Wie ich (Nadine) das Land Mosambik erlebte:
Immer dann wenn mich die Leute ganz besonders vor einem Land warnen, werde ich hellhörig und denke: „Ach das klingt ja interessant. Dieses Land könnte ich ja eigentlich mal bereisen, um mir selbst ein Bild davon zu machen.“
Auch Mosambik gehörte zu den Ländern, vor denen die Menschen mich besonders warnten: „Dort gibt es Kämpfe und Tote!“, „Dort ist es wie in Malawi“, „Die Menschen in Mosambik sind nicht freundlich!“ „Du kannst dort nicht zelten, es gibt überall Landminen!“ „Das Land ist zu gefährlich!“ usw. …
Das was ich in Mosambik erlebte war jedoch genau das Gegenteil. Ich traf generell auf freundliche Menschen, die trotz ihres harten Lebens, noch ein Lächeln für mich übrig hatten und mir gegenüber stets sehr hilfsbereit waren. Ich fühlte mich niemals bedroht und hatte auch nicht das Gefühl, dass man mich bestehlen möchte.
Natürlich muss man in Mosambik, genau wie in allen anderen Ländern der Welt, die Grundregeln befolgen und stets aufmerksam und wachsam sein und seine Sachen im Blick haben. Das ist in der Heimat nicht anders wie hier in Afrika.
Beim Wildcamping gilt für mich immer der Grundsatz: „Was keiner weiß, macht keinen heiß!“, sprich: Wenn mich niemand sieht, weiß auch niemand das ich da bin! Bisher bin ich damit gut gefahren.
Das Thema Landminen ist in Mosambik seit circa 10 Jahren kein Thema mehr. Mosambik wurde im September 2015 offiziell für minenfrei erklärt. Insofern musste ich mir darüber auch keine Gedanken machen.
Es tat mir oft im Herzen weh, dass das Mosambik noch immer einen so schlechten Ruf hat, der durch Medien und Mundpropaganda geschürt wird.
Natürlich hat der jahrelange Bürgerkrieg in Mosambik seine Spuren hinterlassen. Etwas 46 bis 60 % der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Doch trotz allem machen die Menschen in Mosambik das Beste daraus.
In Sachen Tourismus ist Mosambik definitiv noch ein Geheimtipp für Natur- und Strandliebhaber, mit einer fast 2.500 Kilometer langen Küste am Indischen Ozean, mit unberührten Korallenriffen, artenreichen Nationalparks (wie dem Gorongosa-Nationalpark) und luxuriösen Inselresorts wie dem Bazaruto-Archipel.
Also falls ihr mal einen ganz besonderen und schönen Urlaub in den Tropen machen möchtet, dann traut euch nach Mosambik! Ihr werdet es nicht bereuen, denn das Land ist wunderschön!
Von Vilanculos nach Tofo - 01. - 03. Juni 2026
Von einem Strandparadies zum nächsten
Schweren Herzens verließ ich das traumhafte Strandparadies bei Vilanculos, am Bazaruto-Archipel. Doch ich tröstete mich mit der Aussicht auf das nächste Tropenparadies, Tofo-Beach.
Tofo-Beach war nur circa 300 Kilometer von Vilanculos entfernt. In drei Tagesetappen wollte ich das traumhafte Paradies auf der Halbinsel Barra erreichen. Ich trat also kräftig in die Pedalen, denn wer früher da war, konnte früher Urlaub machen :)
Die Red Dunes in Vilanculos sind eine spektakuläre Naturlandschaft aus leuchtend rotem Sand, die direkt an die azurblauen Gewässer des Indischen Ozeans grenzen.
Traumhaft schön!
Auf der N1 radelte ich nun wieder in Richtung Süden. Die Straße befand sich auf diesem Abschnitt in einem guten Zustand. Es gab sogar einen breiten Seitenstreifen und noch dazu wenig Verkehr.
Am ersten Tag radelte ich an unzähligen, großen Baobab-Affenbrotbäumen vorbei. Noch immer konnte ich mich an der Schönheit der riesigen, imposanten Bäume nicht satt sehen. Auf dem Rad triefte und tropfte ich in der prallen Sonne vor mich hin.
Tolle Landschaft mit hübschen Baobab-Affenbrotbäumen.
Am Abend des ersten Radtages nach Tofo-Beach, schlug ich mich etwas abseits der Straße wieder in die Büsche, um mein Zelt aufzustellen. Die Tage in Richtung Süden wurden allmählich kürzer. Auf der Südhalbkugel ging es dem Winter entgegen. Schon gegen 17:00 Uhr wurde es dunkel. Tagsüber war es heiß und drückend, während es in der Nacht extrem feucht und kalt wurde. Die Luftfeuchtigkeit entlang des Indischen Ozeans war extrem hoch und sie erhöhte sich sogar mit dem Untergang der Sonne, sodass das Zelt morgens pitschnass und alle anderen Sachen feucht und klamm waren. Erst gegen 10 Uhr am Morgen, wenn meine Sachen halbwegs getrocknet waren, konnte ich weiterradeln.
Wildcamping neben der Piste in Mosambik.
Am zweiten Radtag in Richtung Tofo-Beach, radelte ich zunächst wieder durch eine hügelige Landschaft mit großen Baobab-Affenbrotbäumen, doch dann folgten herrliche, tropische Kokos-Palmen-Wälder. Die Hügel hatten es allerdings wirklich in sich. Häufig ging es steil hoch und wieder runter. Es folgten viele Dörfer mit bunten Märkten. Am Straßenrand wurden viele Palmen-Produkte feil geboten. Es gab Kokosnüsse, geflochtene Elemente aus Palmenblättern, riesige Vasen die aus den Stämmen der Palmen gefertigt wurden und Kokosöl. Überall wurde zudem leckeres, tropisches und reifes Obst verkauft. Auf den zusammengeschusterten Tischen lagen Ananas, Papaya, Bananen, Orangen, Zitronen und vieles mehr.
Die tropische Landschaft mit den Palmenwäldern war wirklich traumhaft schön, doch die Anstiege hatten es unerwartet in sich.
Gegen 17:00 Uhr machte ich mich auch am zweiten Radtag nach Tofo-Beach, wieder auf die Suche nach einem Wildcampingplatz. Doch zwischen den lichten Palmen und den vielen Dörfern und Menschen, war es alles andere als einfach einen geeigneten Platz für die Nacht zu finden. Die Sonne ging allmählich unter und ich geriet dadurch mal wieder in Zeitnot. Doch dann entdeckte ich einen ruhigen Seitenweg, der zu einem Dorf führte. Rechts und links des Weges befanden sich Felder, mit höheren Maniok-Pflanzen. Genau in dem Moment als ich mich mit mit meinem Fahrrad in ein Feld schlagen wollte, kam ein Auto des Weges gefahren. Mist!
Der Pick Up hielt direkt vor meiner Nase. Im Wagen und auf der Ladefläche des Wagens saßen Arbeiter zwischen Kokosnüssen. Sie machten gerade Feierabend und fragten neugierig, ob ich Hilfe benötigte. Mit einem breiten Lachen fragte ich die Männer, ob es vielleicht möglich wäre, mein Zelt für die Nacht im Feld neben dem Weg aufzuschlagen. Der Fahrer des Pick Up’s antwortete daraufhin: „Okay…, no Problem. See you tomorrow!“ („Okay…, kein Problem. Wir sehen uns morgen.“) Phuuu…, das war einfacher als gedacht. Mit dieser entspannten Antwort hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.
Nachdem der Wagen weg war, hopste ich samt Fahrrad und Gepäck schnell ins Feld. Die Maniok-Pflanzen auf dem Acker hatten die perfekte Höhe. Obwohl dann doch noch viele Menschen den Weg zum Dorf entlang liefen, blieb ich unentdeckt. Zwar musste ich mich jedes mal ducken wenn jemand vorbei kam, doch das Zelt und das Fahrrad waren hinter den Pflanzen verdeckt. Wieder hatte ich eine gute und ruhige Nacht, doch es wurde nochmals extrem feucht und unerwartet kalt.
Wildcamping in einem Maniokfeld.
Immer wieder sah ich unter den Einheimischen in Mosambik Menschen mit Albinismus. Es waren so viele, dass es mir sehr merkwürdig erschien und ich das Handy in die Hand nahm, um etwas darüber zu lesen.
Tatsächlich tritt Albinismus in Mosambik und im gesamten südlichen Afrika deutlich häufiger auf als im weltweiten Durchschnitt. In Mosambik leben schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Menschen mit Albinismus. Sie stehen vor großen Herausforderungen. Aufgrund der intensiven tropischen Sonne sind sie stark von körperlicher Gewalt, Gesundheitsrisiken aber auch von Diskriminierung der Gesellschaft betroffen. Kinder mit Albinismus werden häufig von Gleichaltrigen und Lehrern gemobbt. Viele brechen die Schule aus Angst vor Entführung oder Schikane vorzeitig ab. Da Albinismus eine vererbte genetische Erkrankung ist, die durch einen Mangel an Melanin gekennzeichnet ist, fehlt es es den Betroffenen an natürlichen Sonnenschutz, was in der Intensiven mosambikanischen Sonne schnell zu Hautkrebs und Sehschwächen führt.
Auffällig viel Albinismus in Mosambik. (Fotos zur aus dem Netz)
Am dritten Tag in Richtung Tofo-Beach, radelte ich gegen 9:30 Uhr los. Zuvor trank ich den ein oder anderen Kaffee in der Sonne und wartete darauf das all meine Sachen und das Zelt in der Sonne trockneten.
Ich radelte wieder durch hübsche Kokos-Palmen-Wälder und durch ein hügeliges Land. Nach circa 44 Kilometern erreichte ich gegen Mittag verschwitzt die Stadt Maxixe. Von hier aus wollte ich mit der Fähre zur Halbinsel Barra und zur Stadt Inhambane übersetzen, um von dort aus noch weitere 20 Kilometer nach Tofo zu kurbeln.
Als ich am Hafen von Maxixe ankam, stand die Fähre schon bereit. Freudestrahlend kaufte ich mir ein Ticket, doch den Preis für den Transport meines Fahrrades, sollte ich mit den Fährmännern verhandeln. Damit ich von den Fährmännern nicht übers Ohr gehauen werden würde, informierte ich mich über den Preis den andere Radfahrer bezahlt hatten. Knallhart ging ich deshalb in die Verhandlung und machte einen großen Aufstand, als der Fährmann mir einen Preis nannte, der viel zu hoch war. Schnell reduzierte er einen Preis, doch trotz allem war er noch zu hoch. Ich veranstaltete daraufhin einen lauten „Zickenzirkus“. Da der Fährmann sich nicht erweichen ließ, trug ich mein Fahrrad und das schon abgeladene Gepäck, laut fluchend zurück auf den Steg. Dort angekommen fragte mich ein Polizist, was mein Problem wäre. Ich schilderte dem Beamten das Zinnober über die Preisverhandlung mit dem Fährmann und sagte ihm, was ich bereit wäre zu zahlen. Der Polizist nahm mein Geld und ging damit zum Fährmann, um noch einmal für mich in die Verhandlung zu gehen. Nach langem hin und her, konnte ich kurz vor dem Ablegen der Fähre mit Sack und Pack aufspringen und für einen halbwegs normalen Preis mitfahren. Ich bedankte mich höflich bei dem Polizisten, der durch seine Blicke jedoch den Eindruck machte, als ob er ein Trinkgeld für seinen Einsatz erwartete. Innerlich rollte ich mal wieder mit den Augen, während ich triumphierend die Fähre bestieg. Tofo-Beach ich komme…
Mit der Fähre zur Halbinsel Berra.
Nach circa 20 Minuten erreichte die Fähre die Halbinsel Barra. Von hier aus waren noch circa 20 Kilometer auf dem Rad nach Tofo-Beach zurückzulegen. Eigentlich ein Katzensprung, doch die Strecke wurde unerwartet heftig. In der prallen Nachmittagssonne kurbelte ich triefend steile Hügel hoch und wieder runter und wieder hoch und wieder runter… Es war die reinste Tortur!
Als ich das Dorf Tofo gegen 16:00 Uhr schließlich erreicht hatte, musste ich mein schwer beladenes Fahrrad wieder mühevoll durch tiefen Strandsand und über Berge schieben, um das Hostel das ich mir ausgesucht hatte, zu erreichen. Um so größer war dann jedoch die Enttäuschung, als ich erfuhr, dass im „Kite-Surf-Hostel“ kein Zimmer mehr frei war und auch zelten nicht möglich. Ich suchte nach einer Alternative und entdeckte das „Tofinho Beach House“. Volltreffer! Es lag oberhalb des Meeres und hatte wunderschöne, geschmackvoll eingerichtete Zimmer und Apartments, die mit Palmenblättern gedeckt waren. Ich bekam ein tolles Zimmer zu einem unschlagbaren Schnäppchenpreis.
Fix und fertig war ich also am Tofo-Beach gestrandet. Inzwischen war es schon fast dunkel, doch ich wollte unbedingt noch den Strand sehen. In meinem Zimmer ließ ich deshalb alles stehen und liegen und machte mich zu Fuß auf den Weg ins Dorf. Überall gab es nette Bars, Restaurants, entspannte Leute und chillige Musik. An einem Kiosk kaufte ich mir ein kühles Blondes und blickte damit im rötlichen Restlicht des Tages, über den wundervollen Strand und das Meer.
Ankunft am Tofo-Beach.
Die Tage am Tofo-Beach - 04. bis 07. Juni 2026
Die Tage am Tofo-Beach waren traumhaft schön. Ich genoß die entspannte Strand-Atmosphäre.
Trotz Tourismus ist Tofo noch immer ein kleines Paradies mit dörflicher Atmosphäre und hat sich viel Charme und Persönlichkeit bewahrt. Es gibt es viele nette Bars, Restaurants, Strandhütten und kleine bunte Märkte. Die Stimmung ist eine Mischung aus purem Mosambik gepaart mit chilligen Surfer-Vibes. Neben den traumhaften Stränden, an denen man stundenlang entlang spazieren kann, ist Tofo aber auch eine der besten Tauchstationen in der Welt. Walhaie und Mantarochen sind die Stars der Unterwasserwelt. Tofo-Beach ist definitiv ein verstecktes Juwel an der Südostküste von Mosambik, in dem die Uhr sich ein bisschen langsamer dreht.
In Tofo ließ ich mich einige Tage treiben. Nach dem Frühstück machte ich meist lange Spaziergänge entlang des Meeres und sah am Nachmittag den Wellenreitern im Wasser zu, bevor ich mich am Abend in einer der coolen Bars niederließ, um den Strandtag mit einem kühlen Blonden in der Hand, ausklingen zu lassen.
Podcast mit Heike Pirngruber (alias Pushbikegirl) - 07. Juni 2026
Einige Wochen zuvor bekamen wir Radmiezen von Heike Pirngruber (alias Pushbikegirl) eine Anfrage für einen Podcast. Wir Mädels waren völlig aus dem Häuschen, denn schon seit vielen Jahren folgten wir der Langzeitreisenden durch die Welt. „Die Pushbike“ war für uns ein großes Idol. Heike hatte uns mit ihren Fotos, Filmen und Texten immer extrem inspiriert und nun fragte sie ausgerechnet uns Radmiezen, ob wir nicht Lust hätten einen Podcast mit ihr zu machen. Wir zögerten nicht lange und willigten natürlich ein.
Da Heike mit ihrem Podcast „Rucksack und Curry“ gerade neu gestartet war, fühlten wir uns sehr geehrt sie als Interview-Partnerinnen unterstützen zu dürfen. Nach dem ersten Vorgespräch war klar, dass wir uns prima verstehen. Da Heike sich zu diesem Zeitpunkt jedoch in Polen, ich in Mosambik uns Ilka zu Hause in Berlin befand, war es alles andere als einfach einen geeigneten Termin für das Interview zu finden. Doch als ich Tofo, auf der Halbinsel Barra erreicht hatte, war es endlich soweit. Was wir in dem Interview mit Heike so alles erzählen, könnt ihr ab August überall hören wo es Podcast gibt. :)
Von Tofo nach Maputo - 09. - 13. Juni 2026
Abschied vom Strandparadies Tofo
Schweren Herzens verabschiedete ich mich wieder von einem weiteren traumhaften Strandparadies in Mosambik. Doch es half nichts, ich musste weiter, denn der Ablauf meines Visums saß mir im Nacken und von Tofo-Beach bis Maputo waren über 500 Kilometer auf dem Fahrrad zurückzulegen. Ich trat also mal wieder kräftig in die Pedalen, um die Hauptstadt von Mosambik in fünf Tagesetappen zu erreichen.
Ich befand mich noch auf der Halbinsel Barra, als vor mir plötzlich ein Pick Up hielt und ein weißer Mann mittleren Alters aus dem Wagen stieg, um mir zuzuwinken. Ich ging in die Eisen und parkte mein Fahrrad neugierig hinter seinem Wagen, um zu horchen was er von mir wollte. Der nette Typ stellte sich mir mit dem Namen Christo vor. Christo kam aus Südafrika und fragte mich, ob ich mich nicht an ihn erinnern könnte. Er wäre der Surfer aus dem Hostel.
Langsam dämmerte es mir… Ja natürlich, wir waren uns kurz begegnet und hatten ein paar Worte miteinander gewechselt.
Christo war sehr überrascht, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs war. Euphorisch erzählte er mir, dass auch er ein begeisterter Radreisender ist. Spontan lud Christo mich deshalb in seine Häuser nach Pretoria und Kapstadt in Südafrika ein. Wow! Ich konnte mein Glück mal wieder nicht fassen und war begeistert von so viel großzügiger und spontaner Gastfreundschaft.
Nachdem wir unsere Telefonnummern ausgetauscht hatten, verabschiedeten wir uns voneinander. Während Christo wieder in seinen Wagen stieg, um bei der Stadt Xai Xai Golf zu spielen, stieg ich wieder auf meinen Drahtesel und rüttelte auf der schlechten Straße mit einem breiten Grinsen im Gesicht entlang.
Am Nachmittag des gleichen Tages stoppte vor mir ein Motorradreisender. Auch er winkte mir entgegen und gab mir zu verstehen, dass ich anhalten sollte. Wieder stoppte ich und parkte mein Fahrrad neben der Straße, um mich mit dem Reisenden zu unterhalten. Der Motorradfahrer hieß Manuel und kam aus Mosambik. Mit stolzer Brust erzählte er mir, dass er ganz oben im Norden von Mosambik gestartet war und insgesamt circa 3000 Kilometer durch das Land fahren wollte. Nachdem ich Manuel erzählt hatte das ich in Kenia gestartet war, sah er mich ungläubig an. Daraufhin kramte er die mosambikanische Nationalflagge aus seinem Koffer heraus und setzte sich selbst und mich als Beiwerk, mit Videos und Fotos für Instagram in Szene. Ich spielte das Selfimanie-Spielchen natürlich mit, obwohl ich mich innerlich über diesen Typen, der sich mit schrecklichen Macho-Allüren selbst inzinnierte, nur schlapp lachen konnte.
Schnappschuss mit Influencer Manuel am Straßenrand der N1.
Die Tage nach Maputo hatten es mächtig in sich, denn die Gegend blieb nach wie vor extrem hügelig. Permanent ging es auf und ab. Teilweise waren die Anstiege so steil, dass ich sie nur im kleinsten Gang und im Schneckentempo hinaufklettern konnte. Noch dazu wehte mir ein straffer Wind entgegen.
Kurz nach Sonnenaufgang auf der Piste...
Hier und da gab es auch schon mal selbst gebastelte Straßenschilder.
In Afrika weiß man sich immer zu helfen.
Sehr sympathisch...
An einen der Tage erreichte ich gegen Nachmittag durchgeschwitzt und knülle, die hektische und typisch afrikanische Stadt Xai Xai. In der Stadt war es jedoch so laut und schmutzig, dass ich dort auf keinen Fall übernachten wollte. Doch ich musste dringend Bargeld abheben und einige Lebensmittel einkaufen. Aber wo sollte ich mein Fahrrad und das ganze Gepäck sicher unterstellen? In der prallen Sonne sah ich mich ein wenig um und entdeckte eine Tankstelle mit Shop, vor der zwei Sicherheitsmänner mit Gewehren postiert waren. Perfekt! Ich parkte mein Rad also vor dem Shop und fragte die beiden Männer, ob sie einen Blick auf mein Fahrrad werfen könnten, während ich im Supermarkt einkaufen würde. Die Männer hatten nichts dagegen, ganz im Gegenteil. Im Gegenzug spendierte ich den bewaffneten Jungs auf Wusch je ein Red Bull. Ganz entspannt konnte ich nun sorgenfrei einkaufen gehen.
Auf der circa 500 Kilometer langen Strecke nach Maputo, wurden die Voraussetzungen für Wildcamping wieder schwieriger. In Richtung Hauptstadt nahm die Bevölkerungsdichte zu und zwischen den spärlichen Kokospalmen, fanden sich einfach keine guten Verstecke zum zelten. Ich übernachtete deshalb wieder in diversen Bungalows und Gästehäusern auf der Strecke.
Der klassische Ablauf bei der Ankunft:
Fahrrad rein, Duschen, Moskitonetz aufspannen, Klamotten waschen, Technik laden, Bier... :)
Die letzte Nacht vor der Großstadt Maputo, wollte ich im „Delfa Guest House“ in Manhica übernachten. Nach circa 120 geradelten Kilometern kam ich dort erst spät, erschöpft und kurz vor Sonnenuntergang an. Am Tor des Guesthouses empfing mich eine nette, gemütliche, schwarze Dame. Zu meiner Enttäuschung gab sie mir in Portugiesisch zu verstehen, dass das Guesthouse derzeit geschlossen war.
Da es bereits dunkel wurde erklärte ich der netten Dame, dass es für mich keine andere Möglichkeit mehr gab und fragte deshalb, ob ich auf dem Gelände vielleicht zelten dürfte. Unsicher sah sich die Dame immer wieder nach jemanden um und gab mir zu verstehen, dass ich warten sollte. Auf einem Stuhl im Garten nahm ich Platz und sah der Dame in der Dämmerung beim Backen von Kuchen zu. Während ich mit den Mücken kämpfte, saß die Frau lachend auf dem Boden und rührte den Kuchenteig in einer großen Plastikschüssel. Anstatt eines Rührgerätes benutzte sie eine leere Glasflasche.
Es dauerte nicht lange bis die zwei Männer kamen, auf die die Dame anscheinend gewartet hatte. Aufgeregt schilderte die Frau den beiden kleinen Herren nun mein Problem. Allmählich dämmerte mir, dass alle drei nur Angestellte des Guesthouses waren und nun die Chefin telefonisch kontaktieren mussten um zu fragen, ob ich trotz allem im Guesthouse übernachten durfte. Nach langen hin und her, zeigten mir die Jungs schließlich eines der Zimmer und überreichten mir das Telefon, damit ich den Preis mit der Chefin persönlich aushandeln konnte. Der Preis war völlig überteuert, doch ich willigte ein, damit ich endlich duschen gehen und ins Bett fallen konnte.
Nachdem die Männer noch eine der großen Spinnen im Zimmer für mich um die Ecke gebracht hatten, schloss ich hinter mir die Tür und atmete tief durch. Endlich Feierabend…! Doch was war das? Mit müden Augen sah ich mich noch einmal etwas genauer im Zimmer um. Die Klospülung hatte kein Wasser und der Duschkopf war abgebrochen. Doch noch viel schlimmer: Das Bett war feucht und auf dem Laken krabbelten kleine Tiere. Bhoaaaa… Jetzt war aber auch mal gut! Ich stöhnte laut und genervt vor mich hin. Dann überlegte ich hin und her was ich nun machen sollte, denn auf Bettwanzen hatte ich nun echt keinen Bock! Schlußendlich warf ich die dicke Tagesdecke über das Laken und stellte mein Zelt auf dem Bett auf. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie entspannt die Nacht für mich war...
Mal was anderes: Zelten auf dem Bett...
Schon um 4:30 Uhr am Morgen saß ich wieder auf dem Rad und kurbelte müde im Endspurt nach Maputo. Nur circa 80 Kilometer waren bis zur Hauptstadt noch zurückzulegen. Ein Katzensprung! Bis zum Mittag sollte ich da sein! Dachte ich zumindest…
Nachdem ich mir im Morgengrauen an einer noch geschlossenen Tankstelle einen Kaffee gekocht hatte, kam allmählich kräftiger Wind auf. Er wurde zunehmend stärker und blies mir natürlich auf direktem Weg entgegen. Aus den lockeren 80 Kilometern Endspurt wurde ein harter Radtag. Während sich an diesem herrlich windigen Samstag, vermutlich alle Kite-Surfer und Segler auf dem Wasser tummelten, hatte ich alle Mühe und Not in der Dunst-und Sanderfüllten rosafarbenen Luft voranzukommen. Ich fluchte laut vor mich hin, doch es half nichts. Stück für Stück kurbelte ich mit vielen Pausen und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von maximal 10 Stundenkilometer voran. Trotz allem war ich gut gelaunt und stolz wie Bolle, denn Maputo war auf dieser Reise für mich ein großer Meilenstein. Fast 8000 Kilometer hatte ich seit unserem Start in Kenia bis nach Maputo zurückgelegt.
Als ich schließlich die Costa do Sol, den beliebtesten Strand Maputos erreicht hatte, stürzte ich mich glücklich und jubelnd auf einen der vielen „Sumos-Verkaufsstände“, die frisch gepresste Fruchtsäfte verkauften.
Um den zuckersüßen Saft aus dem Obst zu gewinnen, wurden beispielsweise Zuckerrohr, Ananas, Passionsfrucht, Ingwer, Orangen, Limetten und andere Obstsorten durch die handbetriebenen Saftpressen gejagt. An zwei verschiedenen Ständen schlürfte ich in meinem Übermut von diesen wahnsinnig gut schmeckenden Säften circa eineinhalb Liter, was dann zur Folge hatte, dass ich in Maputo einige Tage im Bett und auf der Toilette verbrachte. Jackpot!
Einfahrt und Siegerehrung an der Costa do Sol in Maputo.
Sumos zur Belohnung! (Die leckeren Säfte waren tödlich!)
Maputo - 13.-17. Juni 2026
Maputo ist die Hauptstadt von Mosambik. Aufgrund ihres portugiesischen Kolonialcharme ist Maputo keine typisch afrikanische Hauptstadt. Die Stadt liegt auf einer Klippe mit Blick über die Bucht und wird auch „The Rio of Africa” genannt!
Tatsächlich erinnerte mich Maputo sehr stark an Rio de Janeiro. Vor allem in den etwas betuchteren, reicheren Vierteln entlang der Küste, hatte ich das Gefühl, durch Ipanema zu laufen. Überall gab es nette Cafés, kleine Supermärkte und Obststände. Selbst der Geruch war vielerorts der gleiche wie in Rio de Janeiro. Die Kluft zwischen Arm und Reich war ähnlich groß, nur mit dem großen Unterschied, dass in Maputo viel weniger Menschen Drogen nahmen.
Maputo ist massiv von sozialen Gegensätzen geprägt. Während die Hauptstadt im Vergleich zu ländlichen Regionen Mosambiks über eine privilegierte Infrastruktur verfügt, lebt ein Großteil der städtischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze und ist täglich von Ernährungsunsicherheit, fehlendem Zugang zu sauberen Wasser und grundlegender medizinischer Versorgung betroffen.
Die Armut war in Maputo wirklich allgegenwärtig. Trotz allem brachten mir die Menschen immer ein freundliches Lächeln, ein „Bon Dia!“, „Boa Tarde“ oder Tudo bem? (Wie geht es Dir?) entgegen wenn ich sie grüßte.
Auf den Straßen Maputos wurde wieder viel günstiges Essen in transparenten Plastikeimern verkauft. In der Regel waren es gekochte Eier, diverses frittiertes Schmalzgebäck, kleine Kuchen und frittierte Kartoffelecken. Doch in den Eimern lagen auch dicke, gebratene Würste in Öl, die dann auf der Straße in ein frisches Baguette mit zwei Scheiben Schmelzkäse gestopft und meist an hungrige, junge Männer verkauft wurden. Nur die Reichen konnten es sich leisten, ein Café oder ein Fast Food-Restaurant zu besuchen. Ich fragte mich häufig, wie die Menschen von dem bisschen leben konnten, das sie auf der Straße verkauften.
Auf den Straßen Maputos wurde auch viel Second-Hand-Kleidung verkauft, die häufig an rostigen Zäunen oder auf schmutzigen Gehwegen präsentiert wurde, auf denen es nach Urin und Fäkalien roch.
Trotz allem war mir die Großstadt Maputo sehr sympathisch und das hatte vor allem mit der freundlichen Mentalität der Menschen zu tun, denn trotz ihres harten Lebens, brachten sie mir immer ein herzliches Lächeln entgegen und dafür hatten sie meinen größten Respekt!
Neue Pläne und krank im Bett - 13.-17. Juni 2026
Am Ende meiner Reise durch Mosambik stand ich vor einem neuen großen Problem:
Wie würde es auf dem Fahrrad für mich weitergehen?
Normalerweise wollte ich erst einmal durch Eswatini (Swasiland) reisen, um von dort aus einen kurzen Abstecher durch Südafrika und in den Kruger Nationalpark zu machen. Dann sollte es weiter durch Botswana gehen.Die große Reise durch Südafrika, stand erst am Ende des Jahres, zusammen mit Elli auf dem Programm, wenn der Frühling auf der Südhalbkugel wieder Einzug hält.
Das große Problem war nun jedoch, dass man für Südafrika zwar ein großzügiges 90 Tage-Visum pro Kalenderjahr bekommt, dieses jedoch weiterläuft, wenn man das Land verlässt.
Kurz gesagt: Wäre ich zum jetzigen Zeitpunkt in Südafrika eingereist, wäre mein Visum am Ende des Jahres abgelaufen und ich würde in diesem Jahr auch kein neues mehr bekommen.
Ein Blick auf die Landkarte sagte: Schachmatt! Mir blieb also nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen und einen teuren Flug von Maputo nach Gaborone (Botswana) zu buchen, um Südafrika zu überfliegen.
Nur zwei Tage vor dem Flug nach Botswana und dem Ablauf meines mosambikanischen Visums wurde ich jedoch krank. In dem Hotelzimmer in Maputo, hangelte ich mich Halbtod und mit Fieber, zwischen Bett und Badezimmer hin und her, um die Toilette anzubrüllen. Doch irgendwie musste ich trotz allem einen Fahrradkarton in der Stadt organisieren und das Fahrrad für den Flug auseinander bauen und verpacken. Zudem natürlich das ganze Gepäck.
Bhoaaa..., ich weiß bis heute nicht wie ich es geschafft habe, doch am Tag des Abflugs war das gesamte Gepäck startklar. Um 4:00 Uhr morgens fuhr ich mit dem Taxi zum Flughafen…
rschönes und freundliches Mosambik, ich komme wieder!!!
Bye, bye du wunderschönes und freundliches Mosambik, ich komme wieder!!!
Und zu guter Letzt:
Toiletten-Geschichten Mosambik
Für alle die schon immer mal wissen wollten, wie die Klos am anderen Ender der Welt aussehen.
Dieses Klo war keine Abrissbude, sondern tatsächlich die Toilette eines
Restaurants die ich benutzen durfte. Ein kleines Highlight! :)
In Afrika kann man eben immer was erleben...