Wie wir das Land Ruanda erlebten:
Der grausame Völkermord in Ruanda liegt gerade mal 32 Jahre zurück. Doch so wie wir das Land und seine Menschen auf unserer Reise erlebten, waren wir sehr positiv überrascht. Ruanda, das kleine ostafrikanische Land, brachte uns regelrecht zum Staunen.
Im Jahr 2026 ist Ruanda ein politisch stabiler, jedoch autoritär regierter Staat, der sich durch eine spürbar gute wirtschaftliche Entwicklung und eine hohe Sicherheit und Sauberkeit auszeichnet. Der Präsident des Landes treibt den Wiederaufbau merklich voran, während Medienfreiheit und politische Opposition stark eingeschränkt bleiben. Der Kurs der Regierung kommt der Bevölkerung definitiv zu Gute. Trotz der bemerkenswerten Fortschritte seit dem Völkermord 1994 sind die Menschenrechte, insbesondere die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt.
Über die Grenze von Uganda nach Ruanda - 19. Januar 2026
Bis zur Grenze zwischen Uganda und Ruanda waren an diesem Tag noch circa 40 Kilometer zu radeln. Nach den ersten 15 Kilometern sahen wir uns neben der Straße nach einem geeigneten Platz zum Frühstücken um. Es war nicht einfach einen ruhigen Platz zu finden, an dem wir ungestört frühstücken konnten, denn überall waren Menschen. Ein Dorf folgte dem nächsten.
Wir entdeckten schließlich eine große Wiese neben der Straße. Dort blieben wir zwar nicht unentdeckt, aber wir hatten Hunger und ließen uns deshalb nieder. Mit Kohldampf kramten wir unseren Kocher aus der Tasche und bereiten uns wie immer Kaffee und Müsli mit Früchten zu. Während wir frühstückten, staksten zwei hübsche Kronenkraniche über die Wiese. Der Kronenkranich ist Nationalvogel Ugandas, ein majestätischer Vogel mit einer charakteristischen goldenen Federkrone, der sowohl auf der Nationalflagge als auch im Wappen des Landes abgebildet ist.
Als wir nach dem Essen wieder zusammenpackten, hatten sich an der Straße während unseres Frühstücks wieder „die Gaffer“ versammelt. Circa 10 bis 15 erwachsene Männer hatten sich eingefunden, um zu beobachten, was wir taten. Ich (Nadine) war so genervt von dem Geglotze, dass ich den Männern aus der Ferne provokant mit beiden Armen zuwinkte, um ihnen zu signalisieren, dass sie endlich abhauen sollten. Doch das Gegenteil geschah. Die Horde Männer kam nun im Laufschritt zu uns herüber gerannt. Genervt fragte ich, ob wir vielleicht Tiere im Zoo wären. Die Männer sahen uns daraufhin nur verdutzt an und verstanden überhaupt nicht was wir damit meinten? Schnell sattelten wir unsere Pferde und ritten im Galopp davon.
Kurz vor der Grenze zu Ruanda machten wir noch einen Stopp an einer Tankstelle. Auch hier wurden wir wieder von vielen Menschen begrüßt und belagert. Eigentlich wollten wir nur mal auf die Toilette, doch jetzt mussten wir für Selfies, Videos und Fragen parat stehen. Der Himmel hatte sich inzwischen zugezogen und Regen kündigte sich an.
Als wir den Grenzort Kagitumba erreichten, wurden wir sofort von Schleppern und Verkäufern belagert. In dem Gewirr der vielen Männer, suchten wir vergeblich nach dem richtigen Weg, für die Ausreise aus Uganda und die Einreise nach Ruanda. Wir fragten deshalb einen Beamten, der mit Kopfhörern in den Ohren, gelangweilt in einem Häuschen saß. Er nuschelte uns daraufhin eine Antwort entgegen und zeigte mit seinem Finger, nicht gerade eindeutig, irgendwo hin. Wir liefen erneut los, ohne den richtigen Weg zu finden. Beim zweiten Anlauf bequemte sich der Beamte nun doch noch aus seinem Häuschen und erklärte uns, nun etwas eindeutiger, den Weg. Wir liefen mit unseren Rädern zum nächsten Häuschen, wo wir aufgefordert wurden uns erstmal die Hände zu waschen, bevor wir als nächstes das Gebäude für die Aus-und Einreise betreten würden. Dort angekommen, luden wir das Gepäck von den Rädern und schoben es durch einen Scanner. Darauf hin bat uns der nette Beamte, mit ihm zusammen auf den Bildschirm seines Computer zu schauen, damit wir ihm erklären konnten, was da alles in unseren Taschen war. Wie man sich vielleicht vorstellen kann, fiel es uns nicht leicht, dabei ernst zu bleiben, denn wir hätten ihm vermutlich alles erzählen können.
Nachdem wir all die die Dinge, die auf dem Röntgenbild fragwürdig aussahen erläutert hatten, konnten wir das Gepäck wieder aufladen. Nun ging es zu den Schaltern für die Aus- und Einreise.
Die beiden strengen Herren hinter der Glaswand ließen mächtig den Chef raushängen und nahmen sich viel Zeit, die beiden Damen aus Deutschland zu befragen. Die zwei Beamten sprachen ganz sicher ein hervorragendes Englisch, jedoch mit solch einem afrikanischen Slang, dass wir sie so gut wie nicht verstanden. Wir waren im Besitz eines Ostafrika-Visums für Uganda und Ruanda, welches bei unserer Einreise nach Uganda schon im Reisepass eingeklebt wurde. Der Beamte übersah es nun aber im Pass und erklärte uns, dass wir ein Visum benötigten und sonst nicht einreisen könnten. Wir verstanden erst nur Bahnhof, doch nach langem hin und her erklärten wir ihm, dass sich das Visum schon in unseren Pässen befinden würde. Jetzt ging dem Beamten ein Licht auf.
Als nächstes wollte der Beamte aus Ruanda eine Hotelbuchung von sehen, die wir nicht hatten. Ohne einen Nachweis für eine Hotelbuchung durften wir nicht nach Ruanda einreisen. Im Beisein des Beamten, mussten wir daraufhin ein Hotel seiner Wahl buchen, denn unsere persönliche Wahl wurde abgelehnt.
Nach rund 30 Minuten schwitzen, bekamen wir von den beiden gnädigen Herren, endlich die Ausreisegenehmigung für Uganda und den Stempel für Ruanda in den Pass gedrückt. Das teure Hotel haben wir vor Tür natürlich sofort wieder storniert.
Nachdem die Einreiseformalitäten erledigt waren, tauschten wir bei zwei Herren auf der Straße noch Ugandische Schillinge in Ruanda Franc. Zuvor hatten wir uns den aktuellen Tageskurs herausgesucht und bekamen von den Männern kurioser Weise, genau die Ruanda Franc, die wir ausgezahlt haben wollten, ohne meckern und ohne murren.
Es begann zu regnen. Wir stellten uns an der Grenzstation unter und warteten mit ab. Als der Regen wieder nachließ, pedalten wir los.
Das fruchtbare und saftig grüne Land Ruanda.
Jetzt waren wir also in Ruanda. Wir waren sehr gespannt und neugierig auf das, was uns in dem kleinen Land erwarten würde.
Aufgrund der vielen Berge, hatten wir uns im Vorfeld für einen kurzen Weg durch Ruanda und abseits der Touristenrouten entschieden.
Über eine asphaltierte Landstraße, steuerten wir Nyagatre, die „Milch-Hauptstadt“ Ruandas an. Nyagatare gilt als Zentrum der Milchproduktion, insbesondere wegen der großen Viehfarmen.
Schon kurz nach der Grenze, zeigte sich Ruanda von seiner besten Seite. Triefend und keuchend kurbelten wir uns schleppend voran. Unsere ersten Sätze in Ruanda waren: „Bhoaaa, haben die Berge hier!“ und: „Oh Gott sind hier viele Menschen!“
Die Anstiege waren wirklich fett, aber immerhin war die Landstraße, im Gegensatz zu Uganda, nun prima asphaltiert. Und überhaupt sah plötzlich alles viel sauberer und gepflegter als im Nachbarland aus. Es gab sogar Straßenlaternen, die mit Solar betrieben wurden.
Wir kamen nur sehr langsam die steilen Berge hinauf. Zu unserem Leid rannten unzählige Kinder neben uns her und schrieen hysterisch: „A Mzungu, a Mzungu…!“ Sie trieben uns damit allmählich in den Wahnsinn! Über viele Kilometer wurden wir nun zeitweise auch, von Einheimischen auf Fahrrädern begleitet.
Als wir an einer Schule vorbei radelten rasteten die Kinder, die gerade Mittagspause hatten und sich auf dem Schulgelände befanden, regelrecht aus. Ungefähr 100 rannten schreiend und kreischend zum Zaun und zum Eingangstor der Schule, um uns Mzungus zu sehen. Elli schrie währenddessen lachend: „ Madonna is commmmming“!!! Wir hielten fassungslos an und filmten die schreienden Kids, während ein Wächter die Kinder am Tor, nun mit einer großen Rute wie Vieh, zurück auf den Hof trieb. Wir waren entsetzt von diesem Umgang und hatten sogleich ein schlechtes Gewissen. Doch wie sollte man so viele hysterische Kinder auch im Zaum halten? Es war tatsächlich, als würde Madonna spontan irgendwo auftauchen und ihre Wachmänner müssten die Meute zurückhalten. Es war schräg und unheimlich zugleich. Aus zwei Radlerinnen wurden Pop-Stars.
Unsere Euphorie legte sich beim nächsten Anstieg. Wieder schwitzten wir uns keuchend voran.
In einem Dorf hielten wir kurz an, um ein kaltes Getränk zu kaufen. Sofort waren alle Einwohner und Kinder zur Stelle. Während Elli mit der Meute um sich herum bei den Rädern wartete, ging ich in einen Kiosk und kaufte zwei Soda. Die Menschen waren sehr höflich und freundlich. Ich ging noch in einen weiteren Laden, um Klopapier zu kaufen. Hinter dem Tresen kauerte eine sichtbar kranke Frau. Sie hatte dicke Augen und hustete schrecklich vor sich hin. Etwas erschrocken verließ ich rückwärts wieder den Laden. Die Frau tat mir wirklich leid. Ich ging zum Fahrrad und kramte einen Streifen Ibuprofen aus der Tasche. Dann ging ich zurück in den Laden, übergab sie der kranken Frau und erklärte ihr die Einnahme. Die Frau war dankbar.
"Madonna is coming!"
Elli ist auf dem Fahrrad im Anmarsch und wird von zahllosen Kindern hysterisch bejubelt.
(auf dem Foto sind übrigens nur einige wenige Kinder zu sehen...)
Wir radelten weiter. Zum Glück wurden aus den Bergen nun Hügel und weniger Menschen waren auf der Straße. Wir pedalten durch hübsches, saftiges Farmland. Auf den Wiesen grasten Kühe und Ziegen und auf den Feldern wurde überwiegend Mais angebaut. Im Hintergrund gab es üppige, grüne Wälder mit hohen Bäumen, die in dem tropischen Dunst weich wie ein Aquarell wirkten.
Nach circa 82 Kilometern erreichten wir die „Milch-Hauptstadt“ Nyagatare. Auch dort sah alles viel ordentlicher, sauberer und gepflegter aus, als in Uganda. Es gab sogar Fahrradwege und Bürgersteige.
In Ruandas „Milch-Hauptstadt“ Nyagatare.
Nyagatare, im Nordosten Ruandas gelegen, ist das Herz der dortigen Milchwirtschaft und als „Milchhauptstadt“ bekannt.
Am Abend radelten wir nochmals die Berge hinunter in die Stadt, um etwas zu essen. In Uganda waren wir es gewohnt, dass am Abend die Stände öffneten und überall gegrillt, frittiert und gebrutzelt wurde. Doch nur 40 Kilometer hinter der Grenze, suchten wir in Ruanda nun vergeblich nach Streetfood. Nach langer Suche entdeckten wir irgendwann einen kleinen Laden, in dem eine Frau frittierte, gefüllte Taschen (Samosas) verkaufte, die entweder mit Fleisch und Ei oder mit Kartoffeln gefüllt waren. Wir kauften je vier Stück, die wir hungrig in uns hineinstopften.
Kühe auf Schnupperkurs...
Von Nyagatare nach Kayonza (Ruanda) - 21. Januar 2026
Gegen 8:15 Uhr saßen wir auf unseren Rädern. Das Wetter war besser als gedacht und die Sonne schien vom Himmel. Wir hatten großes Glück, denn am Tag zuvor hatte fast pausenlos geregnet.
Die Strecke führte an diesem Tag, auf erstklassigen Asphalt, durch eine hügelige Landschaft. Das es ein anstrengender Tag auf dem Rad werden würde war klar, denn Ruanda ist für Berge bekannt.
Nach unserer langen Reise durch Uganda, waren wir in Ruanda nun völlig verzückt von der Qualität der Straßen, denn in vielen Orten gibt es Fahrradwege, Fußwege, Zebrastreifen, vernünftige Straßenschilder und jede Menge moderner Blitzer, die wie in Europa, versteckt am Wegesrand stehen. Im Vergleich zu Uganda war Ruanda nun das völlige Kontrastprogramm. Alles war super sauber und gepflegt. Auf den Straßen lag kaum Müll.
Ruanda hat eines der Weltweit strengsten Plastiktütenverbote, das bereits 2008 in Kraft trat. Import, Produktion, Verkauf und Besitz sind verboten, Verstöße werden mit hohen Geldbußen und Gefängnis geahndet. Dies machte die Hauptstadt Kigali zu einer der saubersten Städte Afrikas, aber auch der Rest des Landes ist unglaublich sauber.
Wir konnten es kaum glauben...
In Ruanda gibt es richtige Fahrradwege, Bürgersteige, Laternen und keinen Müll am Wegesrand.
Ruanda ist definitiv sauberer als Berlin!
Die meisten Kinder in Ruanda gehen zur Schule. Das die Kinder von 8:30 bis 17:00 Uhr die Schule besuchten, war für uns ein großes Glück, denn ihr könnt euch kaum vorstellen, wieviele Kinder es in Ruanda gibt und was auf den Straßen los ist, wenn diese nicht in der Schule sind. Wenn die Kids um 17:00 Uhr die Schulen verlassen, dann ist auf den Straßen die Hölle los!
Die unzähligen Kinder flippten immer total aus, wenn sie uns sahen und schrieen hysterisch „Mzungu, Mzungu!“ durch die Gegend. Sie kamen in Scharen gerannt, liefen neben uns her und umzingelten uns wenn wir anhielten.
In Ruanda gibt es eine verpflichtende Grundbildung der Kinder, wobei der Besuch der staatlichen Schulen oft kostenfrei ist. Auch das Tragen einer Schuluniform ist Pflicht. In den Schulen wird während der ersten drei Jahre Kinyarwanda unterrichtet. Kinyarwanda ist die Muttersprache von fast 100 % der Bevölkerung. Die Schulen sind oft überfüllt, im Schnitt teilen sich 65 Schüler einen Klassenraum. Obwohl viele Kinder eingeschult werden, schließen nur etwa die Hälfte bis zwei Drittel die Grundschule tatsächlich ab.
Grundsätzlich wirkten die Menschen in Ruanda jedenfalls sehr viel gebildeter, moderner und strukturierter auf uns, als die Menschen in Uganda. Zwar reagierten die unzähligen Kinder in Ruanda genauso hysterisch auf uns, wie die Kinder in Uganda, doch die Erwachsenen waren etwas zurückhaltender, bedachter und fortschrittlicher.
In Ruanda hatten wir das Gefühl, dass die meisten Menschen Arbeit haben und der größte Teil der Kinder zur Schule geht. So gut wie jeder, trägt in Ruanda etwas sinnvolles für das System bei. Überall wird gefegt, sauber gemacht und Müll gesammelt.
Nichts desto trotz, wird in Ruanda fast alles noch mit knochenharter Handarbeit gemacht. Das Gras wird mit der Machete gekürzt, die Felder werden ohne Maschinen bestellt und geerntet und auch das Wasser muss in den meisten Fällen vom Brunnen zum Haus transportiert werden.
Das scheinbar gut funktionierende System, wirkte auf uns ein bisschen sozialistisch, doch es freute uns sehr zu sehen, dass enorm viel in die Infrastruktur des Landes investiert wird und dies den Menschen zu Gute kommt. Ein himmelweiter Unterschied zu Uganda! Ruanda ist definitiv fortschrittlicher, wenn dadurch auch etwas weniger spannend und abenteuerlich.
Auf dem Fahrrad wurden wir oft von einheimischen Radfahrern begleitet. Sie fuhren vor uns, neben uns oder hinter uns her und warteten, wenn wir anhielten, ob wir dies nun wollten oder nicht. Manchmal machte es richtig Spaß und manchmal waren wir von der Situation richtig genervt.
An diesem Tag fuhren wir aus Spaß, über viele Kilometer, mit ein paar jungen Burschen ein Rennen. Die Jungs fuhren klapprige Räder, ohne Schaltung und auf ihren Gepäckträgern waren große Holzkisten befestigt, in denen sie unzählige junge Hühner, dicht an dicht, transportieren. Als wir die Jungs mit den Hühnern überholten, nahmen sie als Ansporn und gaben plötzlich Gas. Über viele Kilometer ging es die Berge rauf und runter. Mal überholten sie und mal überholten wir. Irgendwann hatten wir zwei der Jungs abgehangen und fuhren nur noch mit einem von ihnen das Rennen. Der Junge triefte genauso so wie wir, doch ohne Gangschaltung und mit einem Käfig voller Küken auf dem Gepäckträger, hatte er unseren vollsten Respekt.
Irgendwann hielten wir Mädels an, denn wir waren durstig und benötigten dringend Energie. Auch der Junge hielt nun an und wartete auf uns. Zum Gaffen gesellten sich noch ein weiterer Fahrradfahrer und ein neugieriger Mopedfahrer zu uns. Ich ging zu dem Jungen, mit dem wir ein Rennen gefahren waren hinüber und reichte ihm Wasser und Kekse. Triefend und mit Schweißperlen im Gesicht, stürzte er sogleich einen ganzen Liter Wasser hinunter. Glücklich und lachend bedankte er sich für das warme Nass und die Kekse.
Wir radelten noch einige Kilometer mit dem Burschen weiter, bis wir uns voneinander verabschiedeten.
Auch mit diesem jungen Mann fuhren wir über viele Kilometer ein Rennen.
Immerhin kamen dadurch die Hühner schneller ans Ziel.
Auf der hügeligen Strecke durch den Osten Ruandas, gab es nun kilometerlaaaange Anstiege und kilometerlaaaaange Abfahrten.
Nachdem wir einen quirligen Ort durchfahren hatten, bekamen wir erneut Begleitung auf dem Fahrrad. Wieder war es eine Gruppe junger Männer. Inzwischen waren wir jedoch schon 40 Kilometer die Berge rauf- und runter geradelt und demzufolge etwas Knülle. Man kann sich vielleicht vorstellen, dass unter solchen Strapazen, eine anhängliche männliche Begleitung nicht immer sehr angenehm ist, auch wenn die Herren ganz lieb sind.
Elli war zu diesem Zeitpunkt etwas unterzuckert, doch wir fanden einfach nichts, wo man etwas kaufen konnte.
Von unserer Begleitung war Elli nun deshalb reichlich genervt, denn wann immer wir anhielten, taten die Jungs es auch und warteten. Nach vielen Kilometern fanden wir in einem kleinen Dorf endlich einen Stand, der Samosas verkaufte. Samosas sind dreieckige, frittierte, gefüllte Teigtaschen. Sie bestehen aus knusprig frittiertem Teig, gefüllt mit gewürztem Hackfleisch (oft Rind oder Ziege), Gemüse wie Erbsen und Karotten oder Kartoffeln. Sie sind typisch für die ruandische Küche, oft als Streetfood oder Vorspeise serviert.
Kaum hatten wir vor dem Stand, der die Samosas verkaufte, unsere Räder abgestellt, wurden wir von den Dorfbewohnern wieder umzingelt und ausgefragt. Wir hielten die Antworten kurz und stürzten uns anschließend hungrig auf die Teigtaschen.
Erneute Begleitung auf dem Rad. InAfrika ist man eben nie alleine.
Um den Umgang mit Tieren, darf man in Afrika nicht nachdenken...
Nach der Pause waren noch gute 40 Kilometer zu radeln. Die Strecke war wunderschön, wenn auch sehr anstrengend. Kurz vor der Kleinstadt Kayonza radelten wir an einem großen See mit dem Namen „Lac Muhazi“ vorbei, von dort ging es für viele Kilometer bergauf. Inzwischen hatten wir 85 Kilometer auf der Uhr. Der lange Anstieg war deshalb zäh und zermürbend. Wieder radelte ein junger Mann, mit einem quietschenden Fahrrad, neben uns her. Nun war ich es (Nadine), die davon mächtig genervt war. Ich ging abrupt auf die Bremse, um den Burschen loszuwerden und wartete auf Elli. Doch der junge Mann wartete einfach mit mir. Als Elli schließlich eintraf, fuhren wir weiter. Wieder quietschte der junge Bursche neben mir her und stellte irgendwelche Fragen. Bei dem endlosen Anstieg war das alles andere als angenehm. Ich gab dem Burschen zu verstehen, dass er endlich „Leine ziehen“ sollte, doch er blieb hartnäckig und hielt immer an, wenn ich es auch tat. Irgendwann platzte mir mächtig der Kragen. Ich schrie den Burschen aus voller Kehle an. Als Elli eintraf, schrieen wir den Jungen zu zweit und auf Deutsch an. Zusätzlich blies ich volle Kanne in meine Trillerpfeife. Der Pfiff war ohrenbetäubend und alle Leute blickten nun zu uns herüber. Trotz allem ließ der Junge nicht locker und tat so, als wüsste er nicht was wir von ihm wollten. Wir brüllten ihm noch eine Weile lautstark entgegen, bis er endlich den Abflug machte.
Das Radfahrer uns in Ruanda begleiteten und dabei sehr hartnäckig waren, gehörte tatsächlich zur Mentalität der Bevölkerung. Doch dieser junge Bursche war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort, denn mit zwei groggi Radmiezen war definitiv nicht zu spaßen!
Verfolger auf Schritt und Tritt...
Kurz hinter dem Ort Kayonza steuerten wir ein Guest House mit dem Namen“ Bashana“ an. Nach über 90 geradelten Kilometern, erwartete uns die Belohnung! Das Zimmer im Guest House war der pure Luxus! Es war riesig, sehr geschmackvoll eingerichtet und hatte ein großes Bad. Es gab sogar warmes Wasser einen Wasserkocher. Klassischer, europäischer Standard, der uns nach all den Wochen in Afrika, wie das Paradies vorkam.
Ausflug nach Kigali, der Hauptstadt Ruandas - 23. Januar 2026
An diesem Tag ließen wir unsere Fahrräder im „Bashana Guest House“ in Kayonza stehen, denn wir wollten Kigali, die Hauptstadt Ruandas erkunden.
Kigali lag nicht ganz auf unserer Fahrradstrecke und in einem, wie sollte es anders sein, sehr bergigen Gebiet. Wir entschieden deshalb, die 140 Extrakilometer mit dem Bus zu fahren und die Stadt zu Fuß zu erkunden.
Um 6:00 Uhr in der früh, nahmen wir also den Bus nach Kigali und mischten uns dabei unter Einheimische, die so wie wir, in die Hauptstadt wollten oder zur Arbeit fuhren.
Als wir Kigali gegen 10:00 Uhr erreichten waren wir froh, dass wir unsere Räder nicht dabei hatten, denn schon zu Fuß waren wir mächtig aus der Puste. Wir liefen die Berge in Kigali rauf und runter und erkundeten ein wenig die Stadt. An einem gut frequentierten Kiosk, kauften wir herzhafte und frisch gebackene Samosas (gefüllte, frittierte Teigtaschen), dazu Kaffee aus einer echten italienischen Maschine.
Nach dem Frühstück nahmen wir je ein Motorrad-Taxi und ließen uns zum Genocide Memorial fahren. Das Genocide Memorial liegt nicht weit entfernt von Kigali. Es ist eine Gedenkstätte, die an den Völkermord in Ruanda von 1994 erinnert. Zu der Einrichtung gehören unter anderem eine Bestattungsstätte mit Massengräbern und eine Gedenkausstellung.
Kaffee und gefüllte Samosas.
Frühstück an einem Stand in Kigali, der Hauptstadt Ruandas.
Das Genocide Memorial und die grausame Geschichte Ruandas
30 Jahre sind vergangen seit dem Genozid in Ruanda im Jahr 1994, welcher das Land und seine Bewohner für immer verändert hat. Innerhalb von 100 Tagen wurden 800.000 Menschen, hauptsächlich Tutsi, aber auch einige Hutu, brutal ermordet.
Ruanda war im 19. und frühen 20. Jahrhundert unter der Kolonialherrschaft von Deutschland und später von Belgien. Während dieser Zeit wurden koloniale Strategien angewandt, die das Konzept der Ethnizität verstärkten und die Gesellschaft in künstliche ethnische Kategorien einteilten.
Die belgische Kolonialmacht bevorzugte die Tutsi-Bevölkerung gegenüber der Hutu und forderte eine Politik, bei der die Tutsi als privilegierte Elite betrachtet wurden. Diese Unterscheidung und Hierarchisierung der ethnischen Gruppen sorgten für eine Ungleichheit und Spannung, die auch nach der Unabhängigkeit Ruandas 1962 bestehen blieb. Während dieser Zeit wurden die Tutsi als landbesitzende Elite begünstigt, was zu einer weiteren sozialen Kluft zwischen den Tutsi und den Hutu führte.
Der Genozide von Ruanda
Der Völkermord von 1994 kann als Ausbruch jahrzehntelanger ethnischer Spannungen und politischer Machtkämpfe betrachtet werden. Dieser wurde von extremistischen Hutu-Milizen und Teilen der Regierung durchgeführt, die eine systematische Ausrottung der Tutsi-Bevölkerung anstrebten. Die Grausamkeit und das Ausmaß dieses Genozids hinterließen tiefe Wunden in der ruandischen Gesellschaft. Familien wurden auseinandergerissen, ganze Gemeinden wurden verwüstet, und das Vertrauen zwischen den ethnischen Gruppen wurde schwer beschädigt. Ruanda stand vor der enormen Aufgabe, sich von den traumatischen Ereignissen zu erholen und den Weg zu einer versöhnlichen und stabilen Zukunft zu finden.
Nach dem Genozide stellten Frauen ca. 70 % der Bevölkerung und übernahmen entscheidende Rollen beim Wiederaufbau, der Versöhnung sowie in Führungspositionen, was Ruanda zu einem weltweiten Vorreiter bei der politischen Teilhabe von Frauen machte.
Die ruandische Gesellschaft hat sich durch die aktive Teilhabe der Frauen grundlegend verändert, auch wenn das Land weiterhin autoritär unter Paul Kagame regiert wird.
Das Genocide Memorial
Die Geschichte Ruandas ging uns sehr an die Nieren und machte uns betroffen, denn das Memorial beherbergt die sterblichen Überreste von 250.000 Opfern. Die Gebeine sind Teil einer umfassenden Dokumentation, die auch Kleidung, Tatwaffen und auch persönliche Gegenstände umfasst, um das Ausmaß der Gewalt zu verdeutlichen.
Während unseres Aufenthalts, wurde die Gedenkstätte, auch von einer großen Gruppe einheimischer Schüler besichtigt, die circa 16 Jahre jung waren. Einige der Jugendlichen waren so betroffen, dass sie vor unseren Augen weinten. Sie hatten das Genozid von 1994 nicht miterlebt, doch es war ganz sicher die Geschichte ihrer Familien und Eltern.
Der Akagera National Park
Der Akagera National Park liegt im Osten Ruandas und ist ein 900 km² großes Schutzgebiet, das für seine Savannen, Sümpfe und Seen bekannt ist. Als zentralafrikanisches Feuchtgebiet beherbergt der Park unter anderem Löwen, Nashörner, Elefanten, Büffel, Leoparden, sowie Giraffen, Zebras und über 500 Vogelarten. Entlang der Seen und Flüsse leben zahlreiche Flusspferde und Nilkrokodile.
Der Park wurde 1934 von der damaligen Kolonialmacht Belgien, auf einer Fläche von 2.500 km² gegründet. Ende der 1980er Jahre nahm der Bevölkerungsdruck erheblich zu. Neben der Verkleinerung der Parkfläche wirkte sich auch der Bürgerkrieg der 1990er Jahre und die auf Parkgebiet errichteten Flüchtlingslager sehr belastend für das Ökosystem aus. In den Jahren 2004 und 2007 zerstörten großflächige Brände mehr als ein Drittel der Parkfläche.
Die Tierbestände haben unter dem Verlust großer Teile ihres Lebensraumes stark gelitten. So wurden die ursprünglich zahlreichen Spitzmaulnashörner ausgerottet und die Löwenpopulation stark dezimiert. Ende 2009 wurde begonnen, mit einem elektrischen Zaun illegale Eindringlinge fernzuhalten.
Seinerzeit wurde der Park durch Wilderei, Landnutzungskonflikte und Brände fast zerstört, doch seither hat der Akagera-Nationalpark einen beeindruckenden Wandel vollzogen. Dank der Zusammenarbeit zwischen der ruandischen Regierung und der Organisation African Parks konnte das Gebiet nicht nur wiederhergestellt, sondern zu einem Vorzeigemodell für Naturschutz in Afrika entwickelt werden. Heute beherbergt der Akagera Nationalpark eine erstaunliche Vielfalt an Wildtieren.
Radmiezen auf Safari im Akagera National Park.
Auf Safari im Akagera National Park (Ruanda) - 25. Januar 2026
Es war noch dunkel als unser Guide Josef, uns am frühen Morgen mit einem riesigen Safari-Jeep vom Guest House abholte. Unser Gastgeber Alex lud zusammen mit Josef alles in den Wagen, was für ein Picknick im Park nötig war und dann ging es los.
Bis zum Eingang des Akagera Nationalpark, waren nur circa 25 Kilometer zu fahren. Mit dem Auto war das ein Katzensprung. Der riesige Jeep hatte eigentlich Platz für sieben Personen, doch außer uns hatte niemand weiter gebucht und so wurde aus unserer Gruppensafari eine Privattour.
Mit unserem netten Guide Josef, rüttelten wir im Nationalpark auf einer unbefestigten Piste entlang. Die Sonne schien inzwischen vom Himmel und es wurde zunehmend wärmer. Wir alle hielten nun Ausschau nach Wildtieren. Wie wir zuvor gelesen hatten, konnte man im Akagera Nationalpark tatsächlich die „Big Five“ spotten! Klar, weil der Park so groß ist, doch man muss natürlich auch ein bisschen Glück haben, denn schließlich ist ein Nationalpark ja kein Zoo!
Wir waren also sehr gespannt, welche Tiere uns begegnen würden, hatten jedoch keine all zu großen Erwartungen. Man freut sich eben über das, was einem zufällig über den Weg läuft.
Es dauerte jedoch nicht lange, da schrie Elli aufgeregt: „Daaa, daaa, ein Elefant, ein Elefant!!!“ Josef ging auf die Bremse. Tatsächlich, nur wenige Meter entfernt, stand neben unserem Wagen ein junger Elefant im hohen Gras und mampfte gemütlich das Grün von den Büschen. Wir beobachteten den Elefanten eine ganze Weile aus dem offenen Dach unseres Jeeps, bis der Dickhäuter direkt vor uns die Piste überquerte und im Wald verschwand. Morning Glory!
Morning Glory! Der erste Elefant der uns im Akagera National Park begegnete.
Im Wagen rüttelten wir weiter die Piste entlang und entdeckten noch mehr der sanften Riesen, die sich trotz ihrer gewaltigen Größe und Masse, sehr leise und geschmeidig bewegten. Doch das ist kein Wunder, denn Elefanten können mit den Füßen hören. Elefanten unterhalten sich unter anderem, indem sie mit einem ihrer sensiblen Füße aufstampfen oder ihn rollen, wobei nur die Zehen den Boden berühren. Dabei handelt es sich um sehr tiefe, für den Menschen nicht hörbare Schallwellen, die sich über die Erdoberfläche kilometerweit ausbreiten können und mit denen sich die Tiere gegenseitig vor Gefahren warnen. Elefanten bewegen sich wirklich äußerst leichtfüßig. Selbst vier Tonnen schwere Bullen hinterlassen im harten Boden kaum Spuren, weshalb man Elefantenherden oft erst bemerkt, wenn man die Tiere sieht.
Nach den ersten tollen Erlebnissen mit den sanften Dickhäutern, fuhr Josef mit uns zum Frühstück in Richtung des Lake Ihema, den zweitgrößten See Ruandas. Auf dem Weg dorthin begegneten wir einer Herde Zebras, verschieden Arten von Antilopen und einer größeren Gruppe Paviane, die viele Jungtiere unter sich hatte.
An einem kleineren See mit Campground (Shakani Campsite), legten wir eine Pause ein. Während Josef für uns das Frühstück bereitete, beobachteten wir die Nilpferde, die in der Nähe des Ufers im Wasser lagen.
Wir setzten uns zusammen mit Josef an den liebevoll gedeckten Picknicktisch und genossen den Blick über den ruhigen See. Genüsslich schlürften wir unseren Kaffee, mampften Eierkuchen mit Nutella und leckeren Obstsalat, derweil Josef uns einiges über die Tiere im Nationalpark erzählte.
Picknick mit Aussicht
(Shakani Campsite im Akagera Nationalpark)
Beim Picknick mit unserem netten Guide Josef. (Akagera Nationalpark)
Der Akagera-Nationalpark beherbergt eine der höchsten Nilpferd-Dichten in Ostafrika, mit einer Population von über 1.700 Tieren. Nilpferde sind nach Elefanten und Nashörnern die drittgrößten Landsäugetiere, die primär in afrikanischen Gewässern leben. Trotz ihres trägen und niedlichen Aussehens gelten sie als gefährliche Pflanzenfresser, die tagsüber im Wasser ruhen und nachts an Land bis zu 40 kg Gras fressen. Jährlich werden schätzungsweise 500 bis 3.000 Menschen weltweit durch Nilpferd-Angriffe getötet. Hippos sind extrem territorial, aggressiv und unberechenbar. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h an Land und enormer Beißkraft können sie Boote kentern und Menschen schwer verletzen oder töten.
Unzählige Happy Hippos tummeln sich in den Gewässern des Akagera National Park.
Nach dem Frühstück rüttelten wir in dem riesigen Jeep weiter in Richtung Norden. Die Landschaft war atemberaubend schön. Ein abwechslungsreiches Mosaik aus Savannen, sanften Hügeln, ausgedehnten Feuchtgebieten mit Seen und Sümpfen. Tiere gab es im Akagera National Park wirklich satt. Hier und da trafen wir auf unserer Tour auf andere Fahrzeuge, in denen überwiegen weiße Europäer saßen. Doch der Tourismus hielt sich auch im Akagera National Park in Grenzen.
Die Landschaften im Park waren vielseitig und die verschiedenen Tierarten, bevorzugten aufgrund der Speisekarte, verschiedene Gebiete. Während die Elefanten eher in den frühen Morgenstunden anzutreffen waren und in den dichter bewaldeten Gebieten, im Süden des Parks lebten, bevorzugten Löwen, Giraffen und andere Tiere die trockene Savanne-und Graslandschaft.
Einer der vielen hübschen Fischadler, die man im Akagera National Park beobachten kann.
Noch bevor wir die offene Savanne erreichten, durchquerten wir ein Sumpf- und Feuchtgebiet. Auf der Piste vor uns standen plötzlich drei ausgewachsene Nashörner. Erschrocken von unserem Erscheinen, nahmen die drei Kolosse die kräftigen Beine in die Hand und rannten in den Wald. Dabei hinterließen sie eine dicke Staubwolke.
Wir hatten mal wieder großes Glück, denn Nashörner schlafen etwa acht Stunden am Tag und suchen dafür den schattigen Schutz von Büschen und Bäumen.
Nach der Ausrottung der Nashörner im Akagera National Park durch Wilderei, wurden sie ab 2017 wieder erfolgreich angesiedelt. Im Mai 2025 wurden 70 südafrikanische Breitmaulnashörner eingeflogen, um die Population im Park zu vergrößern.
aufgeschreckte Nashörner in Aktion...
Lachend fuhren wir mit Josef weiter durch den Park, bis wir schließlich die offene Savanne erreichten. Irgendwann sahen wir vor uns drei Jeeps, die sich am Rand der Piste vor einem Akazienbaum platziert hatten. Dort angekommen trauten wir unseren Augen nicht, denn nur einige Meter vor uns, lag ein großer Löwe schlafend und völlig entspannt, unter einem Baum. Hier und da öffnete er die Augen und beobachte träge das Geschehen. Wir konnten es kaum fassen. Es war definitiv unser Glückstag!
"The Lion Sleep's Tonight..."
Mittagsschläfchen direkt neben dem Jeep.
Der Löwe war stattlich! Er war eine wunderschöne, kräftige, muskulöse Katze, mit einem breiten, großen Kopf, einem dicken Bauch und einer prächtigen Mähne.
Josef sah sich um und entdeckte in der Ferne, den Bruder des Löwen. Auch er lag dösend im trockenen, gelben Gras, im Schatten eines Baumes.
Löwen sind die zweitgrößten Katzen der Welt, in Größe und Gewicht werden sie nur von Tigern übertroffen. Nachdem die Löwenpopulation in den 1990er Jahren im Akagera National Park vollständig ausgerottet worden war, wurden 2015 Löwen aus Südafrika erfolgreich im Park angesiedelt. Die ersten sieben Löwen aus Südafrika (fünf Weibchen, zwei Männchen) hatten sich gut eingelebt und vermehrt. Inzwischen ist die Population auf über 40 Tiere angewachsen. Die Löwen werden heute mit Satelliten-Halsbändern überwacht, um ihre Sicherheit zu gewährleisten und Konflikte mit der lokalen Bevölkerung zu minimieren.
Der Löwe der nur einige Meter neben uns faul im Schatten lag erwachte und wälzte sich genüsslich auf dem Rücken, bevor er entspannt in die Runde der gaffenden Zuschauer sah. Gelangweilt legte er sich wieder auf’s Ohr, schloss die Augen und döste weiter.
Nachdem wir die Löwen zeitverloren beobachtet hatten, fuhren wir weiter zum Wohngebiet der Giraffen. Es dauerte nicht lange, da sahen wir auch schon die ersten Meister der Tarnung im Fleckenkleid. Elegant und graziös bewegten sich die riesigen Tiere durch die Savanne. Im Verhältnis zu ihren Ausmaßen haben Giraffen durch den Hals eine große Körperoberfläche. So können sie Wärme besser abgeben als zum Beispiel Elefanten. Vor allem aber gelangen sie in fünf oder sechs Meter Höhe prima an ihr Lieblingsfutter, nämlich an das Laub, aber auch die Zweige und Dornen der Savannenbäume. Ihre Leibspeise sind jedoch die Zweige der Akazien, denn sie beinhalten viel Wasser. Die saftigen Blätter der Akazie liefern in trockenen Savannen die nötige Feuchtigkeit. Akazienblätter sind essenziell, da Giraffen ihre Vorderbeine weit spreizen müssen, um Wasser zu trinken, was sie angreifbar macht. Trotzdem es in der Savanne viele Akazienbäume gab, konnten wir eine Giraffe mit gespreizten Beinen beim Trinken an einer Wasserstelle beobachten. Es war eben wirklich unser Glückstag!
Eine Giraffe beim trinken...
Da Giraffen ihre Vorderbeine weit spreizen müssen,
um Wasser zu trinken, werden sie angreifbar.
Doch auch Pflanzen schützen sich vor Feinden und vor Abweidung. Akazien haben eine spezielle Verteidigungsstrategie und schützen sich damit effektiv vor Fraßfeinden wie Giraffen. Die angegriffenen Akazien strömen Äthylen aus, was benachbarte Bäume innerhalb von 15 Minuten warnt, Tannine zu produzieren, wodurch die Blätter für die Giraffen innerhalb von Minuten ungenießbar werden. Sie lassen dann davon ab und suchen sich den nächsten schmackhaften Baum.
Übrigens kann man auch selbst mit seinem Wagen durch den Akagera National Park cruisen, doch eigentlich ist es wirklich sinnvoll und empfehlenswert, einen Ranger oder Guide an seiner Seite zu haben, denn diese kennen das Gebiet in- und auswendig und wissen genau, wo und zu welcher Tageszeit die verschieden Tiere zu finden sind.
Es war an der Zeit für das Mittagessen. Josef fuhr uns deshalb durch die wunderschöne Graslandschaft, zum höchsten Punkt des National Parks, zur Mutamba Campsite.
Wieder waren wir Mutterseelenallein. Im Schatten und unter dem Dach eines offen Picknickbereichs, deckte Josef für uns den Tisch. Unsere Gastgeberin im Guest House hatte zuvor gegrilltes Hühnchen, Reis, Gemüse und frittierte Kartoffeln, mit einer tollen Soße für uns vorbereitet. Hungrig langten wir zu und genossen bei einer angenehmen Briese, den Blick in das breite Tal des Parks und auf den Ihema-See, der weit unten in der Savanne im Dunst lag.
Lunch auf dem höchsten Punkt im Akagera National Park. (Mutamba Campsite)
Irgendwann machten wir uns wieder auf den Rückweg, denn bis zum Ausgang waren viele Kilometer zurückzulegen. Wieder trafen wir auf Giraffen, die sich genüsslich durch die Akazien mampften. In einiger Entfernung entdeckten wir auch eine große Herde Büffel und am Wegesrand viele Impalas und Wasserböcke.
Wasserböcke im Akagera National Park.
Auf dem Rückweg schlief der Löwe noch immer faul im Gras.
Josef hielt mit uns an einem See, indem einige große Nilkrokodile faul im Wasser lagen. Ein Storch stocherte mutig neben den Krokodilen umher.
Nilkrokodile sind die größten Krokodile Afrikas und erreichen eine Länge von 3 bis 4 m. Sie ernähren sich größtenteils von Fischen. Gelegentlich können Nilkrokodile jedoch auch große Säugetiere (z. B. Zebras) unter Wasser zerren und ertränken.
Ein mutiger Storch stakst und stochert zwischen den Krokos umher...
Auf dem Rückweg zum Ausgang des Parks begegneten wir auf der Piste einigen Selbstfahrern mit eigenem Wagen. Sie fragten unseren Guide Josef nach dem Weg zu den Elefanten. Josef antwortete, dass die Elefanten nur in den Morgenstunden zu sehen waren. Enttäuscht fuhren die Selbstfahrer weiter.
Noch bevor wir den Akagera Nationalpark am Nachmittag verließen, stand vor uns wieder ein Elefant auf der Piste. Wir kicherten, denn eigentlich war das wirklich unglaublich! Josef brachte das Auto vor dem Dickhäuter zum stehen und schaltete den Motor aus. Rechts und links der Piste raschelte es im Gebüsch. Inzwischen war der Elefant wieder im Dickicht verschwunden, doch Josef sagte uns, dass schon bald ein weiterer Elefant aus den Büschen kommen und die Piste vor uns überqueren würde. Wir warteten daraufhin gespannt ab und lauschten dem Geraschel.
Tatsächlich tauchte noch ein weiterer Elefant auf. Als erstes sahen wir hinter den dichten Büschen seinen Rüssel hervorschauen, doch dann kam er in voller Pracht hervor und passierte wie versprochen, direkt vor uns und in aller Seelenruhe die Piste.
Wie auf Bestellung, präsentierte sich ein weiterer Elefant...
Was für ein wundervoller Tag! Wir konnten es kaum fassen, dass wir an einem einzigen Tag, vier der fünf großen afrikanischen Wildtiere gesehen hatten. Nur der Leopard blieb uns verwehrt. Aber das machte nichts, denn wir hatten den Park ohne Erwartungen besucht und waren mehr als reich belohnt worden.
Als wir den Akagera Nationalpark verlassen hatten, fuhren wir sogleich durch zahlreiche Dörfer, die bis an die grenzen des National Parks heranreichten. Traurig blickten wir auf die kahlen Berghänge und auf die Frauen, Männer und Kinder, die Feuerholz durch die Dörfer zu ihren Häusern transportierten. Auch in Ruanda ist das Kochen über offenem Feuer, noch weit verbreitet und führt zu starker Abholzung. Doch wie konnten wir den Menschen in Ruanda diese Tatsache verdenken, wo unser Luxus in Europa doch oft auf Kinderarbeit, mangelndem Arbeitsschutz und Hungerlöhnen in globalen Lieferketten fußt...
Von Kabarondo nach Kirehe (Ruanda) - 25. Januar 2026
An diesem Tag legten wir gegen 9:30 Uhr eine Frühstückspause ein. Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen mit schattenspendenden Büschen. Zum Glück waren wir während des Frühstücks für uns. Erst als wir fertig waren und das Geschirr fast abgewaschen hatten, kamen wieder „Gaffer“. Erst war es eine Frau mit Kind, dann kamen noch ihr Mann und ein weiteres Kind. Sie fragten uns nach Geld. Schnell packten wir zusammen und machten die Flocke.
Nach eigenen Anstiegen folgte eine laaaaange Abfahrt. Wie rauschten viele Höhenmeter, mit flatternden Hemden nach unten. In den fruchtbaren Tälern wurde Reis angebaut. Die Reisfelder waren optisch wunderschön, doch die Arbeit der Menschen war wirklich hart.
Nach der langen Abfahrt ging es wieder für viele Kilometer lange Anstiege nach oben. Inzwischen hatte sich der Himmel verdunkelt. Regen kündigte sich an.
An einem der Anstiege fuhr ich voraus. Elli war nicht zu sehen und es war klar, dass ich auf sie warten würde, wenn ich den Peak des Berges erreicht hatte.
Als es soweit war, sah ich mich in dem kleinen Dorf nach einem Laden mit Getränken um. Doch dann traute ich meinen Augen nicht, denn vor einem kleinen Restaurant stand ein Weißer mit seinem Reiserad. Ich radelte zu ihm hinüber und begrüßte ihn freudestrahlend. Auch er lachte als er mich sah und sagte, dass ich die erste Radreisende sei, die er seit drei Monaten gesehen hat.
Der Reiseradler trug ein Hemd der Marke Vaude. Deshalb fragte ich ihn sogleich, ob er aus Deutschland kam. Der junge Reiseradler mit der fröhlichen, sympathischen Ausstrahlung, kam tatsächlich aus Deutschland und stellte sich mir mit Namen Finn vor. Finn war 29 Jahre alt und kam aus Stuttgart. So wie wir, war auch er in Nairobi (Kenia) gestartet. Nun wollte er noch bis April 2026 mit seinem Rad durch Afrika reisen.
Ich unterhielt mich eine Weile mit Finn, bis Elli eintraf. Als sie ankam, freute auch sie sich riesig den Reiseradler zu sehen und sagte, dass sie Finn schon am Tag zuvor, im "Akagera Neigbours Restaurant" gesehen hatte, nur das Finn dort ohne Fahrrad war und sie nicht wusste, dass auch er ein Reiseradler war. Wir lachten.
Inzwischen kündigte sich der Regen mit einem kräftigem Wind an. Er bließ uns den Sand mächtig um die Ohren. Wir alle entschieden, in dem kleinen Restaurant Platz zu nehmen und abzuwarten bis der Regen vorüber war. Während es vom Himmel schüttete, bestellten wir African Tea (gesüßter, gewürzter, schwarzer Tee mit Milch) . Der süße Tee tat gut. Währenddessen hatten wir mit Finn schöne Gespräche.
Als der Regen vorüber war, machten wir uns wieder auf den Weg. Zusammen mit Finn fuhren wir circa 6 Kilometer, bis wir uns voneinander verabschiedeten, denn wir Radmiezen hatten unser Tagesziel erreicht. Auch Finn wollte am nächsten Tag über die Grenze. Er benötigte jedoch nur ein Transit-Visum für Tansania, denn er wollte als nächstes durch Burundi radeln.
Und zu guter Letzt:
Toiletten-Geschichten Ruanda
Für alle die schon immer mal wissen wollten, wie die Klos am anderen Ender der Welt aussehen.
Auch bei dieser entzückenden Toilette, auf dem Hinterhof eines Dorf-Restaurants, war wieder Treffsicherheit gefragt. Das klappt mal mehr und mal weniger gut (wie man sieht... :).