Mit dem Fahrrad durch Sambia

Wie ich (Nadine) das Land Sambia erlebte:

 

Wenn man im Internet etwas zu den Lebensbedingungen und der wirtschaftlichen Lage in Sambia recherchiert, dann erfährt man, dass das Land zu den ärmsten Ländern der Welt zählt. Rund 60 Prozent der Bevölkerung lebt in extremer Armut, in ländlichen Gegenden sogar 75 Prozent. Die Armut steigt jährlich an und Mangelernährung betrifft circa 31 bis 35 Prozent der Menschen.

 

Mein Gesamteindruck von Sambia war jedoch um einiges besser, als die Informationen im Internet. Nach unserer Radreise durch Malawi, war Sambia für mich das reinste Schlaraffenland. Das Land war eine große Erlösung und brachte mir die Freude mit dem Fahrrad durch Afrika zu reisen wieder. 

In Sambia gab es nun viel weniger Menschen, denn im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern, ist Sambia relativ dünn besiedelt. 

 

Auch die Menschen erschienen mir in Sambia wesentlich gebildeter, obwohl beide Länder in Sachen Bildung vor großen Herausforderungen stehen. Das Mzungu-Geschrei, das dumme Gegröle der Männer und die Frage nach Geld, ließ in Sambia deutlich nach. Ich Empfand die zurückhaltendere und freundlichere Mentalität in Sambia als sehr angenehm. Die Ansprache mir gegenüber, war in der Regel wesentlich respektvoller. Statt dem fordernden „Mzungu, give me…!“, wurde ich in Sambia meist mit der Frage: „Hello Madame! How are you?“, begrüßt. 

Meine Anspannung und meine Aggressionen gegen die Menschen, die mich permanent aus der Reserve lockten, ließ zum Glück wieder nach. In Sambia war nun Zeit zum Luft holen und zum genießen. 

 

Im Norden des Landes, vor allem in ländlichen Gegenden, war die Armut allerdings spür- und sichtbar höher als im Süden. Während der Süden mit seinen gut sortierten Supermärkten auf europäischen Niveau einen westlichen Eindruck machte, war das Leben im Norden sehr einfach, um es gelinde auszudrücken. 

Ich erinnere mich an zwei Jungs, die mit freien Oberkörper, freudestrahlend zur Straße gerannt kamen, um mich zu begrüßen. Die beiden waren stark abgemagert, mit sichtbaren Rippen, knochigen Schultern und einem aufgeblähten Bauch, doch sie strahlten mich mit einem breiten Lachen an. Es tat mir in der Seele leid. Es gab viele kurze Momente, flüchtige Eindrücke und Erinnerungen wie diese, die mich erst viel später wieder einholten und die mich so wie jetzt, nachträglich zum Weinen brachten. 

 

In einem Straßenrestaurant im Norden Sambias, bezahlte ich für ein komplettes Mittagessen 20,- Kwacha. Das waren umgerechnet 0,90 Cent. Mir war es ein Rätsel, wie die Familie davon leben konnte, zumal Lebensmittel in Sambia nicht gerade günstig waren. Doch diesen Preis bezahlte ich in Sambia nie wieder. Je südlicher ich kam, desto besser wurden die Lebensbedingungen für die Menschen. Damit stiegen natürlich auch die Lebenshaltungskosten und die Preise.

In Sambia fuhren auch wieder mehr Autos. Darunter viele Neuwagen. Viele Leute waren per Anhalter unterwegs und nutzten Sammeltaxis und Busse, statt überladener Fahrräder für den Transport. 

 

Fazit: Jedes Land in Afrika trägt seine eigene Handschrift. Die Handschrift des Landes Sambia, mit seinen liebenswürdigen, zurückhaltenden, freundlichen, jedoch offenen Menschen, hat mir sehr gut gefallen. Sambia ist definitiv eine Reise wert!

Über die kleinkarierten Hotel-Bewertungen der Touristen, die sich darüber beklagen, dass das Wasser in der Dusche nicht warm ist oder das es häufig zu Stromausfällen kommt, kann ich nur schmunzeln…

 

Für dieses Mittagessen in einem der Straßenrestaurants, im Norden von Sambia,

bezahlte ich 20,- Kwacha. Das waren umgerechnet circa 0,90 Cent.

Foto: Nshima Maisbrei, Okra-Gemüse, Hühnchen und Soße

 

Abschied in Malawi

 

Lilongwe (Malawi)  - 28. März 2026

 

Schon lange hatten wir uns vor dem Tag unseres Abschieds gefürchtet. Doch nun war es nun soweit. Elli musste zurück in die Heimat und zur Arbeit. Trotz aller Bemühungen führte kein Weg zu einer gemeinsamen Weiterreise.

 

Erst im September 2026 wird Elli wieder nach Afrika zurückkehren, damit wir weitere vier Monate mit dem Fahrrad über den bunten Kontinent kurbeln können. 

 

Die Tage vor Elli’s Abreise verbrachten wir in einem komfortablen Hotel, vor den Toren Lilongwes, der Hauptstadt Malawis. Für uns gab einiges zu organisieren. Wegen des Krieges im Nahen Osten war Elli gezwungen einen neuen Rückflug zu buchen, denn der Flugraum über Katar war noch immer geschlossen. Anstatt mit Qatar Airways, flog sie mit Ethiopian Airlines und Turkish Airlines, über Addis Abeba und Istanbul nach Berlin. 

 

Im Zentrum der Stadt Lilongwe organisierten wir einen Fahrradkarton, um Elli’s Bike für den Rückflug sicher zu verpacken. 

Nachdem das erledigt war, war es an der Zeit mein eigenes (Nadine’s) Fahrrad für die Weiterreise durch Afrika auf Vordermann zu bringen. In den 4 Monaten in denen wir unterwegs waren, hatten die Fahrräder einiges mitgemacht. Wir wechselten deshalb die Bremsbelege und einen der Bremsgriffe. Anschließend säuberten und spannten wir die Kette. Da mein Hinterrad-Reifen schon ziemlich gelitten hatte, tauschten wir diesen gegen den Vorderradreifen von Elli.

 

Am Morgen des 28. März 2026 war es dann soweit. Elli‘s Equipment war flugtauglich verpackt und mein eigenes Fahrrad bereit für ein weiteres Abenteuer durch Afrika. 

In einem großen Transporter ließen wir uns samt Gepäck und Bikes zum „Kamuzu International Airport“ in Lilongwe fahren. Nach der Ankunft am Flughafen, parkten wir mein (Nadine’s) beladenes Bike vertrauensvoll bei einem Wachmann, damit wir uns im Terminal voneinander verabschieden konnten. Uns war schrecklich traurig zu Mute, denn bis dahin, hatten wir all unsere Reiseerlebnisse immer geteilt. Auf einer Radreise waren wir immer eine Symbiose. Jede von uns hatte ihren Part. Zusammen sind wir das perfekte Team, auch wenn öfter mal die Fetzen fliegen. Das gehört eben dazu. Doch nun standen wir vor einer neuen Herausforderung. Fünf Monate der Trennung lagen vor uns. 

 

Am Flughafen von Lilongwe hatten wir uns gemeinsam bis zum Check-in geschlichen. Wir waren jedoch zu früh dran, deshalb nahmen wir auf einer Sitzbank wartend Platz. Uns Mädels beschlich ein beklemmendes Gefühl und in mir (Nadine) machte sich Panik breit. Wir sahen uns traurig an und beschlossen spontan den Abschied kurz zu halten. Mit Tränen in den Augen fielen wir uns in die Arme. Daraufhin verließ ich heulend den Terminal und stieg auf‘s Rad. Es war ein merkwürdiges Gefühl nun allein in Afrika zu sein. Während Elli zurück in die Heimat flog, kurbelte ich an diesem Tag noch 45 Kilometer weiter. Immer wieder sah ich dabei automatisch in den Rückspiegel, um nach Elli zu schauen. Doch inzwischen war sie weit weit weg…

 

Abschied der Radmiezen in Lilongwe (Malawi)

 

Über die Grenze von Malawi nach Sambia - 30. März 2026

 

Jetzt war ich also alleine unterwegs. Es war ein merkwürdiges Gefühl. An diesem Morgen musste ich in der Lodge ohne Elli zum letzten Frühstück in Malawi gehen. Doch ich war nicht einsam, denn wie so oft hatten in dem Gästehaus viele Arbeiter übernachtet und fanden sich gegen 6:30 Uhr beim Frühstück ein. Wie üblich gab es gebratene Eier, frittierte Kartoffeln, Toast und Milchtee. Ein Frühstück im Worker-Style.

 

Nach dem gehaltvollen Frühstück machte ich mich auf den Weg. Die Sonne brannte schon am frühen Morgen heiß vom Himmel. 

Bis zur Grenze waren nur 11 Kilometer zurückzulegen, doch das genügte, um unzählige „Mzungu, give me my Money“-Rufe mitzunehmen. Im stillen betete ich vor mich hin, dass das respektlose und fordernde Geschrei der malawischen Gören, in Sambia ein Ende nehmen würde.

 

Durchgeschwitzt und triefend nass, erreichte ich den Grenzort. In einem Tankstellenshop kaufte ich mir noch schnell ein paar kalte Sodas vom letzten malawischen Geld, denn ich wusste das der malawische Kwacha in Sambia kaum etwas wert war. Es war also besser das Geld noch in Malawi auszugeben. 

 

Am Grenzübergang suchte ich nach dem richtigen Weg, denn wie immer gab es keine Beschilderung. Ich fragte mich durch und stand schließlich vor einem großen, modernen Gebäude, indem sich die Migration beider Länder befand. Zuerst ging ich zum Schalter des Landes Malawi, um mir den Ausreisestempel geben zu lassen. Danach lief ich zum Schalter des Landes Sambia. Die nette Dame hinter der Glaswand fragte mich nur, wie lange ich in Sambia bleiben wollte und welche Reiseroute ich nehmen würde. Anschließend drückte sie mir den Stempel völlig unproblematisch in den Pass. 

 

 

Nun war ich also in Sambia. Gut gelaunt und voller Vorfreude radelte ich los. Da ich noch Bargeld in der Tasche hatte und eine SIM-Karte für mein Handy benötigte, radelte ich erst einmal 23 Kilometer bis zur Stadt Chipata. Die Landschaft wurde nun wieder etwas bergiger. 

In Sambia waren spürbar weniger Menschen unterwegs und auch das dreiste „Mzungu, give me my Money!“ der Gören, ließ tatsächlich deutlich nach. Zwar riefen die Kinder noch immer laut wenn sie mich sahen, jedoch ohne Forderungen zu stellen und das war völlig in Ordnung. Es war schön mal durchzuatmen zu können. 

 

In der Stadt Chipata herrschte reges Treiben. Nach all den Wochen in Malawi, empfand ich Sambia als wesentlich freundlicher, moderner und wohlhabender. Zwar wurde auch hier das Gras noch mit der Machete gemäht, doch es gab wesentlich mehr Frauen die Hosen trugen, viel mehr Autos, mehr Reklame, ordentliche Schilder, eine gute Straße mit Seitenstreifen und coole, gebrauchte Sneaker, die am Straßenrand verkauft wurden. 

 

Nachdem ich an einem ATM Bargeld abgehoben und mir eine SIM-Karte besorgt hatte, setzte ich mich in ein Café. Ich nahm im Außenbereich Platz und beobachte das bunte Treiben. Ich war glücklich Malawi endlich hinter mir gelassen zu haben und freute mich jetzt auf die Reise durch Sambia und hoffte dabei auf freundliche Menschen. 

 

Nachdem ich einen Kaffee getrunken hatte, schwang ich mich wieder auf‘s Rad, um weitere 30 Kilometer zu radeln. Zwar hatte sich der Himmel inzwischen dramatisch zugezogen und verdunkelt, aber das hielt mich nicht davon ab weiterzufahren. Ich war neugierig auf das Land.

Nachdem ich die Stadt Chipata hinter mir gelassen hatte, wurde es auf der Straße angenehm ruhig. Die Menschen die mir begegneten, grüssten sehr nett. 

Es war ein herrliches Gefühl, auf einer tipptopp asphaltierten Straße, mit breitem Seitenstreifen zu fahren und dabei die wunderschöne Natur genießen zu können, ohne dabei das Gegröle unzähliger Menschen aushalten zu müssen. Sambia gefiel mir schon jetzt…

 

links: Happy nach der Einreise in Sambia, mit dem Stempel im Pass. 

mitte: hügeliges Land und schöne Natur im Norden Sambias.

rechts: Der junge Mann bestand auf ein Selfie mit mir. (vor einem kleinen Kiosk im Dorf)

 

Von Mutenguleni nach Katete - 31. März 2026

 

Am Morgen packte ich in dem Zimmer der Lodge, die sich in einem kleinen Dorf befand, meine Sachen zusammen. Anschließen lief ich vor zum Haupthaus mit Restaurant, um dort zu frühstücken. Unter freiem Himmel setze ich mich an einen der Tische und genoss die warme Sonne. Zum Frühstück wurden mir von einem netten, jungen Mann, Spiegeleier, Toast, Butter, Tomaten und sogar Kaffee serviert. Außer mir gab es keine weiteren Gäste. 

Während meines Frühstücks kam ein Mann von der Straße auf den Hof der Lodge gelaufen. Er hielt dabei einen zerlumpten Sack in der Hand und steuerte zielstrebig auf mich zu. Während ich meinen Kaffee schlürfte, hielt der Mann mir den Sack vor die Nase. Da sich der Inhalt des Sacks bewegte nahm ich an, dass er mir ein Huhn verkaufen wollte. Der Mann griff daraufhin in den Sack und zog ein Karnickel heraus. Er hielt es dabei an seinen langen Ohren. 

In dem zerlumpten Sack befand sich jedoch noch ein zweites Karnickel. Als ich dem Mann zu verstehen gab, dass ich keines der Tiere kaufen wollte, warf er das Karnickel wieder unlieb zurück in den Sack. Der Sack hatte allerdings ein Loch, sodass eines der beiden Langohren hindurch purzelte und auf den Boden knallte. Der Mann griff das arme Tier wieder an seinen Ohren und spazierte damit vom Hof, als wenn es eine Handtasche wäre. 

 

In Afrika gab es oft Situationen in denen mir (uns) die Tiere schrecklich leid taten. Doch es machte es keinen Sinn das Leid der Tiere an sich heranzulassen, denn auf dieser Reise waren wir nur Beobachterinnen. 

Von Kenia bis Malawi sahen wir unzählige totgefahrene Hunde auf der Straße liegen. Niemand interessierte sich für sie, niemand zog sie beiseite oder räumte sie von der Straße. Ziegen wurden kopfüber auf Motorrädern transportiert und schrieen dabei wie kleine Kinder. Aber auch große Schweine wurden auf dem Rücksitz transportiert und Hühner halbtot in engen Käfigen. Doch in Afrika ist eben vieles offensichtlicher, was sich bei uns vermutlich nur hinter verschlossenen Türen abspielt…

 

Nach dem Frühstück radelte ich los. Nach Malawi war Sambia nun die reinste Entspannung. Die Straße befand sich in einem guten Zustand und hatte sogar einen breiten Seitenstreifen. Zudem gab in Sambia viel weniger Menschen und nur selten fragte jemand nach Geld. In den Dörfern schrieen die Kinder nun: „How are you?, How are you?, How are you?“ synchron im Chor, wenn sie mich sahen. Doch ich nahm es gelassen und empfand den Singsang der aufgeregten Kids, eher als nette Begrüßung. Insgesamt gesehen waren die Menschen in Sambia jetzt wesentlich zurückhaltender, freundlicher und spürbar gebildeter, auch wenn es natürlich einige Ausnahmen gab. 

Auf der Straße überholte ich an diesem Morgen einen Mann mittleren Alters. Sofort gab er Gas, klemmte sich an mein Hinterrad und schrie dabei „Madame, i‘m very, very Hungry!“. Minutenlang textete er mich zu, um mir Geld aus der Tasche zu leiern, bis es mir zu bunt wurde und ich eine Vollbremsung einlegte, um den Zahnlosen loszuwerden. Natürlich hielt auch er mit seinem Fahrrad an. Ich schrie ihn jedoch an, bis er die Flocke machte.

Die Reise durch Malawi saß noch tief in meinen Knochen. Die Frage nach Geld, aufgrund der Hautfarbe, brachte mich sofort auf die Palme. Das angeblich „warme Herz von Afrika“ hatte nicht nur bei mir, sondern auch bei Elli ein wahres Trauma hinterlassen. 

 

Am frühen Nachmittag erreichte ich die Stadt Katete. Ich stellte meine Sachen im Zimmer der Lodge ab und lief zu Fuß in die Stadt, um etwas zu essen und mich dort umzusehen. 

Ich fand ein nettes Streetfood-Restaurant und bestellte Nahima (Maisbrei) mit einem Stück gebratenen Hühnchen, grünem Gemüse und einer roten Soße, für umgerechnet 1,60 Euro. Ich konnte kaum glauben, wie günstig im Norden Sambias das Essen war. Schon am Vortag hatte ich für ein ähnliches Gericht, weniger als 1,-Euro bezahlt. 

 

Prima Essen für wenig Geld in der Stadt Katete.

Foto: Nshima (Maisbrei), grünes Blattgemüse, Hühnchen und Soße

 

Wie immer wurde das Essen ohne Besteck serviert. Das Essen ohne Besteck ist in vielen Regionen Afrikas eine kulturelle Tradition, die Gemeinschaft und Nähe symbolisiert. Feste Breisorten wie Ugali oder Nshima, dienen dabei als Schaufel für Soßen, Gemüse und Fleisch. Ich fand großes Gefallen am essen mit den Händen. Irgendwie brachte das Fühlen des Essens, auf eine ganz natürliche Art mehr Genuss. 

Nach der Mahlzeit ließ ich mich treiben. Ich schlenderte gute zwei Stunden über den Markt, der im Grunde die halbe Stadt Katete einnahm. Als einzige Weiße, wurde ich von allen Seiten neugierig beäugt, jedoch immer freundlich begrüßt. Die Blicke der Leute machten mir inzwischen kaum noch etwas aus. Ich bewegte mich frei durch die Gassen und fühlte mich unter den vielen fremden Menschen geborgen und sicher. Im Vergleich zu Malawi waren die Frauen in Sambia nun freundlicher und viel offener. In Malawi wehte uns von den Frauen häufig ein fremdenfeindlicher, arroganter und unfreundlicher Wind entgegen. In Sambia hingegen, spürte ich bei den allermeisten Frauen Neugierde und Freude mir gegenüber. 

 

Unterwegs in der Stadt Katete und auf den bunten Märkten. Spaß pur...

Von Katete nach Chengirani - 01. April 2026

 

Das Frühstück 

 

Ich beschloss noch in der Lodge zu frühstücken, bevor es wieder auf’s Rad und in Richtung Lusaka weiterging. Zum einen war das Frühstück bei der Übernachtung in der Lodge inklusive und zum anderen bekam ich mit ein bisschen Glück einen Kaffee. Noch immer hatte ich keinen neuen Camping-Kocher. 

Am Abend zuvor hatte ich in der Lodge nachgefragt, ab wieviel Uhr man frühstücken konnte. Die Dame antwortete 6:30 Uhr. Prima dachte ich, denn je eher ich auf dem Rad sitzen würde, desto besser. 

Mit deutscher Pünktlichkeit stand ich also um 6:30 Uhr vor dem Restaurant. Doch die Türen waren verschlossen. Die Dame aus der Frühschicht erklärte mir nun, dass das Restaurant erst um 7:00 Uhr öffnen würde. Kein Problem, dreizig Minuten waren kein großes Ding.

Um 7:00 Uhr lief ich also wieder zum Restaurant. Die Tür war wirklich geöffnet und ich freute mich auf einen Kaffee. 

Neben zwei großen, leeren Zuckerdosen, einem leeren Marmeladen-Glas und einer fast leeren Schachtel Margarine, stand tatsächlich eine Dose Nescafé „Recoffy“ (Muckefuck). Freudestrahlend schippte ich zwei große, gehäufte Löffel davon in die Tasse. Als ich mich daraufhin suchend nach Wasser umsah, sagte mir die Küchendame das das Wasser noch nicht heiß wäre. Die Dame verschwand daraufhin wieder in der Küche. Ich setzte mich an einen der Tische und beobachtete derweil die „Anstecker“ an der Wand. (Anstecker sind große, schwarze Spinnen, die wie künstliche Tapeten-Anstecker aussehen :)

Da saß ich nun und wartete auf das heiße Wasser und das Frühstück. Und ich wartete und wartete… 

Einige anderen Hotelgäste gesellten sich in dem Frühstücksraum dazu. Wie üblich waren es nur Männer. Nach circa 30 Minuten zusätzlicher Wartezeit, bekam ich allmählich schlechte Laune und einen leicht erhöhten Puls. Noch immer hatte ich keinen Kaffee und kein Frühstück vor der Nase. Um nicht schon am frühen Morgen aus dem Anzug zu springen, lief ich erst einmal zurück ins Zimmer, packte meine Taschen und belud damit das Rad, damit es nach dem Frühstück gleich losgehen konnte. Nachdem mein Bike startklar war, setzte ich mich wieder in das Restaurant. Noch immer hatte kein einziger Gast ein Frühstück auf dem Tisch. Doch immerhin war das Wasser für den Kaffee inzwischen heiß. 

Kurz nach 8.00 Uhr bequemte sich die Dame sich dann endlich aus der Küche und servierte mir ein gebratenes Ei, eine einzelne Scheibe Tomate und zwei Scheiben Toast aus der Tüte, die nicht geröstet waren. Dafür hatte die nette Frau sage und schreibe 1 Stunde gebraucht.

 

Meine kleine Geschichte war im Grunde nur ein kleines Beispiel, für die tagtäglichen Abläufe in Afrika. Als Europäer(in) muss man schon sehr viiiiieeeel Geduld und viiiiieeeel Gelassenheit mitbringen. Von beiden habe ich wohl definitiv zu wenig! ;)

 

Das traurige Frühstück mit der einzelnen Tomatenscheibe in Katete, hatte ich leider nicht fotografiert. Stattdessen hier ein paar Bilder von den klassischen Frühstücksangeboten in den Lodges und Hotels auf dem Weg.

 

Von Chengirani nach Kacholola - 02.04.2026

 

An diesem Morgen stand ich ausnahmsweise erst um 7.00 Uhr auf. Obwohl ich fast 10 Stunden geschlafen hatte, war ich hundemüde. Die langen, anstrengenden Tage auf dem Rad, forderten ihren Tribut. Ich packte meine Sachen zusammen und fragte die Dame an der Rezeption der Lodge, ob ich einen Kaffee bekommen könnte, denn zuvor hatte ich eine Dose Instand-Kaffee auf dem Tisch stehen sehen. Die nette Dame gab mir jedoch zu verstehen, dass der Chef nicht im Haus war und sie alleine nicht entscheiden konnte, mir eine Tasse heißes Wasser, mit einem Löffel Kaffeepulver zu geben, für die ich sogar bezahlt hätte. Stattdessen fragte die junge Frau nach meiner Telefonnummer und meinem Facebook-Kontakt, damit wir „Freundinnen“ werden könnten. 

 

Ohne Kaffee schwang ich mich an diesem Morgen mürrisch auf‘s Rad und gähnte müde vor mich hin. Gute 100 Kilometer standen auf dem Programm. 

Vorerst war die Strecke nur hügelig und der Himmel zum Glück noch bedeckt. Allerdings blies mir ein starker Wind entgegen. Ich radelte entlang der Felder. Überwiegend wurden Mais und Zuckerrohr angebaut. 

Der Autoverkehr auf der Straße hielt sich in Grenzen. Dafür gab es jedoch, wie auch schon in Malawi, viele Fahrradfahrer. Von früh bis spät war ich deswegen damit beschäftigt, auf die Fragen „Madame, how are you?“ oder „Where you going?“ oder „How far?“ zu antworten. Während ich morgens noch mit Worten darauf antwortete, hob ich gegen Nachmittag meist nur noch schlapp die Hand oder ignorierte das ständige „How are you?“. 

 

Die Häuser in den Dörfern sahen in Sambia nun anders und gepflegter aus als in Malawi. Auf den Gehöften standen meist terrakottafarbene Ziegelsteinhäuser und hübsche, runde, traditionelle afrikanische Hütten, bestehend aus Lehm oder Geflecht,

die mit einem Strohdach gedeckt waren. 

 

 

Gegen Mittag wurde es zunehmend heißer und drückender. Ich kämpfte noch immer mit meiner Müdigkeit und einem körperlichen Tief. 

In einem Dorf namens Nyimba, legte ich eine Mittagspause ein. Ich fand ein nettes, kleines „Töpfe-Restaurant“ und bestellte Hühnchen mit Nshima (Maisbrei), grünen Gemüse, einer roten Soße und dazu zwei Cola, um auf dem Rad nicht einzuschlafen. 

 

Normalerweise bin ich kein Fan von Fleisch. Doch auf der Reise durch Afrika bin ich nicht wählerisch, denn um das schwere Rad die Berge rauf und runter zu bewegen muss definitiv Energie her und deshalb esse ich einfach die Gerichte, die auch die Einheimischen bevorzugen. 

 

Als ich schließlich weiteradelte wurde es zunehmend heißer. Die Sonne knallte erbarmungslos vom Himmel. In der Hitze konnte ich das Mittagessen kaum verdauen. Unter Übelkeit kurbelte ich langsam vor mich hin. Zu allem Übel wurde es nun auch noch bergiger. 

Mühevoll kämpfte ich mich die vielen Anstiege und Höhenmeter hinauf. 

Die Landschaft wurde zunehmend schöner. Die Hänge der Berge waren noch mit ursprünglichen Wald bewachsen. Durch die Regenzeit stand die Natur in voller Pracht. Auf den saftigen Wiesen stand das Grün meterhoch.

 

Harte Tage auf dem Rad...

Knülle, durchgeschwitzt und durstig am Straßenrand, im Norden von Sambia.

 

Allmählich zogen am Himmel wieder Wolken auf. Ich jubelte innerlich und war dankbar, denn die Hitze und die drückende Schwüle waren selbst für mich als Sonnenanbeterin, kaum auszuhalten. Schließlich begann es kurz und kräftig zu regnen. Unter meinem Regenschirm wartete ich ab, bis der Schauer vorüber war. Der Asphalt dampfte. 

 

 

Nach circa 115 Kilometern, erreichte ich gegen 17:30 Uhr erschöpft den Ort Kacholola. Hier gab es laut Google und Overlander nun zwei Optionen zum Übernachten. Die erste, eine wenig einladende Lodge, lag direkt an der Straße. Aus der Bar nebenan dröhnte laute Musik und die Männer grölten mir entgegen. Die Sache war damit erledigt.

Ich machte mich auf die Suche nach der zweiten Option. Da die Angabe der Koordinaten nicht stimmte, fragte ich mich durch. Als ich schließlich vor dem Hotel stand das ich suchte, war dieses geschlossen. Ich fragte daraufhin einen Mann, ob ich wirklich richtig war, denn die Gebäude auf dem Gelände sahen marode und verkommen aus. Der freundliche Mann sagte mir daraufhin, dass das Hotel schon seit 3 Jahren geschlossen war. Enttäuscht und müde sah ich mich um. Was sollte ich nun machen? In der schäbigen Lodge an der Straße würde ich kein Auge zubekommen und für die Suche nach einem Wild-Campingplatz war es zu spät. Es wurde allmählich dunkel. Ich fragte den netten Mann deshalb, ob es nicht möglich wäre, auf dem Gelände des Hotels zu zelten. Der Mann hatte nichts dagegen. In einigen Häusern des ehemaligen Hotels, lebten inzwischen Menschen.

 

Camping auf dem heruntergekommenen Gelände des geschlossen Hotels.

 

Das Haus mit der offenen Tür ist das alte Duschhäuschen. 

Zu meinem Glück gab es noch fließendes Wasser.

 

Ich schaute mich um und fand ein ebenerdiges Plätzchen zwischen mehreren kleinen, heruntergekommenen Duschhäusern. Der Mann zeigte mir, dass die Duschen noch funktionierten. Allerdings sollte ich mich beeilen, denn in weniger als 30 Minuten würde das Wasser abgestellt werden. Ich sprang also schnell unter die Dusche, während der Mann draußen wartete und auf mein Fahrrad und mein Gepäck aufpasste. Das Inventar des Duschhauses war uralt, schäbig und heruntergekommen, doch das war mir egal. Nach dem langen und heißen Tag auf dem Rad, war das kalte Wasser ein Traum. 

Nachdem ich gewaschen war, baute ich unter Beobachtung des Mannes und unzähliger Kinder mein Zelt auf. 

Nachdem meine Behausung für die Nacht stand, fragte mich der Mann nach Geld. Wir einigten uns auf 50,- Kwacha (umgerechnet circa 2,25 Euro). Es war ein fairer Preis, denn immerhin konnte ich Duschen und sogar mein Fahrrad im Duschhäuschen sicher unterstellen, denn die Tür hatte einen Schlüssel. 

Als ich das Zelt aufgebaut hatte, verabschiedete sich der Mann und gab mir zu verstehen, dass ich mir keine Sorgen machen musste. 

Nachdem er weg war wurden die Kinder immer neugieriger. Während ich auf den Stufen des Duschhauses ein Müsli zum Abendbrot aß, standen die Kinder ängstlich und schüchtern hinter Büschen und Häusern und beobachten mich aus der Ferne. Sie wurden jedoch immer mutiger und fragten mich von weitem nach Schokolade, dann nach Geld und anschließend, ob ich ihnen ein Auto oder ein Fahrrad kaufen könnte. Ich lachte laut und zauberte daraufhin Bruno aus der Tasche. Nun war das Eis gebrochen. Die Kinder verloren von einer Sekunde zur nächsten ihre Angst und kamen kichernd zu mir herübergelaufen. Sie wollten Bruno natürlich unbedingt mitnehmen, doch er wehrte sich energisch! :) 

Nachdem Bruno wieder in der Tasche verschwunden war, gingen die Kinder dazu über meine weiße Haut zu berühren und mir tausend Fragen zu stellen. 

Als es schließlich dunkel war, wünschte ich den Kindern eine gute Nacht und legte mich ins Zelt. Eine halbe Ewigkeit schlichen die Kids noch flüsternd und kichernd um mein Zelt herum, bis auch sie zurück nach Hause und ins Bett mussten. 

 

Das alte Duschhaus von innen. 

Man reduziert irgendwann seine Ansprüche...

Alles was zählte, war eine kalte Dusche. Dafür war ich unglaublich dankbar.

Der Rest war egal... 

 

Von Kacholola nach Golden Springs („Campsite“) - 03. April 2026

 

Gegen 6:00 Uhr am Morgen krabbelte ich aus dem Zelt heraus. Noch war alles ruhig und keine Kinder zu sehen. Ich putzte mir die Zähne und packte zusammen. In der Nacht hatte ich im Zelt auf dem Gelände des alten und geschlossenen Hotels, recht gut geschlafen. Allerdings wurde ich von der extrem lauten Musik, die unten im Dorf aus den Bars dröhnte, des Öfteren geweckt. Es war also eine gute Entscheidung im Zelt und nicht in der schäbigen Lodge an der Straße übernachtet zu haben. 

Als ich mein Fahrrad beladen hatte und fast startklar war, kamen die ersten Kids. Auf mein „Good Morning“ erwiderten die Kinder ein freundliches: „Eh you, give me Money!“ und „Eh you, give me your bag!“. Ich war froh, dass ich schon einen Vorsprung beim Packen hatte und nun hinunter zur Straße laufen konnte. Die Kinder kamen bis dorthin hinter und riefen pausenlos: „ Eh you! Eh you! Give me…!“

 

Money, Money, Money...

Die Frage nach Geld ist häufig ein Automatismus bei den Kids in Afrika,

wenn sie ein Mzungu (Weißen) sehen.

 

Das Dorf in dem ich übernachtet hatte war ein Durchgangsort mit einer Straßenkontrolle für Fahrzeuge und deshalb ein Stoppover für Trucks. In dem Ort gab es deshalb viele fliegende Händler, einige Bars, Straßenrestaurants und betrunkene Gestalten. Bevor ich auf dem Rad in den Tag starten konnte, benötigte ich jedoch noch Wasser. Ich sah mich um und entdeckte einen kleinen Kiosk der schon geöffnet hatte. Wie so oft gab es nur kleine Wasserflaschen mit je 750ml Inhalt zu kaufen. Da ich das Wasser in meine Nalgene-Flaschen am Fahrrad umfüllen wollte fragte ich die Verkäuferin, ob ich die leeren PET-Flaschen bei ihr lassen darf. Sie antwortete daraufhin das das kein Problem wäre. Sie half mir beim Tragen der Flaschen und kam neugierig mit zu meinen Fahrrad, um mir beim umfüllen des Wassers zu helfen. Sie nahm mir die leeren PET-Flaschen hilfsbereit aus der Hand und warf sie wie selbstverständlich zu den anderen in das trockene Flussbett. Mir stockte der Atem. 

Mir war klar, dass die Länder die wir in Ostafrika bisher bereist hatten, so gut wie keine Systeme zur Müllentsorgung haben, doch trotzdem war ich geschockt.

Natürlich wäre es in Sachen Müll besser gewesen, dass Wasser aus einem der Brunnen zu ziehen, doch zum einen ich hatte keine Lust auf ein Magen-Darm-Problem und zum anderen schmeckte das Wasser aus den Brunnen anders und nicht immer gut. Meine Entscheidung das Wasser zu kaufen, war sicherlich nicht gut für das Ökosystem, doch auch ohne mein Dasein hatte Afrika ein großes Müllentsorgungsproblem. 

Nachdem ich das Wasser mit Hilfe der Verkäuferin umgefüllt hatte, aß ich am Straßenrand mit schlechtem Gewissen mein Müsli und dachte über all die Probleme in Afrika nach. 

Währenddessen kam eine nette, junge Frau auf mich zu und riss mich aus meinen Gedanken. Lachend und herzlich sagte sie: „Hello!" und fragte neugierig wo ich herkomme und wo hin wollte. Die junge Dame war so modern gekleidet und mir gegenüber so offen, dass klar war das sie nicht aus dem Dorf kam. Die Frau war per Anhalterin in einem Truck unterwegs und erzählte mir, dass sie gerade aus Mosambik kam, jedoch in Sambia lebte. Dann fragte sie mich, ob ich denn keine Angst vor den wilden Tieren hätte, die mir auf der Straße begegnen könnten, denn die Strecke führte in den kommenden Tagen entlang des „Lower-Sambesi-Nationalparks“. Doch ich war nicht die erste Person, die hier mit dem Fahrrad entlang fuhr. Deshalb sagte ich der jungen Dame, dass ich keine Bedenken hatte, obwohl ich schon etwas Bammel hatte. 

 

Ein wunderschöner Baobab-Affenbrotbaum am Straßenrand.

Die riesigen Bäume lassen daneben alles sehr klein aussehen.

Sozusagen Dinosaurier der Bäume in Afrika. 

 

Nachdem wir uns verabschiedet hatten, radelte ich los. Im ersten Teil des Tages kam ich gut voran, denn die Strecke durch die Berge führte überwiegend bergab und hinunter zum Luangwa Fluss. Als ich dort ankam stellte ich mein Fahrrad ab und genoss die Aussicht. Das Wasser des Flusses war braun und hatte eine starke Strömung. Über den riesigen Fluss führte eine große Brücke, die 1968 erbaut wurde. Inzwischen hatte die Brücke jedoch einige Federn gelassen und deshalb durfte immer nur ein Fahrzeug die Brücke passieren. Mir war ehrlich gesagt nicht ganz wohl, als ich zusammen mit einem Truck über das alte Konstrukt fuhr. 

 

Kurze Pause am Luangwa-River. 

Bitte nur ein Fahrzeug, sonst klappt die Brücke zusammen!

Mir war beim überqueren der Brücke, zusammen mit einem Tonnen schweren Truck

 nicht ganz wohl...

 

Auf der anderen Flussseite befand sich der Ort Luangwa Bridge. Er empfing seine Gäste mit riesigen Müllbergen. Wieder nagte das schlechte Gewissen an mir, als ich mir durchgeschwitzt und durstig eine kalte Cola in einer PET-Flasche kaufte. 

 

Vielerorts gibt es in Sambia keine Müllentsorgung, doch man weiß sich zu helfen...

 

 

Nach der Pause in dem schmutzigen Kaff Luangwa Bridge, ging es auf dem Rad weiter. Doch von nun an ging es nicht mehr bergab, sondern über 60 Kilometer überwiegend bergauf. 

Die Sonne knallte unerbittlich vom Himmel und die Muskeln in meinen Beinen wurden müde. Ich triefte aus allen Poren und wischte mir den Schweiß mit einem Tuch, alle paar Minuten aus dem Gesicht. Der Weg nahm kein Ende. Auf der Strecke gab es kaum Unterkünfte, deshalb hatte ich mir einen Campingplatz mit einem Restaurant herausgesucht. Der Tag wurde für mich zu einer enormen körperlichen Herausforderung. 

Fix und fertig erreichte ich nach 106 gekurbelten Kilometern, bei Sonnenuntergang auf dem Zahnfleisch kriechend, mein Ziel. 

Von außen sah das Gelände mit dem Schild „Campsite“ und den Fotos von dem dazugehörigen Restaurant, sehr vielversprechend aus. In der Realität war es jedoch unmöglich, ein Zelt auf dem groben Schotter, zwischen all dem Müll und auf einem Abhang aufzustellen. Enttäuscht und müde nahm ich schließlich eines der schäbigen Zimmer, ohne fließendes Wasser, ohne Moskitonetz, einer großen Spinne an der Decke und für viel zu viel Geld. Doch eine Alternative gab es an dem Abend im Dunkeln nicht mehr. Zum Glück hatte ich mein eigenes Moskitonetz dabei, sonst hätte ich wohl kein Auge zubekommen.

 

Das Eingangstor des angeblichen Campingplatzes sah vielversprechend aus...

 

Der perfekte Platz und Untergrund zum zelten...

 

Auf dem Foto sieht die Absteige fast hübsch aus. War sie aber nicht...!

 

Von der "Golden Springs Campsite“ zum Wildcampingplatz an der Mountain View Church - 04. April 2026

 

An diesem Morgen erwachte ich erst um 7:00 Uhr in dem schäbigen Zimmer der Lodge. Alles tat mir weh. Meine Muskeln war unendlich müde. Ich blickte nach oben. Die große Spinne krallte sich noch immer an der Decke des Zimmers fest. Mit geschwollenen Augen bewegte ich mich zähneknirschend und stöhnend aus dem Bett. Im Bad schöpfte ich mir das letzte, trübe, gelbe Wasser aus dem Eimer, zum Duschen über den Körper und packte anschließend meine Sachen zusammen. 

Gegen 9:00 Uhr saß ich groggi auf dem Rad und kurbelte gleich wieder mühsam einen langen Anstieg hinauf. 

Ich nahm mir vor, an diesem Abend lieber wild zu zelten, denn auf eine weitere, schäbige Unterkunft hatte ich keine Lust. An diesem Tag machte ich mir keinen Stress. Ich kam eben so langsam oder so schnell voran, wie es mir möglich war. 

 

Es dauerte eine Weile, doch dann kam ich allmählich in die Gänge. Die Straße war relativ ruhig. Nur ab und zu kamen Fahrzeuge vorbei. Gut gelaunt radelte ich gegen Mittag die Berge mal hoch oder runter und genoss dabei gedankenverloren den Ausblick auf die schöne Landschaft, entlang des Lower Sambesi Nationalparks. 

 

 

Irgendwann kam mir auf der Straße ein Geländewagen entgegen. Er stoppte und hielt auf meiner Höhe. Der Fahrer des Wagens ließ neugierig die Scheibe herunter. Am Steuer saß ein Mzungu, ein weißer Mann, der mich freudestrahlend begrüßte. Ich ging hinüber und stellte mein Fahrrad neben der Straße ab, damit wir uns besser unterhalten konnten. 

Der Mann am Steuer konnte nicht fassen, dass ich auf dieser bergigen Strecke ganz alleine und noch dazu mit einem schwer beladenen Fahrrad, ohne Elektromotor unterwegs war. Er fragte mich daraufhin wie alt ich bin. Als ich es ihm sagte schüttelte er nur lachend den Kopf. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dieses Fahrrad durch halb Afrika zu bewegen. 

 

Der nette, alte Mann (vermutlich Mitte/Ende achtzig) hieß Chris und war Engländer. Vor über zwanzig Jahren war er als Volunteer, mit der katholischen Kirche nach Sambia gekommen. Inzwischen hatte Chris bei einer Vielzahl von Projekten in der Umgebung mitgewirkt und war letztendlich in Sambia hängen geblieben. Stolz erzählte mir der Mann von Häusern, die erst kürzlich in einem Dorf in der Nähe mit Hilfe der katholischen Kirche gebaut wurden. 

Was Chris in Sambia jedoch am meisten gefiel, dass war das natürliche und unverfälschte Lachen der Menschen, denn die Menschen sind in Sambia noch immer sehr authentisch, während in Europa die Natürlichkeit verschwindet. 

Chris sprach mir aus der Seele. Tatsächlich war es einer der Gründe, weshalb ich Afrika bereisen wollte. Mir war klar, dass sich die Welt in Afrika  um einiges langsamer dreht und auch ich vermisste zu Hause die Natürlichkeit. 

 

Am Rande der Straße, mitten in der Natur, quatschte ich mich mit Chris fest. Zusammen sinnierten wir über die Gründe, warum die westliche Welt in unseren Augen immer „kühler“ wird und die Menschen immer mehr abstumpfen. Wir waren uns einig. Als Hauptursachen sahen wir die Reizüberflutung und die Informationsflut durch die Technik, aber auch Konsum von Dingen und Konsum von Nachrichten und nicht zu vergessen, die derzeitige Weltpolitik. Das alles führte unserer Meinung nach zu Schutzmechanismen (Psychische Distanzierung), Mitgefühlsmüdigkeit, chronischen Stress, sowie Überlastung, soziale Isolation, Entfremdung und Resignation der Menschen in der westlichen Welt. 

 

Unser Austausch auf der Straße machte Spaß, doch es war an der Zeit weiterzufahren, damit ich noch ein paar Kilometer zurücklegen konnte. Wir verabschiedeten uns mit einem langen und herzlichen Händedruck und wünschten uns gegenseitig alles Liebe und Gute. Nachdem Chris weg war pedalte ich weiter. 

 

 

Noch vor Sonnenuntergang, machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Platz zum Wildzelten für die Nacht. Immer wieder folgten jedoch Dörfer und viele Menschen liefen entlang der Straße. In diesem Fall musste ich Ruhe bewahren, denn in der Regel fand sich am Ende immer ein sicheres Plätzchen. 

 

Hinter einem Dorf entdeckte ich im Wald schließlich eine Kirche. Auf der Straße waren einige Leute unterwegs, trotzdem bog ich schnell ein und sah mich hinter der Kirche eine Weile um. Tatsächlich war kein Mensch zu sehen. Die Leute liefen nur entlang der Straße. Hinter der Kirche schlug ich mich schließlich in die Büsche und stellte mein Zelt auf. 

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit zog ich mich splitterfasernackt aus und wusch mir mit zwei Flaschen Wasser, den Schweiß und den Dreck vom Körper. Glücklich viel ich anschließend müde auf meine Matratze und lauschte noch lange den Stimmen auf der Straße und den Geräuschen im Wald. Ich fühlte mich sicher. Trotzdem lies ich die ganze Nacht über, mit einem Ohr Vorsicht walten. 

 

Ein toller Wildcampingplatz im Wald, hinter einer Kirche.

 

 

Vom Wildcampingplatz an der Mountain View Church

zur Vorstadt von Lusaka - 05. April 2026

 

Als ich am Morgen im Wald erwachte, schien die Sonne schon auf mein Zelt. Ich blickte auf’s Handy. Es war schon 7:00 Uhr. Ich lauschte in die Umgebung. Ich hörte Stimmen und Geräusche bei der Kirche. Leise krabbelte ich aus dem Zelt heraus und sah durch die Büsche. Es war Ostersonntag. Einige Männer der Gemeinde hatten sich zusammen mit dem Pfarrer an der Kirche eingefunden, um das umliegende Gras mit der Machete niederzuschlagen. Doch zum Glück stand ich mit meinem Zelt so versteckt, dass sie mich nicht sehen konnten. 

Gemütlich packte ich meine Sachen zusammen, während das Zelt in der Sonne trocknete. Als alles startklar war bugsierte ich mein Fahrrad aus den Büschen heraus, lief grinsend an dem Pfarrer und den Männern der Gemeinde vorbei und wünschte allen zusammen ein fröhliches „Happy Easter“ (Frohe Ostern). Die Männer starrten mich entgeistert an. Es dauerte einige Sekunden, bis sie den Gruß der Außerirdischen vom Planeten Mzungu erwiderten. Mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht radelte ich los. 

 

Schon am frühen Morgen war es unglaublich heiß. Die Sonne brannte vom blauen, klaren Himmel. Durch die tagelangen anstrengenden Bergetappen, war ich an diesem Morgen hungrig wie eine Löwin. Ich konnte jedoch kein Müsli und auch keine Mandazi (Schmalzgebäck) mehr sehen, denn davon hatte ich mich in den Tagen zuvor überwiegend ernährt. 

Als ich gegen 10:00 Uhr morgens ein Dorf durchradelte, entdeckte ich im Vorbeifahren mit großer Freude, dass am Rande der Straße etwas gegrillt wurde. Ich bremste fuhr zurück, um mir anzusehen was es gab. 

 

Ein fantastisches Frühstück am Ostersonntag.

Der armen Ziege sei Dank...

 

 

Da Ostern war, hatte man in dem Dorf eine Ziege geschlachtet. Einige rohe Fleischstücke und der Kopf der Ziege, hingen an einem Gerüst aus Holz. Der Rest des Tieres lag auf dem Grill, blubberte in einem Topf vor sich her oder wurde an Ort und Stelle zu Wurst verarbeitet. 

Ich war so hungrig, dass ich mich schon am Morgen für das gerillte Fleisch begeistern konnte, obwohl ich eigentlich kein großer Fleisch-Fan bin. 

Bei einer der vier Damen hinter dem Grill, bestellte ich drei Fleischspieße. Die Frau zog die krossen Fleischstücke vom Spieß und ließ sie in eine kleine Plastiktüte purzeln. Danach halbierte sie eine große Limone und presste diese über dem saftigen Ziegenfleisch in der Tüte mit der Hand aus. Anschließend streute die Dame noch eine ordentliche Portion Salz darüber und überreichte mir freudestrahlend mein Frühstück. Wir wiederholten die Sache noch zweimal, bis ich fast gesättigt war. Zum Nachtisch verdrückte ich noch einen gegrillten Maiskolben. 

 

Während ich aß beobachte ich die Szenerie und die Verarbeitung und den Verkauf des Ziegenfleisches. Einige Trucker und Motorradfahrer hielten an, um bei den Damen etwas zum mitnehmen zu bestellen. Die meisten Männer (Frauen kochen in Afrika selbst und kaufen nicht an Essensständen) begeisterten sich für den Fleisch- und Eingeweide-Eintopf. Mit einem Schaschlik-Spieß stocherten die männlichen Kunden in dem Topf herum und suchten sich nach Belieben die schönsten Fleischstücke heraus, die dann wiederum in eine Plastiktüte gegeben wurden. Anschließend kippte eine der Damen noch eine Kelle des Suds über das wabbelige Fleisch und knotete die Tüte zu. Voila...

 

 

Hinter den Grill’s wurden gleich neben der Straße, Würste aus dem Fleisch der Ziege hergestellt. Der leere Darm des Tieres wurde dazu an die Trinköffnung einer halbierten PET-Flasche gehalten, die dabei als Trichter diente. Anschließend wurde der Darm durch den Trichter mit etwas schlabberigen (vermutlich Eingeweide), befüllt.

 

Der abgehackte Kopf der Ziege landete schließlich auf dem Grill. Nachdem das Fell heruntergebrannt war, nahm eine der Damen den verkohlten Schädel wieder vom Eisen und zerteilte ihn mit einer Machete. Nun kam das Gehirn der Ziege zum Vorschein, welches natürlich auch verarbeitet wurde. 

 

Hygiene hin oder her… Frischer konnte man Fleisch kaum essen. Und definitiv alles wurde von dem Tier verarbeitet. 

 

Ich verabschiedete mich von den vier Damen am Grill und dem Herren der die Würste herstellte und wünschte allen zusammen ein schönes Osterfest. 

 

 

Voller Energie radelte ich nach dem gehaltvollen und kuriosen Frühstück an diesem außergewöhnlichen Ostersonntag weiter. 

Es war die letzte lange und anstrengende Radetappe vor der Hauptstadt Sambias. Vor den Toren der Stadt Lusaka, fand ich am Abend einen fantastischen Campingplatz mit einem wunderschönen und großen Garten. Zwei Damen empfingen mich sehr herzlich. Der Campingplatz war eine gepflegte Oase der Ruhe und deshalb der perfekte Ort, um einige Tage zu stranden. Kurz vor Sonnenuntergang stellte ich mein Zelt auf. 

 

Abschied von der herzlichen Gastgeberin Linda, am Tor des wunderschönen Campingplatzes.

 

Lusaka - 06. bis 09.04.2026

 

In der Vorstadt von Lusaka machte ich einige Tage Pause und gönnte meinen müden Beinchen ein wenig Ruhe. Als Basis dafür diente mir ein hübscher Campingplatz mit einem großen, gepflegten Garten und einem sauberen Pool. 

An zwei der Pausentage fuhr ich mit dem öffentlichen Bus, in das circa 25 Kilometer entfernte Zentrum der Großstadt Lusaka. 

Am ersten Tag steuerte ich die East Park Mall an, denn dort wollte ich mir als allererstes, einen neuen Campingkocher kaufen.

Die East Park Mall ist ein riesiges Einkaufszentrum und gilt als eines der größten und modernsten Shopping- und Lifestyle-Ziele in Sambia.

Da stand ich nun, in diesem riesigen, abgeleckten und auf Hochglanz polierten Konsumtempel, in dem viele weiße Expats shoppen gingen. Ich war völlig überfordert. Die cleane, kühle, westliche Welt, schlug nach der langen Reise durch das arme Malawi und durch die schöne Natur Sambias, bei mir ein wie eine Bombe. Ich war darauf einfach nicht vorbereitet. Überwältigt von der Konsumwelt, machte mich auf die Suche nach dem Geschäft, mit dem vielversprechenden Namen „African Wild Track“. Meine Gedanken schweiften jedoch immer wieder ab. Befand ich mich wirklich noch in dem gleichen Land, indem der Müll einfach in das trockene Flussbett oder den Abhang hinunter geworfen wurde, weil es keine Müllentsorgung gab? Und wie oft hatte ich in Sambia erlebt, dass der Strom ausfiel und es kein fließendes Wasser gab. Doch in der riesigen Mall sah man von all dem nichts, ganz im Gegenteil, es reihte sich eine Fastfood-Kette neben der nächsten. 

Das Thema Müll ließ mir in der Mall keine Ruhe und deshalb laß ich nach und fand zu diesem Thema folgendes:

Die Müllentsorgung in Sambia, insbesondere in Lusaka, steht vor großen Herausforderungen. Nur etwa 55 % des täglich anfallenden Abfalls werden zur offiziellen Mülldeponie gebracht, der Rest wird oft verbrannt, vergraben oder landet auf der Straße.

Nachdem ich das gelesen hatte bezweifelte ich, dass es wirklich 55 % und nicht weniger waren, die den Weg zur Mülldeponie fanden. 

 

Die Konsumwelt in der East-Park-Mall in Lusaka überforderte mich...

 

Neben all den Fastfood-Ketten entdeckte ich zum Glück ein Restaurant mit asiatischer Küche.

Ich akklimatisierte beim Essen und stellte mich allmählich wieder auf die westliche Welt ein.

 

In dem Angel-Geschäft „African Wild Track“, bekam ich schließlich tatsächlich den langersehnten Camping-Kocher zu kaufen. Zwar war es nun ein Gas- statt eines Benzin-Kochers, doch eine Alternative gab es nicht. Glücklich verließ ich das Geschäft, denn der morgendliche Kaffee war ab sofort gerettet. 

 

Der neue Kocher...

Der Kaffee am Morgen ist erst einmal gerettet.

 

Am zweiten Tag fuhr ich mit dem öffentlichen Bus in die City von Lusaka, um mir die Stadt anzusehen. Der überfüllte Bus spuckte mich in der Nähe des zentralen City Market aus. Der riesige Markt war mein erstes Ziel. Schon allein der Gang vom chaotischen und überfüllten Busbahnhof, zum Eingang des City Marktes, war eine Leistung. Ich schlängelte mich durch ein Labyrinth von Waren und Menschen. Ich ließ mich treiben und saugte die intensiven Gerüche von rohen Fleisch, Fisch und Gewürzen in mich auf. Es war eine Tour durch das wahre und echte Lusaka. Es machte mir riesigen Spaß den großen Markt zu erkunden. Niemand interessierte sich für mich und nur selten bekam ich das Wort „Mzungu“ zu hören. 

 

Auf dem Markt wurden unter anderem frisches Obst und Gemüse, Gewürze, Street Food, Haushaltswaren, Elektronik und Ersatzteile feilgeboten. Zudem gab es ein großes Angebot an Second-Hand-Kleidung. Gebrauchte Kleidungsstücke und getragene Sneaker, wurden aufgehäuft und auf Planen verkauft. 

Unzählige bunte chitenge-Stoffe standen für die Damen zur Auswahl und Maßanfertigungen aller Art wurden von fleißigen Händen an Nähmaschinen ausgeführt. 

Nachdem ich stundenlang durch die Märkte und Straßen von Lusaka geschlendert war, setzte ich mich wieder in einen der vollgestopften Busse und fuhr zurück zum beschaulichen, ruhigen Campingplatz. 

 

Buntes Treiben auf den Märkten von Lusaka. 

Ich liebte es!

 

Was zum Henker macht man mit den Füßen der Rinder?

Brrrrrr...

 

Von Lusaka zur River View Farm in Kafue - 10. April 2026

 

Schon um 4:30 Uhr klingelte mein Wecker im Zelt, denn an diesem Tag standen circa 100 Kilometer auf dem Radelprogramm. 

Ich schlüpfte aus dem Zelt heraus und packte unter dem Schein der Stirnlampe meine Sachen zusammen. In der offenen Küche des Campingplatzes, kochte ich mir mit dem neuen Kocher einen Kaffee. Mit der Tasse in der Hand sah ich zu, wie der Tag erwachte. Das Morgengrauen setzte ein und die Sterne am Himmel verblassten. Um 6:00 Uhr war ich bereit für ein neues Abenteuer auf dem Rad. 

Am Tor des Campingplatzes verabschiedete ich mich von der herzlichen Gastgeberin Linda. In den vier Tagen meines Aufenthaltes, waren wir uns ans ein wenig ans Herz gewachsen. Zusammen waren wir mit dem Bus zum Einkaufen gefahren und hatten uns dabei näher kennengelernt. Etwas traurig und wehmütig fielen wir uns in die Arme und wünschten uns gegenseitig alles Liebe und Gute. 

 

Nachdem ich losgeradelt war, ging es vorerst auf der Hauptstraße in Richtung Lusaka entlang. Auf keinen Fall wollte ich mit dem Fahrrad jedoch durch das Zentrum der Stadt fahren, denn der Verkehr war enorm und auf der katastrophalen Hauptstraße in die City, gab es keinen Seitenstreifen. 

Da mir mein Leben lieb war, nahm ich einen Umweg gerne in Kauf und machte einen großen Bogen um Lusaka herum. 

Kaum war ich von der Hauptstraße abgebogen, wurde es ländlich. Es dauerte nicht lange bis ich statt Asphalt, Schotter und Sand unter den Rädern hatte. Nach circa zehn Kilometern gerüttel und geschüttel, erreichte ich wieder eine geteerte Straße. Von nun an schlängelte ich mich durch die Vororte Lusakas in Richtung Süden. 

 

Die Fahrt auf dem Rad war alles andere als langweilig, denn auf den belebten Straßen gab es viel zu sehen. Während der Tag erwachte, waren Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Schule, vollgestopfte Sammelbusse brachten Menschen zur Arbeit und unzählige Verkaufsstände wurden aufgebaut. 

Ich genoss die Fahrt und das schöne Wetter. Zudem ging es erfreulicherweise fast den gesamten Tag bergab. 

 

Nachdem ich den Großraum der Stadt Lusaka hinter mir gelassen hatte, landete ich wieder auf der Hauptstraße in Richtung Süden. Die Schnellstraße glich nun einer Autobahn, auf der viele große Trucks unterwegs waren. Doch zum Glück gab es einen breiten Seitenstreifen, auf dem ich mich relativ sicher fühlte. 

Unterwegs radelte ich an einer Gärtnerei vorbei, in der es ein Café gab. Freudestrahlend parkte ich mein Fahrrad zwischen all den Planzen, denn in  Sambia ein Café zu finden, ist ein absoluter Glücksfall. Bei der Dame hinterm Tresen bestellte ich deshalb gleich zwei Cappuccino und lies es mir damit auf der offenen, überdachten Terrasse gut gehen.

 

Ein absoluter Glücksfall in Sambia: Ein nettes Café am Straßenrand.

 

Nach circa 95 geradelten Kilometern, erreichte ich den Ort Kafue. Etwas außerhalb des Ortes, machte ich mich auf die Suche nach der „River View Farm“. 

Auf dem Weg zum Campingplatz begegnete mir Nathalie, die Eigentümerin der Farm. In ihrem Wagen war sie gerade auf dem Weg in die Stadt, um etwas einzukaufen, doch ich sollte mich auf der Farm ruhig schon mal umsehen und mein Zelt aufstellen. 

 

Traumhafter Campingplatz am Kafue-River.

 

Foto links: Immer wieder kamen Fischer in hübschen Makoro-Booten (Einbäumen)

am Campground vorbei und winkten mir zu.

 

 

Als ich auf der Farm ankam, begrüßten mich zwei süße Hunde. Mit den Hunden im Schlepptau, sah ich mich um. Ich war fasziniert von der Schönheit der Umgebung und konnte mich daran kaum satt sehen. Die Farm lag direkt am Kafue-Fluss, einem Nebenfluss des Sambesi. Auf der anderen Seite des Flusses gab es ein riesiges Vogelschutzgebiet, in dem hunderte weiße Reiher ihren Brut- und Schlafplatz hatten. In der Ferne erhob sich majestätisch eine Bergkette. Die große Wiese zum Campen lag direkt am Wasser. Außer mir war niemand dort.

Während ich im warmen Sonnenlicht des späten Nachmittags mein Zelt aufstellte, paddelten Fischer in Makoro-Booten (in Einbäumen) vorbei. Die Männer grüßten mich freundlich über das Wasser. Ich winkte lachend zurück. 

 

 

Als die Eigentümerin Nathalie später zurück auf der Farm war erzählte sie mir, dass ab und zu Krokodile und auch Seekühe im Fluss vorbeischwammen, doch das war eher die Ausnahme. 

Ich genoss den Sonnenuntergang am Kafue-River in vollen Zügen. Noch lange saß ich vor meinem Zelt am Fluss und blickte in den sternenklaren Himmel. 

 

Noch lange saß ich an diesem Abend vor dem Zelt, um die Stimmung am Fluss zu genießen.

 

Von der River View Farm in Kafue nach Mazabuka - 11. April 2026

 

Schon um 5:15 Uhr stand ich an diesem Tag auf, denn ich wollte den Sonnenaufgang am Kafue-River erleben. Müde krabbelte ich in der Dunkelheit aus dem Zelt heraus. Es war still und kühl und auch die Sterne leuchteten noch vom Himmel. 

Ich zog mich warm an, kochte mir einen Kaffee und setze mich an das Ufer des Flusses, während die Morgendämmerung allmählich einsetzte. 

Mit dem Tag erwachten nun auch die Vögel. Hunderte weiße Reiher machten sich auf den Weg und flogen über den Fluss. Viele der Fischer die über Nacht mit ihren Booten draußen waren, kamen nun mit ihrem Fischfang zurück. Wieder grüßten die Männer mich nett und winkend über das Wasser hinweg. 

Nachdem es hell war, packte ich langsam zusammen. Es fiel mir schwer mich von diesem paradiesischen Platz loszureißen. Schweren Herzens verabschiedete mich von Nathalie und ihren süßen Hunden und pedalte gegen 9:30 Uhr los.

 

Auf meinem Weg führte eine Brücke über den Kafue-River. Ich nahm mir vor auf der Brücke zu halten, um mich gebührend vom dem schönen Fluss zu verabschieden. Doch als ich mit meinem Fahrrad auf dem schmalen Fußweg der Brücke stand, traute ich meinen Augen nicht. Zwei Reiseradler kamen mir entgegen. Bisher hatten Elli und ich nur zwei Radreisende in Ostafrika getroffen. 

Doch für diese seltene Begegnung, war die Brücke der wohl denkbar schlechteste Ort, denn sie war extrem schmal. 

 

Da auf dem Fußweg der Brücke nur Platz für ein Fahrrad war, mussten die Jungs rückwärts zurück und die Brücke auf der Straße überqueren. Wir versuchten uns kurz zu unterhalten, doch auch die Straße war so schmal, dass die Trucks an den beiden Jungs mit ihren beladenen Fahrrädern, nicht vorbeikamen. Alles musste sehr schnell gehen. Ich erfuhr von den beiden Reiseradlern letztendlich nur, dass sie aus China kamen und in Kapstadt gestartet waren. Etwas enttäuscht von der ungünstigen Situation auf der Straße, radelte ich weiter.

 

An diesem Tag überquerte ich noch die Bergkette die ich vom Campingplatz aus, auf der anderen Seite des Flusses in der Ferne gesehen hatte. Nachdem ich die Berge hinter mir gelassen hatte, änderten sich auch das Klima und die Vegetation. In der Landschaft standen nun wieder riesige Kakteen. Das Klima wurde trockener und heißer. Das Gras stand nicht mehr so hoch und war nun gelber. Doch überall blühten in der Landschaft hübsche, orangefarbene, gelbe und rosafarbene Wildblumen. 

 

Nachdem ich die Bergkette überquert hatte, änderten sich plötzlich das Klima und die Vegetation. Es wurde heißer und trockener. In der Umgebung standen wieder große Kakteen.

 

Mazabuka nach Chisekesi - 12.04.2026

 

Nach einem energiereichen Frühstück welches aus gebraten Eiern, Bohnen, Toast und Kaffee bestand, radelte ich bei schönstem Sonnenschein an der Loge in Mazabuka los. Ich freute mich auf einen entspannten Radtag durch eine flache Landschaft, denn die Berge hatte ich vorerst hinter mir gelassen. 

Hinter einem der Dörfer verkauften Kinder auf der Straße Zuckerrohr. In Asien und Mittelamerika hatte ich zwar schon oft an Straßenständen leckeren Zuckerrohrsaft getrunken, doch den Zucker von der Stange hatte ich noch nie probiert. Spontan hielt ich deshalb bei den Kids auf der Straße an und kaufte für 10 Kwacha (umgerechnet circa 0,45 Cent) ein dickes Zuckerrohr. 

 

Bei den Kids auf der Straße, kaufte ich für 10,- Kwacha ein Zuckerrohr.

(umgerechnet circa 0,45 Cent)

 

Die Kinder waren völlig aus dem Häuschen und umzingelten mich. Lachend stieg ich vom Rad und nahm das Zuckerrohr in die Hand. Es war schwer und zum mitnehmen auf dem Rad zu lang. Ich bat einen der Jungs es mit der Machte zu halbieren. Die anderen Kids ließen mir derweil keine Ruhe und belagerten mich. Dann fragte ich schließlich, ob ich fotografieren dürfte. Die Kinder freuten sich darüber und posierten cool und lachend vor der Kamera.

Nachdem ich das Zuckerrohr auf meiner Hinterrad-Tasche verstaut hatte, verabschiedete ich mich kichernd und winkend von den Kids. 

 

 

Ich radelte irgendwann an einem Feld mit Sonnenblumen vorbei. Das Gelb der Blühten strahlte in der Sonne und vor dem Hintergrund des blauen Himmels. Wieder hielt ich an und suchte mir neben dem Feld ein ruhiges Plätzchen, um das Zuckerrohr nun zu probieren.

Unbeobachtet tat ich es den Einheimischen gleich und zerlegte das faserige Zuckerrohr mit den Zähnen, um an den weichen, inneren Kern zu gelangen. Für die Zähne war das harte Arbeit. Genüsslich und neugierig probierte ich das erste freigelegte Stück des inneren Kerns. Das Zuckerrohr war saftig und schmeckte angenehm süß. Ich fand gefallen an der Knabberei, bei der man die ausgelutschten Fasern des Zuckerrohrs immer wieder ausspucken musste. 

Nachdem ich genug hatte, verstaute ich den Rest des Zuckerrohres wieder auf meinen Fahrrad und radelte weiter. Die Fahrt ging vorbei an Wiesen auf denen hübsche, bunte Wildblumen wuchsen und an Feldern, auf denen Mais, Kartoffeln und Maniok angebaut wurden. 

 

Neben einem Sonnenblumenfeld knabberte ich ungestört das leckere Zuckerrohr.

 

Coole Sache...

Das Zuckerrohr ist ein guter Energielieferant für unterwegs.

 

Gegen Nachmittag radelte ich durch einen Ort in dem sich ein Roadhouse befand. 

Durstig hielt ich an, um mir an der Theke eine eiskalte Cola zu kaufen. Mit der Coke in der Hand, nahm ich in dem offenen, überdachten Bereich des großen Restaurants Platz. Ich beobachtete die Szenerie. 

Es war Sonntag und die Leute, die vor dem Roadhouse mit ihren SUV’s hielten, um sich im Restaurant Fast Food und Getränke bestellten, waren definitiv besser gestellt. Die Kinder der Gäste waren gut gekleidet und tobten gegen Bezahlung auf einem Trampolin herum. An der Wand des Restaurants hing ein riesiger Flachbildschirm. Im Fernsehen lief eine Seifenoper.

Inmitten der gut gestellten Gäste, saß jedoch auch ein dünner, unscheinbarer Schuhverkäufer, der seine Waren bei sich trug und gebannt auf den Fernseher starte, weil er zu Hause mit Sicherheit keinen hatte. Der Mann sah genauso fasziniert auf den Flachbildschirm wie der kleine Junge, der vor dem Restaurant stand.

Während die betuchteren Kinder in der Hüpfburg ihren Spaß hatten, saß der Junge, der vielleicht 10 Jahre alt war, in seinen schmutzigen Sachen, schüchtern und auf der Hut vor dem Restaurant und schaute gebannt in den Fernseher. 

Der Junge tat mir leid. Ich ging auf ihn zu und fragte, ob er vielleicht mein Zuckerrohr haben möchte. Ich gab es ihm in die Hand und er begann sofort es zu essen. Ich setzte mich wieder hin, doch als ich sah wie der Junge das Zuckerrohr verschlang, ging ich nochmal zu ihm und fragte diesmal, ob er Hunger hatte und sich an der Theke des Restaurants vielleicht etwas aussuchen möchte. Wir gingen zusammen hinein und der Junge suchte sich mit Zurückhaltung zwei große Empanadas und eine Fanta aus. Zusätzlich kaufte ich eine Packung Kekse und drückte sie dem Jungen in die Hand. 

Mit dem Essen und dem Getränk ging er vor die Tür und setzte sich zurück an den Zaun. Wieder begann er sofort mit dem Essen. Ich verabschiedete mich von dem Jungen und radelte weiter. 

 

 

Einige  Kilometer später kam ich an einem großen Schulgelände vorbei. Es war Sonntag und die Kinder hatten Schulfrei. Auf dem Gelände der Schule hatten sich jedoch unzählige Frauen und Männer eingefunden, um zu Djembe Trommelklängen ausgelassen tanzten und zu singen. Ich liebte den Sound Afrikas! Neugierig hielt ich deshalb wieder an. Mit meinem Fahrrad schob ich über die Straße, um mir die Tänze, zusammen mit anderen Zaungästen, anzusehen. Es herrschte eine ausgelassene Volksfeststimmung.  

 

 

Es dauerte nicht lange, da baten mich die Einheimischen, mit meinem Fahrrad auf das Gelände zu kommen. Ich fackelte nicht lange und parkte mein Rad zwischen all den Zuschauern, die sich natürlich prächtig über die Weiße Mzungu-Frau amüsierten. Trotz allem fühlte ich mich sehr willkommen und schüttelte unzähligen Menschen die Hände. Währenddessen ich das tat, kam eine große Gruppe Frauen und Männer provokant auf mich zugetanzt. Spontan drückte ich einer Zuschauerin mein Handy in die Hand und gab ihr zu verstehen, dass sie damit filmen sollte. Lachend begab ich mich in die Gruppe der Tänzerinnen und tat es ihnen gleich. Unter dem lauten Gejole und Gelächter der klatschenden Zuschauer bewegte ich mich wie die Frauen, rhythmisch zu den Klängen der Djembe-Trommeln. Immer mehr Menschen kamen gerannt, um die tanzende Mzungu-Frau, inmitten der bunt gekleideten afrikanischen Frauen zu filmen und zu bejubeln. Einer der Männer tanzte mit mir und deute dabei im Takt zur Djembe-Trommel den Akt der Paarung an. Wieder lachten, grölten und klatschten die Menschen laut. 

Nachdem der Tanz vorüber war, kamen unzählige Frauen kichernd und fröhlich auf mich zu, um Selfie‘s mit mir zusammen zu schießen. 

 

Spontane Tanzeinlage auf der Strecke. 

Die Mzungu-Dame sorgte für Partystimmumg zwischen den Einheimischen...:)

Ein einmaliges Erlebnis! 

 

Nach einer guten Stunde auf dem Gelände der Schule, riß ich mich schweren Herzens los und radelte mit einem breiten Grinsen im Gesicht, weiter durch die warme Nachmittagssonne Sambias. Währenddessen dachte ich nochmals an den hungrigen Jungen vor dem Restaurant. Das Leben ist immer ein geben und nehmen. Vielleicht hatte mir der Junge dieses wundervolle und einmalige Tanz-Erlebnis zwischen den Einheimischen nach dem Essen gesandt. 

 

„Sei die Veränderung, die du in dieser Welt sehen willst!“

 

Im Süden Sambias wurde es zunehmend trockener und heißer.

Manchmal dachte ich, ich wäre in Mexiko.

 

Eine Gottesanbeterin on the Road to Livingstone.

 

Die ersten 5000 geradelten Kilometer erreichte ich kurz vor Livingstone.

 

Darauf gab's am Abend ein großes Bier :)

 

Von der Stadt Choma zum Truckstopp - 16. April 2026 

 

Der Truckstopp

 

An diesem Tag war ich mit dem Rad lange unterwegs. Erst mit dem letzten Tageslicht und knapp vor der Dunkelheit, erreichte ich völlig knülle einen Truckstopp, auf dem Weg nach Livingstone. Wie ich zuvor gelesen hatte, war es theoretisch möglich dort zu Campen. 

Ich war glücklich mein Ziel noch kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreicht zu haben. Müde schob ich mit meinem Fahrrad auf das Gelände und fragte höflich nach, ob es möglich war zu zelten. Der nette Chef gab mir sein Einverständnis. Auf einer Rasenfläche hinter dem großen Duschhaus, durfte ich mein Zelt aufstellen. Ich beeilte mich mit dem Aufbau meiner kleinen Behausung. Nachdem das Zelt stand atmete ich durch. Inzwischen war es dunkel und es war endlich Zeit zu Duschen. Zu meiner Überraschung waren die sanitären Anlagen super sauber. Es gab sogar warmes Wasser. Verwundert war ich jedoch über die vielen Decken, die vor den Toiletten- und Duschräumen auf dem Boden ausgebreitet lagen. 

 

Nach dem ich geduscht war, setzte ich mich in das offene, überdachte Restaurant und bestellte mir ein großes Feierabendbier. Ich setzte mich damit an einen der Tische und beobachte wie immer die Szenerie. Die meisten der Truckfahrer die hier pausierten oder übernachteten, bestellten sich etwas Essen und tranken so wie ich ein Bier. In dem einfachen Restaurant gab nur ein Gericht: Hühnchen mit Nshima (Maisbrei), für 50,- Kwacha (umgerechnet 2,25 Euro).

Nach dem Essen spielten die meisten Trucker noch eine Runde Pool und unterhielten sich dabei. 

 

Nachdem ich mein Bier ausgetrunken hatte fiel ich fix und foxi in meinen Schlafsack im Zelt. 

Als ich des Nachts noch einmal zur Toilette ging sah ich, dass die Angestellten des Truckstopps entweder auf Decken oder auf dem blanken Fliesenboden im Duschhaus schliefen. Wieder einmal war ich schockiert über die Lebensbedingungen in Afrika, obwohl ich inzwischen wusste das es häufig vorkam, dass die Menschen dort lebten wo sie arbeiteten und das unter einfachsten Umständen. 

 

Mein Zeltplatz am Truckstopp, hinter dem Duschhaus. 

 

 

Livingstone - 18. April 2026

 

Ausflug zu den Victoria Wasserfällen auf der Seite des Landes Sambia

 

Die Victoriafälle, gelegen an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe, sind mit rund 1.700 Metern Breite und 108 Metern Tiefe einer der größten Wasserfälle der Erde. Der Sambesi-Fluss stürzt in den tosenden, "donnernden Rauch" (Mosi-oa-Tunya).

 

Noch bevor ich die Stadt Livingston, die sich an der Grenze zu Simbabwe und in der Nähe der Victoria Wasserfälle befindet erreicht hatte, sah ich die riesige Gischt der Falls am Himmel. Die Gischt, die durch den Aufprall des Wassers entsteht, ist bis zu 20 Kilometer weit sichtbar. 

Mit großer Vorfreude auf meinen Ausflug zu den Wasserfällen am nächsten Tag, suchte ich mir in der netten Stadt Livingston ein günstiges Zimmer und fiel daraufhin erstmal hungrig und ausgepowert im „Hungry Lion“ (dem KFC von Sambia) ein, um mir einen großen Burger mit Fritten und einer Coke zu bestellen. 

 

 Foto: Kein Rauch einer Dampflock, sondern die Gischt der Wasserfälle. 

Die Gischt der Victoria Falls war schon aus vielen Kilometern Entfernung zu sehen.

 

Am darauffolgenden Tag stand ich früh auf und fuhr mit Sammeltaxi zum Eingang des „Mosi-oa-Tunya“- Nationalpark. Nachdem ich ein Ticket gekauft hatte, lief ich gut gelaunt und voller Neugierde los. Um 7:30 Uhr war es im Park noch herrlich ruhig. Nur wenige Touristen waren um diese Uhrzeit unterwegs. An einem der Verkaufsstände hatte ich mir zuvor für 20,- Kwacha einen Regenponcho geliehen. Als mir im Park ein pitschnasses und völlig durchgeweichtes Pärchen entgegen kam, sah ich, dass es eine gute Entscheidung war. 

 

Es dauerte nicht lange dann erreichte den ersten Aussichtspunkt mit Blick auf den tosenden, gigantischen Victoria Wasserfall. Bhooooaaa!!! Ich bekam Gänsehaut die nicht mehr nachlassen wollte. Nach der enormen Regenzeit, die in den Ländern Mosambik, Malawi und Südafrika für extreme Unwetter und Überschwemmungen gesorgt hatte, stürzten nun tonnenweise Wasser mit unvorstellbarer Gewalt und in einer ohrenbetäubenden Lautstärke, die hohen Klippen hinunter. Die dabei entstehende Gischt vernebelte zum Teil die Sicht und prasselte als Niederschlag vom Himmel. Ich zog mir den Regenponcho an lief mutig über die „Victoria Falls Bridge“, die in schwindelnder Höhe über den reißenden Sambesi-Fluss führte. Die Gischt prasselte an dieser Stelle so stark vom Himmel, dass ich trotz Poncho nass bis auf den Schlüpfer war. Ich nahm es gelassen und gluckste kichernd und glücklich, wie ein kleines Kind vor mich hin. Was für ein Gaudi! Ich hatte richtig Spaß.

Ich liess mir viel Zeit, genoss den Tag an den Wasserfällen in vollen Zügen und spazierte gemächlich durch den Park. Es gab viele Aussichtspunkte, von denen man nicht nur einen guten Blick auf die Wasserfälle hatte, sondern auch in die imposante Schlucht, durch die der reißende Sabesi-Fluss, mit seinem braunen Wasser floss. 

 

 

Ein Wanderweg, der einige Kilometer lang war, führte auf einem steilen Weg, inmitten einer üppigen, tropischen Natur, hinunter in die Schlucht. Auch hier traf ich nicht sehr viele Leute.

Die meisten Touristen waren im Park mit einem Führer unterwegs. Als mir irgendwann in der Schlucht ein Pärchen mit einem Guide entgegen kam, grüßten sie mich nett. Der Guide fragte mich daraufhin, ob ich alleine unterwegs wäre. Ich antwortete „ja!“. Er gab mir daraufhin zu verstehen, dass es besser wäre, mit jemanden zusammen unterwegs zu sein und das ich vorsichtig sein sollte. Ich war also gewarnt, lief aber weiter. Als dann schließlich eine Gruppe chinesischer Männer kam, ließ ich sie an mir vorbeiziehen und hängte mich an sie dran. Am Ende des Weges pausierten die Männer jedoch eine Ewigkeit am Fluss und niemand anderes kam vorbei. Schnellen Fußes, kraxelte ich also allein und im Laufschritt zurück und erreichte nach circa 30 Minuten triefend und wohlbehalten wieder den Hauptweg im Park. 

 

 

Jede Menge Paviane tummelten sich jetzt auf den Wegen des Parks zwischen den Touristen. Auch hier ließ ich mir wieder viel Zeit, um die Tiere, die teilweise wie Menschen auf mich wirkten, zu beobachten. Die Paviane waren nicht scheu und ließen mich sehr nah heran. Ich setze mich ganz ruhig zu ihnen auf den Boden. Sie ließen mich gewähren. Als ich dann irgendwann wieder aufstand um langsam weiterzugehen, griff einer der Paviane von hinten mein Kleid und hielt es fest in der Hand. Obwohl ich lachte war ich mir  nicht ganz sicher, was ich nun tun sollte. Doch nach einigen Sekunden ließ der Pavian mein Kleid zum Glück wieder los. Kichernd verabschiedete ich mich von süßen Pavianen, mit den menschlichen Zügen und Umgangsformen.

 

An einem kleinen Kiosk kaufte ich mir einen Kaffee und nahm auf einer Parkbank platz. Ich beobachtete nun die Touristen. Ich fand es sehr amüsant, mit welcher Hektik sie, egal ob Europäer oder Chinesen, getrieben durch den Nationalpark rannten, um die Aussichtspunkte der Wasserfälle abzuhaken, ohne dabei nach rechts und links zu schauen und ohne die wunderschöne, tropische, umliegende Natur wahrzunehmen. 

 

 

Nach dem Kaffee machte ich mich wieder auf den Weg und spazierte noch einen weiteren Trail, zum „Boiling Pot“, entlang. Wieder gab es tolle Aussichtspunkte, die einen Blick auf die gewaltigen und imposanten Victoria Wasserfälle freigaben.

Auch auf diesem Wanderweg waren nur vereinzelt Leute unterwegs. Als ich das Ende des Wanderweges und den „Boiling Pot“ fast erreicht hatte, sah ich circa 20 Meter vor mir einen Kerl aus dem Gebüsch hopsen. So ungepflegt wie der Typ aussah, führte er ganz gewiss nichts gutes im Schilde. Während er auf mich zukam, griff ich mir blitzschnell einen großen, scharfkantigen Stein und hielt ihm diesen als Warnung, mit erhobener Hand zielsicher entgegen. Daraufhin sagte der Typ: „Wow, Wow, Wow…! Africa is friendly! (Afrika ist freundlich!) Daraufhin antworte ich:  You don’t look friendly, my friend! (Du siehst nicht feundlich aus, mein Freund!“ Und er sagte: „We dont use Stones here!“  Und ich: „I already use them, my friend! You can be sure of tat!“ (Ich benutze sie schon, mein Freund! Da kannst du sicher sein!!!) Er: „Want you kill me?“(Willst du mich umbringen?) Und ich erwiderte: „Yes, maybe?!!!“ (Ja, vielleicht?!!!)

Daraufhin zottelte der ungepflegte Bandit einen Elefanten aus Holz aus seiner Hosentasche und wollte mir damit erzählen, dass er ein „Artist“ (ein Künstler) war.

Ich behielt die fette, scharfkantige „Klamotte“ einsatzbereit und drohend in meiner Hand und ging den Weg langsam rückwärts zurück. Ich war bereit ihm den scharfkantigen Stein im Notfall an den Kopf zu donnern, doch zum Glück lief der Typ mir nicht hinterher… 

 

 

 

>>> Hier geht es zur Reise durch Simbabwe Teil: 1