu Uganda. Unterwegs riefen die Menschen uns freudig „Happy New Year“ entgegen. Wieder ging es die Hügel rauf und runter. Wir waren nicht sehr schnell, doch das machte nichts, denn wir hatten ja den ganzen Tag Zeit. 

Gegen Mittag radelten wir durch ein Dorf namens Nyang'oma Kogelo. Entlang der Straße entdeckten wir ein Grundstück, auf dem eine US-amerikanische Flagge im Wind wehte. Wir wurden stutzig. Dann lasen wir auf einem Schild: „Barack H. Obama Recreation Centre“. Jetzt machte es klick. Uns fiel ein das uns jemand erzählt hatte, dass Barack Obama hier in der Gegend seine Wurzeln hatte. Durch Zufall durchradelten wir nun das Dorf Nyang'oma Kogelo, aus dem B. Obamas Vater kam. (Barack Hussein Obama Senior (1936–1982)) 

Wir sahen uns an und lachten. Natürlich mussten wir hier nun eine kleine Pause einlegen. Wir sahen uns um und fragten den Wachmann des „Barack H.Obama-Recreation-Centre“, ob wir in dem Restaurant etwas trinken könnten. Noch bevor wir das Restaurant betraten, flüsterte Elli mir entgegen: „Da drinnen ist es bestimmt piekfein!“. 

Vertrauensvoll stellten wir unsere Räder beim Wachmann ab und gingen hinein. Wir waren die einzigen Gäste. Über Ellis „piekfein“ mussten wir nun schmunzeln. Das Restaurant war wirklich simpel, doch immerhin lag Besteck auf dem Tisch. 

Wir studierten die Menuekarte und bestellten bei der niedlichen,  schüchternen Kellnerin, einen Pot Milk-Tea und zwei frische Ananas-Säfte. Wie uns die süße Kellnerin dann leise mitteilte, gab es leider keine frischen Säfte. Für uns war das natürlich kein Problem, deshalb bestellten wir zwei kalte Säfte, die eben nicht frisch gepresst waren. 

Eine Weile später kam die junge Kellnerin und servierte uns zwei eiskalte, 1 Liter Tetra-Packs, mit Ananas-Saft. Wir sahen uns mal wieder breit grinsend an und amüsierten uns über Elli’s „piekfein“…

 

 

 

Nachdem wir „Barack H.Obama-Recreation-Centre“ ordentlich Energie in Form von Zucker in uns hinein gekippt hatten, ging es weiter. 

In einem Dorf namens Ndere, machten wir gegen Nachmittag nochmals Pause. Wir waren hungrig und entdeckten unter dem Dach einer Wellblech-Hütte eine Frau, die Kartoffeln in einem Maisteig frittierte und verkaufte. 

Wir stellten unsere Räder ab und setzten uns an einen kleinen Holztisch. Im Dorf war wieder mächtig was los. Hinter dem Haus gab es einkleines Fest. Aus Musikboxen dröhnten laute Afro-Beats.

 

Wir bestellten zwei kleine Tütchen Kartoffelchips mit Ketchup. Die Frau verzog dabei keine Miene. Doch es war kein Wunder, denn es war eindeutig, dass sie ein hartes Leben führte. Die Frau hatte 5 Kinder. Ihr Junge half dabei, das Feuer zum Frittieren der Chips in Gang zu halten. Eine der kleineren Töchter trug das Baby auf den Armen.

Wir kauften noch schnell einige Sachen ein und es war uns am Ende fast peinlich, dass wir Trinkwasser zum Nachfüllen unserer Flaschen im Supermarkt kauften. Das ist in Afrika nicht üblich. Doch wir wollten zügig weiter und uns nicht lange mit dem Filtern oder Entkeimen von Wasser aufhalten. Ein Luxus den nur wir uns leisten konnten.

Als wir uns verabschiedeten, murrte die Frau nur grummelig zurück. Vielleicht zurecht…

 

 

 

Wir radelten weiter. Vor Sonnenuntergang erreichten wir den Ort Ugunja. Dieses laute, miefige Kaff, lag direkt an der Schneellstraße, die zur Grenze nach Uganda führte. In Ugunja fanden wir ein günstiges, etwas schmuddeliges Hotel, neben der Straße. 

Die junge Dame von der Rezeption, ging mit uns in die erste Etage des Hotels, um uns eines der Zimmer zu zeigen. Doch es gab mal wieder keinen Strom und so standen wir zu dritt in einem dunklen Zimmer. Die Dame fragte uns: „Is It ok?“ Und ich antworte: „Oh, it looks beautiful!“ und musste sogleich laut losprusten. Daraufhin zeigte uns die Dame noch das stockdunkele Bad und wieder fragte die Dame: „Is It ok?“ und ich antwortete wieder: „Oh, it is beautifull! We take it! Wir konnten uns das Lachen nicht verkneifen. Es war wieder eine typisch afrikanische Situationskomic, über die wir uns noch Abends im Bett schlapp lachten. 

 

 

 

Von Kenia nach Uganda

 

von Ugunja über Busia nach Namayemba - 02. Januar 2026 

 

Bis zur Grenze zu Uganda waren von Ugunja aus, noch gute 40 Kilometer, auf einer der gefährlichsten Straßen Kenias, zu radeln. Wir starteten in den frühen Morgenstunden. Alles lag noch in einem tropischen Dunst und die Temperaturen waren angenehm warm. 

Die Straße zur Grenze war tatsächlich ziemlich gefährlich, denn es gab keinen Seitenstreifen und auf der Fahrbahn waren jede Menge Trucks und verrückte Autofahrer unterwegs, die riskante Überholmanöver absolvierten. Häufig fuhren wir neben der Fahrbahn durch Sand oder Schotter. Die Landschaft um uns herum war jedoch wunderschön und saftig grün. Die Erde war tief rot und erinnerte uns an Australien. 

 

 

Start im tropischen Dunst des Morgens.

 

Gefährliche Straßen und fehlende Seitenstreifen.

 

Nach circa 15 geradelten Kilometern, suchten wir nach einem geeigneten Platz für ein Frühstück. Einige Meter neben der Straße, befand sich neben einem Maisfeld, eine kleine Kirche. Der Boden war schön ebenerdig und alles sah schön ruhig aus. Wir ließen uns im Gras nieder und kramten Kocher und Töpfe, aus den Radtaschen heraus. Es dauerte nicht lange, da kam eine Frau daher gelaufen und gesellte sich neugierig zu uns. Wir erklärten ihr unseren Kocher und zeigten ihr, wie wir Kaffee und Müsli zubereiteten. Aus dem Maisfeld kamen nun noch ein kleines Mädchen und ein kleiner Junge gelaufen. Auch sie gesellten sich zu uns und sahen wortlos und gespannt zu, was wir machten. Als der Kaffee und das Müsli endlich fertig waren, kamen noch vier weitere Kinder und ein Mann daher. Während wir nun unsere Frühstücksshow vorführten, bestieg im Hintergrund, ein Bulle eine Kuh. 

Amüsiert über die Situation, teilten wir unser Müsli und den Kaffee mit den Kindern, der Frau und dem Mann. Die Frau teilte den Müsli-Brei auf und gab ihn den Kindern portionsweise in die Hand. Die Kids probierten und machten lange Zähne, denn noch nie zuvor hatten sie Müsli probiert. Die Frau hingegen fand das Essen interessant und löffelte den Rest aus dem Topf. Wir verteilten noch eine kleine Packung Kekse und  Bonbons für alle. Die Verpackung wurde einfach auf den Boden fallen gelassen. Natürlich sammelten wir sie auf. 

Unter den Augen der neugierigen Zuschauer, packten wir unseren Kram langsam wieder zusammen. Die Frau wurde ein bisschen traurig und fragte, ob wir gegen 13:00 Uhr nochmal zum Lunch vorbei kommen würden, denn sie wollte uns gerne ihr Haus zeigen.

Wir bedankten uns für diese nette Einladung und erklärten ihr, dass wir weiterfahren und noch am gleichen Tag, über die Grenze nach Uganda wollten. Irgendwann saßen wir wieder auf dem Rad und lachten. Was für ein Frühstück! In Afrika war man wirklich niemals alleine.

 

 

Frühstück mit Zuschauern

 

 

Wir radelten noch weitere 25 Kilometer, bis wir den Grenzort Busia erreichten. In dem quirligen Ort war die Hölle los. Überall Menschen, Märkte und Gefährte. Wir schlängelten uns durch das Gewusel hindurch und radelten aufgeregt zur Grenzstation, wo wir unsere Radtaschen aufwendig durch einen Scanner fahren lassen mussten. Die gelangweilte Beamtin sah jedoch nicht einmal auf den Bildschirm des Computers. Wir sattelten alles wieder auf und gingen nun zum Gebäude für die  Aus- und Einreise von Kenia nach Uganda. Wir gingen getrennt hinein, denn eine von uns beiden Radmiezen, musste draußen vor der Tür auf das Gepäck und die Fahrräder aufpassen. 

Die Einreise nach Uganda war unproblematisch. Wir reichten nur das Visum und den Pass hin, dann wurden nur noch Fingerabdrücke genommen und der Stempel in den Pass gedrückt. 

Spannender war allerdings das Programm vor der Tür. Während Elli im Gebäude war, hatte ich draußen vor der Tür alle Hände voll zu tun, mir die schrägen Typen und Schlepper vom Hals zu halten. Lautstark währte ich sie mit Deutschen Schimpfwörtern ab, bis sie tatsächlich den Rückzug antraten. Die Typen verschwanden.

 

Wir tauschten noch schnell die letzten kenianischen Schillinge und verließen die Grenzstation. In dem Menschengewirr suchten wir auf der anderen Seite, in Uganda noch nach einem ATM, dann radelten wir weiter. 

 

Am frühen Nachmittag war es unglaublich heiß. Bis zu unserem Tagesziel, waren noch gut 40 Kilometer zu kurbeln. Wir hatten mächtig Durst und deshalb suchten wir nach einem kalten Getränk. Doch nirgendwo gab es mehr Kühlschränke und auf ein warmes Soda hatten wir keine Lust. Irgendwann fehlte uns jedoch Energie. Unterzuckert und durstig hielten wir neben der Straße vor einem Haus,an und tranken unser warmes Wasser und holten Kekse aus der Tasche. Vor dem Haus saß eine Familie beisammen. Der Vater stellte zwei Sitzhocker in den Schatten und winkte uns herüber. Wir setzten uns dankbar zu der Familie. Wir waren von der Anstrengung jedoch erstmal so „Banane“ im Kopf, dass es eine Weile dauerte, bis wir etwas sagen konnten. 

Die ganze Familie, war super nett und sehr gastfreundlich. Wir erzählten ihnen von unseren Reiseplänen und wo wir herkamen. Sie sahen uns ungläubig an. Nach einer Weile verabschiedeten wir uns wieder und radelten weiter. 

Wir fühlten uns nun in Uganda genauso willkommen wie in Kenia.

 

Ein herzliches Willkommen in Uganda.

 

Und zu guter Letzt:

 

Toiletten-Geschichten Kenia

 

Für alle die schon immer mal wissen wollten, wie die Klos am anderen Ender der Welt aussehen.

Hier ist definitiv eine gute Treffsicherheit gefragt!