Mit dem Fahrrad durch Uganda

 

Uganda 

 

In Uganda leben mehr als 50 Millionen Menschen, von denen der größte Teil auf dem Land lebt. Das Land liegt auf einer weiten Hochebene. Es ist hügeliges Terrain mit einer flachen Beckenlandschaft. Auch wenn Uganda nicht ans Meer grenzt, gibt es in dem Land viel Wasser, dass ein sechstel der Gesamtfläche einnimmt. Den riesigen Viktoriasee teilt sich Uganda mit Tansania und Kenia. Dazu kommen viele andere große Seen und Flüsse, von denen der Weiße Nil der längste ist. Doch in Uganda gibt es auch Regenwälder, Savannenlandschaften und schneebedeckte Gebirge. Das Klima ist tropisch und die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen zwischen 25 und 30 Grad. Sie bleiben das ganze Jahr konstant. Im Gebirge kann es natürlich sehr viel kühler werden. 

 

Der Kronenkranich ist das Wappentier Ugandas. Er schmückt die Nationalflagge des Landes. 

 

Wie wir das Land Uganda erlebten:

 

Uganda zählt zu den ärmsten Ländern der Welt - und zu den jüngsten. Knapp 25 Prozent der Menschen sind nicht einmal 25 Jahre alt. Das Land hat eine extrem hohe Bevölkerungsdichte, deshalb gibt es sehr viele Menschen und sehr viele Kinder. Selbst in den kleinsten Dörfern, wurden wir von unzähligen Menschen und Kindern umringt. In Uganda ist man eigentlich nie alleine, deshalb war es für uns kaum möglich, zu zelten.

 

Ein Großteil der Bevölkerung Ugandas sind Muslime. Der Islam ist weit verbreitet und 

Frauen spielen daher eine untergeordnete Rolle. Auch die Beschneidung von Mädchen ist traditionell noch immer verankert. Seit 2010 ist die Beschneidung in dem ostafrikanischen Land verboten. Durchgeführt wird sie trotzdem.

 

Männer dürfen in Uganda mehrere Frauen heiraten. Die "Vielfrauenehe" ist nicht ungewöhnlich.

Auch Aids ist in Uganda noch ein großes Thema, da  keine Verhütung eingesetzt wird oder diese so gut wie nicht vorhanden ist. Kinder sind für die Menschen in Ostafrika ein großer Segen, denn sie sind Grundlage für die Unterstützung bei der Arbeit in der Familie und der Versorgung der Eltern im Alter. 

 

 

Das Land Uganda hat noch ein weiteres Problem, denn es hat den höchsten pro Kopf-Verbrauch an Alkohol in Ostafrika, was häufig zu Misshandlungen von Frauen und Kindern innerhalb der Familien führt. Unterwegs erlebten wir es häufig, dass überwiegend Männer, jedoch auch Frauen, die betrunken waren.

 

In den Dörfern, doch häufig auch in Städten, haben die Menschen oft kein fließendes Wasser oder Strom zur Verfügung (warmes Wasser erwähnen wir hier erst gar nicht). Wasser muss in großen, gelben Kanistern von entfernten Brunnen geholt und mühevoll zurück zum Haus getragen oder transportiert werden. Häufig fragten wir uns, wie so kleine Kinder, die schweren Kanister überhaupt tragen konnten oder wie Männer so schwer beladene Fahrräder noch schieben konnten. Die gelben Wasserkanister, sind definitiv ein Sinnbild für Afrika. 

 

Für uns war das Brunnenwasser kein Trinkwasser. Wir mussten es deshalb mit Hilfe eines SteriPens aufbereiten. 

 

Die Flüsse in Uganda sind verschmutzt, da sie zum Waschen der Wäsche, der Autos, der Motorräder, der Menschen und gleichzeitig für Abwasser genutzt werden. 

 

 

In ganz Uganda sahen wir keine einzige Waschmaschine. All die Arbeit des Wäschewaschens, bleibt an den Frauen hängen. Wenn man beispielsweise daran denkt, wieviel Wäsche täglich in einem Hotel anfällt, dann hat man vielleicht eine kleine Vorstellung, wie hart der Alltag der Frauen ist. 

 

Meist wird in Uganda mit Holz und auf offenen Feuer gekocht, was bedeutet, dass natürlich auch das Holz gesammelt und nach Hause transportiert werden muss.

 

Viele Kinder gehen nicht zur Schule, da sie der Familie bei der Arbeit im Haus oder auf dem Feld helfen müssen. Kinderarbeit ist an der Tagesordnung! 

 

 

Wir sahen viele Menschen, die schwere, körperliche Arbeiten verrichteten und dabei giftigen Chemikalien, Unmengen von Feinstaub, Kohlenmonoxid und Abgasen ausgesetzt waren. Die Entlohnung für Arbeit in Uganda ist sehr gering. Der normale Durchschnittsverdienst liegt bei 1,70 Euro pro Tag (51,40 Euro im Monat). In einem Motel sprachen wir jedoch mit einer Frau, die nur 35,40 Euro im Monat verdiente. Menschen die in größeren Orten und Städten Arbeiten, haben oft keine eigene Wohnung. Sie leben mit ihren Kollegen unter einfachsten Bedingungen, rund um die Uhr, am Arbeitsplatz und nur selten können sie ihre Familien besuchen. Oft erlebten wir es auch, dass Frauen sich während ihrer beruflichen Tätigkeit, um die eigenen Kinder kümmern mussten.  

 

Viele Kinder gehen nicht zur Schule und deshalb ist der Bildungsstand im Land, spürbar auf einem sehr niedrigen Niveau. 

Es gibt keine Müllentsorgung, zumindest nicht so, wie wir sie kennen. Der Müll wird einfach verbrannt oder bleibt auf der Straße liegen. Die hygienischen Zustände sind oft katastrophal. Das Deutsche Gesundheitsamt würde die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und definitiv, alle Essenstände und Restaurants schließen. Trotz allem müssen wir fairer Weise sagen, dass wir bisher, weder in Kenia noch in Uganda, Magen-Darm-Probleme hatten. Vielleicht liegt es aber auch an dem Antibiotikum, dass wir täglich zur Vorbeugung gegen Malaria einnehmen. Ein fantastisches Gift! :)

 

 

Die Menschen in Uganda, waren für uns oft nicht einschätzbar. Zum Teil waren sie sehr freundlich, doch dann wiederum häufig sehr abweisend, ignorant und ohne jegliche Mimik und Ausdruck. 

Wenn wir durch die unzähligen Dörfer radelten und die Menschen uns entdeckten, reagierten sie regelrecht hysterisch. Sie schrien durch die Gegend und alarmierten oder informierten die anderen Dorfbewohner, mit einem kreischenden „Mzungu, Mzungu!“. Daraufhin kamen alle zum Gaffen gerannt. Wenn wir irgendwo anhielten, kam es häufig zu Menschenaufläufen. Vermutlich hatten viele der Einheimischen, noch nie einen Menschen mit weißer Hautfarbe gesehen. Es kam uns vor, als wären wir ins Mittelalter katapultiert worden und einer Menschenschau ausgesetzt.

Manchmal kam es vor, dass Kinder und Erwachsene, schüchtern und aus Neugierde, unserer Haut und Haare berührten. 

Selbst kleinste Kinder riefen schon „Mzungu give Money!“, denn weiße Haut bedeutet in den Augen der Schwarzen, Reichtum. 

Wir bewegten uns in Uganda abseits der Touristenrouten, dadurch waren wir immer im wahren Leben, der einheimischen Bevölkerung unterwegs. Ungeschönt! Wir sahen auf unserer Reise keine weiteren Mzungus. 

 

Wahlplakat für die Regierung unter Yoweri Museveni.

 

Wahlen in Uganda

 

Seit 40 Jahren regiert in Uganda der gleiche Präsident: Yoweri Museveni. Während unseres Aufenthaltes in Uganda, trat er zur Wiederwahl an. 

 

Einige Tage vor der Wahl, wurde der Internetzugang im Land abgeschaltet.

Die ugandische Kommunikationsbehörde hatte die Telekommunikationsunternehmen dazu aufgefordert, das Internet im Land umgehend abzuschalten. Zur Begründung hieß es, damit sollten falsche Informationen eingedämmt und Wahlbetrug verhindert werden. 

 

Menschenrechtsorganisationen gingen hingegen davon aus, dass es Regierungskritikern schwer gemacht werden sollte, Informationen auszutauschen und sich zu organisieren. 

Die Wahlkampfveranstaltungen von Oppositionskandidaten wurden von Sicherheitskräften eingeschränkt und teils brutal zerschlagen. 

Bereits bei der vergangenen Wahl in Uganda - vor fünf Jahren - hatte die Regierung von Präsident Museveni ebenfalls eine Internetsperre angeordnet. Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Vorgehen als Verletzung der Meinungsfreiheit.

 

Opositionen haben in Uganda keine Chance!

 

 

 Die Tage auf dem Rad in Uganda

 

 

Von Kenia nach Uganda - 02. Januar 2026 

 

Von Ugunja (Kenia) bis zur Grenze zu Uganda, waren gute 40 Kilometer, auf einer der gefährlichsten Straßen Kenias, zu Radeln. Die frühen Morgenstunden waren wunderschön, denn alles lag in einem tropischen Dunst und die Temperaturen waren angenehm warm. Wir radelten über einen großen Fluss, mit braunem Wasser, der ein Paar ordentliche Stromschnellen mit sich führte. 

Die Straße zur Grenze Kenia/Uganda war tatsächlich ziemlich gefährlich, da es keinen Seitenstreifen gab. Auf der Fahrbahn waren jede Menge Trucks und verrückte Autofahrer unterwegs, die riskante Überholmanöver absolvierten. Häufig fuhren wir neben der Fahrbahn im Sand oder auf Schotter. Die Landschaft um uns herum saftig grün und die Erde tief rot. 

 

Nach circa 15 geradelten Kilometern, die Hügel auf und ab, suchten wir nach einem geeigneten Platz für ein Frühstück. Einige Meter neben der Straße, stand neben einem Maisfeld eine kleine Kirche. Es sah schön ruhig aus. Wir ließen uns nieder und kramten Kocher und Töpfe aus den Radtaschen heraus. Es dauerte jedoch nicht lange, da kam eine Frau gelaufen und gesellte sich zu uns. Zeitverloren beobachtete neugierig was wir taten. Wir erklärten der Frau unseren Kocher und zeigten ihr, wie wir Kaffee und Müsli darauf zubereiteten. Aus dem Maisfeld kamen nun noch ein kleines Mädchen und ein kleiner Junge gelaufen. Auch sie sahen nun gespannt zu, was wir machten. Als der Kaffee und das Müsli endlich fertig waren, kamen noch vier weitere Kinder und ein Mann aus dem Dorf hinzu. Während wir nun unsere Frühstücks-Kochshow vorführten, bestieg im Hintergrund ein Bulle eine Kuh. 

Wir teilten unser Müsli und den Kaffee mit den Kindern, der Frau und dem Mann. Die Frau teilte den Müsli-Brei auf und gab ihn den Kindern einfach in die Hand. Die Kids probierten und machten lange Zähne, denn noch nie zuvor hatten sie so etwas merkwürdiges wie Müsli gegessen. Die Frau hingegen fand es interessant und löffelte den Rest aus dem Topf. Anschließend verteilten wir noch eine kleine Packung Kekse für alle. Die Verpackung wurde einfach auf den Boden fallen gelassen. Wir sammelten sie wieder auf. 

 

Die Frau erzählte uns während des Frühstücks, dass sie mal in Nairobi für eine Amerikanerin, als Hausfrau gearbeitet hatte, die jedoch wieder zurück in die Staaten ging. Nun fragte uns die Frau, ob wir auch eine Haushälterin hätten. Wir Radmiezen lachten, verneinten und sagten ihr, dass wir von Wäsche waschen, über putzen und kochen, alles selbst machen. Die Frau war sehr verwundert, denn schließlich sind wir doch Weiße!

Dann fragte sie nach Arbeit in Deutschland, denn ihre älteste Tochter war 18 und fand in Kenia keine Arbeit. Am liebsten hätte sie uns ihre Tochter mit nach Deutschland geben. Wir erklärten ihr jedoch, dass das nicht so einfach wäre. 

 

Unter den Augen der neugierigen Zuschauer, packten wir unseren Kram wieder zusammen und radelten weiter. Kichernd ließen wir unser Frühstück Revue passieren. In Afrika war man wirklich nie alleine.

 

"moderne Wohnanlage" 

Ganz sicher die reiste Sauna!

 

Nach weiteren 25 Kilometern, erreichten wir den quirligen Grenzort Busia. 

Es war der Wahnsinn, denn in Busia waren Himmel und Menschen los! Wir schlängelten uns durch das Gewusel von Leuten, Autos und Mopeds hindurch und radelten aufgeregt zur Grenze. Auch am Grenzübergang herrschte reges Treiben, von beiden Seiten. 

Aufwendig mussten wir unsere Radtaschen vom Fahrrad nehmen und durch einen Scanner schieben, während die gelangweilte Beamtin nicht einmal auf ihren Bildschirm sah. Wir sattelten wieder auf und gingen zum Haus für die Aus- und Einreise. Während eine von uns beiden draußen wartete und die Fahrräder und das Gepäck verteidigte, ging die andere von uns hinein. Die Ausreise aus Kenia und die Einreise nach Uganda, waren unproblematisch. Uns wurden nur wenige Fragen gestellt. Für die Einreise reichten wir lediglich unser Visum für Uganda und den Reisepass hin. Anschließend wurden noch unsere Fingerabdrücke genommen und der Stempel im Pass eingebracht. 

Spannender als die Einreise war jedoch das Programm, dass sich vor der Tür abspielte. Ich (Nadine) hatte alle Hände voll zu tun, mich lautstark und mit deutschen Schimpfwörtern, gegen die schrägen Vögel und Schlepper zu verteidigen, um sie mir vom Hals zu halten. Die Typen verschwanden nach meinem hartnäckigen und lauten Gepöbel. 

Auf der Straße tauschten wir noch schnell unsere letzten Kenianischen Schillinge gegen Ugandische Schillinge ein und verließen die Grenzstation. 

In der Hitze des Tages machten wir uns wieder auf den Weg und ließen das hektische und laute Busia hinter uns.

 

 

Wir hatten Durst und deshalb suchten wir unterwegs nach kalten Getränken. Doch nirgends gab es mehr Kühlschränke und auf ein warmes Soda hatten wir keine Lust. Wir tranken also weiterhin unser warmes Wasser. Irgendwann fehlte uns Energie. Unterzuckert hielten wir vor dem Haus einer Familie, die wie so oft  beisammen saß. Der Vater der Familie machte sofort zwei Sitzhocker für uns frei, stellte sie in den Schatten und bedeutete uns herüber zu kommen. Wir gesellten uns schüchtern und benommen von der Hitze zu der Familie. Wir waren so Banane im Kopf, dass es eine Weile dauerte, bis wir überhaupt etwas sagen konnten. Die Familie mit den vielen Kindern, war sehr nett und gastfreundschaftlich. Nachdem wir uns etwas erholt und mit ihnen erzählt hatten, verabschiedeten wir uns und fuhren weiter.

Die Strecke führte nun durch flaches, feuchtes, saftig, grünes Land und vorbei an Feldern, auf denen Reis angebaut wurde. Die vielen Kinder in den Dörfern schrieen uns wieder laut und aufgeregt „Mzungu, Mzungu!“ hinterher. 

Die Hütten und Häuser veränderten sich nun teilweise. Es gab einige hübsche traditionelle Lehmhütten, mit Strohgedeckten Dächern. Auf den Straßen Ugandas, lag nun noch mehr Müll wie in Kenia umher. Die Armut des Landes war sichtbar.

 

Nach rund 81 km geradelten Kilometern, erreichten wir an diesem Tag fix und knülle das Dorf Namayemba.

 

 

Von Namayemba nach Jinja (Uganda) - 04. Januar 2026

 

Kurz nach 7:00 Uhr saßen wir wieder auf unseren Rädern. An diesem Tag, standen bis zur Stadt Jinja, rund 80 Kilometer auf dem Programm.

Der Himmel war bis zum Mittag bedeckt, doch das machte nichts, denn bei über 35 Grad im Schatten, war dies sehr angenehm.

Es ging wieder durch eine hügelige Landschaft und an zahlreichen Zuckerrohr- und Reisfeldern vorbei, auf denen viele Menschen knochenharte Arbeit mit ihren Händen verrichteten.

 

Nach ungefähr 15 Kilometern, suchten wir nach einem ruhigen Platz zum Frühstücken. Wir nahmen dafür einen schmalen Weg abseits der Straße, der zuerst durch ein kurzes Stück Wald und dann zu riesigen Reisfeldern führte, auf denen gearbeitet wurde. 

Während wir uns ein Plätzchen im Gras suchten, sahen uns die Frauen und Männer, die auf den Feldern im knietiefen Wasser standen, irritiert an. Sie waren sichtlich überrascht, von dem Erscheinen der beiden „Mzungu-Damen“. Doch als wir die Menschen lieb grüssten und ihnen zuwinkten, lächelten sie und winkten zurück. Den Arbeitern die an uns vorbei kamen erklärten wir, dass wir einfach nur Frühstücken wollten. 

Wie immer kramten wir unsere Sachen aus den Radtaschen heraus und kochten Kaffee und Müsli. Während wir genüsslich unseren Kaffee schlürften, sahen wir den Arbeitern auf den Feldern zu.

 

Die Arbeit auf Reisfeldern ist körperlich extrem anstrengend, denn in der prallen Sonne es ist meist sehr heiß. Sehr häufig, so wie auch in Uganda, ist die Arbeit auf den Reisfeldern, traditionell mit Handarbeit und auch mit Kinderarbeit verbunden. Frauen, Männer und Kinder, setzen die Pflanzen im Schlamm, binden Bündel, tragen Stroh, klopfen die Körner aus, trennen die Spreu und Ernten. Das ganze birgt Risiken wie Schlangen, Insekten, giftige Chemikalien und Haltungsschäden. 

 

 

Nachdem wir den Menschen eine gute Stunde lang bei der harten Arbeit in den Reisfeldern zugeschaut hatten, bekamen wir ein richtig schlechtes Gewissen. Wie krass musste es wohl sein, den ganzen Tag über, in dieser gebückten Haltung Pflanzen zu setzen oder stundenlang durchs Wasser zu waten und dabei hochgiftige Pestizide zu versprühen. Die Menschen auf den Feldern hatten unseren größten Respekt. Wenn wir jetzt Reis kauften, sahen wir diesen mit anderen Augen.

 

Nach dem Frühstück radelten wir weiter durch das hügelige Land. Gegen Mittag knallte die Sonne bei 35 Grad, erbarmungslos vom Himmel. Wir schwitzten und trieften, trotzdem waren wir richtig gut drauf und bester Laune. 

 

Auf der Hauptverkehrsstraße (A1) Richtung Kampala, der Hauptstadt Ugandas, war mächtig was los. Viele Trucks, Autos und Motorräder, brausten an uns vorbei. 

 

Uganda hat im Vergleich zu Europa nur sehr wenige gut ausgebaute Hauptverkehrsstraßen. Der Großteil des Verkehrsnetzes besteht aus unbefestigten Pisten, was zu schönen Abenteuerreisen abseits der großen Städte führt. Wie auch in den Nachbarländern Kenia und Tansania herrscht in Uganda Linksverkehr. 

 

 

In Afrika ist wirklich immer was los! Langweilig wird es nie, denn Permanent gibt es kuriose Dinge zu entdecken oder zu erleben. Die Palette reicht von völlig überladenen Fahrzeugen, unzähligen bunten Märkten, Tieren am Straßenrand und Millionen Kindern, die „Muzungu, how are you?“ schreien. Man wird sozusagen den gesamten Tag, mit einer „afrikanischen Soap“ unterhalten. Oft konnten wir kaum glauben, was alles möglich ist und was man an einem Tag alles erleben kann. Afrikaner sind Überlebenskünstler und unglaublich kreativ. 

 

Nach rund 80 Kilometern auf der lauten, stressigen Schnellstraße, erreichten wir die Stadt Jinja. Jinja liegt im Osten Ugandas und am Nordufer des Viktoriasees. Die Stadt gilt als der Ursprung des Nils, da dort der Weiße Nil als Ausfluss aus dem Viktoriasee beginnt. Der Nil startet in Jinja seine etwa 6.650 Kilometer lange Reise Richtung Mittelmeer.

 

In Jinja fanden wir ein sehr nettes Guesthouse, mit einer sehr netten Gastgeberin. Als wir ankamen zeigte uns die Dame alle Zimmer, denn wir waren die einzigen Gäste. 

 

 

Von Jinja nach Zirobwe (Uganda) - 06. Januar 2026

 

Am Morgen klingelte unser Wecker wie gewohnt um 6.00 Uhr. Draußen war es noch dunkel. Als wir das Licht im Zimmer des Guesthouses anknipsen wollten, stellten wir fest, dass mal wieder der Strom ausgefallen war. Unter dem Schein unserer Solarlampen, packten wir zusammen.

Gegen 7:00 Uhr radelten wir los und verließen die Stadt Jinja über die große, moderne Brücke, die über den Weißen Nil führte und die von Japan erbaut wurde. Unsere Gastgeberin hatte uns zuvor gewarnt, dass wir die Brücke nicht einfach fotografieren dürften, sondern zuvor die Polizei fragen müssten, denn man hatte Angst, dass Terroristen einen Anschlag auf die Brücke planen könnten.

Als wir die Brücke am Morgen mit unseren Fahrrädern erreichten, wurden wir von den Polizisten angehalten. Sie informierten uns darüber, dass man weder mit dem Fahrrad, noch mit dem Moped oder mit dem Tuk Tuk hinüberfahren durfte und dafür die alte Brücke nutzen sollte. Doch die Polizisten kniffen beide Augen zu und meinten, dass wir den Fußweg über die Brücke nehmen dürften, allerdings nur wenn wir die Fahrräder schieben. 

 

Wir zeigten uns daraufhin einverstanden und liefen los. Am Vortag hatten wir vergeblich versucht, an das Ufer des Nils zu gelangen, um den Fluss aus der Nähe zu sehen und zu fotografieren. Doch überall waren die Zugänge verbaut. Nun liefen wir endlich zu Fuß über den Nil, durften ihn aber nicht fotografieren. Wir schmunzelten mal wieder.

 

Nach der Brücke sattelten wir wieder auf und verließen die Stadt Jinga. Es ging gleich ziemlich steil und sportlich über eine Hügelkette. Schnell waren wir aus der Puste. Es war ein heftiges „Warm Up“!

Nach gut 15 geradelten Kilometern, suchten wir wieder nach einem geeigneten und ruhigen Platz für ein Frühstück. Das war bei der hiesigen Bevölkerungsdichte, kein leichtes Unterfangen. Doch vor einem geschlossenen Kirchenhaus, fanden wir ein hübsches Plätzchen, unter schattigen Bäumen. Die Menschen grüssten und winkten uns aus der Ferne zu. Es dauerte allerdings nicht lange, bis zwei junge Mädchen auftauchten und sich still, schüchtern und neugierig, zu uns gesellten. Die beiden sahen zu, wie wir unser Frühstück zubereiteten. Wir gaben den Mädchen Kekse und schlürften unseren Kaffee. Anschließend teilten wir auch unser Müsli mit den beiden. 

 

 Wir wollten die Hauptstadt Ugandas, Kampala, im großen Bogen umfahren. Die Strecke führte deshalb nun über nicht asphaltierte, rote, staubige Pisten. Als wir den Abzweig nahmen, war auf der Piste zunächst die Hölle los. Es gab mächtig viel Verkehr. Die vorbeifahrenden Trucks, Autos und Mopeds, bliesen uns den roten Staub der Piste um die Ohren. Wir fluchten, doch irgendwie machte es auch Spass. Es war das reinste Abenteuer! 

In einem der Dörfer die wir durchquerten, gab es sogar ein Kamel. In einem anderen Dorf stand eine riesige Moschee mit goldenen Kuppeln und in einem weiteren Dorf, gab es einen verkleideten Entertainer, der den Kindern und Erwachsenen etwas vorsang und tanzte. Wir hielten an und gesellten uns zu den Zuschauern. Wir amüsierten uns prächtig, denn der Entertainer war wirklich witzig. Die vielen Kinder um uns herum, hatten allerdings eher Augen für die beiden Mzungus und weniger für den Clown. Bevor wir weiter radelten, gaben wir dem spaßigen Clown noch etwas Geld und eine Limo. 

 

 

Nach einem anstrengenden auf und ab, auf der staubigen Piste, erreichten wir unser Tagesziel, das Dorf Zirobwe. Zur Begrüßung liefen wieder unzählige Kinder neben uns her und schrieen wie immer „Mzungu, Mzungu!“ 

Knülle erreichten wir das Guesthouse im Dorf. Als wir ankamen, sahen wir aus wie Sau. Staubig aber unglaublich glücklich! 

 

 

Von Zirobwe nach Semuto (Uganda) - 07. Januar 2026

 

Als wir am Morgen starteten, lag die Landschaft noch in tropischen Dunst und Nebel, doch die Temperaturen waren sehr angenehm. Allmählich kämpfte sich die Sonne durch. Die Piste auf der wir fuhren, war nach wie vor nicht asphaltiert und führte über Hügel, rauf und runter. 

Für unser Frühstück kauften wir am Straßenrand zwei reife Mangos, die überall in der Gegend an den Bäumen wuchsen. Zwischen Eukalyptusbäumen und Palmen breiteten wir uns aus und kochten wie immer Kaffee. Wir ließen uns Zeit und genossen das einsame Frühstück in der Natur. Allmählich wurde es heißer. 

 

Nach einer guten Stunde radelten wir weiter. Der Radtag hatte es in sich, denn die Strecke führte über Schotter und hatte steile Anstiege und Abfahrten zu bieten. Zudem war die Piste durch die Regenzeit ausgespült, sodass große Gesteinsbrocken aus dem festen, lehmartigen Untergrund herausschauten und zu überwinden waren. Wir holperten mühevoll und triefend vor uns hin und durchquerten dabei eine schöne, üppige Landschaft mit zahlreichen Bananestauden, einigen Reis-,  Mais- und Zuckerrohrfeldern und lebendigen Dörfern, in denen uns Kinder und Erwachsene wieder laut „Mzungu, Mzungu, Mzungu“ riefen. Wir konnten es schon jetzt nicht mehr hören, obwohl die Kinder wirklich süß und meistens sehr schüchtern waren. 

Unterwegs sahen wir einen großen Jabiru, neben uns durch ein Feld waten. Wir hielten an und beobachten still und leise den riesigen Storch. Später flitzten noch zwei große Otter vor uns über die Piste. 

 

Für diesen Tag hatten wir uns ein Ziel von über 70 Kilometern gesteckt, doch schon gegen Mittag war klar, dass das unter diesen harten Radbedingungen illusorisch war. Zwischendrin machten wir erschöpft und unterzuckert Pause am Straßenrand. Trotz allem war die Piste die über Land führte, ganz sicher tausend mal schöner und sicherer, als der Weg durch die Hauptstadt Kampala. 

 

 

Am Nachmittag erreichten wir nach 54 hart erarbeiteten Kilometern, das Dorf Semuto. Das Dorf war voller Müll und Staub und sah mit seinen Bretterbuden typisch afrikanisch ranzig und lumpig aus. Wir suchten nach unserem Hotel. Als wir in die Gasse fuhren, die zum Hotel führte, konnten wir uns wie so oft nicht vorstellen, dass am Ende der Straße noch irgendetwas ansprechendes existieren könnte. Doch tatsächlich tauchte hinter all den Müllbergen das Hotel auf. In Sachen Hotel hatte Elli wieder den richtigen Riecher, denn als wir den Hof betrachten, wurden wir in ein völliges Kontrastprogramm gebeamt. 

 

Unter der Dusche schrubbten wir uns den Staub und Dreck vom Köper. Frisch gewaschen zu sein, fühlte sich einfach paradiesisch an! 

Wir gingen hinunter in den Garten, in dem sich ein kleines Restaurant befand und bestellten dort einen riesigen frittierten Nilbarsch, mit Fritten und Salat. Der Fisch war mächtig groß, doch wir waren so hungrig, dass wir alles in null Komma nix weggeatmet hatten. 

 

Von Semuto nach Mityana (Uganda) - 08. Januar 2026

 

An diesem Morgen klingelte unser Wecke wie üblich um 6.00 Uhr. Wir waren knülle und alles tat weh. Am Vortag war ich (Nadine) auf der rutschigen Schotterpiste gestürzt. Durch den Sturz hatte sich das Leiden, dass ich eh schon seit Jahren mit mir, zwischen Oberschenkel und Hintern herumtrug, verstärkt. Doch für die Not gab es ja Schmerztabletten. 

Gegen 7:00 Uhr waren wir startklar und verließen das Hotel. Wie so oft dieser Tage schliefen wir für die gegebenen Verhältnissen in einem luxuriösen Hotel, mit fließenden Wasser und Strom (zumindest, wenn er nicht ausgefallen war). Wenn wir dann morgens aus unserem Hotel oder Gästehaus, hinaus auf die vermüllte Lehmpiste traten, standen wir plötzlich, in einer völlig anderen, katastrophalen Welt. Fast jeden Morgen erinnerte uns die Szenerie, an die Serie „Fallout“. Es fühlte sich an, als würden wir den Bunker „Vault 37“, in dem man wohl behütet im Luxus lebte verlassen und hinaus in die Apokalypse treten, in das Chaos und die Zerstörung, nach der Atomaren Katastrophe. Der Kontrast hätte wirklich nicht größer sein können. Doch es war keine Netflix-Serie, sondern das wahre Leben in Uganda. Es dauerte immer einen Moment, bis wir uns wieder an alles gewöhnt hatten. 

 

 

Wir radelten los und rüttelten weiter auf der staubigen Piste entlang. Die Anstiege waren knüppelhart und die Abfahrten auf dem losen Schotter sehr rutschig. Wenn LKW‘s an uns vorbeifuhren, brachten wir uns so gut es ging in Sicherheit, denn wir hatten das Gefühl, dass die Fahrer nur darauf aus waren, jemanden umzubringen. Sie rasten in einem Affenzahn über die Piste, ohne Rücksicht auf Verluste und hinterließen dabei eine riesige Staubwolke. Wir sahen aus wie die Schweine! 

 

Wie immer schallte es auch an diesem Tag wieder aus allen Ecken: „Mzungu!, Mzungu!, Mzungu!“ Die Kinder machten daraus Lieder und sangen sie im Chor. 

Wir kurbelten durch eine hübsche Landschaft, vorbei an Tee- und Bananenplantagen und duftende Eukalyptus-Wäldchen. In einem der Dörfer hielten wir an, um etwas zu trinken zu kaufen. Auf dem Weg zum Kiosk kamen mir einige Kinder entgegen gelaufen. Ein kleiner Junge sprang mir sofort in die Arme. Ich fing ihn lachend auf. Als wir weiter radelten, half mir ein kleiner Junge sogar, einen steilen Anstieg hinauf zu kommen. Er rannte hinter mir her und schob dabei kräftig mein Rad den Berg hinauf. 

 

In einem anderen Dorf, wartete ich an einer kleinen Tankstelle im Schatten auf Elli. Sofort gesellten sich circa 10 Kinder zu mir, stellten Fragen und zottelten spielerisch an meinem Fahrrad herum. Ich ließ den ungezähmten Kids ihren Spaß und fanterte mit ihnen herum. Als Elli eintraf, stürzten sie sich neugierig auf ihr Fahrrad. Wir schossen mit den Kids noch einige witzige Fotos, dann verabschiedeten wir uns und fuhren weiter. 

Am Nachmittag erreichten wir endlich wieder die asphaltierte Hauptstraße und hatten damit die riesige und gefährliche Hauptstadt Kampala, auf dem Landweg perfekt umfahren. 

 

 

Von Mityana nach Mubende (Uganda) - 09. Januar 2026

 

Die Nacht im Apartment in Mityana war ein Graus, denn was wir zuvor nicht wussten war, dass das Guesthouse eine Bar hatte und Treffpunkt für Partys. Die Musik war krass laut und dröhnte aus den Boxen. Doch noch viel schlimmer war, dass die Kids scheinbar ein musikalisches Battle durchführten und verschiedene Musikstile gleichzeitig gegeneinander spielten. Es war die reinste Folter! Wir waren fix und alle vom dem anstrengenden und kräftezehrenden Radtag und bekamen nun kein Auge zu. Erst spät in der Nacht gab es den langersehnten Stromausfall, auf den wir insgeheim gehofft hatten. Trotzdem kamen wir in dieser Nacht kaum zur Ruhe. 

Als der Wecker um sechs Uhr klingelte, machten wir uns wieder müde und mit Übelkeit auf den Weg. Zum Glück standen an diesem Tag nur 70 Kilometer auf einer gut asphaltierten Straßen an. Zumindest dachten wir das... 

 

Als wir auf unseren Bikes starteten, war die A109, die von der Hauptstadt Kampala nach Fort Portal führt, tatsächlich erstaunlich gut in Schuss. Wir waren guter Dinge und trotz der vielen Anstiege kamen wir gut voran. Vorerst radelten wir durch dicken Nebel, der über den Feuchtgebieten und Sümpfen hing. Als sich der Dunst allmählich auflöste und die Sonne zum Vorschein kam, suchten wie uns neben der Straße, an einem Teich, zwischen Bananenstauden, einen Platz zum Frühstücken. Wir kramten wie immer unseren Kocher aus der Radtasche und bereiten uns Müsli und Kaffee zu. So langsam kamen wir in die Gänge. 

 

 

Nach dem Frühstück radelten wir noch einige Kilometer auf einer prima asphaltierten Straße, doch dann war plötzlich Schluss. Für circa 15 Kilometer folgte nun eine Piste, die der Albtraum war. Aus irgendeinem bescheuerten Grund hatten die Jungs vom Straßenbau, die scheinbar keine Ahnung hatten, super feinen, schneeweißen Sand (wie Sand am Strand), auf die nicht asphaltierte Lehmpiste gekippt und das ganze mit groben Kies bestreut. Auf unseren Rädern konnten wir in dem feinen und tiefen Sand kaum fahren. Doch viel schlimmer war es für die Anwohner neben der Piste, denn die vorbei donnernden Trucks und Autos hinterließen riesige Feinstaubwolken, sodass die gesamte Umgebung und Landschaft neben der Piste weiß war, einschließlich uns. Zudem schleuderten sie den Kies, der auf dem Sand verteilt war, mit Wucht durch die Gegend. Eine gefährliche Sache! 

 

 

Irgendwann kamen wir mit unseren Bikes in dem tiefen Sand, die Anstiege nicht mehr hinauf und mussten deshalb unsere schwer beladenen Eisenkühe, nun durch den weißen Nebel schieben. Nach einigen Kilometern waren wir fix und fertig und sahen uns deshalb nach einem alternativen Weg um, bis auf der Hauptstraße, einige Kilometer weiter, vielleicht wieder mit festen Untergrund zu rechnen war. 

Wir nahmen also einen kleinen Abzweig, der vorerst auf einer gut fahrbaren Lehmpiste, an Feldern entlang führte. Irgendwann wurde der Weg jedoch immer schmaler. Laut fluchend kämpften wir uns fortan durch Büsche und Dornen, bis der Weg nicht mehr befahrbar und nur noch ein bewucherter Trampelpfad war. Zerschunden, zerkratzt und blutend, traten wir wieder den Rückzug zur staubigen Piste an und zickten uns dabei mächtig an. Für unseren kleinen Ausflug hatten wir viel Zeit verschenkt, um am Ende doch wieder auf der Piste zu landen und durch tiefen Sand und Staub zu schieben. 

 

Nach circa 10 Kilometern hatten wir es endlich geschafft. Nun wurde aus der Sandstrandstraße, ein Flickenteppich der aus einer Mischung von festem Lehm und Asphalt bestand. Doch zumindest kamen wir nun wieder voran.

 

Streetfood: Ein gehaltvoller "Rolex", der uns so manches Mal einen Energieschub verpasste.

 

Von wegen entspannter Radtag auf Asphalt… Die Strecke hatte es mächtig in sich! Ausgepowert und unterzuckert hielten wir in einem kleinen Dorf und stürzten uns hungrig auf einen kleinen Stand, der Rolex verkaufte. Ein Rolex ist ein Chapati (Fladenbrot), das mit Omelett, Zwiebeln und Tomaten gefüllt ist. Sozusagen ein salziger, gefüllter Eierkuchen. Ein Muss für Streetfood- und Kalorien-Liebhaber. Wir ignorierten wie immer die hygienischen Zustände bei  der Zubereitung des Rolex und schlangen den gehaltvollen Wrap, genüsslich in uns hinein. Und natürlich hatten wir dabei wieder jede Menge Zuschauer. Die Leute sahen uns an, als kämen wir von einem anderen Planeten. Doch man gewöhnt sich an alles…

 

Die "Rolex-Streetfood-Küche". Hygienisch einwandfrei... :) !!!

 

Nach circa und 76 Kilometern und 11 Stunden auf dem Rad, freuten wir uns auf eine Dusche, im „Joy Forest Camp“. Das Camp war eine Unterkunft die nette Bewertungen hatte. Doch als wir gegen 17:30 Uhr dort eintrafen, war die Unterkunft alles andere als nett. Eine korpulente Dame zeigte uns ein schäbiges Zimmer, ohne fließendes Wasser, für das sie auch noch einen horrenden Preis verlangte. 

Es war schon spät. Die Sonne ging allmählich unter und wir waren fix und knülle. Trotz allem wollten wir die Nacht auf keinen Fall in so einem schmutzigen Loch verbringen, zumal wir dringend eine Dusche nötig hatten und total verdreckt und verstaubt waren. Wir stiegen also wieder auf unsere Bikes und kämpften uns weiter triefend über die Berge, zur nächsten Unterkunft. Als wir dort ankamen, waren die Türen jedoch verschlossen. Enttäuscht sahen wir uns an. Es half nichts, wir mussten schnell weiter, um nicht in der Dunkelheit noch auf der Straße zu sein. Wieder kurbelten wir über Berge und zum nächsten Motel. Es sah tatsächlich vielversprechend aus. Wir gingen hinein und fragten nach einem Zimmer. So dreckig wie wir aussahen, überlegte sich die Dame jedoch schnell, dass ihre Zimmer alle ausgebucht waren. Wieder trabten wir enttäuscht davon, zumal wir für die unglaublichen Straßenverhältnisse in Uganda mit all dem Staub und Dreck nichts konnten. Wir fuhren schnell weiter. Nach einigen Kilometern erreichten wir mit Einbruch der Dunkelheit die Stadt Mubende und hofften nun mit ein bisschen Glück, auf ein halbwegs sauberes Zimmer mit Dusche in einem Motel. Während Elli vor der Tür des Motels mit eigener Bar, mit unseren Bikes wartete, ging ich hinein und fragte nach einem Zimmer. Die Dame die mir auf dem Hof die kleinen Zimmer des Motels zeigte, verzog keine Miene und war auch nicht besonders freundlich. Doch auch das war inzwischen egal, denn wir mussten unbedingt einen sicheren Schlafplatz für die Nacht finden. Zum Glück waren die Zimmer erstaunlich sauber und noch dazu sehr günstig. Allerdings war es nicht erlaubt, dass wir beiden Frauen zusammen in einem Zimmer schliefen. Wir waren also gezwungen zwei Zimmer zu nehmen. 

 

 

Nachdem wir im Hotelzimmer geduscht hatten, wuschen wir noch schnell unsere verdreckte Wäsche. Danach gingen wir hinüber in die Bar. Wir waren so glücklich, dass wir diesen Tag irgendwie „gerockt“ hatten und tatsächlich noch ein Zimmer für die Nacht gefunden hatten, dass wir uns zu Feier des Tages, zwei kalte Bier und dazu gegrilltes Chicken mit Chips bestellten. Aus den Boxen dröhnten chillige Afro-Beats.

Irgendwann brachte uns die Kellnerin noch zwei Biere, die wir nicht bestellt hatten. Wir schauten die sie verwirrt an. Dann sagte die Kellnerin, dass wir eingeladen wurden. Wir fragten daraufhin: „Von wem? Und sie antwortete: „From the black men!“ Wir lachten und stoßen erneut auf diesen irren Tag an. Der Abend ging feucht fröhlich und heiter weiter, denn uns wurde noch mehr Bier spendiert und die jungen Typen flirteten mit uns alten Schachteln, was das Zeug hielt. Für ein Ticket nach Europa spielte das Alter keine Rolle. 

Gut zurecht gemacht verabschiedeten wir uns zu später Stunde von den Jungs. Elli legte fast noch einen Flick Flack in der Bar hin und fiel dabei in die Arme der Typen die uns eingeladen hatten. Alle kreischten und juchzte laut auf. Elli hatte für die Stimmung alles gegeben. Die Jungs hakten uns unter die Arme und brachten uns wankende Damen kichernd zu den Zimmern. Mit einem direkten „We don’t check the room together!!!“, verabschiedeten wir uns lachend von den Typen. Am nächsten Tag folgte Katerstimmung…

 

Ein feucht, fröhlicher Abend in Mubende. Erst Partystimmung, dann Katerstimmung...

 

Von Mubende nach Ntusi (Uganda) - 11. Januar 2026

 

Unser Wecker klingelte an diesen Morgen schon um 5.00 Uhr. Wir packten zusammen und sattelten unsere Pferde. Draußen war es noch Dunkel. Der Wachmann des Motels mit Bar, hielt uns die Türen auf. Wir sagten Tschüss und radelten los. 

Wir waren eine Stunde früher wie sonst gestartet, da wir Angst hatten, dass uns am Ende des Tages wieder die Zeit fehlen würde, um einen sicheren Schlafplatz zu finden. 

Die ersten 17 km auf der asphaltierten Hauptstraße liefen prima und besser als gedacht. Es war schon hell, als wir den Abzweig Richtung Süden nahmen. Nun ging es wieder auf einer unbefestigten Piste entlang. Zum Glück war die Beschaffenheit der Piste vorerst gut. Allerdings gab es nun auch heftige Anstiege und Abfahrten. Nach rund 25 geradelten Kilometern, legten wir am Straßenrand, zwischen Bananenstauden und Mais, eine Frühstückspause ein. Wieder dauerte es nicht lange, bis Kinder kamen und schüchtern und still zusahen, was wir machten. 

Wir gaben ihnen je einen Bonbon in die Hand. Als wir zusammenpackten, verließen uns die Kinder, doch dann kamen sie nochmal zurück und fragten nach Geld. Das war nicht sehr nett und wir ließen es sie spüren.

 

 

Wir radelten weiter. Mit den steilen Anstiegen und Abfahrten, hatte es der Tag wieder in sich. Wenn Trucks oder Autos an uns vorbei bretterten, versanken wir in Staub und Nebel. Wir kurbelten durch unzählige Dörfer. Ein Dorf folgte dem nächsten. 

Die Landschaft änderte sich und wurde karger und trockener. Riesige Kakteen standen in der Umgebung. Die Gegend erinnerte an Arizona. 

In einem der Dörfer die wir durchfuhren, gab es wieder einen Stand der „Rolex“ (gefüllte Chapati) verkaufte. Wir waren hungrig wie die Löwen und hielten deshalb an. Als wir an der kleinen Baracke bestellten, versammelte sich wieder das halbe Dorf um uns herum. 

Wir packten die beiden frisch zubereiteten „Rolex“ in unsere Radtaschen, kauften schnell noch Wasser und flüchteten aus dem Dorf, um etwas außerhalb, in Ruhe und ohne Beobachtung essen zu können. 

 

 

Nachdem wir gegessen hatten radelten wir weiter. Es ging nach wie vor sportlich zur Sache. Ich fuhr voraus und wartete des Öfteren auf Elli. 

Als ich wieder einen fetten Anstieg, ohne vom Rad zu steigen, geschafft hatte, erreichte ich ein kleines Dorf. Ich stellte mein Rad ab und wurde sogleich von den vielen Kindern und Erwachsen im Dorf umringt und empfangen. In der Dorfgemeinschaft gab es einen Mann, der uns zuvor schon auf der Piste mit seinem Moped, an uns vorbeigefahren war. Auf mich wirkte er wie der Guru des Dorfes. Er hatte eine gewisse Aura. Der „Guru“ blickte mir in die Augen und sagte  daraufhin ruhig und klar: „You are free!“ Und ich antwortete mit einem breiten Lächeln im Gesicht: „Yes, i‘m free!“

Der „Guru“ hatte dies mit viel Respekt zu mir gesagt und schüttelte meine Hand.

Ich setzte mich zwischen die Dorfbewohner und bat einen jungen Mann uns zu fotografieren. Er war begeistert von meinem Handy und riss es mir sofort aus der Hand, um zu fotografieren und zu filmen. 

Der „Guru“ war nett und er hatte ganz gewiss eine besondere Ausstrahlung, trotz allem hatte ich bei diesem Mann instinktiv ein ungutes Gefühl. Irgendwie ließ er die roten Lampen in mir aufleuchten.

Irgendwann traf auch Elli mit ihrem Fahrrad in dem kleinen Dorf ein. Wir verabschiedeten uns von den Bewohnern und radelten weiter. 

Der Himmel war nun Wolken verhangen, doch zum Glück begann es nicht zu regnen. Es tröpfelte nur.

 

 

Nach circa 80 harten Kilometern, erreichten wir am späten Nachmittag ein Dorf namens Ntusi. Wir hofften darauf, ein halbwegs sauberes Zimmer mit einer funktionstüchtigen Dusche zu finden. Wir stellten uns jedoch schon darauf ein, irgendwo im nirgendwo zelten zu müssen. In dem Dorf gab es eine Unterkunft, die wir uns nur von außen ansahen. Das reichte um zu entscheiden, dass wir lieber im Zelt schlafen wollten. 

Doch bevor wir das Dorf wieder verlassen und uns notgedrungen nach einem Zeltplatz umsehen mussten, brauchten wir dringend noch Wasser.

 

Ich lief hinüber zu einem kleinen Kiosk, während Elli bei den Rädern stehen blieb. Die Verkäuferin war nett und fragte mich neugierig wo wir herkamen und wo wir hin wollten. Die Frau wirkte auf mich sehr gebildet und gepflegt. Sie fragte mich daraufhin, wo wir übernachten wollten und ich sagte ihr, dass wir eigentlich nach einer Unterkunft im Dorf gesucht hatten, jedoch nicht fündig wurden. Dann sagte sie mir, dass es zwei Optionen gäbe: Die erste Option hatten wir uns schon angesehen. Doch nun empfahl sie uns 20 Meter weiter, gleich neben einer Tankstelle ein Guesthouse, dass nicht mit Schildern gekennzeichnet und völlig unscheinbar, hinter einem schwarzen Tor lag. 

Wir gingen hinüber und fragten die Dame auf dem Hof, nach einem Zimmer. Sie zeigte uns ein unverhofft,  sauberes und günstiges Zimmer mit Dusche. 

Happy schoben wir unsere Bikes auf den Hof. Wir duschten und kochten uns vor der Tür ein Abendessen. Während wir aßen und in der Landkarte stöberten, kam die nette Dame vom Guesthouse, mit dem Namen Alen, zu uns herüber und erzählte uns, dass sie 30 Jahre alt und die vierte Frau eines Mannes war, von dem sie drei Kinder hatte, die jedoch verstreut und irgendwo in Uganda lebten. Alen war inzwischen geschieden und arbeitete schon 7. Jahre für ihren Chef im Guesthouse. Er war „ganz ok“ und lies Alen zum Glück in Ruhe. Wie uns Alen weiter erzählte, verdiente sie nur sehr wenig Geld (circa 35,- Euro im Monat), doch wenigstens war sie nun frei.

Das alles stimmte uns sehr nachdenklich und machte uns betroffen. Uns wurde mal wieder bewusst, welch ein Glück wir mit unserem Leben als Frau, auf dieser Welt haben. Ohne etwas dazu beigetragen zu haben, wurden wir an einem wunderbaren Ort, mit einer vermeintlich richtigen Hautfarbe geboren und waren mit Bildung, Luxus und Frieden aufgewachsen. Noch dazu haben wir als Frauen Rechte, von denen man in anderen Ländern nur träumen kann.

 

 

Nach dem Abendessen auf dem Hof des Guesthouses, gingen wir nochmal zum Kiosk, um uns bei der netten Frau für die tolle Empfehlung des Guesthouses zu bedanken. Wir kauften bei der Dame zwei Soda. Sofort stellte sie daraufhin, zwei Stühle und einen kleinen Tisch für uns bereit. Wir nahmen Platz. 

Die Frau vom Kiosk war taff. Sie hatte einen lockeren Umgang mit ihren Kunden und den Dorfbewohnern. Um uns herum sprangen wie immer einige Kinder. Sie waren wirklich süß! Zwei Mädchen, die uns gegenüber vorerst sehr schüchtern waren kamen näher und  begannen damit, unsere Haare zu streicheln. Dann berührten sie neugierig unsere Haut. Es dauerte nicht lange, dann bekam Elli Küsschen ins Gesicht gedrückt. 

 

Später gesellte sich noch die halbe Familie der Frau vom Kiosk zu uns. Zwei Brüder, ihre Schwägerin und ihre kleine Nichte. Wir saßen mit der Familie und den süßen Kindern gemütlich vor dem Laden. Die Stimmung war toll. Einer der Brüder war etwas betrunken, doch er hielt sich im Zaum. Dann gesellte sich jedoch noch der Ehemann der netten Frau zu uns. Er war ein großer, schlanker Mann, mit der schönen Austrahlung eines Massai. Der Ehemann war ganz in weiß gekleidet und war definitiv eine Erscheinung. Leider war auch er sturzbetrunken und zerstörte nun die schöne Atmosphäre. 

 

Nachdem wir allmählich genug von dem betrunkenen Ehemann hatten, der sich mächtig aufspielte, verabschiedeten wir uns irgendwann von der Familie und den süßen Kindern und waren froh, dass wir so einen Typen nicht an der Backe hatten. Die überaus taffe und gebildete Frau, hatte tatsächlich unser Mitleid, denn noch bevor wir gingen, fragte uns ihr betrunkener Mann, wo wir übernachten würden und ob er mit uns kommen könnte. Er fragte dies im Beisein seiner Frau und es war definitiv ernst gemeint. Ganz sicher war dies eine gängige Praxis!

Unter dem Lächeln seiner Frau, erkannten wir Scham und Zorn. 

Dann fragte ihr Mann nach unserem Alter. Elli antwortete, dass sie 60 Jahre alt sei und einen 38 jährigen Sohn hatte. Ellis Sohn war somit genauso alt wie der Ehemann der Frau. Um uns herum begannen alle, schallend zu lachen. Das war eine schöne Backpfeife für den Trunkenbold!

 

 

Von Ntusi nach Lyantonde (Uganda) - 12. Januar 2026 

 

An diesem Tag standen wir gegen 5:40 Uhr auf. Groggi und mit müden Knochen packten wir unsere Sachen zusammen. Im Morgengrauen verabschiedeten wir uns noch von unserer netten Gastgeberin Alen. Sie tat uns Leid, genau wie die taffe Frau, mit ihrem kleinen Kiosk und diesem blöden Kerl an der Seite. Die Geschichten der Frauen in Uganda und das Leid das damit einher ging, beschäftigten uns sehr. 

 

Mit müden Muskeln radelten wir los. Wieder ging es die Berge rauf und runter, nur mit dem Unterschied, dass die Anstiege und Abfahrten jetzt noch steiler und kaum noch fahrbar waren. Es war brutal!!! Teilweise wussten wir wirklich nicht, wie wir die schwer beladenen Räder, die Anstiege hinauf bekommen sollten. Und was war eigentlich schlimmer? Fahren oder schieben? 

Nach circa 16 Kilometern, machten wir eine lange Frühstückspause. Zum Glück blieben wir ungestört und ohne Zuschauer. Nur in weiter Ferne waren Menschen zu sehen, die Kühe auf die Weiden trieben. 

An diesem Tag waren wir platt, denn auch die Radtage zuvor, hatten es schon mächtig in sich gehabt. Der Körper und die Muskeln konnten sich kaum erholen. 

Nach dem Frühstück, kämpften wir uns weiter. Die steilen, langen Anstiege, waren die Hölle. Die Piste führte nicht zwischen den Hügeln und Bergen entlang, sondern fast immer auf direktem Weg darüber hinweg.  

Es war so hart, dass wir uns nicht vorstellen konnten, wie wir die restlichen 43 Kilometer, bis zur Stadt Lyantonde, schaffen sollten und erst in Lyantonde war die Straße wieder asphaltiert. 

 

 

Immer wieder hielten wir an, um zu verschnaufen. Wir trieften. Unsere Klamotten waren super dreckig, denn nach wie vor, nebelten uns vorbei rasende Trucks, Mopeds und Autos ein. Auf den Rädern ging nur schleppend voran und wir zählten jeden einzelnen Kilometer. Uns beiden war von der Anstrengung speiübel. Die Muskeln waren unendlich müde. Unter dieser extremen Anstrengung rief es noch dazu aus allen Ecken: „Mzungu, Mzungu, how are you?“ Wir konnten es allmählich nicht mehr hören! Auch Männer auf den vorbeifahrenden Mopeds, nervten mit ihrem „Mzungu, how are you?“ und ihrem plumpen „Zzzzzz, Zzzzz-Gezische, um in den Dörfern auf sich aufmerksam zu machen. Es war schlimm!

 

In den Dörfern alarmierten, Kinder und Erwachsene die Nachbarn, um darauf aufmerksam zu machen, dass zwei Mzungus die Straße entlang kamen. Auch wenn wir nur kurz anhielten, kam das halbe Dorf gelaufen, um uns zu begaffen. Es war wie eine Menschenschau im Mittelalter und als wenn die Leute noch nie eine Weiße Person gesehen hätten. Vielleicht war es auch so, wir wissen es nicht. 

 

Gegen Mittag erreichten wir ein Dorf mit Tankstelle. Müde und fertig stellten wir unsere Räder ab. Es ging uns allmählich richtig auf den Kranz begafft und belächelt zu werden. Wir versuchten unser Umfeld zu ignorieren. Ich ging los und kaufte für uns zwei Rolex (Chapati mit Omelette und Tomaten) und zwei Pepsi. Nach einer langen Pause mit Beglotzung, kurbelten wir weiter. 

Irgendwann erreichten wir am Nachmittag, tatsächlich die Stadt Lyantonde. Nun hatten wir auch endlich wieder Asphalt unter den Reifen. 

 

 

Wir fanden ein nettes, günstiges und schönes Hotel.

Noch bevor wir duschten, brachten wir jedoch unsere Fahrräder zur Auto-Wäsche nebenan. Für umgerechnet 2,40 Euro, machten die coolen Jungs vom Car-Wash einen super Job. Unsere Räder wurden gekärchert und bekamen eine verdiente Schaumwäsche. 

Wir selbst waren super dreckig. Trotz allem sollten wir zwischendurch einer Familie für Fotos parat stehen. Sie legten Elli ihr süßes Baby in die Arme. 

Als unsere Räder blitzeblank waren, duschten wir endlich und schrubbten uns mal wieder den Dreck und Staub von der Haut. Währenddessen hatten die Angestellten vom Hotel, spontan Ilkas Schuhe gewaschen.

 

Bei Einbruch der Dunkelheit, machten wir uns noch auf die Suche nach etwas zu essen. Wir fanden einen tollen Straßenstand mit einem sehr netten und zuvorkommenden, gebildeten Inhaber, der uns auf einer kleinen Bank, zwischen umliegenden Grillständen und Müll platzierte. Er servierte uns je ein halbes, gegrilltes und anschließend frittiertes Hähnchen mit Salat und Fritten. Was für ein Genuss, nach solch einem Tag. Kalorien spielten keine Rolle !!!

 

 

Von Lyantonde zum Lake Mburo National Park - 15. Januar 2026 

 

Noch bevor unser Wecker um 6:00 Uhr, im Zimmer unseres Hotels klingelte, krähte uns der Muezzin, aus den Lautsprechern der gegenüberliegenden Moschee, aus dem Bett. Wir waren hundemüde, denn in der Nacht schrieen irgendwelche Leute vor der Tür laut umher, als wären sie alleine auf der Welt. Doch das laute Geschrei, wie auch laute Musik, gehören nunmal zur Mentalität der Afrikaner. In Sachen Geräuschkulisse scheinen sie ein dickes Fell zu haben und machen daher Rücksichtslos ihr Ding.

 

Auf dem Hof des Hotels, sattelten unsere Pferde. Wir ließen uns Zeit, denn an diesem Tag standen nicht sehr viele Kilometer auf dem Programm. Unser Tagesziel war das „Leopard Rest Camp“, dass vor den Toren des Lake Mburo Nationalparks lag. Bis dahin waren nur circa 26 Kilometer zu radeln. 

Bis zum Abzweig, der zum National Park führte, fuhren wir auf Asphalt. In einem Dorf, deckten wir uns noch mit Obst und Gemüse ein. Bei einem Jungen, der höchstens 13 Jahre alt war, kauften wir Tomaten, Zwiebeln, Mangos und Bananen. Als wir weiter radelten, nahmen wir den Abzweig zum National Park. Nun kurbelten wir wieder auf einer roten, unbefestigten Piste entlang. Es dauerte nicht lange, dann sahen wir schon die ersten Zebras. Wir hielten an und begafften sie, wie die Einheimischen uns Radmiezen-Mzungus. Die Region war wunderschön und genau so, wie man sich Afrika als Europäer vorstellt. Wir blickten über eine weite, hügelige Graslandschaft, mit roter Erde, grünen Akazien und riesigen Kakteen, in die Ferne. Rinder grasten am Wegesrand, Zebras standen im Schatten unter Bäumen und Antilopen streiften durch das hohe Gras. Es war herrlich ruhig und warm. Wir sahen uns nach einem Platz zum Frühstücken um. Wie immer kochten wir Kaffee und Müsli und genossen die Aussicht auf die Savanne. Es dauerte nicht lange, da kamen zwei Jungs gelaufen und setzten sich einige Meter neben uns ins Gras und gafften. Sie blieben wortlos und beobachtend sitzen, bis wir wieder zusammengepackt hatten und weiterradelten. 

Auf dem Weg zum Camp, kamen uns immer wieder Kinder entgegen gerannt, die fordernd zu uns sagten: „Mzungu, give me Money!“, oder „Mzungu, give me sweetys!“. Teilweise friemelten sie dabei ungeniert an unseren Taschen herum. Der fordernde Ton der Kinder gefiel uns ganz und gar nicht. Wir wiesen die Kids lautstark in die Schranken und gaben ihnen eindeutig zu verstehen, dass ihre Forderungen nicht nett und der falsche Weg waren. 

 

Elli und Gino im "Leopard Rest Camp,

vor den Toren des Lake Mburo National Park.

 

Als wir das „Leopard Rest Camp“ erreichten, trafen seit langem wieder auf Europäer. Seit Wochen hatten wir keine Weißen mehr gesehen. In dem Camp trafen wir sogar einen Reiseradler namens Gino. Gino kam aus Italien und war für insgesamt 7 Wochen, mit seinem Mountainbike in Uganda unterwegs. 

 

So wie auch Gino, zweifelten wir daran, ob es sich lohnen würde, den Lake Mburo Nationalpark zu besuchen, denn gemessen an den Lebensumständen in Uganda, war der Eintrittspreis unangemessen hoch. Noch dazu kam, dass man zwar mit dem Fahrrad, jedoch nicht alleine durch den Park fahren durfte. Man hätte also zusätzlich noch einen Guide engagieren müssen, der einem 2 Stunden lang die Welt erklären und nicht dort verweilen würde, wo wir es gerne wollten. 

Gino war der gleichen Ansicht, denn als Reiseradler sieht man doch sehr viele Tiere kostenlos und erlebt das Land und die Menschen viel intensiver als Touristen, die abgeschirmt in Hotels sitzen oder in Jeeps unterwegs sind. 

Wir entschieden deshalb, nicht in den National Park hineinzufahren, zumal das Camp und die Umgebung, schon ein Traum waren. Und zum ersten Mal seit Wochen, konnten wir im „Leopard Camp“ unser Zelt wieder aufstellen. 

In der Hitze des Nachmittags chillten wir ein wenig auf dem Rooftop des schönes  Restaurants und genossen die Aussicht über das weite Land. 

Kurz vor Sonnenuntergang machten wir noch einen langen Spaziergang, bei dem wir jede Menge Zebras und Antilopen beobachten konnten. Später saßen wir mit Gino noch gemeinsam in der offenen Küche und kochten uns etwas zum Abendessen. 

 

Die wunderschönen "Long Horned Cattles" in Uganda.

 

Pausentag am Lake Mburo National Park (Uganda) - 16. Januar 2026

 

Unter dem fantastischen, klaren Sternenhimmel, hatten wir in unseren Zelten, auf dem Gelände des „Leopard Rest Camps“, herrlich gut und ruhig geschlafen. Die Zikaden zirpten uns am Abend in den Schlaf. In der Nacht wurden wir allerdings, von lauten Geräuschen die Tiere verursachten geweckt. Wir konnten sie nicht zuordnen und schliefen wieder ein. 

Am Morgen verabschiedeten wir uns von Gino und brachen anschließen zu einer Wanderung durch die Savanne auf. Der frühe Morgen war perfekt. Die Sonne schien vom blauen Himmel. Wir streiften durch das kurze, feuchte Gras und trafen dabei auf unzählige Zebras und Antilopen. Es war einfach herrlich die wilden und frei lebenden Tiere, zeitverloren zu beobachten. Afrika zeigte sich nun von seiner schönsten Seite. 

 

 

Nach rund zweieinhalb Stunden waren wir zurück im Camp und Frühstückten. Die heiße Mittagszeit verbrachten wir dem wunderschönen, offenen und rustikalen Restaurant des Camps. Von der oberen Terrasse, genossen wieder die Aussicht über das weite und wunderschöne Land. 

Am Nachmittag streiften wir nochmals durch das Gras der Savanne. Auch diesmal sahen wir wieder unzählige Zebras und Antilopen, doch auch Affen, die durch die Bäume tobten und einige Warzenschweine. Die Zebras, Rinder, Ziegen, Antilopen und auch die Warzenschweine, grasten allesamt, friedlich nebeneinander. 

 

 

Vom Lake Mburo National Park nach Mbarara - 17. Januar 2026

 

Am nächsten Morgen klingelte unser Wecker im Zelt, schon um 5:00 Uhr. Draußen war es noch dunkel, doch angenehm warm. Wir schlüpften aus unseren Zelten und packten unter dem Schein unserer Stirnlampen zusammen. 

Alles war noch herrlich ruhig, denn die wenigen Gäste des Camps, lagen noch in den Federn. Wir kochten Kaffee und Müsli und sahen zu, wie der Tag erwachte. Gegen 7:00 Uhr radelten los. Auf einer nicht asphaltierten Piste, durchquerten erst ein kleines Dorf und anschließend ein Feuchtgebiet, in dem Antilopen ungestört grasten. Dann trafen wir plötzlich auf eine Gruppe Zebras, die direkt vor uns die Piste überquerten. Wir hielten an und fotografieren. Eines der Zebras kam nochmal hektisch zurückgelaufen, als wenn es etwas vergessen hätte. Wild hüpfte es vor uns umher. Wir amüsierten uns.

Als wir ein weiteres Dorf durchquert hatten, folgten wir wieder der Hauptstraße in Richtung Mbarara. Die Landschaft blieb nach wie vor hügelig, doch auf Asphalt waren die Anstiege kein Problem. 

 

In einem Dorf namens Sanga hielten wir an, um an einer Tankstelle Benzin zum Kochen zu kaufen. Gegenüber der Tankstelle befand sich eine Fleischerei, auf deren Dach zwei große Störche saßen. Als wir genauer hin sahen, entdeckten wir jedoch noch viel mehr Störche, die vor der Fleischerei Spalier standen und darauf warteten, dass ein Happen abfiel. Der Metzger sah, dass wir die Störche filmten und warf den gefiederten Spaßvögeln sogleich ein paar Stücken Fleisch zu. Die langbeinigen Aasfresser stürzten sich auf die blutigen Brocken und buhlten um den besten Platz am Stand.

 

 

Wir radelten weiter und durchquerten am frühen Nachmittag, die quirlige Stadt Mbarara. Unzählige Bauern transportierten auf überladenen Fahrrädern und Mopeds, frische Milch in silbernen Kannen und Bananenstauden in die Stadt, um sie dort an Sammelstellen abzugeben oder selbst zu verkaufen.

Auf der Fahrbahn ging es turbulent zu, doch wir radelten einfach mit dem Strom. 

 

Nach zwei traumhaften Nächten im Zelt, in der Natur, folgte nun wieder das Downgrade in ein schmuddeliges Hotel. Das Klo war so dreckig, dass wir es gleich mal putzen ließen. Ein dreckiges Klo ist definitiv ein „No Go“ für ein Hotel, doch scheinbar nicht in Afrika, denn wir erlebten es des Öfteren das die Toiletten nicht geputzt waren.

 

Von Mbarara nach Kahunga - 18. Januar 2026 

 

Die Nacht im Hotel war unruhig. Wir hatten deshalb schlecht geschlafen. Erst lief im Fernsehen Fußball, dann dröhnte laute Musik aus den Boxen und als endlich mal Ruhe einkehrte, wurde im Zimmer nebenan gepoppt. Über eine Stunde lang Gestöhne. Was für eine Nacht…

 

Wir packten unsere Sachen zusammen und radelten kurz nach 7:00 Uhr los. Die Landschaft lag noch in Nebel und Dunst. Als die Sonne aufging, zeigte sie sich als ein roter, feuriger Ball.

Es war unser vorletzter Tag in Uganda. Bis zur Grenze zu Ruanda, war es nicht mehr weit.

In einem der Dörfer die wir durchquerten, kauften wir für unser Frühstück, zwei zuckersüße Mangos, vier Bananen, eine große Papaya und eine Ananas. Alle Früchte waren aus der Umgebung. Obwohl die Verkäuferin uns nicht den richtigen Preis berechnete und mehr kassierte als besprochen, zahlten wir umgerechnet nur 1,22 Euro, für eine riesige Tüte Obst. 

Etwas abseits der Straße, fanden wir auf einer Wiese, ein ruhiges Plätzchen zum Frühstücken. Nur ein Graureiher stakste durch das grüne Gras. Nachdem wir das Obst geschält und Kaffee und Müsli gekocht hatten, kam plötzlich eine Herde Kühe, samt Hirten im Schlepptau, angetrabt. In Afrika war man eben nie alleine. 

 

Nach dem Frühstück kurbelten wir, vollgepumt mit Vitaminen, weiter auf der Straße entlang. Meist schlängelte sich die Straße durch üppig, grüne Täler, in denen überwiegend Bananen angebaut wurden. 

Nach rund 55 geradelten Kilometern, entdeckten wir beim vorbeifahren einen nettes Hotel. Das Klo war mal wieder nicht geputzt. Wir ignorierten es zur Abwechslung mal, denn wichtig war in dieser Nacht nur die Ruhe. 

 

 

Und zu guter Letzt:

 

Toiletten-Geschichten Uganda

 

Für alle die schon immer mal wissen wollten, wie die Klos am anderen Ender der Welt aussehen.

schön, schöner, am schönsten...