Simbabwe
Was ich (Nadine) zuvor über das Land Simbabwe gelesen hatte:
Simbabwe galt einst als „Kornkammer“ des südlichen Afrikas und exportierte große Mengen Mais und Tabak. Bis in die 1990er Jahre war das Land ein führender Nahrungsmittelproduzent, der Nachbarstaaten versorgte. Im Jahr 2000 begann die Regierung unter Robert Mugabe jedoch mit der entschädigungslosen Enteignung überwiegend weißer Großgrundbesitzer, um das Land an die schwarze Bevölkerungsmehrheit umzuverteilen. Viele Farmen wurden an Freunde und Familie Mugabes verteilt, die überhaupt kein Interesse an Landwirtschaft hatten. Die Erträge gingen drastisch zurück. Der Einbruch der Produktion führte zu massiven Ernteausfällen, Nahrungsmittelimporten und wirtschaftlichem Niedergang.
Heute ist Simbabwe stark von Nahrungsmittelimporten abhängig und leidet unter Hunger, verstärkt durch Dürren und wirtschaftliche Probleme. Das Land gehört mittlerweile zu den ärmsten der Welt. Die Kriminalität ist stark angestiegen und Weiße sind nicht unbedingt willkommen.
Inzwischen hat das Land Simbabwe nicht mal mehr eine eigene Währung. Im Jahr 2008 erreichte die Inflation astronomische Werte, was dazu führte, dass die Währung ihre Funktion als Zahlungsmittel verlor. Aufgrund des Zusammenbruchs der eigenen Währung stieg das Land auf den US-Dollar, den südafrikanischen Rand und andere Fremdwährungen um.
In einigen älteren Reiseberichten las ich, dass es in Simbabwe nicht mehr viele Touristen gibt und das die Regale in den Supermärkten zum Teil leer und ohne Waren sind. Das alles waren nicht gerade ideale Voraussetzungen zum Fahrradfahren, doch ich war neugierig und wollte mir selbst ein Bild von dem Land machen.
Wie ich (Nadine) das Land Simbabwe erlebte:
Nach allem was ich zuvor über Simbabwe gelesen hatte, war ich auf das Schlimmste eingestellt und vorbereitet. Malawi war in meinem Kopf noch immer sehr stark verankert und ein Maßstab für Armut in Afrika. Doch in der Tat war Simbabwe große Überraschung, denn anders als erwartet waren die Lebensbedingungen und Gegebenheiten in dem Land um einiges besser als gedacht. Die Lage scheint sich seither ein wenig stabilisiert zu haben. Zumindest war dies mein Eindruck.
Speziell auf dem Land und auf der Stecke zwischen Victoria Falls und Bulawayo, im Süden Simbabwes, war die Armut der Menschen spürbar größer als im Rest des Landes. Häufig fragten mich Kinder und auch Erwachsene nach Essen oder Geld.
Simbabwe ist im Vergleich zu Sambia spürbar ärmer. Viele Menschen sind arbeitslos und leben unter einfachsten Bedingungen. Doch von leeren Regalen in Supermärkten kann ich nicht berichten. Das Simbabwe das ich erlebte, war ein völlig anderes als ich mir vorgestellt hatte.
Die Menschen waren unglaublich freundlich und sehr gelassen. Ich bekam niemals das Gefühl vermittelt, dass ich als Weiße nicht willkommen bin. Ganz im Gegenteil! Überall wurde ich herzlich empfangen und begrüßt. Und was mir immer wieder auffiel war, dass die Einheimischen miteinander sehr viel lachten.
Simbabwe ist ein fantastisches Reiseland, mit einer atemberaubenden Natur und einer großen Gastfreundschaft. Ich kann euch dieses Land nur wärmstens für einen Safari-Urlaub empfehlen. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen, um dieses tolle Land noch einmal mit Elli gemeinsam zu bereisen.
Die Victoria Falls Bridge, eine historische Stahlbogenbrücke,
die den Sambesi-Fluss direkt unterhalb der Victoriafälle überspannt
und als Grenzbrücke die Länder Sambia und Simbabwe verbindet.
Über die Grenze von Sambia (Livingstone) nach Simbabwe (Victoria Falls) - 20. April 2026
Über die Grenze von Sambia (Livingstone) nach Simbabwe (Victoria Falls) - 20. April 2026
An diesem Morgen regnete es in Strömen. Eigentlich wollte ich früh los, um die Grenze zwischen Sambia und Simbabwe rechtzeitig zu passieren, doch wegen des Regens ließ ich mir Zeit. Nach dem Frühstück und dem dritten Kaffee, wurde es allmählich trockener. Ich packte meine Sachen flink zusammen und radelte los.
Von der Stadt Livingston (Sambia) bis zur Grenze nach Simbabwe (Victoria Falls), waren nur circa 10 Kilometer zurückzulegen. Auf Weg kam ich noch einmal am Eingang des Nationalpark „Mosi-oa-Tunya“, in dem sich ein Teil der Victoria Wasserfälle auf der Seite Sambias befindet, vorbei. Die Victoriafälle sind ein geteilter Wasserfall, an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe. Das Wasser des Sambesi-Fluss, stürzt zwischen den beiden Ländern in die Tiefe. Am folgenden Tag wollte ich mir die Victoria Wasserfälle deshalb auch von der Seite Simbabwes aus ansehen.
Etwas aufgeregt erreichte ich die Grenze. Vor dem Office für die Ausreise aus Sambia, tobten einige große Paviane über parkende Autos.
Vor der Grenze zu Simbabwe tobten Paviane ungeniert auf den Autos umher.
Völlig unproblematisch bekam ich meinen Ausreisestempel am Schalter Sambias, innerhalb von 10 Minuten in meinen Pass gedrückt. Ich stieg daraufhin wieder auf mein Fahrrad und fuhr nun über die Victoria Falls Bridge, eine historische Stahlbogenbrücke, die den Sambesi-Fluss direkt unterhalb der Victoriafälle überspannt und als Grenzbrücke die Länder Sambia und Simbabwe verbindet.
Pitschnass erreichte ich die andere Uferseite, denn die Gischt der Wasserfälle prasselte während meiner Fahrt über die Brücke, wie Starkregen vom Himmel.
Als ich schließlich am Office für die Einreise nach Simbabwe ankam, stellte ich mein Rad vor der Tür ab und ging hinein. Als ich dran war, verstand ich jedoch fast kein Wort, denn das Englisch das die simbabwische Beamtin sprach, hatte einen starken afrikanischen Slang. Die Dame stellte mir einige Fragen, die ich nicht mal Ansatzweise deuten konnte. Ich gab ihr daraufhin einfach mehrmals zu verstehen, dass ich ein Visum für 30 Tage, mit Single Entry benötigte. Augenrollend schickte die Beamtin mich schließlich zum nächsten Schalter, wo ich 30,- Dollar für das Visum bezahlte und drückte mir anschließend den Stempel in den Pass. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht, verließ ich daraufhin das Office. Jetzt war ich also in Simbabwe.
Gute zwei Stunden machte ich mich in der Stadt Victoria Falls auf die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft. Das günstigste Zimmer das ich fand, kostete allerdings 40,- US $. Zähne knirschend bezahlte ich für zwei Nächte und stellte meine Sachen im Zimmer der Lodge ab. Anschließend machte ich mich nochmal zu Fuß auf den Weg in die Stadt, um mir eine SIM-Karte für mein Handy zu besorgen.
Als auch das erledigt war, spazierte ich zum Eingang des Victoria Falls National Park, um mich über den Eintrittspreis und die Öffnungszeiten, für meinen Besuch am nächsten Tag zu informieren. Auf dem Weg dorthin, traf ich einen Mann namens Lee. Lee war 74 Jahre alt, in Victoria Falls geboren und ein stolzer, lebensfroher, liebenswürdiger Mann, der noch immer als Touristenführer arbeitete. Ich gab Lee jedoch gleich zu verstehen, dass ich keinen Guide benötigte und einfach nur zum Eingang des Parks spazieren wollte. Für Lee war das völlig in Ordnung. Trotzdem wollte der alte Mann mich bis dorthin begleiten, denn er liebte die Unterhaltung.
Zusammen schlenderten wir neben der Straße zum Rand der Stadt und wechselten schließlich auf einen breiten, circa 300 Meter langen Fußweg, der durch dichtes Grün, zum Eingangstor des Nationalparks führte. Auf dem Fußweg lagen einige große, frische Haufen Elefantenmist. Lee erzählte mir daraufhin, dass hier ab und zu Elefanten des Nachts vorbeikamen. Ich war verblüfft, denn die Stadt war wirklich nah.
Am Eingang des National Parks verabschiedete ich mich von dem netten, alten Lee, denn bevor ich mich auf den Rückweg begeben wollte, musste ich noch meine restlichen sambischen Kwacha an der Grenze in Dollar tauschen.
Auf dem Rückweg nahm ich wieder den gleichen Weg, denn ich wollte ein Foto von dem Elefantenmist schießen. So große Haufen sah man doch nicht alle Tage… Als ich die Misthaufen schließlich erreicht hatte, kramte ich mein Handy aus der Tasche heraus. Währendessen ertönte neben mir plötzlich ein lautes Tröten. Erschrocken sah ich zur Seite. Nur circa 20 Meter neben dem Weg stand eine Herde Elefanten die graste. Gebannt blieb ich stehen und beobachte die großen Dickhäuter. Die Herde bestand aus circa 10 Tieren, unter denen sich auch Kälber befanden.
Ich sah auf dem Fußweg nach rechts und links. Auf dem Hinweg waren hier noch Leute unterwegs, doch jetzt war niemand zu sehen.
Im Ruaha-Nationalpark in Tansania hatten wir Radmiezen gesehen und erlebt, wie aufgebrachte Elefanten reagieren. Wenn Elefanten gestresst sind spreizen sie ihre Ohren ab, der Schwanz stellt sich auf, und sie trompeten laut oder stoßen ein tiefes, niederfrequentes Grummeln aus.
Ich blickte wieder zu der Herde Elefanten und versuchte ihre Körpersprache zu lesen.
Nach dem Tröten des Elefanten, vermutlich wegen meines Erscheinens, hatte sich die Herde wieder beruhigt und graste gemächlich weiter. Keine gespreizten Ohren und keine aufgestellten Schwänze. Komischer Weise hatte ich überhaupt keine Angst und blieb für einige Minuten wie angewurzelt stehen, um die Tiere zu beobachten, bis jemand von der Straße, die oberhalb des Weges parallel entlangführte, zu mir herüber schrie und dabei winkende Bewegungen machte. Ich sollte dringend die Flucht ergreifen!
Genau in diesem Moment kam auch ein einheimischer Passant den Fußweg entlang. Wieder ertönten laute Menschenrufe von der Straße. Der Passant hatte die Elefanten noch nicht gesehen, wusste jedoch gleich Bescheid. Er winkte mich daraufhin wortlos zu sich. Langsam ging ich rückwärts und versuchte vor den Elefanten keine Hektik aufkommen zu lassen. Mit dem Passanten ging ich zurück zur Straße. Zusammen wollten wir dort den kurzen Weg in die Stadt nehmen. Doch einer der Elefanten stand neben der Fahrbahn in den Büschen und war durch die hektischen Passanten und vorbeifahrenden Auto gereizt. Viele der schaulustigen Autofahrer bremsten ab, um zu glotzen und die einheimischen Fußgänger ergriffen panisch die Flucht. Der nette Passant führte mich daraufhin auf einem Schleichweg in die Stadt und gab mir zu verstehen, dass ich sehr viel Glück hatte.
In der Stadt traf ich zufälliger Weise nochmal den netten, alten Lee. Über diesen Zufall musste selbst er lachen. Aufgeregt erzählte ich Lee von der Begegnung mit den Elefanten auf dem Fußweg, auf dem wir zuvor den Mist gesehen hatten. Daraufhin erzählte mir Lee, dass im letzten Jahr drei Männer gestorben waren, weil sie des Nachts betrunken den Weg entlang gingen und dabei auf Elefanten getroffen waren.
Ohne das ich meine Gedanken dazu äußerte sprach Lee weiter und sagte, dass es aber vielleicht einen Unterschied machen würde, ob man den Tieren mit Furcht und Geschrei oder mit Ruhe und Gelassenheit begegnen würde. Ich ließ seine weisen Worte wirken und dachte ähnlich.
Nachdem wir uns auf der Straße noch eine Weile unterhalten hatten fragte mich der alte Lee, ob ich ihm nicht helfen könnte, indem ich ihm etwas zu essen kaufe. Ich lehnte erst ab, doch dann dachte ich noch einmal über den Zufall unserer zweiten Begegnung nach.
Wieder kam ich zu dem Schluss, dass das Leben immer ein geben und ein nehmen ist. Das Universum hatte mir gerade eine unglaubliche und wunderschöne Begegnung mit den Elefanten ermöglicht und deshalb ging ich mit dem alten Schlitzohr Lee nun in den Supermarkt und kaufte ihm wie gewünscht, grinsend einen großen Sack Maismehl und eine große Flasche Pflanzenöl :)
Der alte Lee mit einem Sack Maismehl und einer Flasche Pflanzenöl,
vor dem Supermarkt in der Stadt Victoria Falls.
Ausflug zu den Victoria Wasserfällen auf der Seite von Simbabwe - Victoria Falls - 21. April 2026
Um kurz nach 6:00 Uhr machte ich mich an diesem Morgen zu Fuß auf den Weg, zum Victoria Falls Nationalpark, diesmal auf der Seite von Simbabwe. Schon aus weiter Entfernung sah ich die riesige Gischt der Wasserfälle am orangefarbenen Morgenhimmel.
Der Eingang des Nationalparks war circa 3,5 Kilometer entfernt. Um den Park zu erreichen, musste ich wieder den Fußweg entlang, auf dem mir am Tag zuvor die Herde Elefanten begegnet war. Doch zum Glück waren schon viele Einheimische auf dem Weg zur Arbeit. Ich heftete mich einfach an die Fersen einiger Männer und lief ihnen schnellen Fußes hinterher. Auch die Männer sahen sich auf der „Elefantenstrecke“, immer wieder nach rechts und links um. Doch die Dickhäuter waren nicht zu sehen.
Die hohe Gischt über den Victoria Wasserfällen,
die schon aus vielen Kilometern Entfernung zu sehen war.
Schmusezeit mit Mama.
Warzenschweine im Victoria Falls Nationalpark.
Kurz vor 7:00 Uhr stand ich am Eingang des Nationalparks und kaufte mir ein Ticket. Mit Vorfreude auf die Wasserfälle lief ich los. Zuvor hatte ich gelesen, dass die simbabwische Seite als allgemein schöner und panoramareicher gilt, da sich dort etwa 75 % der Fälle befinden und man einen besseren Panoramablick als von der Seite in Sambia hat.
Um diese frühe Uhrzeit war es im Park noch herrlich ruhig. Außer mir liefen nur einige witzige Warzenschweine, süße Affen und hektische Chinesen umher.
Noch bevor ich den ersten Aussichtspunkt erreichte, wurde es nass. Da die Wassermassen des Sambesi-Fluss über 100 Meter in die Tiefe stürzen, entsteht ein Sprühnebel bzw. Regen, der bis zu 500 Meter aufsteigt und Besucher in Sekundenschnelle bis auf den Schlüpfer durchnässt. Ausgerüstet wie ein Profi, stiefelte ich diesmal in Regenjacke, Regenhose und Sandalen mutig los. Ha!!!
Doch schon am zweiten Aussichtspunkt, war ich trotz allem nass bis auf die Haut, denn die Gischt der Fälle donnerte zum Teil wie ein extremer Starkregen nieder.
Nach der Regenzeit (März–Mai) ist der Sprühregen am stärksten. An diesem Morgen war die Gischt leider so dicht, dass die Sicht auf die Fälle, mit ihren hinunterstürzenden Wassermassen, meist vernebelt war. Trotz allem hatte ich riesigen Spaß.
Nach der ersten Runde durch den noch ruhigen Park, setzte ich mich in ein offenes Restaurant und bestellte mir einen Kaffee. Gedankenverloren träumte ich vor mich hin, als plötzlich ein Affe vom Dach sprang, mit einem lauten Knall auf meinem Tisch landete und sich blitzschnell den gesamten Zucker in Tüten griff, um damit in Windeseile auf den nächsten Baum zu türmen. Die ersten Banditen waren also schon im Dienst. Kichernd fotografierte ich den haarigen Schlawiner.
Der haarige Zuckerdieb im Victoria Falls Nationalpark.
Gute vier Stunden verbrachte ich im Nationalpark an den Victoria Wasserfällen. Grundsätzlich hatte mir der Nationalpark auf der Seite Sambias jedoch besser gefallen, denn neben der Besichtigung der Wasserfälle, konnte man dort auch hervorragend Wandern. Die Trails die durch den Regenwald und hinunter in die Schlucht führten, waren wunderschön und einmalig. Diesbezüglich konnte der „Victoria Falls Nationalpark“ in Simbabwe, mit dem „Mosi-oa-Tunya Nationalpark“ in Sambia, für mich persönlich nicht mithalten.
Blick in die gewaltige Batoka-Schlucht und auf den Sambesi-Fluss.
Nachdem ich den Victoria Falls Nationalpark verlassen hatte, spazierte ich noch durch ein Stück Bush zum Lookout Café. Das Cafe war wirklich sehenswert, denn es thront 120 Meter über den tosenden Stromschnellen des Sambesi und überragt die gewaltige Batoka-Schlucht. Es befindet sich flussabwärts der berühmten Victoria Falls Bridge, die einen Teil der spektakulären Kulisse bildet. Auch dort lies ich mir Zeit und genoss die herrliche Aussicht.
Irgendwann machte ich mich in der Mittagshitze wieder zu Fuß auf den Weg zur Straße. Als mir dann jedoch ein Taxi entgegen kam, ließ der Fahrer die Scheibe herunter und sagte mir, dass gerade Elefanten auf dem Weg waren und ich besser umdrehen sollte. Ich lief zurück zum Eingang des Cafés. Als der Taxifahrer seinen Gast vor dem abgesetzt hatte, bot er mir freundlicher Weise an, mich kostenlos mit zur Straße zu nehmen. Da sagte ich nicht nein und stieg ein. Auf dem kurzen Stück durch den Bush, standen wieder einige Elefanten.
Nachdem der nette Mann mich an der Hauptstraße abgesetzt hatte, lief ich zurück in die Stadt. Doch auch dort waren wie am Tag zuvor Elefanten unterwegs. Ich klemmte mich also wieder an die Fersen von Einheimischen. Auf einem Schleichweg rannten wir alle im Laufschritt in die Stadt. Wieder ging alles gut.
Das Lookout Café thront in 120 Metern Höhe, über den tosenden Stromschnellen des Sambesi.
Von Victoria Falls nach Bulawayo (Tag: 1)
Von der Stadt Victoria Falls zu einem Wildcampingplatz bei Hwange - 22. April 2026
Gegen 7:00 Uhr am Morgen saß ich auf dem Rad und radelte aus der Stadt Victoria Falls heraus. Ich war gespannt welche Abenteuer und Herausforderungen in Simbabwe auf mich warten würden. Da die Straße in Richtung Bulawayo, entlang des Hwange Nationalparks führte, hatte ich ein wenig Muffensausen wegen der Tiere, die mir unter Umständen auf der Straße oder beim Campen begegnen könnten. In Victoria Falls hatte ich gesehen, wieviel Angst und Respekt die Einheimischen vor den Elefanten hatten. In der Umgebung des Hwange Nationalparks gab es nun allerdings nicht nur Elefanten, sondern auch Löwen und andere Raubtiere. Zuvor hatte ich viel recherchiert und dabei herausgefunden, dass ich nicht die erste Reiseradlerin auf dieser Strecke war. Also pedalte ich einfach mutig los.
Die Strecke führte vorerst durch eine hübsche Wald-Landschaft, die von hohen Bäumen und Büschen geprägt war. Es war ein Gebiet in dem Elefanten ihren Lebensraum hatten. Hier und da lag Elefantenmist auf der Straße, doch dieser war nicht sehr frisch. Ich schaute viel nach rechts und links, doch ich konnte keinen der sympathischen Dickhäuter entdecken.
Auf der Straße wurde es zunehmend ruhiger. Der Verkehr ließ drastisch nach. Ich empfand dies als sehr angenehm, zumal es die Spannung in der einsamen Wildnis steigerte.
Irgendwann änderte sich jedoch plötzlich die Landschaft. Ich ließ die grünen Wälder, mit den hohen Bäumen hinter mir und radelte nun durch eine wunderschöne, offene Buschlandschaft, mit goldgelben Gräsern und Savannen-Bäumen. Es war das „Bilderbuch-Afrika“, wie man es sich als Europäer wünscht und vorstellt. Gut vorstellen konnte ich mir allerdings auch, dass es der Lebensraum für Löwen und Giraffen war. Pausenlos sah ich mich deshalb in der Mittagshitze wieder nach rechts und links um, während ich auf der extrem ruhigen Straße, schwitzend durch die hügelige Landschaft kurbelte.
Verkaufsstände am Rand der Straße:
Die Früchte des Baobab-Baums (Affenbrotbaum) sind sehr gesund und werden als nährstoffreiches "Superfood" geschätzt.
Über 70 Kilometer der Strecke waren an diesem Tag super schön zu fahren. Der Asphalt war in einem guten Zustand und ich radelte durch eine traumhafte und einsame Natur. Doch circa 30 Kilometer vor der Stadt Hwange, wurde die Straße zunehmend schlechter und maroder. In der Umgebung gab es nun viele Minen und Tagebaue, denn Hwange ist das Zentrum des Kohlebergbaus in Simbabwe. Unzählige Trucks, die den Abbau aus den Minen und Werken abtransportierten, donnerten auf der staubigen Straße durch die riesigen Schlaglöcher, an mir vorbei und hinterließen dabei eine riesige Staubwolke.
Nach über 100 Kilometern erreichte ich an diesem Tag knülle, eingestaubt und verdreckt den Ort Hwange der (wie sollte es anders sein) natürlich auf einem hohen Berg lag. Ich mobilisierte nochmal alle Reserven und kämpfte mich nach oben.
In der Ortschaft machte ich mich durchgeschwitzt auf die Suche nach einem Zimmer und freute mich dabei schon auf eine erfrischende Dusche. Ich klapperte eine Lodge nach der anderen ab und war schockiert über die Preise. Das günstigste Zimmer kostete 40,- US $. Für meinen Geldbeutel war das definitiv zu viel! Eine nette Frau gab mir jedoch den Tipp, dass ich im Krankenhaus nachfragen sollte. Mit ein bisschen Glück, könnte ich dort für 10,- US $ übernachten.
Ich radelte also zum St. Patricks Hospital und fragte dort höflich nach, ob es möglich wäre, für eine Nacht ein Zimmer zu bekommen. Die Damen und Herren an der Rezeption baten mich daraufhin auf einer der Bänke Platz zu nehmen und auf den Chef zu warten. Als dieser nach einigen Minuten kam, fragte er nach meinem Budget für ein Zimmer. Ich antwortete, dass ich maximal 20,-$ für die Nacht zur Verfügung hätte. Der Chef war einverstanden und bat mich nochmals Platz zu nehmen. Nach circa 30 Minuten kam der Chef zurück und teilte mir mit, dass alle Zimmer belegt waren. Doch ich könnte es 15 Kilometer weiter, in einem anderen Hospital, nochmals versuchen.
Bei der langen Suche nach einem Zimmer hatte ich wertvolle Zeit verloren. Die Sonne ging allmählich unter und ich hatte noch immer keine Bleibe für die Nacht. Im Zelt zu schlafen war also die beste Option, doch eine erfrischende Dusche, um den Staub und Dreck vom Körper zu waschen, blieb damit aus.
Noch bevor ich mich auf die Suche nach einem Wildcampingplatz machte, musste ich jedoch unbedingt Wasser kaufen. Bei Straßenhändlern deckte ich mich damit ein.
In Windeseile radelte ich anschließend aus der Stadt Hwange heraus und begab mich auf die Suche, nach einem sicheren Schlafplatz in der Wildnis.
Im Buschland, unweit der Straße, fand ich ein hübsches Plätzchen in der Natur. Noch bevor die Sonne am Horizont unterging, hatte ich mein Zelt aufgebaut und gönnte mir eine spartanische Dusche aus der Wasserflasche. Danach schlüpfte ich groggi und müde in meinen Schlafsack.
Wilcampingplatz am Tag Nr.1, auf der Strecke von Victoria Falls nach Bulawayo.
Von Victoria Falls nach Bulawayo (Tag: 2)
Vom Wildcampingplatz bei Hwange zu einem Wildcampingplatz bei Dete -23. April 2026
Auf meinem Wildcampingplatz, oberhalb der Straße, hatte ich gut geschlafen. Nur ab und zu rissen mich laute Trucks des Nachts aus dem Koma, wenn sie mit ihren Anhängern durch die Schlaglöcher auf der Straße polterten.
Mit dem Sonnenaufgang krabbelte ich aus dem Zelt heraus und packte meine Sachen zusammen. Unter den Strahlen der warmen Sonne, kochte ich mir einen Kaffee und genoss die Einsamkeit und Ruhe des Morgens, bevor es losging.
Verstecktes Frühstück hinter Büschen am Morgen.
Mit müden Beinen saß ich gegen 8:00 Uhr wieder auf dem Rad. Schon um diese Uhrzeit, war es heiß. An einem Kiosk neben der Straße kaufte ich Wasser. In der Regel war ich mit 5,5 Liter unterwegs, denn es war immer besser etwas mehr Wasser dabei zu haben, zumal ich im Streckenprofil gesehen hatte, dass es auf den kommenden 100 Kilometern stetig bergauf gehen würde.
Ich radelte wieder durch eine wunderschöne, offene Landschaft, mit goldgelben Gräsern und vielen Baobab-Affenbrotbäumen. Mir wehte jedoch ein ungewöhnlich starker Wind entgegen. Zudem ging es nun stetig bergauf. Ich hatte mächtig zu kämpfen und kam nur langsam voran. Wegen der unzähligen Minen und Steinkohlewerke in der Gegend rund um Hwange, waren auf der Straße wiederviele Trucks unterwegs. Immer wieder musste ich vom Asphalt springen, um den Kolossen Platz zu machen und um mich in Sicherheit zu bringen. Es war heiß und anstrengend. Pausenlos hatte ich Durst und trank sehr viel Wasser. Die Berge und die Hitze zehrten. Gegen Mittag gönnte ich mir eine Pause im Schatten unter Bäumen. Ich kochte mir Nudeln, Müsli und Kaffee, denn auf der Strecke gab es nur selten Annehmlichkeiten wie Restaurants, Unterkünfte oder Supermärkte. In den Dörfern gab es jedoch meistens einen kleinen einen kleinen General Store mit dem nötigsten, sodass ich mir ab und zu eine erfrischende, kalte Limo gönnen konnte.
Pause am Straßenrand, im Schatten unter Bäumen.
Gegen Nachmittag folgte wegen der Erneuerung eines Teilabschnitts der Straße, eine circa 44 Kilometer lange Umleitung, auf einer extrem schlechten Straße, mit einem kleinen Streifen Asphalt. Rechts und links des Asphalts, gab es nur Sand, Schotter und Geröll. Den schmalen Streifen Asphalt konnte ich wegen der vielen Trucks jedoch kaum nutzen.
Immer wieder Straßensperrungen und Umleitungen auf dem Weg nach Bulawayo.
Von einer schlechten Piste, auf die nächste.
Inzwischen hatte sich der Himmel zugezogen. Die dunklen Wolken sahen dramatisch aus. Gegen etwas Schatten und erfrischenden Niesel hatte ich nichts einzuwenden, doch gegen 16:00 Uhr setzte plötzlich Starkregen ein. Pitschnass bis auf die Haut, kurbelte ich angestrengt weiter und musste mir allmählich Gedanken über einen Schlafplatz im Busch machen.
Als ich nochmals anhielt, um etwas zu trinken, war ich nass wie ein begossener Pudel. Ein junges Mädchen lief an mir vorbei und bot mir an, in dem Haus ihrer Familie zu übernachten. Die Familie wollte sicherlich etwas Geld verdienen. Dagegen war nichts einzuwenden und auch nichts gegen eine Dusche. Trotz allem lehnte ich dankend ab, denn nach diesem harten und kräftezehrenden Radtag, hätte ich keine Energie mehr gehabt, tausend Fragen einer Großfamilie zu beantworten. Ich radelte also weiter und sah mich stattdessen nach einem Wildcampingplatz in der Natur um. Vor dem Dorf Dete schlug ich mich schließlich in die Büsche und baute glücklich mein Zelt für die Nacht auf.
Pitschnass im Regen, aber glücklich...
Mein Wildcamingplatz im Busch, vor dem Dorf Dete.
Von Victoria Falls nach Bulawayo (Tag: 3)
Vom Wildcampingplatz bei Dete zu einem Wildcampingplatz irgendwo auf der Strecke - 24. April 2026
Am Morgen krabbelte ich aus meinem Zelt heraus. Noch war es frisch und wolkig. Während ich geduldig auf die ersten Sonnenstrahlen wartete, um meine Sachen, die noch immer nass vom Regen am Tag zuvor waren, zu trocknen, kochte ich mir einen Kaffee. Ich genoss die Einsamkeit im Buschland und die Ruhe des Morgens.
Nachdem meine Sachen und das Zelt halbwegs getrocknet waren, packte ich zusammen, krabbelte samt Bike aus den Büschen und begab mich wieder auf die Straße.
Doch schon nach einigen Metern, entdeckte ich mitten auf der Fahrbahn, ein leuchtend grünes Chamäleon, welches dort verweilte. Ich ging auf die Bremse und parkte mein Fahrrad am Straßenrand. In der Ferne hörte ich ein Fahrzeug näher kommen. Das kleine grüne Ding musste also schnell von der Piste, damit es nicht überfahren werden würde. Ich schnappte mir deshalb schnell eine platt gefahrene Plastikflasche und versuchte das witzig aussehende Chamäleon zum laufen zu bewegen. Es machte einige schnelle Schritte, doch dann blieb es stur stehen. Kurzer Hand löffelte ich das Tier auf Plastik-Flaschen-Schippe und transportierte es an den Straßenrand. Mit seinen großen Augen, die sich unabhängig voneinander und asynchron bewegten, scannte mich das kleine grüne Ding skeptisch ab.
Das Fahrzeug, das auf der Straße unterwegs war, kam nun näher und hielt schließlich neben mir und dem skeptisch dreinguckenden Chamäleon an. In dem Geländewagen saßen vier Ranger, die auf dem Weg zur Arbeit im Hwange Nationalpark waren. Ich begrüßte die Männer lachend mit einem fröhlichen "Good Morning!". Auch sie grüßten freundlich zurück und fragten mich, ob alles in Ordnung sei. Ich antworte: "ja!" und zeigte dabei kichernd auf das grüne Chamäleon, welches noch immer regungslos vor mir stand und mit einem 360 Grad Blick beobachtete. Die Männer grinsten.
Bevor die Ranger sich wieder verabschiedeten, stellten sie mir allerdings noch neugierig und interessiert viele der üblichen Fragen. Zum Beispiel: Wo kommst du her? Wo willst du hin? Wieviele Kilometer fährst du am Tag? Wo übernachtest du?
Nachdem die Männer weg waren, geleitete ich das kleine, grüne Chamäleon, noch persönlich in die Büsche, damit auch ich beruhigt weiterradeln konnte.
Glücksbringer am Morgen: Ein Chamäleon überquerte vor mir die Straße.
Nachdem ich das Chamäleon verabschiedet hatte, radelte ich weiter zum Dorf Dete. Auch hier musste ich nochmal anhalten, um mich in dem kleinen General Store, mit Klopapier und Wasser einzudecken.
Bei schönstem Sonnenschein kurbelte ich endlich los. Noch immer war ich auf der 44 Kilometer langen Umleitung unterwegs. Hier und da donnerten wieder einige Trucks an mir vorbei und hinterließen dabei eine rote Staubwolken.
Als ich am Straßenrand etwas trank, hielt erneut ein Geländewagen neben mir. Der Fahrer des Wagens ließ die Scheibe herunter. Am Steuer saß ein netter, älterer, korpulenter, weißer Mann, mit amerikanischem Slang. Er trug ein Basecap auf dem Kopf und eine verspiegelte Sonnenbrille auf der Nase. Er fragte mich, ob alles in Ordnung sei. Lachend sagte ich ihm, dass alles prima war. Der Mann fragte mich, wohin ich wollte. Ich antwortete, dass ich auf dem Weg nach Bulawayo war. Daraufhin fragte er, ob er mich bis dorthin mitnehmen könnte. Kichernd sagte ich: "Nein, Danke! Das hier ist mein Job!" und zeigte dabei auf mein Fahrrad. Der nette Typ verabschiedete sich Kopf schüttelnd und ungläubig und fuhr weiter.
Auf der Umleitungsstraße, entlang des Hwange Nationalparks, wurde es gegen Mittag immer ruhiger. Am Rand der Straße standen nun einige Schilder, die vor Elelefanten warnten.
Zebras und Antilopen in der flirrenden Hitze, am Rande des Hwange Nationalparks.
Als ich auf einer freien Fläche, Zebras und Antilopen grasen sah, hielt ich an. Normalerweise kurbelte ich ohne anzuhalten durch die Gebiete, in denen Elefanten und Löwen zu vermuten waren. Doch zufällig parkte auf diesem Abschnitt auch ein Trucker, der eine Panne hatte. Ich stellte mein Fahrrad neben der Straße ab und beobachtete und fotografierte die Tiere.
Als ich wieder zu meinem Fahrrad ging fragte mich der Trucker, ob ich nicht denn gar nicht ängstlich wegen der Tiere sei? Ich antwortete: "Hmmm..., im Moment eigentlich nicht..." Ich erklärte ihm, dass ich nur angehalten hatte, weil er mit seinem Truck dort stand.
Daraufhin sagte der Trucker: Also ich habe ehrlich gesagt etwas Angst vor den Tieren. Aber ich habe gerade keine andere Wahl, denn mein Truck ist kaputt.
Während der Mann telefonierte, um Hilfe anzufordern, stieg wieder auf mein Rad und pedalte zügig weiter, um von der ruhigen Umleitungsstraße, die mehr oder weniger direkt durch den Hwange Nationalpark führte, herunterzukommen. Ich sah auf meinem Weg keine Tiere, denn es war brütende Mittagszeit. Am frühen Morgen oder am späten Nachmittag war die Gefahr auf Elefanten, Löwen oder andere Tiere zu treffen, sicherlich größer.
Die vielen Elefanten-Warnschilder entlang des Hwange Nationalparks,
steigerten die Spannung beim Radeln.
Verschwitzt erreichte ich schließlich die Kreuzung mit der Haupstraße A8, die wieder auf direktem Weg nach Bulawayo führte. An der Kreuzung gab es einige kleine Buden und Verkaufsstände. In einem kleinen Laden kaufte ich bei einer netten Frau, zwei eiskalte Limos. Anschließend stieg ich wieder auf mein Rad und pedalte weiter auf der noch immer ruhigen Straße, entlang des Hwange Nationalparks. Am Straßenrand standen wieder Schilder, die vor Elefanten warnten.
Nur ab und zu fuhren jetzt noch Trucks oder andere Autos an mir vorbei. Wenn diese weg waren, kehrte wieder Einsamkeit und Stille ein. Ich hörte dann nur noch das Surren meiner Reifen auf dem Asphalt.
Wegen der zu vermutenden Tiere, hielt ich vorerst nicht mehr an. Angestrengt kämpfte ich mich unzählige Hügel und Berge rauf und runter.
Als ich gegen 14.00 Uhr schließlich hungrig, durstig und müde eine Ortschaft erreichte, legte ich am Straßenrand, im Schatten unter Bäumen, eine Pause ein und kochte mir Nudeln, Müsli und Kaffee. Es war unglaublich drückend, doch allmählich zogen am Himmel Wolken auf.
Die Flüsse in Simbabwe waren oft ausgetrocknet oder führten nur wenig Wasser.
Nach einer guten Stunde Pause pedalte ich weiter. Der Zustand der Straße wurde entsetzlich schlecht. Riesige Schlaglöcher klafften in dem verbliebenen Asphalt, der eigentlich nur noch aus Fetzen bestand. Die vorbeifahrenden Trucks wirbelten wieder viel Staub auf und schepperten laut über die Piste.
Konzentriert holperte ich über die schlechte Piste, als ich am Horizont plötzlich einen Reiseradler sah, der mir entgegen kam. Wir trauten beide unseren Augen nicht. Lachend hielten wir an, um uns im Nirgendwo zu begrüßen. Der junge Radreisende hieß Eve und war ein fröhlicher und gut gelaunter Franzose. Wie ich erfuhr, war Eve mit einem Elektro-Liegerad in Frankreich gestartet und inzwischen seit gut 5 Jahren unterwegs. Sein Ziel war Cape Town in Südafrika. Wir quatschten eine ganze Weile am Straßenrand, bis wir uns wieder voneinander verabschiedeten. Gegenseitig wünschten wir uns alles Gute und pedalten anschließend weiter.
Begegnung auf der Piste mit Reiseradler Eve.
Eve war mit seinem E-Liegerad in Frankreich gestartet und schon seit 5 Jahren unterwegs.
After the rain comes sun after the sun comes rain again...
Als die Straße sich in dem schlechtesten Zustand befand, begann es in Strömen zu regnen. Pitschnass und durchgeweicht kurbelte ich jedoch weiter und kämpfte mich neben den Trucks über die grauenhafte Piste. Das braune Spritzwasser der Lastenschlepper, saute mich zusätzlich von oben bis unten ein.
Nach circa 75 harten Kilometern, machte ich mich gegen 17.00 Uhr auf die Suche nach einem Wildcampingplatz neben der Straße. Natürlich wollte ich dabei nicht unbedingt auf Elefanten und Löwen stoßen. Ich entdeckte schließlich einen ruhigen Platz im Wald, in der Nähe eines Dorfes. Ich stellte mein Zelt auf und blieb dabei nicht unentdeckt. Einige Menschen und Kühe liefen vorbei, doch das war mir in dieser Gegend lieber, als die Begegnung mit einen Dickhäuter oder einem Raubtier.
Es war die dritte Nacht des Wildcampings auf dem Weg nach Bulawayo. Meine durchgesüfften Klamotten stanken inzwischen zum Himmel und meine verstaubten Haare hatten dringend eine Wäsche nötig. Doch das war eben der Preis für dieses einmalige Erlebnis, inmitten der wunderschönen Natur Afrikas. Die unberührte Natur, der Nervenkitzel mit den Tieren, der Regen, die Berge, die schlechten Straßenverhältnisse, nicht zu wissen wo man schlafen wird und all die anderen Überraschungen, machen die Reise jedoch zu dem Abenteuer, dass ich mir zuvor so lange erträumt hatte. Afrika ist hart aber unglaublich herzlich …!
Mein Wildcampingplatz im Busch, am Tag Nr. 3, auf dem Weg nach Bulawayo.
Von Victoria Falls nach Bulawayo (Tag: 4)
Von einem Wildcampingplatz zum nächsten - 25. April 2026
Nach einer weiteren Nacht Wildcamping im Busch, ging es auf der Piste weiter in Richtung Bulawayo und entlang des Hwange Nationalparks.
An einem kleinen Kiosk, der wie gerufen kam und ganz zufällig im Nirgendwo stand, kaufte ich bei einem netten Mann einige Liter Wasser. Nun konnte ich beruhigt weiterradeln, denn am Vormittag hatte ich auf der Strecke nach Bulawayo, stets mit einem starken Gegenwind zu kämpfen. Er trocknete meine Kehle aus und verursachte immer großen Durst.
Auch an diesem Tag ging es wie gehabt stetig bergauf. Die permanenten Anstiege, der starke Gegenwind und der extrem schlechte Zustand der Straße, zehrten körperlich wie auch geistig. Ich kam nur langsam voran. Immer wieder musste ich zudem den unzähligen Trucks auf der Piste Platz machen. Bei dem ganzen Gerüttel und Geschüttel der LKW's, viel häufig etwas von der Ladung herunter und landete schließlich am Straßenrand. Doch des einen Leid war des anderen Freud. Oft sah ich Frauen und Männer, die mit Säcken an der Straße entlang liefen, um Steinkohle, Mais oder anderes einzusammeln.
In der Regel grüsste ich auf dem Land alle Menschen, die mir entlang der Straße begegneten. Immer bekam ich ein fröhliches Winken, Lachen oder „How are you?“ zurück.
An diesem Tag grüßte ich um die Mittagszeit im Vorbeifahren eine junge Frau. Ungewöhnlicher Weise erwiderte sie darauf nichts. Einen Moment später registrierte ich jedoch, dass die junge Frau weinte und noch dazu eine Verletzung am Hinterkopf hatte. Das Blut tropfte auf ihr Shirt.
Für einige Sekunden war ich nun hin- und hergerissen und überlegte, ob ich anhalten und helfen sollte. Vermutlich war sie Opfer häuslicher Gewalt. Ich bremste ab und sah mich nochmal nach der Frau um. Sie wankte traurig, verzweifelt und unkoordiniert über die Straße. Doch wie konnte ich der jungen Frau helfen? In Simbabwe die Polizei zu rufen, war sicherlich ein Witz. Beim. Anblick der Frau war ich innerlich traurig und wütend zugleich. Mir ging mir einiges durch den Kopf. Was wenn ich anhalten würde? Vermutlich hätte ich mir von der jungen Frau sagen lassen welcher Typ es war und dann wäre ich wohl ohne Pardon mit einem Knüppel auf diesen Typen losgegangen. Doch was hätte das gebracht? Die Frau hätte es hinterher vermutlich doppelt so dick von dem Kerl zurückbekommen und ich hätte mich in einem fremden Land selbst in große Schwierigkeiten gebracht. Ich sah der jungen Frau nachdenklich und hilflos nach. Auf der Straße gingen noch andere Menschen entlang, doch ich schämte mich, denn ich wusste keine Lösung. Der Frau Geld in die Hand zu drücken, damit sie sich Hilfe suchte, war irgendwie auch keine Alternative. Traurig radelte ich langsam weiter.
Am frühen Nachmittag erreichte ich den Ort Lupane. Ich war ziemlich ausgepowert und hatte großen Durst und Hunger. Etwas benommen steuerte ich einen kleinen Supermarkt an und freute mich auf zwei eiskalte Getränke. Ich wollte mit einem 20,- Dollarschein bezahlen, doch wie so oft in Simbabwe, hatte die Kassiererin nicht genug Wechselgeld in der Kasse und Kartenzahlung war nicht möglich. Durstig und ohne kalte Getränke, verließ ich wieder den Laden und sah mich um. Etwas weiter entdeckte ein Restaurant. Ich parkte mein Fahrrad vor der Tür und ging hinein. An der Theke bestellte ich gegrilltes Hühnchen und zwei eiskalte Cola. Diesmal konnte die Dame an der Kasse glücklicherweise wechseln, doch ich bekam das Wechselgeld in einem Mix aus US-Dollar und Südafrikanischen Rands zurück.
Mit meinem Essen und den kalten Getränken, nahm ich draußen vor der Tür, an einem der Tische platz.
Während ich an meinem Hühnchen knabberte und mich erholte, starrte ein etwa 11 jähriger Junge fasziniert auf mein Rad. Ich sprach den Jungen an und fragte, ob er das Fahrrad vielleicht mal fahren möchte. Er war schüchtern und wusste nicht so recht, was er darauf antworten sollte. Doch die zwei netten Damen im Laden nebenan, hatten die Situation beobachtet und ermutigten den Jungen. Ich legte das Hühnchen aus der Hand und ging mit dem Burschen zu meinem Rad. Mutig stieg er in die Pedalen, obwohl er barfuß, ohne Schuhe war. Stolz fuhr der Junge einige Meter mit meinem Bike.
Nach der kurzen Probefahrt des Jungen, setzte ich mich wieder an den Tisch. Schüchtern setzte sich der Bursche, in seinen schmutzigen Sachen, wortlos neben mich. Während des Essens unterhielt ich mich mit den netten Frauen vom Laden nebenan. Neugierig und interessiert, stellten mir die beiden lustigen Damen tausend Fragen.
In einer ruhigen Minute fragte ich den schüchternen Jungen neben mir, warum er keine Schuhe trug. Genierlich versteckte er daraufhin seine Füße schnell unter der Bank und sagte gereizt: „Ich weiß selbst das ich keine Schuhe habe!“ Leise hakte ich nochmal nach, ob er keine Schuhe tragen wollte oder ob sie vielleicht zu teuer waren. Er nickte bei letzterem.
Ich fragte die Damen nebenan vorsichtshalber, ob es in Ordnung wäre, wenn ich dem Jungen ein paar Schuhe kaufen würde. Die Frauen freuten sich darüber sehr und gaben mir zu verstehen, dass es großartig wäre, wenn ich helfen würde. Also sah ich mir daraufhin zusammen mit dem Jungen das kleine Schuh- und Schlappen-Sortiment an. Schüchtern probierte der Junge mit seinen schmutzigen, verhornten Füßen die Latschen durch und suchte sich auf Empfehlung der netten, lustigen Frauen ein paar schwarze Nike-Schlappen (natürlich original Patent! :) aus. Ich bezahlte für die Schuhe 3,- US $.
Zusammen setzten wir uns im Restaurant wieder an den Tisch. Diesmal fragte ich den Jungen, ob er Hunger oder Durst hatte. Wieder nickte er schüchtern mit dem Kopf. Daraufhin gingen wir gemeinsam zur Theke im Restaurant. Ich ermutigte den Jungen sich etwas auszusuchen. Er bestellte einen großen Teller Maisbrei mit Hühnchen, Gemüse und Soße, dazu eine kalte Cola und vier kleine Kuchen. Ich bezahlte für alles zusammen lediglich 3,- US $. Auch die Dame an der Kasse des Restaurants, freute sich sehr über meine Geste und gab mir zu verstehen, dass es wirklich gut war, das ich dem Jungen etwas zu Essen kaufte.
Wieder setzten wir uns draußen zusammen an den Tisch, wo der Junge nun ordentlich zulangte.
Gegen 16:00 Uhr verabschiedete ich mich glücklich, mit einem breiten Lachen im Gesicht, von den zwei netten Damen und dem schüchternen Jungen. Es war höchste Zeit weiterzuradeln und einen sicheren Platz für die Nacht im Busch zu finden.
Nachtrag: Bebilderte Geschichten sind immer schön, doch nicht immer sind die Situationen passend, um sie zu fotografieren. Dies betraf auch die Situation mit dem Jungen. Ich ließ das Handy bewusst in meiner Tasche stecken.
Mein Wildcampingplatz im Busch, am Tag Nr. 4, auf dem Weg nach Bulawayo.
Frühstück auf dem Wildcampingplatz im Busch und der Traum vom duschen und Haare waschen, nach so vielen Tagen entlang der staubigen Piste.
Von Victoria Falls nach Bulawayo (Tag: 5)
The long road to Bulawayo - Von einem Wildcampingplatz zum nächsten - 26. April 2026
Die Nacht im Zelt, mitten im Busch und in der Nähe der Straße, hatte ich wieder gut überstanden. Zwar hörte ich des Nachts das einige Tiere die um mich herum unterwegs waren, doch ich fühlte mich trotz allem sicher.
Als ich am Morgen aus dem Zelt herauskrabbelte, war es noch ziemlich kühl. Ich sah auf das Thermometer. Es zeigte gerade mal zehn grad an. Auf der Südhalbkugel ging es allmählich dem Winter entgegen.
Ich zog mir einen warmen Pulli über und packte gemütlich meine Sachen zusammen, während ich auf die ersten warmen Strahlen der Sonne wartete. Bevor es losging kochte ich mir jedoch wie immer einen Kaffee, bereitete mir ein Müsli zu und ließ das Zelt in der Sonne trocken.
Nach dem Frühstück schob ich mein Fahrrad samt Gepäck aus den Büschen heraus und pedalte los. Bis Bulawayo waren nur noch 150 Kilometer zurückzulegen. Eigentlich ein Katzensprung, doch die A8, eine der Hauptverkehrsstraßen in Simbabwe, war in einem so grauenvollen Zustand das mir klar war, dass ich auf jeden Fall zwei Tage für diese Strecke benötigen würde.
Meine Karte zeigte auf Weg nach Bulawayo nur ein einziges Dorf an. Ich erreichte Ken Maur, nach circa 15 Kilometern und hielt an einem kleinen Kiosk, um dort jede Menge Wasser zu kaufen. Da meine Powerbank und meine Handys fast keinen Saft mehr hatten, fragte ich die Mädchen im Kiosk hinterm Tresen, ob es möglich wäre, dass ich meine Geräte bei ihnen lade. Sie nahmen sie freundlicher Weise entgegen. Im Gegenzug kaufte ich mir im Laden ein zweites Frühstück, denn in der Auslage, zwischen Waschmittel und Zahnpasta, lachte mich das gegrillte Hühnchen an.
Circa 1 Stunde verbrachte ich wegen meiner Geräte die zu laden waren, an einem Tisch vor dem Kiosk. Währenddessen unterhielt ich mich mit einem netten Typen namens Denford aus Harare. Der Familienvater war gerade alleine auf Urlaubstour und bereiste sein eigenes Land. Als wir uns irgendwann voneinander verabschiedeten, gab mir Denford seine Telefonnummer. Ich sollte anrufen, wenn ich in Harare bin.
Nach einer guten Stunde am Tisch vor dem Kiosk, fuhr ich endlich weiter. Wieder rüttelte ich neben den vielen Trucks auf der staubigen Schlagloch-Piste entlang, als schließlich eine kilometerlange Umleitung auf einer noch schlechteren Piste folgte. Der Untergrund der Fahrbahn bestand aus rotem Sand und groben Schotter. Es dauerte nicht lange, bis ich durch den aufgewirbelten Staub der Sattelschlepper, die gleiche Farbe hatte. Zumal diesert auf meinem verschwitzten Körper hervorragend klebte.
The long and hard road to Bulawayo...
120 Kilometer können sehr laaaaaaang werden!
Der Tag verging wie im Flug. Die Sonne ging allmählich unter. Gegen 17:15 Uhr war es wieder an der Zeit, einen sicheren Schlafplatz für die Nacht zu finden. Doch ich kurbelte an einer scheinbar endlosen und kilometerlangen Ranch entlang, die auf beiden Seiten der Straße mit einem Zaun aus Holz und Stacheldraht abgesperrt war. Ich fluchte laut vor mich hin, denn die Zeit rannte mir davon und ein Ende der riesigen Ranch war nicht in Sicht. Irgendwann entdeckte ich jedoch ein verschlossenes Tor im Zaun. Ich blickte mich kurz um, nahm allen Mut zusammen und öffnete es. Schnell flitzte ich mit meinem Fahrrad in die Büsche auf der Ranch und rannte nochmal zurück zum Tor, um es zu verschließen. Anschließend machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz.
Als das Zelt endlich aufgebaut war und ich mich waschen wollte, hörte ich die lauten Glocken einer Kuhherde immer näher kommen. Ich betete innerlich vor mich hin und hoffte, dass die Kühe allein und ohne Hirten unterwegs waren. Ich wartete leise ab und hatte Glück. Kurz bevor es wirklich finster war, konnte ich mich im Restlicht des Tages, inmitten des Waldes, waschen. Danach krabbelte ich sofort ins Zelt.
Um mich herum waren noch lange die Glocken der Kühe zu hören, jedoch nicht nur diese, sondern auch viele andere Tiergeräusche. Letztere waren etwas unheimlich. Direkt vor meinem Zelt hörte ich irgendwann ein lautes knurren. Erschrocken und mit Herzrasen setzte ich mich im Zelt auf und wartete ruhig ab. Wieder knurrte es vor der "Tür". Mein Puls raste. Verdammt! Mir fiel ein, dass ich noch ein Stück des duftenden Hühnchens in meiner Fahrradtasche hatte und fragte mich nun, ob es vielleicht der Grund war, weshalb das Tier vor dem Zelt knurrte. Leise legte ich mir mein Taschenmesser und den Regenschirmknirps als Knüppel bereit. Dann schaltete ich das grelle Licht meiner Solarlampe ein und leuchtete durch eine Öffnung im Zelt nach draußen. Was auch immer es für ein Tier war... Es erschrak sich und rannte zusammen mit den Kühen in der Umgebung davon. Ich beruhigte mich wieder und knipste das Licht wieder aus. Irgendwann fiel ich vor Müdigkeit in einen tiefen Schlaf...
Mein Wildcampingplatz im Busch, am Tag Nr. 5, auf dem Weg nach Bulawayo.
Am Morgen beim Frühstück in der Sonne, auf der Ranch.
Von Victoria Falls nach Bulawayo (Tag: 6)
Endspurt nach Bulawayo - Vom Wildcampingplatz auf der Ranch nach Bulawayo - 27. April 2026
Mal Asphalt und mal Piste, im Endspurt nach Bulawayo.
Nachdem ich an diesem Morgen gefrühstückt und zusammengepackt hatte, schlich ich mich unbeobachtet von der Ranch und begab mich wieder auf die Straße.
Endspurt! Bis Bulawayo waren nur noch schlappe 80 Kilometer zurückzulegen. Doch der Weg in die Stadt und zur wohlverdienten Dusche wurde laaaang. Die Sonne brannte heiß vom Himmel und nach wie vor ging es überwiegend stetig bergauf. Zu allem Übel folgten wieder Umleitungen auf groben Pisten. Eine dieser Umleitungen war circa 6 Kilometer lang. Ich rüttelte fluchend über Sand und Schotter, während Busse und Trucks an mir vorbeidonnerten. Die Fahrer hupten und winkten fröhlich, um mich zu motivieren.
Die Umleitung kostete wahnsinnig viel Energie. Als ich endlich wieder die Hauptstraße erreicht hatte, war ich fix und knülle. In einem Dorfkiosk kaufte ich mir ein paar kalte Getränke und versuchte mich zu akklimatisieren. Als ich dann wieder auf mein Rad stieg, folgte sogleich die nächste Umleitung auf einer Schotterpiste. Der Weg nach Bulawayo wurde laaaaang und läääänger.
Irgendwann fuhr ein Pick Up an mir vorbei und hupte. Auf der Ladefläche des Wagens waren einige Mountainbikes verstaut. In der Ferne sah ich das der Wagen anhielt, drehte und nochmal zurückgefahren kam. Als der Geländewagen schließlich neben mir stoppte, sprang ein netter, älterer, sympathischer Mann aus dem Wagen und begrüßte mich freudestrahlend. Der Mann hieß Al Watermeyer und erzählte mir das auch er früher, zusammen mit seiner Frau, lange Strecken durch Afrika geradelt war. Al war gerade auf dem Weg zu einem Meeting, doch spontan drückte er mir die Telefonnummer einer netten Freundin in Bulawayo, bei der ich kostenlos unterkommen konnte, in die Hand. Er schwärmte von den Kochkünsten dieser Frau. Ich bedankte mich kichernd bei dem netten Al und radelte schließlich weiter.
Auf der Strecke nach Bulawayo, waren coole, alte Busse unterwegs.
Erst am Nachmittag erreichte ich auf dem Zahnfleisch kriechend, die Stadt Bulawayo. Ich entschied mich jedoch nicht für den Besuch der Freundin von Al, sondern für das "Baobab-House" am Rande der Stadt. Denn alles was ich nach der Tour benötigte waren eine Dusche, eine Wäsche für meine Klamotten, Ruhe und gutes Wifi.
Fix und knülle (wie man sieht ;) erreichte ich am Nachmittag die Stadt Bulawayo.
Eine Grundsanierung war fällig!
Bulawayo - 27. April bis 01. Mai .2026
Nach der 500 Kilometer-Tour von Victoria Falls nach Bulawayo, erreichte ich fix und knülle das „Baobab Guesthouse“ in Bulawayo. Das „Baobab“ war eine private Unterkunft am Rande der Stadt.
Nachdem ich die Glocke am Tor geläutet hatte, kamen zwei große Deutsche Schäferhunde und die Gastgeberin Anne gelaufen, um mich zu begrüßen. Der Empfang von Anne war unglaublich herzlich. Nach all den Tagen des Wildcampings im Busch, freute ich mich auf eine Dusche und frisch gewaschene Wäsche. Doch erst einmal führte mich die humorvolle Anne durch ihren geliebten Gemüsegarten. Ich probierte leckere Baum-Tomaten und war herzlich eingeladen, all das tolle Gemüse aus dem Garten zum Kochen oder für Salate zu verwenden. Auf dem wunderschönen, gepflegten Anwesen von Anne, standen zwei riesige, schattenspendende Bäume, unter denen ich mein kleines Zelt aufstellen konnte.
Anne führte mich durch ihr wunderschönes Haus, in dem ich das Bad, die Toilette und die offene Wohnküche mitbenutzen durfte. Während unseres Rundgangs waren die beiden Schäferhunde Sophie und Elsa stets dabei. Doch in dem Haus gab es auch zwei süße Katzen namens Cooper und Sam, die mit den beiden Hunden hervorragend harmonierten.
Camping im "Baobab House" in Bulawayo.
Ich stand auf der Wiese ganz alleine...
In dem großen Garten und unter den großen Bäumen auf dem Anwesen von Anne,
wirkten mein Zelt und mein Fahrrad sehr klein...
Nachdem ich mein Zelt in dem wunderschönen Garten aufgebaut hatte, ging ich duschen. Was für ein Genuss! Eine halbe Ewigkeit verbrachte ich im Bad und schrubbte mir den Staub der letzten 5 Tage vom Körper. Zu meiner freudigen Überraschung hatte Anne sogar eine Waschmaschine. All meine stinkenden und durchgeschwitzten Klamotten wanderten flink in den praktischen Waschautomaten, der in Afrika absolut keine Selbstverständlichkeit ist.
Gemütliches Paradies.
Das "Baobab House" mit den Schäferhunden Sophie und Elsa und den Katzen Cooper und Sam.
In Anne’s „Baobab-Paradies“ verbrachte ich ganze vier Tage zur Erholung, denn ich war unnnnglaaaauuublich müde. Doch mein Aufenthalt war alles andere als langweilig, denn im Haus von Anne, in dem sie auch einige Zimmer vermietete, war immer etwas los. Täglich kamen Haushälterinnen, Handwerker oder neue Gäste vorbei. Und dann gab es da noch Kimberley. Kimberley kam aus Gweru und arbeite in Bulawayo an ihrer Guide-Lizenz für Wilderness and Hunting (Wildnis und Jagen). Während ihrer Ausbildung wohnte sie in Anne’s Haus. Kimberly sprach hervorragend Deutsch, denn sie hatte drei Jahre in Deutschland gelebt.
Umgeben von zwei Deutschen Schäferhunden, sei süßen Katzen, einer coolen, jungen Frau die Deutsch sprach und der lustigen Anne, fühlte ich mich unglaublich geborgen. Wenn wir Abends zusammen in der Küche oder am Lagerfeuer im Garten saßen, dann erzählten die beiden Frauen wilde Geschichten aus ihrem Leben, von Schlangen, vom Campen oder vom Jagen im Busch. Es war extrem spannend den Mädels zu lauschen, denn sie sprachen über Themen, mit denen sich Frauen in Deutschland niemals beschäftigen würden. Doch dies war eben Afrika und die Frauen waren in Sachen Wildnis wirklich tough!
Der Jagdtourismus in Afrika ist ein hochgradig kontroverses Thema. Während Befürworter die Einnahmen für den Naturschutz hervorheben, kritisieren Gegner das Töten von Tieren als moralisch verwerflich und zweifeln den tatsächlichen Nutzen für die Artenvielfalt an.
Anne und Kimberley befürworteten das Jagen der Tiere im Busch, denn aus ihrer Sicht kann das kontrollierte Jagen in Gebieten mit Überpopulationen (z. B. Elefanten) helfen, Mensch-Wildtier-Konflikte zu reduzieren und ökologische Schäden zu begrenzen. Zudem schafft Jagt Arbeitsplätze und das Fleisch der erlegten Tiere wird oft an die lokale Bevölkerung verteilt, da es schwierig ist es auszuführen. Wie Anne und Kimberley erzählten, gibt es viele Russen, Chinesen, Amerikaner und Franzosen die nach Afrika kommen, um Wildtiere zu jagen. Sie geben dafür viel Geld aus. Die Preise variieren stark. Je nach Seltenheit und Prestigewert zahlen Touristen für das Jagen von Zebras circa 1.000 €, für Elenantilopen circa 1.500 €, für Löwen: circa 15.000 € und für Nashörner bis zu 80.000 €.
Auf dem Weg nach Harare 02. - 03. Mai 2026
Nachdem ich mich in Bulawayo grundsaniert und erholt hatte, radelte ich nun entlang der Hauptstraße in Richtung Harare, der Hauptstadt von Simbabwe. Die Straße war wenig spektakulär, doch es konnte auch mal ganz angenehm sein, einen guten Asphalt unter den Rädern zu haben und nicht zu viel zu erleben. Rund 70 Kilometer vor Gweru, der drittgrößten Stadt des Landes, fand ich neben der Straße wieder einen tollen Wildcampingplatz auf einer Ranch neben der Straße. Da die Ranch wieder abgezäunt war, suchte ich mir ein Schlupfloch im Zaun und verbrachte die Nacht zwischen Kühen und dem Gebimmel ihrer Glocken.
Ein schöner Wildcampingplatz auf einer Ranch, auf dem Weg nach Harare.
Gweru und der Antelope Park - 04. Mai 2026
Am Morgen erwachte ich in der Stadt Gweru, samt Fahrrad und Gepäck, im Zimmer eines Kongresszentrums für Baptisten. Ich hatte gut geschlafen und freute mich auf den Pausentag. Ich ließ den Tag ruhig angehen. Nach dem dritten Kaffee machte ich mich zu Fuß auf den Weg, in das Zentrum der Stadt Gweru. Es war herrlich warm und die Sonne schien vom blauen Himmel. Nachdem ich mich einige Tage auf dem Rad von Müsli und Nudelsuppe ernährt hatte, war es an der Zeit für etwas Abwechslung. Ich gönnte mir ein herzhaftes Frühstück bei Nando‘s. Mit großem Appetit bestellt ich mir um 10:30 Uhr, ein gegrilltes PERi-PERi-Hähnchenbein, dazu Reis und einen Wassermelonen-Salat mit Feta-Käse. Besser konnte der Tag nicht beginnen. An manchen Tagen war ich selbst erstaunt, wieviel Energie mein Körper benötigte, um die schwere Eisenkuh, samt Gepäck durch halb Afrika fahren.
Die Rezeption und mein Zimmer im Baptisten Guest House.
Es war die günstigste Option in der Stadt Gweru.
Lecker Angebot im Supermarkt...
Nach dem Frühstück ließ ich mich durch die Straßen von Gweru treiben. Auf Anhieb war mir die drittgrößte Stadt Simbabwes sehr sympathisch. Sie hatte eine angenehme, kompakte Größe und war sehr gemütlich. Alles war fußläufig erreichbar und die Menschen überaus freundlich und sehr gelassen. Zudem gab es in der City einige tolle alte Gebäude aus der Kolonialzeit und einen hübschen Clock Tower. Überall breiteten fliegende Händler ihre Waren aus. Am Busbahnhof, auf den überdachten, schattigen Gehwegen, in den Markthallen und auf anderen Plätzen. Gegen Mittag war ganz Gweru ein einziger Markt. Der Rundgang durch die Stadt und machte mir richtig Spaß. Es gab in der Stadt so viel zu sehen, dass ich die Zeit vergaß.
Gegen 15:00 Uhr lief ich zurück zum Guesthouse der Baptisten, wo ich mein Fahrrad sicher geparkt hatte und machte mich nun auf den Weg zum etwa 8 Kilometer entfernten Antelope Park. Mit Vorfreude auf den Park radelte ich los. Ich war sehr gespannt, welche Erlebnisse dort auf mich warten würden.
Happy Radmieze am Clocktower in der Stadt Gweru.