Wie wir das Land Tansania erlebten:
Da wir in Tansania überwiegend auf nicht touristischen Pfaden unterwegs waren, blickten wir oft in das wahre Gesicht des Landes und sahen dabei die großen Herausforderungen, vor denen die Menschen täglich stehen. Die Lebensbedingungen im Land sind sehr herausfordernd und meist mit großer Armut, vor allem in ländlichen Gebieten, verbunden. Etwa die Hälfte der Bevölkerung Tansanias lebt unter der Armutsgrenze. Fast 20 Prozent der Kinder besuchen keine Schule. Auch die Analphabetenquote liegt bei rund 20 Prozent. Dies zeigte sich vor allem, wenn wir ein Tuk Tuk (eine dreirädrige, motorisierte Rikscha) benutzten und den Fahrern mit dem Handy zeigten und erklärten wo wir hin wollten. In der Regel taten die Fahrer dann so, als könnten sie lesen, irrten dann jedoch mit uns durch die Gegend, ohne genau zu wissen, wo wir wirklich hin wollten.
Trotz der harten und herausfordernden Lebensbedingungen, sind die meisten Menschen in Tansania unglaublich freundlich und sehr hilfsbereit. Wir fühlten uns niemals bedroht oder hatten Angst. Höchstens im Straßenverkehr, wenn Busse, Trucks und Mopeds an uns vorbeisausten oder riskante Überholmanöver veranstalteten.
Nach unserem Ausflug in das Touristen-Gebiet rund um den Kilimandscharo blieb es uns ein Rätsel, wo das viele Geld aus den Einnahmen durch den Tourismus in Tansania bleibt. Denn in der Stadt Moshi gibt es keine vernünftigen Straßen, keine Fußwege und nur wenige Straßenlaternen. Doch auf der Strecke zwischen Arusha und Moshi, gab es unzählige Karawanen, bestehend aus Safari-Jeeps und Bussen, die die Touristen für viel Geld in die National Parks der Umgebung kutschierten. Darunter beispielsweise der Arusha NP, der Tarangire NP und der Serengeti NP. Nicht zu vergessen der Ngorongoro-Krater, am Rande der Serengeti. Wie wir später lasen, fließt das Geld der Touristen in Tansania angeblich hauptsächlich in den Tourismussektor, der bis zu 25 % zum Bruttoinlandsprodukt des Landes beiträgt. Doch nur 15 % des Geldes kommt bei lokalen Haushalten an, während der Rest im Ausland bleibt.
Auf der Strecke zwischen Arusha und Moshi,
gab es unzählige Karawanen, bestehend aus Safari-Jeeps und Bussen,
die die Touristen für viel Geld in die National Parks der Umgebung kutschierten.
Auch die Müllentsorgung lässt in Tansania sehr zu wünschen übrig. Nur 50 Prozent des jährlich anfallenden Abfalls werden gesammelt und auf Deponien gebracht. Der Großteil des Mülls landetet (wenn überhaupt) auf schlecht betriebenen Mülldeponien oder wird vor der Haustür verbrannt. Die Menschen in Tansania haben so gut wie kein Bewusstsein für die Umwelt und für die Entsorgung von Müll, da es nach wie vor an Bildung mangelt. Wir haben oft erlebt, dass der Müll einfach aus Fenstern von Fahrzeugen und Bussen geworfen wurde.
Als wir am Fuße des Kilimandscharo wanderten, kamen wir zufällig am College of African Wildlife vorbei. Die Studenten hatten gerade Mittagspause und strömten aus der Hochschule. Einige der Studenten trugen Getränke in PET-Flaschen in der Hand. Als diese leer waren, warfen sie diese auf offener Straße, in den Graben. Die Bildung am College of African Wildlife konnte wohl nicht besonders gut sein…
Man mag es sehr umstritten sehen, doch was wir als Radmiezen nicht nur in Tansania sehr zu schätzen lernten, war die Arbeit der Chinesen. China bietet ganz Afrika massive Infrastrukturprojekte im Straßenbau an, die hauptsächlich durch zinsgünstige Darlehen chinesischer Banken finanziert werden. Das Land China erhält im Gegenzug vor allem Zugang zu Rohstoffen, wirtschaftliche Vorteile und strategischen Einfluss. Doch in Anbetracht dessen, wie schlimm die Straßenverhältnisse ohne die Baumaßnahmen der Chinesen in ganz Afrika wären und wie die Bevölkerung im Alltag durch den Bau der Straßen entlastet wird, sehen wir den Eingriff der Chinesen in Afrika persönlich eher positiv.
In Afrika wird das Unmögliche möglich gemacht.
Der ganz normale Wahnsinn!
Über die Grenze von Ruanda nach Tansania - 28. Januar 2026
Von Kirehe (Ruanda) nach Kasulo (Tansania)
Am Morgen standen wir um 6:00 Uhr auf. Das Hotel in dem wir geschlafen hatten, bot ein Frühstück an. Leider gab es keinen Kaffee, dafür aber leckeren „African Tea“ (gewürzter Milchtee). Wir schlürften davon einige Tassen, danach machten wir uns gegen 8:00 Uhr auf den Weg.
Bis zum Grenzübergang zwischen Ruanda und Tansania, waren rund 24 Kilometer zu radeln. Es ging natürlich wieder ordentlich durch die Berge und mal rauf und mal runter.
Einige Kilometer vor dem Grenzübergang, fanden wir in den Bergen einen wunderschönen Platz mit Aussicht zum Frühstücken. Wir kramten wie üblich Kocher, Töpfe und Tassen aus den Taschen und bereiteten uns Kaffee und Müsli zu. Beim Frühstück blickten wir von weit oben in ein wunderschönes, grünes, saftiges Tal, in dem Mais und Bananen angebaut wurden. Es war ein fantastischer und würdiger Platz, um das Land Ruanda gebührend zu verabschieden. Trotz der Höhen und Tiefen und dem ständigen auf und ab, hatten wir eine tolle und unvergessliche Zeit, auch wenn wir inzwischen „Mzungu, Mzungu-Ruf“ geschädigt waren.
Frühstück mit Aussicht.
Nach dem Frühstück kurbelten wir weiter zur Grenze. In dem quirligen Grenzort Rusumo war viel los. Kaum waren wir dort angekommen, wurden wir wieder von Schleppern belagert die uns fragten, ob wir Geld tauschen oder SIM-Karten kaufen wollten.
Hinter einer Tankstelle suchten wir uns eine ruhige Ecke, um uns zu sortieren und uns auf die Grenzbeamten mit ihren Fragen einzustellen. Bei der Einreise nach Ruanda hatten uns die Beamten regelrecht ins Verhör genommen, deshalb wollten wir bei der Einreise nach Tansania nun darauf vorbereitet sein.
In einem kleinen Supermarkt kauften wir schnell noch ein paar Lebensmittel und zählten anschließend unsere letzten Ruanda -Franc, um sie auf der anderen Seite in tansanische Schillinge einzutauschen. Dann machten wir uns auf den Weg zum Office für die Aus- und Einreise.
An der Grenze zwischen Ruanda und Tansania (Rusumo).
An der Grenzstation mussten wir als erstes unsere Gelbfieber-Impfung nachweisen. Anschließend wurde unser Gepäck wieder von einem Scanner durchleuchtet.
Nachdem das erledigt war, gingen wir zum Schalter für die Ausreise aus Ruanda. Hinter der Scheibe saß diesmal eine freundliche Beamtin, die kein Gewese machte und auch nicht sehr viele Fragen stellte. Im Handumdrehen hatten wir unseren Ausreisestempel im Pass. Nun ging es zum Schalter für die Einreise nach Tansania. Wir hatten etwas Bammel und schwitzen. Um Problemen wie bei der Einreise nach Ruanda zu entgehen, hatten wir in Tansania vorsorglich ein Hotelzimmer gebucht, welches wir hinterher wieder stornieren konnten. Jetzt war jedoch noch unklar, ob die Beamten auch einen Nachweis für unsere Ausreise aus Tansania sehen wollten. Das hätte zu einem Problem führen können, da ich (Nadine) nicht im Besitz eines Rückflugtickets nach Deutschland war. Doch der tansanische Beamte, der hinter der Scheibe saß, hatte die Ruhe weg und war freundlich und entspannt. Das ganze Prozedere mit der Aufnahme unserer Daten nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Während der Bearbeitung unseres Anliegens, bekamen zahlreiche Drängler ganz nebenbei ihren Stempel in den Pass gedrückt. Nach einer gefühlten Ewigkeit, hatten auch wir es ohne Probleme geschafft und grinsten uns breit an. Jetzt mussten wir noch Geld tauschen, an einem ATM-Automaten Geld abheben und eine SIM-Karte für Tansania besorgen.
Wir luden unser Gepäck wieder auf die Räder und liefen damit über die Grenze. Auf der tansanischen Seite von Rusumo angekommen, sahen wir uns in dem verlotterten Grenzort um. Es ging mächtig bergig zur Sache. Schwer beladene LKW’s donnerten auf der schlechten Straße laut an uns vorbei. Wieder wurden wir von Schleppern belagert, die uns keine Chance gaben, miteinander zu kommunizieren. Nachdem wir sie mit einem barschen und nicht mehr freundlichen Ton abgewimmelt hatten, stimmten wir uns kurz ab und suchten nach einer SIM-Karte. Die SIM-Karten für Tansania wurden direkt auf der Straße, von unzähligen Männern verkauft, die mit diesem Service etwas Geld verdienten. Während sich ein junger Verkäufer am Straßenrand mit der Installation unserer SIM-Karten auf den Handys beschäftigte, zogen am Himmel immer dunklere Wolken auf.
Nachdem wir in dem schmuddeligen Grenzort Rusumo endlich alles erledigt hatten, standen noch rund 24 Kilometer Radfahren auf dem Programm. Wir waren jedoch unsicher, ob wir überhaupt losfahren sollten, denn der Himmel sah dramatisch dunkel aus und die ersten Tropfen fielen vom Himmel. Es war klar, dass der zweite Teil des Tages es in sich haben würde. Ein Grenztag war immer aufregend und stressig. Noch dazu war die Radstrecke durch die Berge echt heftig. Für den zweiten Teil des Tages mussten also noch Körner her, die wir zu Energie umwandeln konnten.
Auf einem Hügel fanden wir ein kleines Restaurant, indem wie immer nur einheimische Männer saßen. Wir setzten uns an einen der Tische mit Plastikstühlen und bestellten Reis mit Bohnen und dazu gekochtes Fleisch (vermutlich Ziege), dass in einer extra Schüssel samt Knochen und einer kräftigen Brühe serviert wurde.
Nach dem Essen machten wir uns gegen 15:15 Uhr, bei Nieselregen auf den Weg. In Tansania herrschte nun wieder Linksverkehr.
Als wir dann sahen was uns auf der Strecke erwartete, waren wir froh noch etwas gutes gegessen zu haben, denn es folgten kilometerlange Anstiege auf einer nicht asphaltierten Piste, die sich im Bau befand.
Man kann sich kaum vorstellen, welch harten Job LKW-Fahrer in Afrika haben. Es ist wirklich unglaublich, unter welchen Bedingungen tonnenschwere Trucks, ihre Fracht ans Ziel bringen müssen.
Wir kurbelten mühsam die verfluchten Anstiege hinauf, genau wie die Trucks, die beim Vorbeifahren eine rote Staubwolke hinterließen und uns einnebelten. Im Nachhinein waren wir glücklich über den leichten Regen, denn er hielt den Staub in Grenzen.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit, erreichten wir nach einem langen, aufregenden und kräftezehrenden Tag, nach eigentlich lächerlichen aber richtig harten 44 Kilometern, den kleinen Ort Kasulo in Tansania. Nachdem wir uns den Staub und Schweiß unter der Dusche vom Körper geschrubbt hatten, gingen wir nochmal zu Fuß durch den Ort und waren freudig überrascht, denn in Tansania gab es nun wieder Straßenstände, die leckere Chapatis, Fritten und gegrilltes Fleisch zu kleinen Preisen verkauften. Wie hatten wir das in Ruanda doch vermisst…
Karibu Tansania!
Endlich wieder Streetfood.
Outfits in Tansania
Nach unserer Reise durch Ruanda, wo die Menschen eher westlich gekleidet waren, freuten wir uns in Tansania nun wieder über die Frauen und Männer, die traditionell und afrikanisch bunt gekleidet waren.
Die Kleidung in Tansania ist vielfältig und stark von Kultur und Religion geprägt.
Zu den wichtigsten Kleidungsstücken gehören unter anderem das Kanga, ein vielseitiges, bunt bedrucktes Baumwolltuch, das oft als Paar getragen wird – eines um die Taille, eines als Oberteil und die rot-blauen Shuka-Tücher der Massai.
In Tansania sahen wir sogar Frauen auf Fahrrädern.
Ein großer Fortschritt gegenüber den Ländern Ruanda, Uganda und Kenia!
Einradeln in Tansania
Von Kasulo nach Nyakanazi - 30. Januar 2026
Als wir am Morgen gegen 7:00 Uhr starteten, waren die vielen Kinder in den Dörfern und auf der Landstraße, schon auf dem Weg zur Schule. Teilweise liefen die Kleinen Hand in Hand, was wirklich süß anzuschauen war. Die Kinder hatten eine angenehme und schüchterne Zurückhaltung. Sie winkten uns zögerlich zu, ohne „Mzungu“ oder „give me somthing“ zu rufen. So waren uns die Kinder immer am liebsten.
In Tansania trafen wir nun sogar Frauen auf Fahrrädern. Zu Kenia , Uganda und Ruanda, erschien uns das wie ein großer Fortschritt.
Wir radelten wieder durch eine hügelige Landschaft und einige Feuchtgebiete. Alles lag noch in Dunst und Nebel. Es war mystisch und schön zugleich. Die Temperaturen waren noch sehr angenehm.
Seit der Grenze , befand sich die Straße im Bau. Es gab kurze, neu asphaltierte Abschnitte. Wir kurbelten jedoch überwiegend über eine staubige, rote Lehmpiste auf der permanent unzählige Sattelschlepper an uns vorbei donnerten und wie immer eine rote Staubwolke hinterließen. Schon nach einer halben Stunde auf der Straße sahen wir deshalb völlig verstaubt und dreckig aus. Das Waschen unserer Wäsche hatte sich nicht gelohnt, alles war wieder staubig und rot.
Doch auch die Fahrer der Sattelschlepper hatten es nicht einfach. Wir konnten kaum glauben, auf welchen Wegen die Fahrer der Trucks, Tag ein, Tag aus, entlang rütteln mussten, ohne dabei Nerven und Konzentration zu verlieren. Zum Teil schlitterten sie auf dem Geröll der Pisten gefährlich die Berge hinunter, sodass wir Angst hatten, dass sie außer Kontrolle geraten und uns über den Haufen fahren würden. Doch diesen Gedanken verdrängten wir lieber schnell wieder.
Krasser Einstieg in Tansania.
Eine Piste die sich auf einer Länge von über einhundert Kilometern im Bau befand.
Ein Höllenjob nicht nur für uns, sondern auch für die Truck-Fahrer.
Etwas abseits der Piste, suchten wir zwischen Büschen, einen schattigen Platz zum Frühstücken. Nach dem Frühstück kurbelten wir weiter. Die Sonne brannte inzwischen heiß vom Himmel. Ich bekam Kopfschmerzen und Elli wurde übel. Wir bemühten uns mehr zu trinken und legten uns noch dazu ein wassergetränktes Tuch auf den Kopf.
Frühstück neben der Piste.
Immer wieder gab es lange Anstiege, auf die lange Abfahrten folgten. Obwohl wir körperlich mächtig zu tun hatten, kamen wir gut voran.
Gegen Nachmittag zogen am Himmel endlich die langersehnten Wolken auf. Ein kurzer, heftiger Regen brachte Abkühlung. Der Asphalt dampfte unter unseren Reifen. Um uns herum wurde die Berglandschaft immer grüner und schöner. An den Ausläufern des Ostafrikanischen Grabenbruchs, gab es in Tansania noch einige unberührte Wälder, während in Ruanda so gut wie alles abgeholzt war.
Ein Stück unberührte Natur in Tansania.
links und mitte: Der berühmte Leberwurstbaum
Der Baum stammt ursprünglich aus Westafrika, er ist heute aber in fast ganz Afrika verbreitet. Das Aussehen der Frucht erinnert an eine Leberwurst, was der Art ihren Namen gab.
rechts: Ein üppiger Mangobaum
Gegen Nachmittag erreichten wir nach circa 92 geradelten Kilometern unser Tagesziel, den Ort Nyakanazi. Noch bevor wir uns nach einem Hotelzimmer umsahen, stürzten wir hungrig in ein kleines Straßenrestaurant und bestellten Reis mit Bohnen, Fleisch und Fisch.
Zwei groggi Radmiezen sitzen nach einer langen Tour in einem Straßen-Restaurant.
Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg zum Hotel. Für umgerechnet 4,93 Euro bekamen wir ein großes Zimmer. Als erstes sprangen wir unter die Dusche und schrubbten uns wie so oft den Staub und Dreck vom Körper. Anschließend wuschen wir in einem Eimer wieder unsere Sachen, auch wenn sich das kaum lohnte.
Von Nyakanazi nach Diobahika - 31. Januar 2026
In der Nacht hatten wir schlecht geschlafen. Zum einen waren wir erst spät zur Ruhe gekommen und hatten erst gegen Mitternacht das Licht ausgemacht und zum anderen wurden wir in der Nacht im Hotel, immer wieder von Leuten aus dem Schlaf gerissen, die sich laut unterhielten und sogar Schränke verrückten. Insgesamt hatte ich (Nadine) nur vier Stunden geschlafen und das war nach dem anstrengenden Radtag mit 90 Kilometern durch die Berge, viel zu wenig.
Müde packten wir zusammen und verließen das Hotel gegen 7:30 Uhr.
Zum Glück standen an diesem Tag nur circa 50 Kilometer mit dem Rad auf dem Programm. Den Ostafrikanischen Grabenbruch hatten wir nun hinter uns gelassen. Die Strecke führte nun auf einer asphaltierten Straße, durch ein leicht hügeliges Land. Trotz allem viel uns das Radfahren schwer. Wir waren müde von den Bergen in Ruanda.
Nach rund zehn Kilometern suchten wir uns neben einem Maisfeld, ein ruhiges Plätzchen zum Frühstücken. Der Kaffee tat gut. Gegen 9:00 Uhr wurde es zunehmend wärmer und die Temperaturen kletterten nach oben. Als wir nach dem Frühstück weiterradelten sahen wir, dass nur 500 Meter weiter, ein Sattelschlepper auf unserer Seite verunglückt war. Der Unfall konnte sich nicht lange zuvor ereignet haben. Das Fahrerhaus des Trucks war zum Glück nicht beschädigt, doch der gesamte Anhänger, mit einer riesigen Ladung Kohlen war umgekippt und blockierte nun die Straße. Wir schlichen mit dem Rad auf der gegenüberliegenden Fahrbahn vorbei und waren nun wirklich froh, dass wir kurz vor dem Unfall zufällig eine Frühstückspause eingelegt hatten. Wir wollten uns gar nicht erst ausmalen, was vielleicht gewesen wäre, wenn wir nicht pausiert hätten…
Der verunglückte Sattelschlepper, lag quer über der Fahrbahn
und auf dem Seitenstreifen in unserer Richtung.
Wir fuhren weiter. Die Strecke durch das flache Land und auf der asphaltierten Straße, war eher unspektakulär. Trotzdem wurde mir (Nadine) irgendwann schrecklich übel und ich bekam zusätzlich Magenschmerzen. Die Tage zuvor waren einfach sehr anstrengend gewesen, zudem hatten wir in der Nacht viel zu wenig geschlafen.
Schon gegen Mittag erreichten wir den lauten und quirligen Ort Diobahika.
Als erstes steuerten wir ein kleines Hotel an der Hauptstraße an, doch der Chef sagte uns das er ausgebucht war. Wir waren hungrig und sahen uns deshalb nach einem Restaurant um. Als wir fündig wurden, bestellten wir bei der netten, geschäftstüchtigen Chefin die aus Ruanda kam, Hühnchen mit Salat und Fritten.
Nach dem Essen machten wir uns erneut auf die Suche nach einem Hotel. Auch das nächste Hotel war ausgebucht. Es war Samstag. Vielleicht gab es in dem Ort am Wochenende eine Veranstaltung oder ein Fest. Wir wussten es nicht.
Am Himmel zogen wieder dunkle Regenwolken auf, wir mussten uns mit der Suche nach einem Zimmer beeilen. Etwas abseits vom Trubel wurden wir dann endlich fündig. Zwar kostete das Zimmer circa 18,- Euro die Nacht, doch es war zur Abwechslung mal angenehm sauber.
Dramatik am Himmel. Ein Gewitter kündigt sich an.
Goldminen und hartes Leben
Von Diobahika nach Marongwe - 01. Februar 2026
Es war Sonntag, doch auf der Straße war die Hölle los. Ungewöhnlich viele Trucks, Autos, Mopeds, Fahrradfahrer und Fußgänger waren unterwegs. Man hätte meinen können, es wäre wirklich irgendwo ein Fest. Nachdem wir einige Kilometer zurückgelegt hatten, erkannten wir den Grund für das rege Treiben auf der Straße. In dem Gebiet in dem wir unterwegs waren, gab es viele Goldminen und all die Menschen die uns auf der Straße begegneten, waren auf dem Weg zur Arbeit.
Mit einer Jahresproduktion von etwa 50 bis 60 Tonnen, ist Tansania der drittgrößte Goldproduzent Afrikas. Die meisten großen Minen befinden sich rund um den Viktoriasee im Nordwesten Tansanias. Neben den Großminen gibt es in Tansania jedoch zahlreiche, oft informelle Kleinbergbaubetriebe.
An diesem Morgen radelten wir durch Dörfer, die rund um die Minen entstanden waren. Die Zustände in den Minendörfern waren entsetzlich. Sie wirkten auf uns wie grauenvolle Flüchtlingslager. Die Menschen lebten mehr oder weniger in Dreck und Schlamm, entweder in Baracken aus Wellblech oder in Zelten, die aus einem Grundgerüst und Planen zusammengeschustert waren.
In all dem Dreck und dem Lärm der Maschinen, kochten Frauen Essen und zogen Kinder groß, während ihre Männer in den Minen vermutlich nach Gold schürften.
Die Arbeitsbedingungen in den inoffiziellen Goldminen in Tansania sind prekär und geprägt von hohen Sicherheitsrisiken und gesundheitlichen Gefahren. Arbeiter graben ohne jegliche Ausbildung, ohne Helm und Sicherungsseil barfuß in instabilen Schächten, die nur durch provisorische Holzstämme gestützt werden. Unfälle sind vorprogrammiert und kommen häufig vor.
Trotz gesetzlicher Verbote, arbeiten auch tausende Kinder in den Minen. Sie schürfen, transportieren Lasten oder sind Quecksilberdämpfen ausgesetzt.
Nun sahen wir Radmiezen die Minen in Tansania nicht von innen, doch das was wir bei der Fahrt durch die Baracken- und Zeltlager-Dörfer sahen, reichte uns schon.
Wir erinnerten uns an eine Besichtigungstour durch eine Silbermine in Bolivien, bei der wir stundenlang neben den Kumpels auf allen vieren, bei unglaublicher Hitze und mit wenig Sauerstoff, mit Stirnlampen auf dem Kopf, durch die Schächte des Stollens gekrabbelt waren, während volle Loren dröhnend an uns vorbeidonnerten. Auch in Bolivien schürften Jungedliche in der Mine. Ein grauenvolles und unvergessliches Erlebnis!
Mit unseren Erinnerungen an Bolivien und den Bildern des harten Minen-Lebens der Menschen in Tansania, radelten wir weiter.
Fahrt durch Goldminen-Döfer.
Ein hartes Leben in Dreck und Schlamm.
Nach rund 20 geradelten Kilometern, fanden wir etwas abseits der Straße, versteckt hinter Büschen und Bäumen, ein schönes Plätzchen zum Frühstücken, auf einer feuchten Wiese.
Tägliches Frühstück mit Kaffee und Müsli neben der Piste.
Nach circa 50 Kilometern erreichten wir den Ort Ushirombo. Schon der Name war Programm und veranlasste uns dazu eine Mittagspause einzulegen.
Als wir an dem Busbahnhof des Ortes vorbeifuhren, entdeckten wir ein kleines „Töpfe-Restaurant“. In der Regel waren es Frauen mit Töchtern und Söhnen, die in den kleinen „Töpfe-Restaurants“ kochten und bedienten. Meist bereiten sie einfache Speisen wie: Ugali (Maisbrei) oder Reis mit Fisch, Fleisch oder Bohnen zu. Daneben boten sie auch Fritten-Omeletts an. Das waren gebratene Pommes Frittes mit Ei. Sozusagen das tansanische Bauernfrühstück.
Als erste stärkende Mahlzeit des Tages stehen in Tansania heisse Suppen auf dem Programm, die aus den verschiedensten Fleischsorten und zum Teil aus Kochbananen zubereitet werden. Dazu findet man eigentlich überall gebackene Chapatis und dreieckige Samosas (mit Hackfleisch oder Gemüse gefüllte, frittierte Teigtaschen). Oftmals sieht man auf den Straßen auch junge Männer oder Kinder, die gekochte Eier aus Eimern verkaufen. Das Ei wird beim Kauf vor den Augen des Kunden in einer Klarsichtfolie und mit einem Löffel gepellt und anschließend mit Salz bestreut. Als Snack finden Eier in Tansania großen Anklang, denn sie sind günstig und sättigen.
In dem kleinen Töpferestaurant bestellten wir Reis mit Bohnen. Dazu gedämpftes Gemüse und leckeren, frittierten Fisch. Für unsere Bestellung nutzten wir häufig, den Google Übersetzer in Suaheli, denn in Tansania verstehen nur wenige Menschen Englisch. Hier und da wurde unser Handy mit der Übersetzung auch an jemanden weitergereicht, da nicht alle Menschen in Tansania lesen können.
Nach dem gehaltvollen und energiereichen Essen, radelten wir vollgefuttert weiter. Zum Glück standen noch weitere 35 Kilometer zur Verdauung auf dem Programm.
Der Himmel hatte sich inzwischen wieder dramatisch verdunkelt. Regen kündigte sich an. Die Luft war drückend und schwül. Doch wir hatten Glück und erreichten unser Tagesziel ohne nass zu werden.
Einfaches aber super leckes Essen in den kleinen "Töpfe-Restaurants" am Straßenrand.
Überall in Tansania gibt es leckeres Street-Food.
Schnappschuss mit einem Typen in Ushirombo, der unbedingt ein Selfie mit uns machen wollte. Am Ende wollte der Typ auch noch Geld dafür haben.
Wir schickten ihn natürlich lachend zur Hölle! :)
Der gelbe Kanister
Der gelbe Kanister ist für uns Radmiezen ein Symbol für Afrika, denn er ist bezeichnend für die Widerstandskraft der Menschen auf dem Kontinent, die Krisen, Stress und Rückschläge ohne dauerhafte Beeinträchtigung bewältigen.
Der gelbe Kanister steht für die tägliche Anstrengung, Wasser zu beschaffen. Auf unserer Radreise durch Ostafrika wurden wir bisher permanent mit dem Thema Wasser konfrontiert. Wie selbstverständlich wir in der Heimat mit Wasser umgehen, wird uns erst hier richtig bewusst. Über Wasser müssen wir uns daheim keine Gedanken machen. Zu Hause brauchen wir nur den Wasserhahn aufdrehen und schon fließt sauberes, klares Trinkwasser aus der Leitung.
Doch in Afrika sehen wir jeden Tag, welchen aufwand die Menschen betreiben müssen, um Wasser zu organisieren. Was man da zu sehen bekommt, ist teilweise übermenschlich.
Ein voller Wasserkanister wiegt etwa 20-30 kg. Er wird häufig auf dem Kopf, dem Rücken, auf Fahrrädern, auf Tuk Tuk’s oder auf Eselskarren transportiert. Manchmal fragten wir uns, wie Menschen so schwer beladene Fahrräder überhaupt schieben können.
Das Wasser wird aus allen möglichen Quellen und Pfützen geschöpft. Wer es gut hat, der hat einen Brunnen mit Pumpe im eigenen Dorf.
Viele Menschen müssen das Wasser jedoch über weite Strecken zum eigenen Haus transportieren.
Häufig sahen wir auch kleine Kinder, die sich mit den schweren Kanistern abmühten und diese von weit entfernten Brunnen, zurück ins Dorf schleppten. Kinderarbeit ist in Afrika selbstverständlich und wird nicht in Frage gestellt. Jeder muss seinen Betrag leisten, auch die Kleinsten, damit die Familie versorgt ist. Oft herrscht gegenüber Kindern ein rauher Ton. Man ist nicht zimperlich!
Da wir sehr viel über Land fuhren, sahen und erlebten wir hautnah, welch hartes Leben die Einheimischen oft führen. So gut wie alles wird noch per Hand gemacht und häufig gibt es nicht mal Strom.
Wenn wir Abends auf der Strecke ein einfaches Hotelzimmer fanden, freuten wir uns wie die Schneeköniginnen über eine kalte Dusche, einen Hock-Klo (das oft nicht geputzt war) und ein Moskitonetz über dem Bett. Wenn dann der Strom noch lief, befanden wir uns damit gegenüber den meisten Menschen in Afrika, im puren Luxus.
Der gelbe Kanister. Für uns steht er als Symbol für Afrika.
Foto: Wie so oft wird das Wasser vom Brunnen nach Hause transportiert.
Von Morongwe nach Kagongwa - 03. Februar 2026
Um circa 3:30 Uhr in der Nacht, wurden wir aus dem Schlaf gerissen, denn aus einem der Zimmer des Hotels, dröhnte laute Musik. Genervt stieg Elli aus dem Bett, lief auf den Flur und klopfte an die Tür des Zimmers mit der Nummer 107. Niemand reagierte. Dann klopfte sie ein zweite Mal. Diesmal heftiger und lauter. Niemand öffnete, doch die Musik wurde leiser. Kaum war Elli zurück im Zimmer, dröhnte die Musik jedoch wieder so laut, dass es unmöglich war dabei zu schlafen. Genervt wälzten wir uns hin und her.
In Sachen Geräuschkulisse haben Afrikaner ein dickes Fell. Es war nicht das erste Mal, dass wir mitten in der Nacht von extrem lauter Musik oder lautem Geschrei geweckt wurden und deshalb kein Auge zu bekamen. Doch jedes Mal kam es uns so vor, als ob nur wir uns daran störten.
Als unser Wecker um 6:00 Uhr klingelte, waren wir völlig gerädert. Müde packten wir zusammen und verließen das schmuddelige Hotel, mit dem abgewohnten Zimmer.
Vorerst radelten wir wegen einer Baustelle, auf einer nicht asphaltierten Piste mit vielen Löchern und Pfützen. Jede Menge Trucks, Mopeds- und Fahrradfahrer waren darauf unterwegs. Elli fluchte laut vor sich hin, während ich trotz der vorbei donnernden Fahrzeuge, im stillen, die schöne Landschaft um uns herum genoss. Die Sonne ging über den Reisfeldern, die noch in Dunst und Nebel lagen auf denen schon die ersten Menschen arbeiteten, auf. Am Ende der Flachen Ebene erhoben sich einige Berge. Auch sie waren noch zum Teil von Nebel umhüllt.
Wir frühstückten an diesem Tag direkt neben einem Reisfeld und sahen den Menschen bei der Arbeit auf den Feldern zu. Hier und da winkten sie uns aus der Ferne zu.
Sonnenaufgang über Reisfeldern.
Immer wieder Pisten und Baustellen.
Gegen Mittag erreichten wir die Stadt Kahama. Wir fanden einen hervorragenden, großen Supermarkt, in dem wir unsere Lebensmittelvorräte auffüllten. Nachdem wir eingekauft hatten, war eine Mittagspause fällig. An der Hauptstraße entdeckten ein nettes kleines „Töpfe-Restaurant“. „Töpfe-Restaurants“ waren uns immer am liebsten, denn zum einen konnten wir die verschiedenen Speisen unkompliziert aus den Töpfen wählen und zum anderen wurde das Essen schnell serviert, da es fertig gekocht war. In der Regel waren die kleinen „Streetfood-Restaurants“ Familienbetriebe, in denen die Mutter Regie führte und die Söhne und Töchter kochten und bedienten. Das Essen war in der Regel sehr günstig.
In dem kleinen Straßenrestaurant bestellte Elli Reis, Bohnen und dazu Rindfleisch in einer leckeren Soße. Ich hingegen bestellte frittierten Fisch mit Ugali (Maisbrei) und Bohnen. Dazu servierte die Dame Dagaa. Dagaa ist ein tansanisches Gericht, mit kleinen, getrockneten Fischen und Gemüse in einer Soße.
In der Gegend rund um den Victoria See, hatten wir immer wieder die kleinen Mini-Sardellen gesehen, die neben der Straße auf großen, ausgelegten Planen oder Gittern getrocknet wurden. Nun war es an der Zeit die kleinen Fische im Gericht „Dagaa“ zu probieren. Während Elli lange Zähne machte, schmeckte mir das Gericht tatsächlich hervorragend. Es war kräftig gewürzt, salzig und schmeckte etwas bitter. Das Essen in der kleinen Straßenküche war wirklich gut, doch als wir bezahlen wollten, nannte uns die Mama einen utopischen Preis für weiße Mzungus. Empört schrieben wir der Dame mit Hilfe des Google Übersetzers auf Swahili, dass wir noch nirgends so viel für das Essen bezahlt hatten und der Preis den sie uns nannte wohl kaum stimmen konnte. Eindeutig war es ein Preis für Mzungus und sehr diskriminierend. Wir hielten der Mama die Übersetzung unter die Nase. Dann brubbelte sie etwas vor sich hin. Die Männer drumherum lachten. Letztendlich bezahlten wir nur die Hälfte des genannten Preises, doch das Erlebnis des tollen Essens, wurde durch diesen Abschluss leider geschmälert.
Vollgefuttert und triumphierend verließen wir die Stadt Kahama und radelten noch weitere 20 Kilometer, bis wir unser Tagesziel erreichten.
In dem kleinen Straßenrestaurant in Kahala bestellten wir
Reis, Bohnen,Rindfleisch, Fisch, Ugali (Maisbrei) und Dagaa (Bild rechts).
Happy Elli in einem der "Töpfe-Streetfood-Restaurants" am Wegesrand.
Von Kagongwa nach Nzega - 04. Februar 2026
Die Sonne brannte an diesem Tag bei über 30 Grad vom Himmel. Die Landschaft war inzwischen eher karg. Hier und da standen Baobab-Affenbrotbäume auf den Feldern oder am Wegesrand. Die hübschen Baobabs hatten wir zuletzt in Kenia, zwischen Malindi und Mombasa gesehen.
Neben den riesigen Baobab-Affenbrotbäumen fühlt man sich winzig klein.
Seitdem wir an der Kreuzung nach Süden und in Richtung Singida abgebogen waren, herrschte auf der Straße reger Verkehr. Auf der Fahrbahn war es nicht ganz ungefährlich, denn viele Trucks und Busse waren zwischen der Großstadt Mwanza, der Hauptstadt Dodoma und Dar Es Salam unterwegs. Die Straße hatte zwar einen Seitenstreifen, doch war sie für die vielen riskanten Überholmanöver viel zu schmal.
Foto: Gaukler
Ein Gaukler ist eine Greifvogelart aus der Unterfamilie der Schlangenadler.
Als wir eine Brücke, die über einen Fluss führte, passierten, mussten wir am Ende eine hohe Bordstein-Kante hinunterfahren. Dabei zerbrach an meinem Rad (Nadine’s Rad) eine komplette Halterung an einer der Ortlieb Hinterrad-Taschen. Das gesamte Gepäck hing auf halb acht. Kichernd verließen wir die gefährliche Straße und suchten uns im Schatten eines Baumes einen Platz, um die Halterung an der Tasche auszutauschen. Zum Glück hatten wir noch eine Ersatzhalterung, die sich an einer der leeren Vorderrad-Taschen von Elli befand.
Schon in Uganda hatten wir Ellis Vorderradtaschen leer gemacht und das ganze Gepäck auf mein Rad umdisponiert, damit Elli in Ruanda über die Berge kam. Doch nun rechte sich das schwere Gewicht und ging auf‘s Material.
Die zerbrochene Halterung an Nadine's Ortlieb Radtasche.
Toooo much Stuff,
obwohl wir das Bügeleisen und den Haartrockner zu Hause gelassen hatten !!! :)
Nachdem wir die Halterungen erfolgreich ausgetauscht hatten, kochten wir uns in der Hitze des Nachmittags, im Schatten des Baumes, noch einen Kaffee. Eine Herde Kühe gesellte sich zu uns mampfte neben uns das Gras.
Nach dem Kaffee radelten wir weiter. Die Fahrt wurde in der Hitze immer mühsamer und anstrengender. Nach circa 90 geradelten Kilometern suchten wir nach einem Hotelzimmer. Wie so oft standen wir jedoch wieder vor dem nervigen Problem, dass sich zwei Frauen kein Zimmer teilen durften. Doch zwei einzelne Zimmer waren für uns definitiv zu teuer.
Nach langer Suche und dritten Anlauf, fanden wir endlich ein Hotel, in dem wir uns das Zimmer teilen durften. Jedoch erst nach zäher Verhandlung. Auch den Preis des Zimmers mussten wir eisern verhandeln. Am Ende zahlten wir voller Stolz den Preis, den auch die Einheimischen bezahlten.
Nachdem wir geduscht hatten, verbrachten wir bei ein paar kühlen Serengeti-Bier, einen heiteren Abend an der Bar und stießen groggi auf den 102 Kilometer-Radtag an. Die Frauen des kleinen Hotels, waren wegen der harten Verhandlung des Preises zum Glück nicht nachtragend. Eher im Gegenteil. Die Chefin kam sogar nochmal zu uns herüber, um sich mit uns zu unterhalten.
Typische Lehmhäuser in Tansania.
Der Skorpion
Von Nzega nach Igunga - 05. Februar 2026
Am Morgen standen wir wieder um 6:00 Uhr auf. Uns war etwas übel und flau im Magen, denn zum einen waren wir fix und knülle vom Radeln und zum anderen hatten wir am Abend zuvor, wohl das ein oder andere Bier zu viel getrunken.
Während wir müde unsere sieben Sachen zusammenpackten, lief plötzlich ein etwa 4 cm großer, schwarzer Skorpion, über die weißen Fliesenboden des Zimmers. Wir bekamen einen großen Schreck und natürlich wollten wir den stacheligen Burschen nicht in unseren Taschen haben. Wir überlegten kurz, wie wir den Skorpion aus dem Zimmer bekommen würden. Schlau wie wir waren, kramten wir eine Tasse aus der Tasche und stülpten sie über den Skorpion. Dann zauberten wir noch ein Blatt Papier hervor, um es unter die Tasse zu schieben und den Skorpion anschließend geschickt aus dem Fenster zu werfen.
Diesen ehrenvollen Job übergab ich Elli.
Natürlich ging die Sache schief, denn wie das Schicksal es so wollte, gab es eine kleine Lücke zwischen der Tasse und dem Blatt Papier, sodass der Skorpion blitzschnell zuschlug und Elli in den Finger stach.
Weinerlich schrie Elli panisch auf und schrie: „Oh nein! Er hat mich gestochen!!! Er hat mich gestochen!!!“
Oh Gott! Uns beiden wurde schlecht, denn wir wussten nicht, was der Stich des Skorpion für Auswirkungen hatte.
Sofort sagte ich zu Elli: „Lass uns schnell rausgehen und jemanden vom Hotel Bescheid geben!“
Gesagt, getan… Wir rannten vor die Tür, doch niemand war zu sehen. Ich schrie panisch und laut „Excuse me, excuse me! Hello! Hello!
In dem kleinen Hotel, dass wie so oft ein Familienunternehmen war, öffnete der jüngste Sohn die Tür. Ich versuchte ihm zu erklären was geschehen war. Doch an seinem Gesicht sah ich, dass er kein Englisch verstand. Also rannte ich zurück ins Zimmer, wo der Skorpion noch immer auf den weißen Fliesen des Bodens saß und schnappte mir mein Handy, um dem Jungen auf Swahili zu erklären, was geschehen war. Elli saß währenddessen ängstlich und mit schmerzendem Finger, auf einem Hocker, an der Bar.
Der Jüngste hatte inzwischen seinen älteren Bruder geweckt. Mit zitternden Händen und panischer Angst um Elli, tippte ich vermutlich kreidebleich, den Text in den Übersetzer und beschrieb darin kurz was geschehen war. Gleichzeitig fragte ich, ob der Stich des Skorpions gefährlich war. Aufgeregt hielt ich den Brüdern mein Handy vor die Nase. Müde und mit einer Seelenruhe, lasen sich die zwei Brüder den Text in Swahili durch. Anschließend gab der große Bruder ein kurzes „Ahh“ von sich, dann herrschte stille.
Nochmals tippte ich panisch meine Frage „Ist der Skorpion gefährlich???“ in den Übersetzter. Daraufhin fragte mich der große Bruder mit Hilfe des Übersetzers: „Was für ein Skorpion war es?“ Ich zeigte den beiden Brüdern ein Foto, dass ich zuvor von dem Skorpion gemacht hatte, bevor wir ihn mit der Tasse in die Enge getrieben hatten. Nachdem ich das Bild gezeigt hatte und zu verstehen gab, dass der Skorpion noch in unserem Zimmer saß, gab der große Bruder wieder nur ein kurzes „Ahh“ von sich und ließ mich daraufhin einfach stehen. Er und sein Bruder gingen weg, ohne ein weiteres Wort zu sagen.
Mit Adrenalin im Blut, rannte ich zurück zu Elli und fragte nach ihrem Befinden. Ihr Finger schmerzte, ähnlich wie ein Bienenstich, doch ihr Kreislauf blieb stabil. Wir versuchten uns zu beruhigen, doch uns wurde klar, dass wir in einem Ernstfall, keine Hilfe von den Einheimischen erwarten konnten. Google würde uns wohl eine bessere Hilfe sein!
Im Nachhinein gesehen, war es natürlich total bescheuert, dass wir den Skorpion überhaupt angerührt hatten. Doch wer möchte so ein Ding schon gerne im Zimmer oder in der Radtasche haben???
Ellis Finger schmerzte noch den gesamten Tag, doch zum Glück war nichts weiter passiert.
Und der Skorpion? Der Skorpion freute sich nach unserer Abreise ganz sicher schon auf den nächsten Gast, denn er hatte sich in dem Zimmer unter dem großen, schwarzen Sessel verschanzt... :)
Da issa...
Skorpion am Morgen, bringt Kummer und Sorgen... :)
Afrikanische Klebchen und Massai
Von Igunga nach Misigiri - 06. Februar 2026
An diesem Morgen hatten wir wie so oft Begleitschutz. In der Regel klemmten sich Männer, die zuvor im Schneckentempo auf ihrem Fahrrad vor uns her fuhren, plötzlich an unser Hinterrad, wenn wir sie überholten. Meist fuhren sie dann für viele Kilometer in unserem Windschatten, denn ein kräftiger Wind blies uns entgegen. Manchmal machte uns der Begleitschutz nichts aus, doch wenn wir knülle waren, so wie an diesem Morgen, dann konnte der Anhang schon mal so richtig nerven.
Wieder klebten zwei Herren an unseren Hinterrädern. Genervt von den Anhängseln, sprachen wir Radmiezen uns ab und hielten spontan am Straßenrand, um die Männer loszuwerden. Doch auch die Männer gingen in die Eisen und sahen uns wie zwei Fragezeichen an. In den Augen der beiden lasen wir: „Warum haltet ihr denn an? Es war doch gerade so schön!“
Mit einer neckischen Handbewegung und einem lauten „Hepp, Hepp, Hepp…“, baten wir die beiden Herren endlich weiterzufahren.
Doch kaum waren wir die Männer los, heftete sich erneut jemand an unsere Hinterreifen. Jetzt waren wir wirklich genervt, weil man einfach niemals seine Ruhe hatte. Wieder hielten wir abrupt an, um unserem Anhang den Vortritt zu lassen. Aber diesmal war es eine junge Frau. Auch sie hielt mit uns an. Wir gaben ihr zu verstehen, dass sie bitte weiterfahren sollte. Doch die junge Frau schüttelte den Kopf und ließ sich nicht dazu bewegen weiterzufahren. Ich zückte noch mein Handy um ein Foto von ihr zu schiessen, denn manchmal hatten die Menschen Angst vor der Kamera oder ließen sich, wenn sie Muslime waren, ungerne fotografieren. Doch die junge Frau war eine Massai und stur wie ein Esel.
Genervt entschieden wir deshalb, an Ort und Stelle eine Frühstückspause, gleich neben der Straße und im Schatten unter Bäumen, einzulegen. Sollte die junge Frau doch warten bis wir fertig waren!
Die hübsche junge Frau die an unseren Hinterreifen klebte
war eine Massai und stur wie ein Esel :)
Während wir uns auf der Wiese nun ausbreiten und Kaffee kochten, stand die junge Frau noch immer auf der Straße und wartete. In Afrika haben die Menschen eben viel Zeit. Erst nach circa 10 Minuten, als unser Kaffee fertig war, fuhr sie weiter.
Doch auch beim Frühstück blieben wir nicht lange alleine, denn zwei junge Massai-Hirten kamen mit ihren 7 Hunden gelaufen. Jetzt mussten wir wirklich lachen. Wir gaben auf und begrüßten die beiden Hirten freundlich mit einem Handschlag und fragten sie, ob sie vielleicht eine Tasse Kaffee mit uns trinken wollten. Dankend lehnten die beiden ab. Anschließend blieben sie jedoch einfach bei uns stehen, um uns zu beobachten.
Die zwei jungen Massai-Hirten die mit ihren sieben Hunden kamen
und uns beim Frühstück Gesellschaft leisteten.
Als wir weiter radelten, trafen wir entlang der Straße in der Savanne, unverhofft auf unzählige Massai, die in traditioneller Kleidung, mit einem Hirtenstock in der Hand, Viehherden vor sich her trieben. Einige der Massai trugen sogar Ziegen auf ihren Schultern, die sie um ihren Hals gelegt hatten. Wir konnten kaum die Augen von den Massai lassen, denn wir waren völlig fasziniert von ihrer Schönheit, ihrer Größe, ihrer stolzen Ausstrahlung und ihrer wirklich coolen Kleidung.
Die meisten der männlichen Massai, trugen leuchtend rote, karierte Stofftücher. Sogenannte Shukas, die sie um ihre Körper gewickelt hatten. Ergänzt wurden ihre coolen Outfits durch große Ohrringe und kunstvollen Perlenschmuck, den sie um Hals und Handgelenke trugen. Ihre witzigen, langen Sandalen waren aus Autoreifen gefertigt. Zwar war die Kleidung der Massai noch sehr traditionell, doch viele von ihnen nutzten moderne Gegenstände wie Handys oder Regenschirme, um sich mit letzteren vor der Sonne zu schützen. Das gab ein lustiges Bild ab.
Wir sahen jedoch auch einige Massai-Frauen die mit großem Stolz, schwere Halsketten und große Perlenohrringe trugen.
Später sahen wir im Norden Tansanias, im Hochland zwischen Moshi und Arusha, auch eine Gruppe junger, schwarz gekleideter Massai, von denen einige eine eindrucksvolle, weiße Gesichtsbemalung hatten. Sie wirkten auf uns fast furchterregend. Später lasen wir, dass es junge Massai-Krieger waren, die sich nach ihrer Beschneidung in einem Übergangsritus befanden, der junge Männer (14-16 Jahre) von der Kindheit zu Morans (Krieger) macht.
Fotos: Junge Massai-Krieger die sich im Übergangsritus befinden.
(In diesem Fall sind die Fotos ausnahmsweise mal nicht von uns, da man nicht immer mit der Kamera auf Menschen halten kann. Doch die Fotos zeigen die jungen Massai-Krieger genau so, wie wir sie in der Hochebene zwischen Moshi und Arusha sahen.)
Auf unseren Fahrrädern erreichten wir in der Savanne irgendwann ein Dorf. Dort erklärte sich uns, weshalb so viele Massai mit ihren Viehherden entlang der Straße unterwegs waren, denn am Rande des Dorfes gab es einen großen Viehmarkt, auf dem nicht nur die Massai ihre Rinder und Ziegen feilgeboten, sondern auch andere Ethnien farbenfrohe Stoffe, Schmuck, Kleidung, Obst, Gemüse und andere Dinge verkauften.
Als wir den Markt erreichten, mischten wir uns samt Fahrräder und Gepäck unter die Leute. Natürlich zogen wir alle Augen auf uns, denn viel interessanter als die Waren und das Vieh, waren zwei weiße Frauen, die sich in Shorts bekleidet und mit Fahrrädern in der Hand, durch das Gewimmel drängten. An einem der Stände an dem hochwertige, traditionelle Stoffe verkauft wurden, hielten wir an. Sofort wurden wir von unzähligen Menschen umzingelt.
Ich sah mir einige der schönen, bedruckten Baumwollstoffe an. Doch um sie mitzunehmen waren diese definitiv zu schwer. Mit Hilfe des Google-Übersetzers gab ich dem Verkäufer zu verstehen, dass seine Stoffe wunderschön waren, jedoch zu schwer für unser Gepäck auf dem Fahrrad. Alle Menschen um uns herum drängelten und wollten sehen, was ich im Handy geschrieben hatte. Der Verkäufer gab daraufhin folgende Antwort in den Übersetzer ein: „Okay, aber es gibt definitiv auch einige Stoffe, die zum Autofahren geeignet sind!“ Alle um uns herum lachten wieder.
Während ich mit den Stoffen und dem Verkäufer beschäftigt war, nahm Elli hinter mir auf einer Holzbank platz. Auch sie war von zahlreichen Männern umzingelt. Irgendwann tippten einige Herren aus der zweiten Reihe Elli auf die Schulter. Als sie sich dann zu ihnen umdrehte, zeigten die Herren auf einen Mann in ihrer Gruppe und gaben Elli zu verstehen, dass dieser noch zu haben war. Entsetzt zeigte Elli den Männern einen Vogel und fragte brüsk, ob sie nicht ganz dicht waren, zumal der junge Mann der zur Wahl stand, ein Pferdegebiss hatte und in seinem schmutzigen, ehemals weißen Gewand und mit einem Spitzhut auf dem Kopf, der absolute Renner war.
Lachend verabschiedeten wir uns von der muslimischen Herrenrunde am Stoffstand und liefen mit unseren Fahrrädern weiter zum Viehmarkt. Zwischen all den Tieren die zum Verkauf standen, wurden Rinder an Ort und Stelle geschlachtet. Während wir uns umsahen, wurden zwei Kühe auf eine erhöhte Plattform aus Beton gezogen und anschließend von zwei jungen Burschen zu Fall gebracht. Dann banden die Jungen die Vorder- und Hinterläufe der Kühe mit Seilen zusammen. Das was dann folgte, hatten wir unseren Augen lieber erspart.
Im Hintergrund sieht man einen kleinen Teil des Viehmarktes,
auf denen die Massai und andere Ethnien ihre Tiere feilboten.
Nachdem wir eine Runde über den Viehmarkt gedreht hatten, radelten wir weiter. Schon bald ging es wieder die Berge hinauf. Doch zuvor wollten wir uns nochmal stärken. In einem anderen Dorf hielten wir deshalb bei einer freundlichen Familie, die eine „Töpfe-Küche“ Betrieb und bestellten dort frisch gebackene Chapatis mit einem süßen Gewürztee.
Anschließen ging es auf den Rädern weiter. Die Landschaft war wirklich schön. Saftig grüne Felder, tief rote Erde und große Baobab-Affenbrotbäume, waren teil der Umgebung.
Am frühen Nachmittag folgte dann ein Aufstieg auf ein hohes Bergplateau. Wir trieften und schwitzten, denn die Sonne brannte bei über 30 Grad heiß vom Himmel. In den Bergen gab es keinen Wind. Die Luft schien still zu stehen. Die Brühe tropfte an unseren Körpern herunter.
Nur wenige Kilometer vor dem Ziel, mussten wir nochmals eine Pause im Schatten unter Bäumen einlegen, denn wir waren völlig platt und triefend nass geschwitzt. Uns plagten Kopfschmerzen. Knülle schlürften wir unser warmes Wasser und süßen Fruchtsaft, während sich auf der gegenüberliegenden Seite der Straße, eine Gruppe Paviane stritt.
Als wir das Plateau endlich erreicht hatten, kündigte sich wie jeden Nachmittag, ein heftiges Gewitter an. Doch noch bevor der Regen in Kübeln vom Himmel stürzte, fanden wir zu Glück ein nettes, kleines Hotel.
Die tief rote Erde in Tansania, erinnerte uns oft an das Outback in Australien.
Same Same But Different!
Frühstück auf Felsen und in Gesellschaft einer Gruppe Mädels,
die neugierig und kichernd zuschauten.
Von Misigiri nach Singida - 07. Februar 2026
Als unser Wecker um 5:30 am Morgen klingelte, regnete es in Strömen. Wir stellten den Wecker deshalb nochmal zu 6:00 Uhr um und dösten vor uns hin, während wir dem prasselnden Wasser lauschten.
Kurz nach 6:00 Uhr ließ der Regen nach. Wir standen auf und packten unsere Sachen zusammen. Kurz nach 7:00 Uhr saßen wir startklar auf unseren Rädern. Die nette Putzfrau des kleinen Hotels kam noch mit auf die Straße und winkte uns zum Abschied zu.
Der Himmel war grau und hing voller Wolken. Es dauerte nicht lange, dann begann es wieder zu regnen. Wir radelten durch eine hügelige Landschaft. Die Wolken am Horizont sahen dramatisch aus. Nach circa 20 Kilometern suchten wir im Regen nach einem Platz zum Frühstücken. Es sah nicht so aus, als würde der Regen nachlassen. Das Frühstück fiel deshalb sehr nass aus, doch immerhin blieben die Temperaturen angenehm warm.
Nach dem Frühstück radelten wir weitere 25 Kilometer, bis wir gegen Mittag wieder Appetit hatten. Als wir durch ein Dorf fuhren, entdeckten wir wieder eine kleine „Töpfe-Küche“. Ein Busfahrer hatte sich in dem kleinen Restaurant gerade etwas zum mitnehmen bestellt. Die hausgemachten Fritten mit Salat, standen noch zum Verpacken auf dem Tisch. Wir hungrigen Radmiezen bekamen große Augen. Als der Busfahrer das sah, fragte er sogleich, ob wir auch Fritten essen wollten. Lachend nickten wir ihm zu. Wir nahmen Platz und bestellten zu den Fritten noch süßen Gewürztee.
Der Regen hatte zwischenzeitlich etwas nachgelassen, doch nun setzte er wieder ein. Wir ließen uns deshalb Zeit. Nachdem wir eine gute Stunde in dem kleinen „Töpfe-Restaurant“ verbracht und den Frauen beim Kochen zugeschaut hatten, verabschiedeten wir uns von den netten Damen und fragten, ob wir sie eventuell fotografieren dürften. Freudestrahlend willigten sie ein und stellten sich samt Oma, für ein paar Fotos auf. Auch die Damen zückten nun lachend ihre Handys, um ein paar Bilder mit uns zu schießen. Scheinbar hatten auch sie sich nicht getraut uns zu fragen.
Nach dem Essen schossen wir mit den netten Damen des kleinen
Straßen-Restaurants noch einige Fotos.
Typische "Töpfe-Küche" in einem Dorf auf der Strecke.
rechts im Bild: der nette Busfahrer
Das kleine Streetfood-Restaurant war wie so oft ein Familienbetrieb. Von Großmutter über Töchter und Enkelkinder, alle helfen mit.
Wir radelten weiter. Noch bevor wir unser Tagesziel, die Stadt Singida in der gleichnamigen Region erreichten, traute ich meinen Augen nicht, denn mitten auf der Straße, saß ein gelbes Chamäleon. Vielleicht hatte es sich spontan meinen gelben Radtaschen angepasst. Ich ging vor dem Chamäleon volle Kanne in die Eisen, sodass Elli beinahe in mich hinein fuhr. Kichernd stiegen wir vom Rad und fotografierten das witzige Tier, das langsam die Flucht ergriff. Das Chamäleon krabbelte zurück ins Grün und weg von der Straße. Zum Glück…
In der Stadt Singida suchten wir uns ein hübsches Hotel. In Singida war es Zeit für eine längere Pause, damit wir uns und unser Equipment pflegen konnten. Auch die weitere Strecke musste hier nun geplant werden.
Zufällig begegnete uns dieses Chamäleon auf der Straße vor der Stadt Singida. es hatte sich scheinbar spontan der Farben meiner Radtaschen angepasst.
Ausflug zum Kilimandscharo
Moshi - 10. bis 15. Februar 2026
Als wir die Region Singida, im Zentrum von Tansania, mit einer Hauptstadt, die ebenfalls Singida heißt erreicht hatten, kündigte sich die bevorstehende Regenzeit in Tansania allmählich an. Der Himmel hing täglich voller Wolken und für gewöhnlich zogen gegen Nachmittag Gewitter auf, bei denen es wie aus Kübeln schüttete.
In Singida war es für uns an der Zeit, eine längere Radpause einzulegen, um den müden Beinchen etwas Ruhe zu gönnen. Wir checkten unsere Fahrräder und recherchierten die bevorstehende Strecke. Eigentlich hatten wir zuvor geplant in Tansania die Route über Arusha und Moshi in Richtung Daressalam einzuschlagen, doch nun stellten wir fest, dass uns die Zeit fehlen würde um Lilongwe, die Hauptstadt Malawis, zu erreichen, noch bevor Ende März Elli’s Flug zurück in die Heimat ging.
Trotz allem wollten wir natürlich den Kilimandscharo, den höchsten Berg Afrikas, sehen und entschieden deshalb, unsere Fahrräder für einige Tage in Singida stehen zu lassen und mit dem Bus nach Moshi zu fahren, um am Fuße des Kilimandscharos wandern zu gehen.
Blick auf den Kilimandscharo, aus dem Zentrum der Stadt Moshi.
Nach circa 9 Stunden Busfahrt, wurden wir am Busbahnhof von Moshi (schon der Name ist Progamm! :), völlig gerädert und mit Kopfschmerzen ausgespuckt. Die turbulente Fahrt war anstrengend wie ein Langstreckenflug um die Erde.
Moshi ist eine lebhafte Stadt im Nordosten Tansanias. Sie liegt am Südhang des Kilimandscharo auf ca. 890 m und ist Ausgangspunkt für Bergsteiger, die den höchsten Berg Afrikas (5.895 m) erklimmen wollen. In Moshi trafen wir nun auch andere Mzungus. Weiße Touristen, die wir schon seit längerem nicht mehr gesehen hatten. Doch auch das Wetter war im Norden Tansanias wieder viel schöner und trockener als im Süden des Landes.
Blick auf den Kili aus der City von Moshi am Abend.
Für eine gute Sicht auf den Kilimandscharo gibt es keine Garantie, denn der Kili ist aufgrund seiner enormen Höhe und der tropischen Lage oft in Wolken gehüllt, besonders während der langen Regenzeit von Ende März bis Mai sowie im November. Doch schon am Abend unserer Ankunft hatten wir riesiges Glück. Gegen 18.30 Uhr, kurz vor Sonnenuntergang, lösten sich die Wolken auf und einer der höchsten Vulkane der Erde, erstrahlte in voller Pracht und im warmen Abendlicht. Wir Radmiezen waren völlig aus dem Häuschen und die anstrengende Busfahrt war nun vergessen. Alle Mühe hatte sich gelohnt. Auf dieses schöne Erlebnis, stießen wir gleich mal mit zwei kühlen Kilimandscharo-Bieren an :)
Ein überraschend guter Blick auf den Gipfel des Kilimandscharo,
am Abend unserer Ankunft in Moshi.
An diesem zentralen Platz in Moshi hätte man eigentlich eher eine Werbung für das Kilimanjaro-Premium Lager - Bier platzieren können, aber Coca Cola macht es auch... ;)
In den darauffolgenden Tagen, gingen wir am Fuße des Kilimandscharo viel wandern und zwar so, dass wir mächtig Muskelkater hatten, obwohl wir eigentlich top fit und trainiert waren. Zumindest dachten wir das…
Jeden Morgen standen wir in Moshi um 5:15 Uhr auf und schlichen, mit Stirnlampen bewaffnet, aus dem Hotel. Denn bei Sonnenaufgang war die Chance am größten, den Gipfel des Kilimandscharo, frei von Wolken zu sehen.
In der Stadt Moshi war es jedoch nicht einfach, einen guten Platz mit freier Sicht, auf den Kilimandscharo zu finden. Noch vor dem Frühstück marschierten wir deshalb einige Kilometer durch die Dunkelheit, um bei Sonnenaufgang eine halbwegs freie Sicht auf den Vulkan zu haben.
Blick auf den fast wolkenfreien Kili gegen 6:30 Uhr am Morgen in Moshi.
Jeden Morgen die fantastische Kili-Show, noch vor dem Frühstück.
Jeder einzelne Morgen war ein grandioses Erlebnis! Wenn die Sonne den Uhuru Peak, den Gipfel des Kilimandscharos, gegen 6.30 Uhr für wenige Minuten in orange-rote Farben tauchte, dann standen wir fasziniert und staunend da. Doch schon kurz vor 7.00 Uhr war das Schauspiel wieder vorbei. Dann zogen in Windeseile Wolken auf und der Vulkan verschwand in Dunst und Nebel.
Blick auf den Mawenzi Peak.
Der Mawenzi ist der zweithöchste Gipfel im Kilimandscharo-Massiv.
Blick auf den Kili vom Stadtrand in Moshi.
(Das Foto entstand gegen 6:30 Uhr am Morgen.)
Moschee in Moshi.
Nach dem Frühstück packten wir täglich unsere Rucksäcke, um zu einer Tageswanderung am Fuße des Kilimandscharo aufzubrechen. In der Regel quetschten wir uns dafür erst einmal in einen der überfüllten Daladalas, um zum Ausgangspunkt unserer Tour zu gelangen. Daladalas sind in Tansania Minibusse, die als öffentliche Verkehrsmittel dienen. Sie verkehren auf festen Routen, sind jedoch flexibel zum Ein- und Aussteigen und halten deshalb an jeder Milchkanne. Eine Fahrt im Daladala ist definitiv immer ein Erlebnis, denn in Afrika ist eben immer was los!
Jubel, Trubel, Heiterkeit im überfüllten Daladala.
In dem touristischen Gebiet rund um den Kilimandscharo, war es keineswegs einfach einen Ausflug auf eigene Faust zu machen. Ständig wurde man dazu angehalten, eine teure Tour zu buchen. Für alle möglichen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung des Kilimandscharos, werden horrende Eintrittsgelder verlangt. Noch dazu wird man dazu gezwungen einen Guide zu engagieren, der natürlich extra bezahlt werden muß. Doch darauf hatten wir Radmiezen keinen Bock! In Moshi und Umgebung kämpfte jeder einzelne um Touristen, die offensichtlich keinen Guide an der Seite hatten. Für uns war es deshalb sehr anstrengend, uns die Typen permanent vom Hals zu halten und abzuwimmeln.
Radmiezen auf Wanderschaft am Fuße des Kilimandscharo.
Da wir definitiv keine Lust auf eine einheimische Begleitung gegen Dollar hatten, erstellten wir unsere eigenen Wandertouren, am Fuße des Kilimandscharo, nördlich von Moshi.
An einem der Wandertage am Fuße des Kilis, fuhren wir vom quirligen Busbahnhof in Moshi, in einem völlig überfüllten Daladala, hoch in das Bergdorf Kibosho und starteten von dort aus eine Wanderung zum Mweka Gate.
Das Mweka Gate liegt im Süden des Kilimandscharo und auf circa 1.650 Metern Höhe. Das Tor dient hauptsächlich als Ausgang für Bergsteiger, die den Kilimandscharo nach der Besteigung verlassen. Wir Radmiezen waren neugierig und wollten sehen, was am Mweka Gate so abläuft.
Doch erst einmal wanderten wir in dem kleinen Bergdorf Kibosho zu einer Kirche, welche 1893 von deutschen Missionaren erbaut wurde. Die Kibosho Catholic Church ist eine der ältesten in der Region.
Die Kirche liegt am Südhang des Vulkans. Der Kilimandscharo lag zu diesem Zeitpunkt hinter dicken Wolken. Am Gipfel des Berges, hatte sich ein Unwetter zusammengebraut, dadurch war die Szenerie an der historischen Kirche, dramatisch und spektakulär.
Die imposante Kirche in Kibosho von 1893.
Sie befindet sich am Fuße des Kilimandscharo, der sich im Hintergrund unter Wolken und Dramatik befindet.
Auf festen Sand- und Lehmwegen, wanderten wir in der Hitze, bei über 30 Grad, durch eine hübsche, üppig grüne Vegetation, den Berg hinauf. Wir durchwanderten einige kleine Dörfer. Für ein paar Pfennige kauften wir bei einer älteren Frau, die vor ihrem Haus saß, eine Tüte Mandazi (frittiertes Gebäck, ähnlich wie Pfannkuchen). Anschließend wanderten wir weiter, durch unzählige Kaffeeplantagen. Die Region um den Kilimandscharo ist das Herzstück des tansanischen Kaffeeanbaus. Rund um Moshi und Arusha, produzieren Kleinbauern und Genossenschaften in Höhenlagen von 950 bis 2.100 Metern, überwiegend hochwertigen Arabica-Kaffee, denn der nährstoffreiche vulkanische Boden, bietet für die Kaffeepflanzen ideale Wachstumsbedingungen.
Einige Kilometer weiter und einige kühle Limos später, erreichten wir am frühen Nachmittag das Mweka Gate, am Fuße des Kilimanscharos, welches wie schon erwähnt, hauptsächlich als Ausgang für Bergsteiger dient, die den Kilimandscharo nach der Besteigung verlassen. Am Mweka Gate checken die Bergsteiger aus und erhalten feierlich ihre Gipfelzertifikate.
Wir setzten uns beim Gate an den Straßenrand und beobachteten die Szenerie. Einige der Porter und Guides (Träger und Führer) kamen mehr oder weniger fit von der Besteigung. Sie liefen entweder hinunter zum Dorf, von wo aus sie mit dem Daladala runter nach Moshi fuhren oder sie ließen sich von einem Kumpel abholen, der sie dann mit dem Motorrad nach Hause fuhr. Auf die Touristen hingegen warteten jedoch Kleinbusse, die sie samt Gepäck, zurück ins Hotel fuhren. Die Bergsteiger wirkten allesamt glücklich und strahlten über beide Backen, denn wer das Mweka Gate erreicht hat, hat die Klimandjaro-Tour erfolgreich hinter sich gebracht.
Wir feierten Ellis 61.sten Geburtstag mit Bruno und Roberta am Kili.
Und zu guter Letzt:
Toiletten-Geschichten Tansania
Für alle die schon immer mal wissen wollten, wie die Klos am anderen Ender der Welt aussehen.
Foto oben: Ein Toiletten-Häuschen auf dem Gelände einer Polizeischule,
vor der traumhaften Kulisse des Kilimandscharo.
Foto unten: Klassisches Hock-Klo auf dem Hinterhof eines "Töpfe-Restaurants".